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Mi, 17:56 Uhr
29.06.2011

Rund um eine Harzwanderung

Zur Zeit verschickt die Stadt Nordhausen Einladungen zu der Sonderausstellung „Künstlerinnen Künstler um Caspar David Friedrich“, die ab 16. Juli ihre Pforten im Kunsthaus Meyenburg öffnet. Auch die Plakate sind gedruckt und erscheinen bald im Stadtbild, an den Einfallsstraßen und weiter entfernt. Der Katalog, der 175 Seiten umfassen wird, geht in Druck. Eine Vorbetrachtung in der nnz von Heidelore Kneffel...


Anlass der Präsentation ist die 200. Wiederkehr der Harzwanderung des berühmtesten deutschen frühromantischen Künstlers. 16 Künstlerinnen und Künstler aus der Zeit der Romantik und des Biedermeiers werden mit Landschaftsbildern, mit Porträts, mit Historienbildern vorgestellt – Zeichnungen, Druckgrafiken, Aquarelle, vor allem Ölgemälde. Die Leihgaben kommen aus mehreren Regionen in Deutschland. Museen und private Leihgeber stellten ihre Kunstwerke dankenswerter Weise zur Verfügung.

Am 16. Juni 1811 verlassen zwei Künstler zu Fuß Dresden. Die beiden sind Caspar David Friedrich, damals 37 Jahre, und der Bildhauer Gottlob Christian Kühn, der an diesem Tag 31 Jahre wird. Ziel der Fußreise ist der Harz, der vor allen nach der ersten Reise Johann Wolfgang Goethes im November 1777 in dieses Mittelgebirge, gekrönt vom geheimnisumwobenen Brocken, vor allem für Bildende Künstler und Literaten mindestens eine Begegnung wert war. Besonders für diejenigen, die man als Romantiker bezeichnen wird, wirkte dieses Gebirge im Norden Deutschlands anziehend und schauerlich zugleich.

Ein Freund der beiden, Georg Friedrich Kersting, begleitete sie von Dresden ein Stück des Weges und zeichnete die Wandernden in Rückenansicht – das Ziel liegt in der Ferne! Friedrich ist links dargestellt, er ist etwas größer als sein Begleiter.

Bilder (Foto: Autorin) Bilder (Foto: Autorin)
Georg Friedrich Kersting: „Caspar David Friedrich und Gottlob Christian Kühn auf der Wanderung in den Harz“, 1811 Zeichnung, Inv. Nr. SZ Kersting 2, Kupferstichkabinett. Staatliche Museen zu Berlin

Sie treffen am 23. Juni am Ostrand des Harzes in Ballenstedt ein. Von hier wollen sie ins Gebirge starten. Dort kennen sie die Malerin Caroline Bardua, die von 1808 bis zum Spätherbst 1810 in Dresden künstlerisch ausgebildet worden war.

Besonders Friedrich ist mit der talentierten Frau befreundet, die ihn 1810 auf einem Ölgemälde porträtiert hatte, das jetzt der Alten Nationalgalerie in Berlin gehört. Über die Ankunft bei den Barduas haben wir Kenntnis aus den Aufzeichnungen von Wilhelmine, der jüngeren Schwester der Malerin. An einem schönen Sonntag, als Caroline am Piano saß, ... zeigten sich zwei Fremde auf der Straße. Es war der Landschaftsmaler Friedrich und der Bildhauer Kühn, die, von Dresden kommend, auf einer Harztour waren, ein paar Tage in Ballenstedt bleiben wollten und sogleich Caroline aufsuchten.

Wir erfahren, wie der Maler damals auf andere wirkte. Friedrich stand damals in der Blüte seiner Künstlerlaufbahn. Seine Persönlichkeit erschien ebenso interessant wie eigentümlich. Er war groß, stark gebaut, blond, von ernstem Ausdruck – eine echt nordische Erscheinung. Wie er in seinem Wesen erschien: still, verschlossen, weltscheu, absonderlich, tiefdenkend – so waren auch seine Bilder: wunderbar einfach, melancholisch, eigenartig, voll tiefer Bedeutung. Bereits am 24. 6. 1811 zeichnet Friedrich vier Skizzen auf ein Blatt. Er steht wohl auf dem Schlossberg des Städtchens und blickt in die Harzberge. Am 25. Juni hält er auf einem Blatt zwei Ansichten fest, eine davon zeigt eine Fernsicht zum Brocken, denn der soll Höhepunkt der Wanderung sein.

Der 26. Juni gilt als der Tag des Aufbruches weiter hinein in das Gebirge. Ein Ziel ist das Bodetal. Diese herrlich dramatische Gegend war und ist ein Muss für jeden Harzwanderer. Sie gelangen nach Rübeland, denn es entstand am 26. Juni die Skizze „Marmorbruch bei Rübeland“. Diesen Eingang in den Berg hat Friedrich dann in mehreren Gemälden variiert, z. B. in „Felsenschlucht“ und „Grabmal alter Helden“. Am 28. Juni führt sie der Weg in Richtung Brocken. Von Elbingerode kommend, steigen Friedrich und Kühn über Annen Hohne auf.

Die beiden wandern weiter bergan bis zum „Trudenstein“. Der wurde bis dato von anderen Künstlern noch nicht skizziert. Trute bedeutet Hexe, Zauberin. Diese Felsformation besitzt eine pyramidenförmige Gestalt und liegt zwischen Drei Annen Hohne und Schierke direkt am Glashüttenweg. Der Granitfelsen ist 671 Meter hoch und kann seit 1894 über eine Leiter erstiegen werden.

Trudenstein (Foto: Autorin) Trudenstein (Foto: Autorin)
Caspar David Friedrich: Felsstudie (Trudenstein), 28. Juni 1811 Fotografie vom Original , aufgeklebt auf Pappe Bildarchiv Institut für Kunstgeschichte, Universität Stuttgart

Für den Harz sind diese freistehenden Klippen und Klinten typisch. Den „Trudenstein“ hat Friedrich zweifelsfrei auf seinem berühmten Ölgemälde „Der Watzmann“ dominant in den Bildmittelgrund gesetzt. Am 28. Juni kommen sie auf dem Brockengipfel an, von dessen Höhe Friedrich selbstverständlich weitere Skizzen anfertigt. Mit deren Hilfe malt er Jahre später das Gemälde „Ziehende Wolken“. Sie übernachten im Gasthaus und tragen sich am Montag, dem 1. Juli, ins Brockenbuch ein: Friederich, Landschaftsmaler aus Greifswald in Schwedisch-Pommern. Kühn, Bildhauer aus Dresden. Das ist wohl der Tag des Abstieges.

Was geschah danach? Johannes Spitzmann, Kunstwissenschaftler aus Quedlinburg, der die Harzreisen mehrerer romantischer Künstler erforschte, schreibt 1933: Die Reise ging vom Brocken südwärts über die Hochfläche bei Tanne nach Ellrich. Aus dem Tal zwischen Ellrich und Ilfeld nahm Friedrich noch die stärksten Eindrücke mit, die ihm der Harz vermittelte.

Fest steht, dass sie am 8. Juli in Weimar waren, um Goethe aufzusuchen. Der befand sich aber in Jena. Sie begegneten ihm dort und abends feierte man den Geburtstag Johanna Schopenhauers.
Heidelore Kneffel

Hinweis der Redaktion: Die Autorin des Beitrages und die nnz-Redaktion weisen darauf hin, dass die Bilder nicht heruntergeladen werden dürfen. Dies war Grundbedingung der Leihgeber für eine Veröffentlichung.
Autor: nnz

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