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Mo, 06:29 Uhr
16.01.2012

nnz/kn-Forum: Nichts gelernt von der Titanic?

Es sind große Namen, mit denen sich die Luxusliner von jeher schmücken und um Passagiere buhlen: Titanic und Costa Concordia zum Beispiel. Oder vielleicht "Traumschiff" und "Estonia"? - Und, um zu den Flugzeugen zu schauen: "Dreamliner". Zu dem Unglück vor Italien eine Lesermeinung...


Höher werden die Schiffe und Flugzeuge, luxuriöser, vielleicht schneller und größer. Das gerade Erreichte und bewährte ist nie gut genug und Gefahren werden verdrängt oder als minimal beschönigt. Entscheidend ist es vielmehr, Kunden zu gewinnen, Wettbewerbe zu gewinnen, Gewinn zu machen.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" beschreibt in seiner Online-Ausgabe vom 15.1. den enormen Druck, unter dem die Kapitäne der Kreuzfahrtschiffe stehen: Sinngemäß sagt ein Nautik-Experte, viele Passagiere kämen nur wegen des Kapitäns an Bord - aber nur, wenn dieser für sehenswerte Manöver sorgt - am besten so dicht an den Küsten, wie irgend möglich. Zugleich benennt er den auf die Experten lastenden Druck als Problem, auf jene also, die entscheiden müssen, ob ein noch größerer Luxusliner überhaupt zugelassen wird.

Immerhin benennt der Fachmann in "Der Spiegel" auch die Tatsache, dass es bei Musikdampfern mit Tausenden verwöhnten Urlaubern im Katastrophenfall schwer sei, alles im Griff zu behalten. Nur: Wird dies den Passagieren vor Fahrtantritt auch so gesagt? Wohl eher nicht.

Sie vertrauen heute ebenso auf die funktionierende Technik, auf das Vernögen der Besatzung und auf die Verheißungen der Werbestrategen, wie zu Zeiten der Titanic, welche ja bekanntlich als "unsinkbar" klassifiziert wurde. Vor fast genau 100 Jahren aber ertranken weit mehr als 1.000 Menschen in den eisberggekühlten Fluten des Atlantik. Die Kapelle soll angeblich bis zu letzt gespielt haben. Unbeirrt wie die trotz Eisbergwarnung auf voller Kraft laufenden Schiffsmotoren. Was für Gegensätze, was für ein Galgenhumor und was für ein schauriger Bezug zu unserer Gegenwart.

Kaum jemand stellte damals das "Schneller, Höher, Größer und Weiter" in Frage. Und wie ist dies heute? Nein, wir haben nichts gelernt aus den Katastrophen. Ja wir wissen im Detail noch nicht einmal genau, wie sich unsere zweifelhafte Lebens-Philosophie im Verein mit dem Verdrängen von Tatsachen auf unsere Zukunft auswirkt. Weder im Kleinen, wie z.B. bei einer Kreuzfahrt, noch im Großen, wie z.B. beim Klimawandel. Das angesehene Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat den Kopf seines News-Ordners denkwürdigerweise mit den einleitenden Sätzen jenes Telegramms ausgestattet, das der Welt am 16. April 1912 von Philadelphia aus den Untergang der Titanic verkündete.

Welch interessante Verknüpfung einer Schifffahrtskatastrophe mit jener Katastrophe, die uns allen droht: Die letzte Fahrt der Titanic sollte ein Event der Extraklasse sein, jener der Costa Concordia auch. Und unsere gesamte Gesellschaft jagt von einem Event zum nächsten. Oder vielleicht doch von einem Eisberg zum anderen? Und das Ganze immer schneller und bunter. So bunt und erschütternd, wie die Hollywood-Schnulze "Titanic" zum Beispiel. Auch nur ein Event?
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

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Kommentare
bseplus
16.01.2012, 17:08 Uhr
Des Menschen Überheblichkeit
Eine solche Katastrophe ist immer tragisch, doch zum Glück in ihrer Häufigkeit eher selten. Wenn es dann einmal wie hier passiert, dann wird über die fehlende Organisation im Fall der Fälle hergezogen. Weder Kapitän noch Mannschaft seien der Lage gewachsen zu sein.

Wer schon einmal mit einem Flugzeug geflogen ist, der wird sich vielleicht gewundert haben, mit welcher Ignoranz und Überheblichkeit manche Zeitgenossen mit dem Punkt "Sicherheitshinweise" umgehen. Zuhören geht dann gar nicht, lieber blättere ich in meinen Finanzblättern oder schaue fern.

Wenn es dann doch passiert, hat man nicht mehr wirklich viel Zeit für das Studium der Rettungshinweise. Wahrscheinlich werden diese Menschen dann sogar zum Hindernis für andere Menschen oder bringen zumindest einen geordneten Ablauf durcheinander.

Ob das einigen Reisenden auf dem Kreuzfahrtschiff auch so gegangen ist?
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