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Fr, 08:34 Uhr
27.01.2012

Fragen beantwortet

Anfang Januar hatte nnz-Leser Wolfgang Reinhardt zwölf Fragen an die beiden Landratskandiaten Birgit Keller (LINKE) und Egon Primas (CDU) gestellt. Keller will die öffentlich beantworten. Antworten gibt es jetzt auch von einem weiteren Kandidaten...


Manuel Thume ist inzwischen von den freien Liberalen im Landkreis Nordhausen als Kandidat für die Landratswahl nominiert worden. Wolfgang Reinhardt hat er in einem Brief dessen zwölf Fragen beantwortet.


Sehr geehrter Herr Reinhardt,
Vor kurzem baten Sie zwei Landratskandidaten um die Beantwortung von 12 Fragen. Auch ich als Landratskandidat der FDP beantworte Ihnen diese Fragen gern – allerdings mache ich dies auch öffentlich:

Zu Frage 1: Die Ursachen bezüglich der finanziellen Verluste unserer Mülldeponie sind in der Tat noch nicht vollständig aufgeklärt. Hier fordere ich schonungslose Aufklärung mit allen Konsequenzen. Eine verlustfreie Betreibung dürfte wohl auch in naher Zukunft nicht so schnell erreicht werden. Durch eine Umstrukturierung unseres Müllwirtschaftsystems kann eine höhere Effizienz erreicht werden.

Zu Frage 2: Zur Personaldiskussion kann ich mich leider nicht äußern, da ich an diesem Prozess nicht beteiligt war. Was den Erhalt unseres Krankenhauses angeht, so kann ich Ihnen versichern, dass ich alles tun werde um eine Privatisierung zu verhindern. Aber ich denke, dieses Problem stellt sich vordergründig vorerst nicht. Schwierig wird die Situation bei einer Zwangsverwaltung des Kreises durch den Freistaat. Wichtig ist es für mich, dass Südharzkrankenhaus als größten Arbeitgeber im Kreis zu erhalten und eine sehr gute medizinische Versorgung der Menschen sicher zustellen. Im Hinblick auf den deutschlandweit gegebenen Mangel an Ärzten ist es bedeutsam für mich, dass unser Südharzkrankenhaus ein attraktiver Arbeitgeber ist.

Zu Frage 3: Die Qualifikation von Menschen kann man nicht in Prozenten angeben. Jedes Aufsichtsratsmitglied muss im Vorfeld wissen, ob er dieser Aufgabe gerecht wird. Ich selbst habe keinerlei Einfluss auf die Besetzung dieser Posten gehabt. Die Entscheidung hierzu trifft der Kreistag bzw. Stadtrat und für deren Vertretung die Arbeitnehmer.

Zu Frage 4: Bei fast 38 Millionen Euro Schulden ist unmöglich, ein Sanierungskonzept aus dem Hut zu zaubern. Fakt ist jedoch, dass wir kurz vor einer „Insolvenz“ stehen. Wir können einerseits die Bürger nicht mit noch mehr bzw. noch höheren Abgaben, Steuern und Gebühren belasten. Das ist mit mir nicht zu machen. Die Ausgabenseite lässt auch nicht mehr allzu viel Spielraum vermuten. Aber es gibt einige Möglichkeiten – so z. B. die Herabsetzung der Besoldungsgruppen der Verwaltungsspitze oder auch die Einsparung eines hauptamtlichen Beigeordneten. Unter Umständen sogar beider hauptamtlicher Beigeordneter.

Weiterhin würde eine effizientere Verwaltungsstruktur zu Kostensenkungen führen. Hier sollte ein Qualitätsmanagement eingeführt werden. Außerdem gehe ich davon aus, dass bei interner Sicht auf die Dinge sich noch einiges Sparpotential ergibt. Auch bei der Kooperation der Kommunen untereinander gäbe es einiges Einsparpotential (z. B. Rettungsleitstelle für Nordthüringen).

Wichtigster Aspekt ist jedoch die Ansiedlung neuer Firmen. Durch die Steuermehreinnahmen würden wir einige Probleme lösen können. Dazu ist aber eine aktive Wirtschaftsförderung notwendig – nicht in Form eines Amtes, sondern als GmbH, welche sich sowohl um die Stadt, als auch um den Landkreis kümmert.

Ich kann nicht versprechen, dass ich alles erhalten kann. Ich kann nur versprechen dass ich alles tue um die finanzielle Situation zu verbessern. Es wird bei mir weder bei den Einnahmen, noch bei den Ausgaben Tabus geben.

Zu Frage 5: Das Nordhäuser Theater ist unser wichtigster weicher Standortvorteil. Es muss erhalten bleiben – und das über die nächsten 4 Jahre hinaus. Leider ist das Theater aber ein Zuschussbetrieb der sich nicht selber tragen kann und in absehbarer Zeit tragen wird.

Zu Frage 6: Hier muss ich auf die vorhergehende Frage verweisen – es ist im Grundsatz der gleiche Sachverhalt. Aber es sei noch angemerkt: Sport ist wichtig für Gesundheit und Lebensqualität.

Zu Frage 7: Ich war schon immer ein Befürworter des Industriegebietes in der Goldenen Aue und werde es auch bleiben. Wichtig ist nur, dass wir es auch mit Unternehmen füllen. Zu viel Zeit ist schon verloren gegangen – Zeit, die unserer Region viel Geld und Arbeitsplätze gekostet hat. Um es mit Leben zu erfüllen, brauchen wir die aktive und gezielte Anwerbung von Unternehmen. Hierzu verweise ich nochmals auf die effektive Wirtschaftsförderung.

Zu Frage 8: Wie wir wissen, ist unser finanzieller Spielraum mehr als begrenzt. Daher sollte der Leasingvertrag für das Gebäude des Landratsamtes geprüft werden. Der Landkreis verfügt über ausreichend eigene Immobilien, welche teilweise nicht ausgelastet sind oder gar nicht genutzt werden.

Zu Frage 9: Kostenfreie Schulspeisung für alle Schüler ist mehr als wünschenswert. Dennoch ist aufgrund der finanziellen Lage unseres Landkreises ein derartiges Vorhaben nicht realisierbar. Selbst bei Absenkung der Landrats-Besoldung und Einsparung eines hauptamtlichen Beigeordneten würde das Geld dafür nicht reichen. Was wir allerdings schultern könnten und auch forcieren sollten, wäre das Schulobstprogramm. Dieses ist in den Schulen der Stadt Nordhausen sehr gut aufgenommen worden und trägt auch stark zu einem verbesserten Bewusstsein über gesunde Ernährung bei.

Zu Frage 10: Eine gemeinsame Schulverwaltung würde genau meinem Verständnis von effektiver Verwaltungsarbeit entsprechen. So könnten sich Stadt und Landkreis Nordhausen darauf verständigen, die jeweiligen Aufgaben durch den anderen vollständig erfüllen zu lassen. Nehmen wir das Beispiel Schulverwaltung: Die Stadt Nordhausen übernimmt die Schulverwaltung aller Schulen im Landkreis. Dafür übernimmt der Landkreis die alleinige Zuständigkeit im Bereich Bauamt. Dies ist nur ein Beispiel. Aber prinzipiell gilt: Eine Schulverwaltung für alle Schulen muss im Interesse einer zukunftsorientierten Bildungspolitik geschaffen werden!

Zu Frage 11: Alle Zahlen müssen transparent sein, denn nur wer die Zahlen kennt, kann sich mit den Problemen auch auseinandersetzen. Da der Landkreis nicht mehr für die ArGe zuständig ist (da dies ja nun das Jobcenter ist), dürfte der Landkreis bzw. die 2. Beigeordnete kaum Einfluss auf die Arbeitslosenzahlen haben. Abgesehen davon erübrigt sich übrigens die Notwendigkeit dieser Beigeordneten, da die ArGe ja nicht mehr existiert.

Was den Bereich der Ein-Euro-Jobs angeht, so ist dieser Anteil ja schon massiv zurück gegangen. Allerdings sind derartige „Arbeitsförderungsmaßnahmen“ prinzipiell schädlich für die mittelständische Wirtschaft und vernichten Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ihre Daseinsberechtigung stand für mich von Anbeginn in Frage.

Zu Frage 12: Das eine Kreisgebietsreform kommen wird, steht außer Frage. Die Frage ist nur, wie sie gestaltet wird. Meiner Meinung nach sollte sie nicht von oben diktiert werden, sondern muss von unten wachsen. Ein willkürlicher Zusammenschluss würde nichts bringen – ebenso wenig wie Großkreise. Wir müssen als Landkreis für eine Gebietsreform gut aufgestellt sein, müssen also auch unsere (finanziellen) Hausaufgaben machen. Eine weitere Eingemeindungsflut zur Stadt Nordhausen wird es mit mir nicht geben! Das wird auch nicht dem Interesse der Stadt entsprechen, da nicht die Größe entscheidend ist, sondern vor allem auch der Nutzer derartiger Gebilde.
Autor: nnz

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Kommentare
Herr Taft
27.01.2012, 10:16 Uhr
auf geht's, Herr Thume
Ich hoffe, das Ihr Elan nicht in den tausenden Kompromissen untergeht, die Ihnen von den anderen Fraktionen aufgedrängt werden werden. Sie sind auf einem guten Weg. Es wäre ein Paukenschlag, einen FDP - Landrat zu haben.

Es ist der Mittelstand, der dieses Land groß gemacht hat und der auch diesen Landkreis stark machen kann. Die Wirtschaft im Allgemeinen - und der Mittelstand im Besonderen - erfahren zuviel Gegenwind durch eine gewisse Gießkannenmentalität. Es ist schon lange nicht mehr die Leistungsbereitschaft, die gefördert wird.
NDHler
27.01.2012, 10:24 Uhr
Gute und ehrliche Antworten!
Kann man mal alle Fragen und Antworten nebeneinander stellen?
Retupmoc
27.01.2012, 10:59 Uhr
Schonungslos beantwortet
Da werden ein paar Fragen beantwortet und schon ist man LR ? Billiger geht Wahlkampf kaum noch. Und das soll noch 3 Monate so gehen? HILFE!

Zu den gegebenen Antworten hätte ich dann schon wieder Fragen:


Zu Antwort 1 : Was konkret hat die FDP - Fraktion uns Herr Thume persönlich gegen dieses Chaos Nentzelsrode unternommen? Bisher hatte ich nämlich nichts dergleichen gehört, bevor es zum Wahlkampfthema wurde.

Zu Antworten 5/6 : Welcher normal denkende Mensch würde sich gegen Theater und Sportförderungen stellen? Das wäre das sofortige politische Aus für diesen Kandidaten. Also meine Frage: Wie hat sich die FDP (der Kandadat) bisher für Kultur - und Sportförderung engagiert?

Zu Antwort 7: Wieso begannen die Bauarbeiten im Industriegebiet obwohl erst ein Bruchteil der ehemaligen Eigentümer entschädigt wurden. Setzt sich die FDP (der Kandidat) für diese Menschen ein? Wie ?

Zu Antwort 11: Vermisse ich die klare Aussage, das die Zahlen getürkt sind. Wenn das so weiter geht wird man noch Arbeitslose importieren müssen, damit man wieder welche hat. Und was hat die FDP ( der Kandidat ) bisher gegen die 1-Euro-Sklaven-Jobs getan? Wieso gibt es im LK Nordhausen keinen Mindestlohn? Vielleicht weil es nicht gut für die Lobby ist ?

Zu Antwort 12: Natürlich wird es einen Beschluß von oben geben. Und den kann keiner verhindern. Das weiß ja nun jeder Spatz auf dem Dach.
Nörgler
27.01.2012, 11:02 Uhr
Getürkt
An rwe: Wo und wie sind die Zahlen getürkt. Behaupten kann das jeder. Bitte konkrete Beweise und faktischen Gegenüberstellungen. Behaupten kann jeder.
NDHler
27.01.2012, 11:20 Uhr
RWE62 wird Landrat und Oberbürgermeister
Wer hat denn Herrn Thume gewählt rwe62? Wenn Sie ihn schon als LR betitelnd sollten Sie ihm dann nicht vorher wenigstens zur Wahl gratulieren! Warum treten Sie eigentlich nicht zu eine der anstehenden Wahlen an oder besser, Sie übernehmen beide Ämter in Personalunion. Das wäre doch die perfekte Lösung, immerhin haben Sie zu fast jedem Thema die passende Antwort parat! Das finde ich schon sehr beeindruckend! Herr Thume hat sich den Fragen gestellt (ungefragt) und das ist für mich schon lobenswert. LR ist er deshalb noch lange nicht, obwohl er schwache Gegenkandidaten hat.
Retupmoc
27.01.2012, 11:20 Uhr
@ Nörgler
Jeder normale Mensch in diesem Land weiß, das die Zahlen der BA ohne bestimmte Gruppen bekannt gegeben werden. So fallen zum Beispiel Menschen über 58, die ein halbes Jahr H4 beziehen, Menschen, die bei privaten Arbeitsvermittlern sind oder auch einfach wenn Sie nur einen Krankenschein wegen Husten haben aus der Statistik. Das wäre ungefähr so, als wenn der ADAC die Anzahl der in Deutschland zugelassenen Autos angibt und damit es nicht so eine hohe Zahl wird, dann alle Opels und Mazdas einfach mal weglässt.

Ich erwarte - und das gilt für alle anderen Kandidaten der Parteien auch - von einem Volksvertreter, das er dieses Wischiwaschi - Kram von FRau Leyen und der BA nicht so übernimmt, sondern eine klare , ehrliche Aussage dazu tätigt.

PS: Die richtigen Zahlen können auch Sie lieber Nörgler gern zeitnah auf der Homepage der LINKEN nachlesen. Zumindest die ermöglichen dem geneigten Leser eine andere Sichtweise. Und die NNZ ja auch, denn wenn ich mich recht erinnere, werden die richtigen Werte ja hier auch veröffentlicht.
matze99734
27.01.2012, 11:33 Uhr
@rwe62
da du ja gesschrieben hattest, dass du eh nicht wählen gehst, frage ich mich warum du so selten d.... fragen stellst. du haust immer zu nur auf den putz, aber ohne jegliche substanz. du wirfst mit behauptungen um dich, die jeglicher grundlage entbehren und teilweise schon im strafrechtlichen bereich der verleumdung anzusiedeln sind.

ich hoffe, dass sich keiner der kandidaten dazu genötigt fühlt, deine fragen zu beantworten. ich würde es jedenfalls nicht tun.

ansonsten: danke herr thume, für die klaren aussagen.
Herr Taft
27.01.2012, 11:47 Uhr
@nörgler: getürkte Zahlen...
rwe62 meint seinen typischen Äpfel-Birnen-Vergleich. Die selben Argumente bringt er jeden Monat. Sie werden jeden Monat widerlegt. Er versteht einfach nicht, dass es verschiedene Zahlen gibt die veröffentlicht werden.
H.Buntfuß
27.01.2012, 14:32 Uhr
Herr Thume
In Ihren elften Antwort ist ihnen eine Fehler unterlaufen. Sie schreiben: Da der Landkreis nicht mehr für die ArGe zuständig ist (da dies ja nun das Jobcenter ist)

das stimmt so nicht ganz, der Kreistag bestimmt immer noch, wie hoch die Kosten für Unterkunft und Heizung sein dürfen. Darauf hat das JC keinen Einfluss.

So gesehen hat die 2. Beigeordnete schon etwas mit dem JC zu tun.
Eckenblitz
27.01.2012, 17:52 Uhr
Peinlich
Es ist schon peinlich, wenn ein Landratskandidat nicht über die Aufgaben des Kreises Bescheid weiß.

Hier ist zu raten sich vorher besser zu informieren, bevor man etwas sagt oder schreibt. Nur zu schnell heißt es, wieder einer der nur etwas sagen will, aber nicht weiß worum es eigentlich geht.

Aber da ist ja Herr Thume in der Politik gut aufgehoben.
Peppone
27.01.2012, 20:17 Uhr
Thume war schneller als Keller!
Auch nicht schlecht, hat der Herr Thume der öffentlichen Frau Keller doch glatt die Show geklaut! Ob das so im Sinn des Fragestellers Herrn Reinhardt war? Na mal sehen, wie er sich dazu äußert und ob ihm die Antworten Herrn Thumes gefallen.

Unabhängig davon, mir haben Herrn Thumes Antworten sehr gut gefallen. Der potenzielle neue Nordhäuser OB-Stadtfürst wird zwar hier und da Probleme mit Herrn Thumes Ideen haben und die Hälfte vom Kreistag müsste wahrscheinlich bei Abstimmungen ausgesperrt werden, aber eines ist Fakt: Der Herr Thume hat recht!

Schade nur, dass CDU-Rentner und SPD'ler immer nur Parteitagskandidaten wählen. Würden die mal vernünftig wählen, hätte Herr Thume ne reale Chance!

Mein Kreuz gibts, Hubertus
Manuel Thume
28.01.2012, 09:08 Uhr
@Werner
Lieber Werner,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt ist mir durchaus bewusst - schon allein aus beruflichen Gründen habe ich tagtäglich mit der KdU-Richtlinie zu tun. Am Rande sei mir die Anmerkung gestattet, dass die derzeitige KdU-Richtlinie nicht den realen Erfordernissen entspricht und zwangsläufig zu einer Ghettoisierung führt.

Dennoch ist die Zuständigkeit der 2. Beigeordneten hierfür kein Grund an der Beibehaltung eines solchen Postens festzuhalten. Das Geld wird anderweitig dringender gebraucht und wäre auch sinnvoller investiert.

Dennoch nochmals recht herzlichen Dank für das aufmerksame Lesen meiner Antworten :-)
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