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So, 08:41 Uhr
24.07.2011

nnz-Forum: Opfer des Gipsabbaus

In einer Wortmeldung vor einigen Tagen wies ich auf mehrere Pflanzenarten hin, die dem Gipsabbau im Landkreis Nordhausen während der vergangenen 50 Jahre zum Opfer fielen oder die nur gerettet werden konnten, weil sich Berufs- oder Freizeit-Botaniker um deren Erhaltung bemühten. Eine jener bemerkenswerten Arten möchte ich heute kurz vorstellen...


Zugleich soll dieser Beitrag dazu dienen, den Widerspruch zwischen dem Bestreben aufzuzeigen, unsere einzigartige, Millionen Jahre alte Karstlandschaft zu erhalten und diese andererseits innerhalb weniger Jahrzehnte durch Bergbau zu zerstören.

Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg) Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg)

Das Gips-Fettkraut (Pinguicula gypsophila WALLROTH) wird als Varietät bzw. Rasse des Gemeinen Fettkrauts (Pinguicula vulgaris L.) angesehen und kommt weltweit nur an den Gipshügeln des Landkreises Nordhausen vor. Die so genannte fleischfressende Pflanze ist in der Lage, auf ihren klebrigen Blättern kleine Insekten festzuhalten und zu verdauen. Dieses „Zubrot“ benötigt sie, weil sie auf extrem nährstoffarmen Gipsfelsen wächst, aus denen sie mit Hilfe ihrer Wurzeln nicht genügend Nährstoffe aufnehmen kann, um zu überleben.

Weil das Gips-Fettkraut ganz spezielle Ansprüche stellt, war es schon vor Einsetzen des großflächigen Gipsabbaus extrem selten. Weltweit gab es ganze vier sichere Standorte, so am Hagenberg bei Woffleben, am Sachsenstein bei Walkenried, am Alten Stolberg und am Kohnstein. Der Standort bei Walkenried verschwand aus nicht geklärten Gründen. Die Standorte am Hagenberg (heute Steinbruch des Ellricher Gipswerks Hohe Schleife) und am Kohnstein fielen dem Gipsabbau zum Opfer.

Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg) Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg)

Der Standort am Alten Stolberg war um 1980 der letzte noch existierende. Ganze 7 Pflanzen bildeten den Weltbestand. Die Botaniker Dr. Stephan RAUSCHERT und Dr. Friedrich EBEL von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gelang es, diese Pflanzen an einen anderen Ihnen geeignet erscheinden Standort im Kreis umzusetzen, wo sie sich ausbreiteten und noch heute recht stabil vorkommen.

Ich selbst habe im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie und unter Mithilfe der Unteren Naturschutzbehörde Nordhausen und des Forstes den Standort am Alten Stolberg 2005 revitalisieren können. Die Ansiedlung war erfolgreich. Der Bestand im Landkreis und damit der Weltbestand des Gips-Fettkrautes liegt heute wieder bei mehreren 100 Pflanzen.
Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg)
Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg)
Opfer des Menschen (Foto: B. Schwarzberg)
Wenn Herr Knechtle, der Geschäftsführer des Ellricher Gipswerkes, wie jüngst in der Presse, sinngemäß behauptet, die Renaturierung von Gipssteinbrüchen könne die angerichteten Schäden ausgleichen, so kann diese Art als Beispiel dafür dienen, dass dies nicht möglich ist. Das Gips-Fettkraut benötigt hinsichtlich Wasserführung des Gesteins, Luftfeuchtigkeit, Licht bzw. Mikroklima spezifische Bedingungen, die durch Renaturierungsmaßnahmen niemals erzeugt werden können. Dies trifft auch auf zahlreiche andere Pflanzenarten zu, die einst z.B. am Kohnstein und am Hagenberg vorkamen. Einige von ihnen, deren Standorte durch den Bergbau unwiederbringlich verloren gingen und die zugleich die weltweite Einmaligkeit unserer Südharzer Karstlandschaft kennzeichnen, möchte ich in loser Folge den Lesern der nnz nahebringen.

Die Bilder zeigen das gerettete Gips-Fettkraut am heute wieder existierenden Standort am Alten Stolberg.
Autor: nnz

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