Wer kann da schon widerstehen?
Die Nordhäuser Stadträte sollen sich heute das erste Mal mit der künftigen Finanzierung des Theaters und des Loh-Orchesters befassen. Was genau in der Beschlussvorlage steht, bleibt der interessierten Öffentlichkeit vermutlich bis kurz vor 16 Uhr verborgen...
Die nnz jedoch kann da ein wenig abhelfen. Den Service gibt es nicht für die Stadträte mit ihrem "Herrschaftswissen", sondern für den normalen Steuerzahler, der in den kommenden Jahren noch einmal eine Schippe drauflegen muss. Und zwar wird das theatrale Engagement für das Nordhäuser Theaters zusätzlich rund 150.000 Euro kosten. Das wären dann fast 2,7 Millionen Euro pro Jahr, so in etwa. Diese 150.000 Euro sind so gut wie sicher, denn das Land Thüringen als Co-Finanzierer hat der GmbH ein einmaliges Angebot gemacht. 750.000 Euro spendiert Herr Matschie dem Nordthüringer Musentempel, wenn die vier kommunalen Gesellschafter 250.000 Euro dazugeben. Mehr als die Hälfte davon trägt die Stadt Nordhausen.
Eine Begründung für die steigenden Zuschüsse ist die Tatsache, dass die Künstler in Nordhausen und Sondershausen endlich einmal nach Tarif bezahlt werden sollen. Bislang gilt ein Haustarifvertrag, der nach außen als der Beitrag der Künstler zur Rettung der Hochkultur in Nordthüringen dargestellt wird. Und gerade da gibt es bei einigen Stadträten ein Stirnrunzeln, sind sie doch nicht nur für die Mitarbeiter des Theaters, sondern auch für die in den anderen kommunalen Unternehmungen zuständig. Und dort, man muss sich nur einmal erinnern, gehören Haustarife seit Jahren längst zur Tagesordnung. Und so ist für einige der gewählten Volksvertreter ein wenig unklar, warum gerade für die Mitarbeiter des "kommunalen Unternehmens", das anteilig am höchsten bezuschusst wird, der Weg zum Tarifvertrag finanziert werden soll.
Trotz aller politischen Sorgenfalten auf der Stirn, die noch nicht der Öffentlichkeit zugängliche Beschlussvorlage wird heute Nachmittag den Stadtrat ohne Murren passieren. Denn - wie oben geschrieben - es ist ein einmaliges Angebot seitens des Landes Thüringen. So zusagen ein Schnäppchen. Wer kann da schon widerstehen?
Autor: nnz
Kommentare
tanzmaus
22.06.2011, 09:51 Uhr
Warum?
Werte nnz,
es wäre nett, wenn sie den zynischen Unterton ihrer Berichterstattung über die Theaterfinanzierung durch mehr Information ersetzen würden.
Die Forderung nach der langfristigen(!) Rückkehr zum Flächen-Tarifvertrag kommt von der Landesregierung, nicht von den Beschäftigten der Theater und Orchester. Denen ist durchaus bewusst, daß dies letztendlich auch ein Ende der Kultureinrichtungen bedeuten kann.
Bislang ist es aber als erfreulich zu sehen, daß die Komplettabwicklung des Theater-Orchester Nordhausen/Sondershausen in dieser Finanzierungsrunde keine Option zu sein scheint.
Nordhäuserin
22.06.2011, 10:14 Uhr
Ich lese
keinen Zynismus heraus und Fragen dürfen schon mal gestellt werden, auch die nach dem künftigen Beitrag der Theatermenschen. Oder soll das Thema für Stadträte tabou sein? Und: Man muss ja nicht allen Forderungen nachkommen. Oder?
meiner meinung nach
22.06.2011, 15:11 Uhr
Standortfaktor
Leider wird bei allen Kosten immer wieder vergessen, daß ein Theater in unserer Region durchaus einen Standortfaktor darstellt, dessen Nutzen zwar nicht auf den letzten Cent beziffert werden kann, der aber enorm wichtig ist für die Attraktivität einer Stadt und einer Region um kreatives und wirtschaftliches Potential anzulocken.
Das Theater ist nicht zuletzt seiner engagierten Mitarbeiter geradezu beispielhaft in dieser Region verankert. Insofern ist das Theater eben nicht nur ein kommunales Unternehmen wie jedes andere.
Nörgler
22.06.2011, 15:30 Uhr
Was für ein Faktor?
Es gibt viele Studien, die innerhalb und außerhalb der Region gemacht wurden. Eine im Auftrag des Regionalmanagements, in der auch nach Faktoren für eine Investitionsentscheidung gefragt wurde. Das Ergebnis - ob eine Stadt ein Theater hat oder nicht, spielt bei diesen Erwägungen fast nie eine Rolle. Da gibt es andere Faktoren. Die jenigen, die eine Entscheidung treffen, die gehen in andere Musentempel und haben nicht hier ihre Heimat
Janko
22.06.2011, 15:49 Uhr
leider...
...ist der artikel nicht nur tatsächlich zynisch, sondern auch inhaltlich falsch geschrieben.
die finanzierungsmittel für das theater SOLLEN nicht angehoben werden, damit die beschäftigten "endlich nach tarif" bezahlt werden können, sondern er MUSS angehoben werden, damit der bereits seit jahren bestehende haustarifvertrag (mit dem die mitarbeiter des theaters auf lohnangleichung verzichten) in seiner BESTEHENDEN form aufrechterhalten werden KANN.
der artikel schürt mit dieser falschinformation wissentlich bei der bevölkerung den unmut, wieso denn "ausgerechnet kulturschaffende" nach tarif bezahlt werden würden. das werden sie seit mehreren jahren schon nicht mehr. eine nicht-anhebung der mittel führt NICHT dazu, dass die angestellten des theaters nicht mehr geld in der tasche hätten. es führt dazu, dass das theater geschlossen wird.
meiner meinung nach
22.06.2011, 16:34 Uhr
Theater
Lieber Nörgler,
Da rate ich Ihnen, jenseits des sogenannten Regionalmanagements, mal die Stellenanzeigen des größten und bislang noch (?) erfolgreichen Nordhäuser Kommunalunternehmens namens Südharzkrankenhaus zum Beispiel im Deutschen Ärzteblatt zu lesen: Da wird unter anderem mit dem Theater als Standortfaktor geworben... und wie erst kürzlich in einem Beitrag der führenden journalistischen Quelle Nordhausens, der "NNZ", zu hören war, wohl auch erfolgreich...
Es gibt hier außerdem sehr, sehr viele Menschen, welche es, wie mich, hierher verschlagen hat, und denen das Theater sehr viel für Ihre Lebensqualität bedeutet. Und da wage ich mal zu behaupten, dass die meisten vom Regionalmanagement nie was gehört haben...
Leider gehört Nörgeln in dieser Stadt zum guten Ton, anstatt sich zu freuen, dass ein durchaus konstruktiver Lösungsansatz zum Fortbestand des Theaters besteht...
Nörgler
22.06.2011, 18:41 Uhr
an janko
wie überregionale Medien seit Monaten berichten, bindet das Land Thüringen seinen Geldzahlung an die Anbindung der Mitarbeiter an einen Tarifvertrag. Und das soll nur bei unserer GmbH nicht zutreffen.
wenn die gehälter so bleiben (der höchste ausgabeposten) dann wäre doch ein Zuschuss überhaupt nicht nötig.
Nörgler
22.06.2011, 18:57 Uhr
Ergänzung
Hier zwei Zitate aus regionalen Zeitungen und Agenturen:
Dem Vernehmen nach streitet sich Matschie mit Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) um rund fünf Millionen Euro, die den Landeszuschuss von derzeit 60 Millionen für die Theater und Orchester auf jährlich 65 Millionen Euro erhöhen sollen. Da das Kultusministerium in den Verhandlungen jedoch auch auf eine Rückkehr zur tariflichen Entlohnung der Künstler dringt, dürften die Aufwüchse erheblich höher ausfallen.
Thüringen habe eine sehr spezielle und vielfältige Kulturlandschaft. Deren hohe Attraktivität und Leistungsfähigkeit müsse erhalten bleiben. Dazu sollten aber auch die Kommunen ihren Beitrag leisten und als Träger von regional bedeutsamen Theatern und Orchestern Hausverträge schrittweise abbauen und eine Rückkehr zum Flächentarifvertrag erwägen, schlug Matschie vor. «Das bedeutet auch mehr Geld.»
Peppone
22.06.2011, 19:50 Uhr
Aufpassen!
Was Matschie (SPD) da mit den Abbau der Haustarife fordert, bedeutet nichts anderes, als das NDH und SDH sich in Zukunft kein Theater und Loh Orchester mehr leisten können! Denn den Großteil der zusätzlichen Kosten bezahlen die betroffenen Landkreise und Städte.
Auf die Art kann man natürlich auch eine "Bereinigung" und Reduzierung der "Theaterlandschaft" durchführen. Natürlich können Erfurt und Weimar solche Flächentarife zahlen. Wir hier in der Thüringischen Provinz können das langfristig nicht, denn der Großteil unserer Leute bekommt nicht mal annähernd Flächentarifvertragsgeld! Dementsprechend sehen die Einnahmen des Theaters und des Lohorchesters aus.
Der Haustarif muss bleiben, sonst haben wir hier in absehbarer Zeit kein Theater und Lohorchester mehr!
Janko
22.06.2011, 21:57 Uhr
@ nörgler
dennoch werden die angestellten des theaters aber trotzdem nicht von heute auf morgen auf wundersame weise nach tarif bezahlt, wie der artikel es darstellt, sondern nach einem neu abzuschließendem haustarifvertrag, d.h. weiterhin unter massiven lohnverzicht. Und diese information fehlt im artikel, sei es aus unwissenheit oder polemik.
Retupmoc
23.06.2011, 07:59 Uhr
Tarif schon lange nötig
Wer wie Herr Matschie seit er im Amt ist, horrende Summen für den Papstbesuch umherschmeißt, wer Polizeiaufmärsche finanziert um ein Fest der Rechten zu kippen, der sollte gerade Geld für ein Theater wie das Unsrige haben.
Fast 100000 Menschen, die in der letzten Spielzeit das Theater besucht haben, können ja wohl nicht irren. Die Angestellten des Theaters, von der Garderobenfrau bis zum Tenor haben mit ihren gezeigten Leistungen schon lange mehr verdient. Wer das Theater kürzen will, sollte sich schämen!
Vielleicht sollte man die Saläre der Abgeordneten kürzen, oder noch besser diese ganzen Abgeordneten in die Produktion schicken?
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