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Mo, 13:45 Uhr
25.07.2011

"Den Harz näher bringen"

Der Regionalverband Harz e.V. stellte heute Mittag neue Faltblätter zum „Geopark Harz. Braunschweiger Land.Ostfalen.“ vor. Als eine von bisher 18 Landmarken, besitzt die Region „Kohnstein – Thüringer Südharzrand“ nun auch eine eigene Broschüre über die Besonderheiten des Südharzes.

Die Harzregion lebt vom Engagement ihrer Einwohner. Bestes Beispiel ist der „Geopark Harz. Braunschweiger Land.Ostfalen.“. Hinter diesem Projekt steht ein Netzwerk aus 130 Fördermitgliedern, den Harzer Kommunen und dem Regionalverband Harz e.V.

Heute Mittag wurden 18 überarbeitete Faltblätter vorgestellt, die über die einzelnen Landmarken des Projektes aufklären. Auch Landmarke 7, der Kohnstein und der Thüringer Südharzrand, verfügen damit über ein umfassendes Informationsangebot, welches Gästen das Gebiet des Südharzes näher bringen soll.

Christiane Linke vom Regionalverband Harz freute sich bei der Vorstellung besonders über die drei neuen Fördermitglieder. Die Pension „Rüdigsdorfer Schweiz“ in Rüdigsdorf, das Ferienhotel „Wolfsmühle“ in Rodishain und das Parkhotel Sülzhayn beteiligen sich an der Erhaltung der Region und versuchen den Bekanntheitsgrad zu vergrößern.

Präsentation Faltblatt Geopark (Foto: Tobias Wendehost) Präsentation Faltblatt Geopark (Foto: Tobias Wendehost)

Bei der Präsentation des neuen Faltblattes: Joachim Claus, Christiane Linke, Annette Forst und Doris Hempel (von links)

„Ich fand die Idee gleich sehr ansprechend und hab mich daher von Christiane Linke als Fördermitglied eintragen lassen“, begründete Annette Forst, Betreiberin der „Rüdigsdorfer Schweiz“, ihre Beteiligung am Geopark. Und auch Doris Hempel, Eigentümerin der „Wolfsmühle“, ließ sich nicht lange bitten. „Mit dem Geopark und den hier vorgestellten Faltblättern bieten wir unseren Gästen eine interessante Möglichkeit, die Region zu erkunden und den Bekanntheitsgrad zu erweitern.“

Alles begann im Jahr 2002 mit der Idee ein umfassendes Konzept für einen Geopark auf die Beine zu stellen, das die Besonderheiten der beteiligten Gebiete in den Mittelpunkt rückt. Gesagt, getan. Der Harz und die angrenzenden Gebiete wurden in Landmarken aufgeteilt, von deren Charme sich Gäste aus aller Welt überzeugen können. Dabei wird das Projekt ständig erweitert und soll am Ende 24 Landmarken umfassen.

„Der Erfolg des Geoparks ist beachtlicht. Wir haben bis heute 2,1 Millionen Faltblätter gedruckt, in denen über die einzelnen Landmarken aufgeklärt wird“, so Landrat Joachim Claus bei der Präsentation der überarbeiteten Broschüren. Bemerkenswert ist auch die internationale Resonanz auf das Infomaterial. „Die Website des 2005 ins globale Netzwerk der UNESCO aufgenommenen Geoparks, wird mittlerweile auch in den USA, den Niederlanden, Frankreich, Dänemark und Polen angeklickt.“

130 Fördermitglieder finanzieren das Projekt mit mindestens 200 Euro und sorgen für die Verbreitung der Broschüren. Darin werden einzelne Sehenswürdigkeiten vorgestellt, die als besonderes Ausflugsziel für Touristen angedacht sind. Für den Südharz sind das u.a. der Kohnstein, der Buchholzer Erdfall oder die Kelle bei Werna.

Der Kohnstein war von Anfang an als Landmarke gedacht. „Es geht bei den Faltblättern darum, die Gästen umfassend aufzuklären. Der Kohnstein wird zwar für den Abbau von Gips genutzt. Doch soll eben auch der Eingriff des Menschen in die Natur thematisiert werden,“ begründet Joachim Claus die Wahl. Schließlich ist der Südharz auch Kulturlandschaft und über diesen Weg kann die Renaturierung des Gebietes thematisiert werden.

Wer mehr über die einzelnen Landmarken wissen möchte, findet die Faltblätter bei der Nordhäuser Touristeninformation und den beteiligten Fördermitgliedern. Für weitergehend Informationen einfach auf die Website des Projektes klicken.
Autor: tw

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
26.07.2011, 01:10 Uhr
Kohnstein als Kulturlandschaft? - Ein Witz des Landrats!
Der Beitrag bringt in besonderer Weise die Widersprüchlichkeit der Bemühungen um unseren Schatz "Südharzer Karstlandschaft" zum Ausruck. Es ist sehr zu begrüßen, dass sich mehrere wichtige gastronomische Institutionen von Stadt und Kreis in das Konzept Geopark einbringen und sich damit für die im Beitrag angesprochene "Erhaltung der Region" aussprechen.

Zugleich wird mit der angesprochenen weltweiten Aufmerksamkeit für den Geopark den Verantwortlichen, von Landrat Joachim Claus bis hin zur Landesregierung hoffentlich vor Augen geführt, dass unsere über Jahrmillionen gewachsene Landschaft nicht Profitinteressen weniger Jahrzehnte geopfert werden darf.

Mit großem Nachdruck wende ich mich gegen die Äußerung des Landrats, der den Kohnstein sinngemäß als Beispiel für die Renaturierung von Gipssteinrüchen erwähnt. Zwar wird der Grundgesanke seiner Äußerung hier nicht ganz deutlich, aber ich hätte mir schon eine Äußerung gewünscht, aus der hervorgeht, dass die heutigen Riesen-Steinbrüche Zerstörungen darstellen, die der weltweiten Bedeutung unseres Geoparks zuwiderlaufen. Karsterscheinungen entwickeln sich über Jahrtausende, Steinbrüche über ein paar Jahre. Das ist NICHT auszugleichen und nicht zu renaturieren, sehr geehrter Herr Landrat!

Den Kohnstein als Landschaftsmarke in das Konzept des Geoparks aufzunehmen ist nur dann sinnvoll, wenn man an seinem Beispiel zeigt, was durch den Gipsabbau unwiederbringlich verloren gegangen und durch keine Renaturierung der Welt auszugleich ist! Die Verantwortlichen müssen verstehen, dass Gipsabbau einerseits und Geopark, Naturpark und Naturschutz, sanfter Touriusmus usw. andererseits unvereinbar sind.

Ich schicke dem Landrat gern eine Liste mit jenen Arten, die der Abbau am Kohnstein auf dem Gewissen hat. Auch eine Postkarte von 1908 mit intaktem Kohnstein kann ich ihm zeigen.

Ich hoffe, er nutzt seine verbleibende Amtszeit für eindeutigere Aussagen, als er sie hier offenbar getroffen hat.
Hierbei kann er sich an unserer Ministerpräsidentin und seiner Parteifreundin Lieberknecht orientieren: "Wir wollen keinen Gipsabbau", sagte sie bei ihrem jüngsten Besuch im Landkreis.
Zugleich, sehr geehrter Landrat, hat der Kohnstein mit dem Begriff einer Kulturlandschaft, so wie er allgemein gebraucht wird, nichts zu tun. Unsere Kulturlandschaft hat sich über Jahrhunderte organisch entwickelt, durch das Nebeneinander von Menschen, dessen schonender landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher und auch sehr kleinflächiger bergbaulicher Nutzung. Der Kohnstein aber ist eine Zerstörung, der mit dem Begriff "Kultur" nun wirklich nicht in Zusammenhang gebracht werden sollte. Mit solchen Äußerung bereitet der Landrat den Boden für die Interessen der Gipsindustrie und versucht unvereinbare Widersprüche miteinander in Einklang zu bringen!

Díe neuen Unterstützer des Geoparks, die ich kenne und mit ihrem Engagement für unsere Region hoch schätze leben vom Tourismus und damit von der Schönheit und Eigenart unserer Region. Von daher würde ich mich freuen, wenn Sie dem Landrat und allen anderen Verantwortlichen sagen, dass Kohnstein, Knauf, Ellricher Gipswerk & Co ihren eigenen Interessen zuwiderlaufen.
"Kohnstein als Kulturlandschaft" und "Erhaltung unserer Region", beides Gedanken in dem obigen Beitrag, sind Widersprüche in sich!
Beobachter70
26.07.2011, 22:31 Uhr
zwei Dinge durcheinander geworfen
Mit der Einschätzung des Kommentators B. Schwarzberg, was Herr Claus mit seinen Aussagen in diesem Artikel zum Ausdruck bringen wollte, könnte er sehr daneben liegen. Es ging aus meiner Sicht lediglich um das mediale Unterstützen einer Maßnahme, welche die touristische Vermarktung unserer Region weiter befördern soll.

Herr Schwarzberg erregt sich über die parallele Verwendung des Kohnsteins als einerseits wirtschaftlich ausgebeutete Rohstoffquelle und andererseits als Landmarke, die als geografischer Ausgangspunkt für weitere Erkundungen unserer Region dienen soll. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Der Artikel beschäftigt sich aber vordergründig mit dem touristischen Aspekt. Drei Dinge will ich daher erwidern:

1.)

Das den Verantwortlichen die Zusammenhänge zwischen Bergbau und Auswirkungen auf die Umwelt klar sind und das politisch keine Ausweitung der Förderung gewollt ist, habe ich aus entsprechenden Presseartikeln, verstreut über viele Jahre, entnommen. Weder Stadt-, noch Kreisverwaltung unterstützen m. W. aktiv anhängige Genehmigungsverfahren der Gipsindustrie zur Ausweitung des Abbaus (z.B. in der Rüdigsdorfer Schweiz) und Frau Lieberknecht zitierte Herr Schwarzberg in seinem Kommentar bereits selber. Im vorletzten Abschnitt des Artikel sagt Herr Claus doch eindeutig, dass "... eben auch der Eingriff des Menschen in die Natur thematisiert werden..." soll. Dem Landrat unterschwellig Stimmungsmache zum Vorteil der Gipsindustrie zu unterstellen, sehe ich daher als falsch an.

2.)

Die sichtbaren Auswirkungen des Rohstoffabbaus am Kohnstein sind in der Tat hässliche Schandflecke in der Natur. Die Darstellung als eine ausgemachte "Katastrophe" ist aber übertrieben. Auch wenn dieses Wort in Herrn Schwarzbergs Kommentar so nicht direkt verwendet wird, wollte er m. M. n. so etwas in der Art ausdrücken. Es gibt Technologien und Verfahren, Umweltzerstörungen durch Rohstoffgewinnung zumindest zu mildern, wenn nicht sogar ganz zu beheben. Aus Bergbau-Abraumhalden werden grüne Hügel, aus Baggerseen Badeteiche und Braunkohletagebaue wieder baumbestandene Areale. Der Wunsch, den Ausgangszustand von oberirdischen Steinbrüchen nach Beendigung der wirtschaftlichen Nutzung 1:1 wieder hergestellt zu sehen, ist aber aus naheliegenden Gründen illusorisch. Da müssen andere Lösungen her. So gesehen wird das Vorzeigen eines Kohnstein-Bildes von 1908 Herrn Claus vielleicht traurig stimmen, aber nichts weiter bewirken können. Irgendwo las ich mal, das die abbauende Unternehmen sich auch zu Renaturierungsmaßnahmen vertraglich verpflichten müssen. Wo liegt das Problem, wenn Herr Claus auf Bemühungen in dieser Richtung oder sogar vorzeigbare und prüfbare Erfolge verweist?

3.)

Den letzten Satz in Herrn Schwarzbergs Kommentar ""Kohnstein als Kulturlandschaft" und "Erhaltung unserer Region", beides Gedanken in dem obigen Beitrag, sind Widersprüche in sich!" kann ich nicht nachvollziehen. Will Herr Schwarzberg behaupten, dass Bergbau kulturell nicht zu unserer Region gehört? Kommt er eventuell auf diese Idee, weil am Kohnstein oberirdisch und mit weithin sichtbaren Auswirkungen abgebaut wird, während der ganze Harz seit Jahrhunderten durch nicht sichtbaren unterirdischen Bergbau löchrig ist wie ein Schweizer Käse? In der Tat sieht eine wiederbegrünte Abraumhalde augenfreundlicher aus, als die wie abgebissen wirkende Steilwand bei Niedersachswerfen. An der Tatsache ändert es aber nichts, dass Bergbau seit langem zur Kultur unserer Region gehört. Das zu verneinen wäre Traumtänzerei, Herr Schwarzberg. Der Wille der politischen Entscheider zur Erhaltung des Vorhandenen, der Verhinderung unheilbarer Zertörungen und zur Renaturierung sind in Punkt 2.) dargelegt. Ich sehe da keinen Widerspruch.

In der parallelen Verwendung des Kohnsteins als touristischen Ausgangspunkt zu weiteren Entdeckungstouren in die Umgebung und als Mahnmal gegen sichtbare Auswirkungen von Bergbau in schützenswerten Landschaften kann ich somit nichts Negatives finden und etwas anderes lese ich aus dem Artikel auch nicht heraus. So bedauerlich die Auswirkungen des Bergbaus in unserer unmittelbaren Umgebung auch sind, deren Ursprünge übrigends schon Jahrzehnte zurückliegen, egal ob Kalibergbau in Sondershausen, Bleicherode und Sollstedt oder eben Gipsabbau bei uns, so wollen wir doch nicht vergessen, dass die notwendigen Abbaugenehmigungen im Rahmen gültiger Gesetze erteilt wurden und vielen Menschen der Region Lohn und Brot gaben und noch immer geben.
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