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Mi, 07:02 Uhr
22.06.2011

nnz-Forum: Das Familienschiff steckt fest

Eigentlich ist die Aufmerksamkeit bei jedem Leser besonders auf die Meldungen aus der eigenen Region gerichtet. Da es sich aber bei der FIFA um das mitgliederstärkste und gleichzeitig reichste Gremium des Sportes weltweit handelt und bei uns förmlich vor der Haustür in Kürze ein erneutes „Sommermärchen“ von ihr ausgerichtet wird, erreichen uns die sich immer wiederholenden negativen Meldungen aus der Schweizer Zentrale in Zürich besonders mit großer Sorge...


Wie schon sooft vor den jeweils anstehenden Präsidentenwahlen oder Entscheidungen zu den zukünftigen Weltmeisterschafts- Ländern hat sich ein schlimmer Virus der Korruption mit seinen hässlichen Nebenerscheinungen das Schiff in einem Sumpfgebiet festgefahren. Der gerade zu seiner vierten Amtszeit gewählte Kapitän Blatter, wie er sich gern selbst nennt, soll gewusst haben, dass fast die Hälfte (12) seiner zur Familie zählenden Lotsen, die man an Land auch Mitglieder des Exekutivkomitees nennen kann, zuviel Geldscheine und sonstige Schätze geladen hatte, um die mehr oder weniger bekannten Länder damit zu beschenken, deren Repräsentanten nach vorherigen Absprachen dafür ihre Stimme in bestimmte Wahlurnen geworfen hatten. Dieses Verrutschen der Ladung sorgte für die Schräglage des Schiffes „FIFA“.

Eigentlich dürften solche schlimmen Unfälle nie passieren, weil die besten Rechtsanwälte und andere international ausgewählte Experten alle perfekt und exakt gestalteten Regeln, die in der Fußballfamilie des Herrn Blatter herrschen, von fast 35 verschiedenen Kommissionen streng kontrolliert und überwacht werden. Diese Einhaltung dieser Regeln sollten eigentlich die Grundlage für faire und sportliche Bedingungen bei den Wettkämpfen in der ganzen Welt sein. Das Ungewöhnliche ist aber dabei, dass die hohen FIFA- Funktionäre persönlich an der Einhaltung nicht unbedingt interessiert zu sein scheinen!

Wie schon oben erwähnt, waren bereits vor einem halben Jahr bei der erstmals vorgenommenen Doppelwahl der zukünftigen Herren-Weltmeisterschaften erneut „böse Dinge“ unter den Mitgliedern der FIFA bekannt geworden, die innerbetrieblich bis zur gerade erfolgten Wahl des Präsidenten nicht aufgeklärt werden konnten (sollten).

Es ist schon sehr komisch, wenn – wie zu Beginn dieses Monats geschehen - die beiden einzigen Anwärter auf dieses hohe und repräsentative Amt unmittelbar vor dem Wahltermin der eigenen Ethikkommision zu erklären hatten, dass sie von keinem Betrug, Statutenbruch, Korruption, Schmiergeldzahlungen, Machtmissbrauch, Kompotenzüberschreitung usw. etwas kannten oder damit in Verbindung standen. Einem Kandidaten musste die Kommission glauben (den früheren Oberst der Armee, Blatter), weil sich der andere (Ammam) als Kandidat selbst zurückzog, bei der offiziellen Krönung zudem noch Hausverbot bekam. Eine Verschiebung der Wahl war angeblich nicht möglich (die in den nächsten Tagen beginnende Frauen-WM in Deutschland wäre sonst führerlos gewesen).

Ein drittes Exekutivmitglied der FIFA, Warner; gleichzeitig auch Vizepräsident des Weltverbandes, wurde mit Ammam für vorerst 30 Tage gänzlich ausgeschlossen, weil geflossene Schmiergeldzahlungen bekannt wurden. Warner drohte danach offiziell in einer Pressekonferenz mit einer Art „Fußball-Tsunami“, alle Teilnehmer und Gäste schocken zu wollen und kündigte Beweisstücke von Bestechungsversuchen des Herrn Blatter an, der , nun ohne Gegenkandidat, danach seine schon jahrelang andauernde Präsidentschaft fortsetzen konnte. Zum Ärger der in Erwartung bereitstehenden Presseleute fiel die Zündung der „Bombe“ ohne Begründung in Zürich aber nicht statt. Am vergangenen Montag war es doch soweit:

Warner meldete sich…. doch, statt der erwarteten Offenlegung , verkündete er fernschriftlich seinen sofortigen Rückzug vom internationalen Fußballgeschäft nach 30 Jahren Mitarbeit!!!

Es folgte seitens der FIFA über das sensationelle Umdenken des Herrn Warner sofort eine weltweite Meldung von dieser Aktion, verbunden mit Dankeshymnen für die tolle gegenseitige Zusammenarbeit. Natürlich wurde auch gleichzeitig bekanntgegeben, dass damit die eingeleiteten Untersuchungen der eigenen Ethikkomission im Fall Warner eingestellt wurden und bestehende Unschuldsvermutungen gegen ihn bestehen bleiben. Da wird wohl nicht schon wieder ein Mann mit weißem Haar und einem besonderen Koffer im Spiel gewesen sein, dessen Erscheinungsbild Herrn Warner zum Umdenken geholfen haben könnte…..

Erinnerungen werden wach: 2002 belastete der damalige Generalsekretär Zen-Ruffinen mit einem streng vertraulichen Brief an seine FIFA-Mitglieder vor der Wahl des Präsidenten den damaligen Kandidaten Blatter schwer, weil dieser Kenntnis gehabt haben soll, dass sich von der Schweizer Sport- und Vermarktungsagentur ISL, Werbe und Marketingpartner der FIFA, einige Millionen Dollars in den Taschen einiger Verbandsmitglieder verirrt haben sollen. Blatter wurde danach trotzdem als Präsident wiedergewählt, Zen- Ruffinen, der in einer sauberen Weltorganisation mitwirken wollte, ist nach der Wahl vom Verband ausgeschlossen worden! Die Werbeagentur meldete anschließend Konkurs an. Gegen Zahlungen (man sagte dazu Schweigegeld) der FIFA von über 5 Millionen Schweizer Franken stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Der Mantel des Schweigens sollte aber nur neun Jahre über diesen Vorgang liegen bleiben…

Auch vier Jahre später sprach der einzige unterlegene Schwedische Präsidentenanwärter Johannson nach der erneuten Wiederwahl Blatters von Betrug. Es ging bereits in dieser Zeit scheinbar, wie zuletzt vor einem halben Monat wieder, nur nach dem Motto: Geld gegen Stimmen!

Übrigens soll vor der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland unser „Kaiser“ Beckenbauer, der übrigens mit seinem Dauerberater R. Schwan nach der Gründung ebenfalls dieser berühmten, später berüchtigten ISL-Agentur, angehörte(!), bei seiner Werbetour um die Welt nicht nur Papierblumen im Campingbeutel gehabt haben…und weiß wohl ganz genau, warum er sein vierjähriges Gastspiel im Exikutivkomitee, das bestimmte Leute als Sprungbrett zur Absicherung eines finanziell und allgemeinen hohen Niveaus bis zum Lebensende nutzen, schnell wieder beendete.

Der erfahrene ehemalige Bundesgerichtshof-Präsident Hirsch hatte auch rechtzeitig gemerkt, wie die erste Doppelwahl in der Fußballgeschichte für 2018 und 2022 ablief und verließ danach die aus 13 Mitgliedern bestehende Ethikkommission, weil nach seiner Meinung diese nur noch ein Marketinggruppe ist und extern den Eindruck erwecken soll, dass intern alles geregelt werde.

Die Fortsetzung folgte, denn grotesker konnte auch die bereits erwähnte Präsidentschaftswahl 2011 vor ein paar Tagen bekanntlich nicht ablaufen. Das im Sumpf der Korruption festgefahrene Familien-Schiff wird auch deshalb nach den weit hörbaren Hilferufen des stark moralisch ledierten alten und neuen Kapitäns Blatter mit dieser Besatzung kaum mehr in den Häfen von ausgestreckten Händen und lachenden Gesichtern der fußballverrückten und ehrlichen Menschen in aller Welt empfangen werden, trotz des gerade ungewöhnlichen Abganges vom nun ehemaligen Lotsen Warner.

Die lebenserfahrenen Placido Domingo, Henry Kissinger und andere Persönlichkeiten haben die Krisenrufe des Herrn Blatter gehört, doch können sie ebenso wenig zur Aufklärung und Beseitigung der Betrugs- und Schmiergeldspuren im Weltverband beitragen, wie unser Herr Präsident Dr. Zwanziger mit seinem verschobenen „Runden Tisch“, an dem nur Einheimische, statt seine Mitglieder des Exikutivkomitees gesessen hätten. Welcher Paragraph die Schaffung einer „Lösungskommission“ ,auch „Rat der Weisen“ genannt, gestattet, bleibt allerdings weiter unklar.

Die eigene Ethikkommission hat zum Beispiel nach Befragung des Chefs der Finanzkommission, Grondorra, seit 1979 auch Vorsitzender des Argentinischen Fußballverbandes, ob er aus Katar fast 80 Millionen(!) Dollar entgegennahm, nur die Antwort erhalten, dass er davon nichts weiß und sich in seinem hohen Alter damit nicht mehr auseinandersetzen möchte. Ihm sei aber klar, dass in der FIFA Korruption möglich sei. Er würde gern weiter Vizepräsident des Weltverbandes bleiben, solange ihn seine Beine tragen…...

Waren es bisher nur einzelne mutige Journalisten, die den Handlungen der scheinbar übermächtigen Familienmenschen (diese Verhältnisse gibt es in diesem Weltverband tatsächlich mehrfach) etwas näher unter die Lupe nahmen, sind auch erste Anzeichen zu erkennen, dass sich Sponsorenvertreter und öffentlich rechte Medienleute dafür plötzlich mehr interessieren, in welche Kanäle ihre großzügig verteilten Gelder bisher versickerten. Der Ruf nach völliger Aufklärung möglichst aller noch im düsteren Nebel befindlichen Schmiergeld-Vorgänge der Vergangenheit und Gegenwart wird immer lauter!

Der Autor dieser Zeilen hat am vergangenen Sonntag in Leipzig bei einem Treff mit bekannten Prominenten aus den Gebieten Sport, Kultur, Politik und Unterhaltung eine kleine Umfrage zur Glaubwürdigkeit des wichtigsten Fußballverbandes in der Welt durchgeführt. Das Ergebnis fiel erschreckend, doch fast gleichlautend aus: Egal, ob sich ein Sportmoderator der ARD, des „Sportstudios“, „Sport im Osten“, ein ehemaliger Bundestrainer (auch aus dem Osten) oder ein Professor einer ganz bekannten Klinik-Serie über die „FIFA“ äußerte. Sie sind über die dort herrschenden skandalösen Zustände informiert, “ doch keiner kann was dagegen tun!“

Endlich dagegen etwas unternehmen – wie man hört – wird die Ethikkommission des IOC (Internationales Olympisches Komitee). Sie untersucht zunächst bestimmte unlautere vergangen Vorgänge gegen drei hohe Funktionäre der FIFA (die gleichzeitig im IOC sitzen), nachdem brisante Quittungen mit Millionensummen gefunden wurden, obwohl die Schweizer Staatsanwaltschaft bekanntlich gegen ein paar Millionen Schweizer Franken die von den Blatter-Gegnern angestrebten gerichtlichen Untersuchungen einstellen ließ. Ganz oben auf der Liste stehen, man sollte es kaum glauben, der heute 95-jährige brasilianische „Ehrenpräsident“ J. Havelange, der 1998 von Blatter, übrigens auch IOC- Mitglied, abgelöst wurde und sein Schwiegersohn Teixera, seit vielen Jahren Präsident des brasilianischen Fußballverbandes und Mitglied der FIFA -Exekutive.

In ein paar Tagen wird die FIFA aber eher von ihren lange vorbereiteten echten Gewinnquellen zapfen, denn dann gehören ihr für ca. vier Wochen alle WM- Stadien und alles, was damit etwas zu tun hat. Alle ihr zur Verfügung stehende Rechtsanwälte werden das exakt angemeldete Kommerz-Spektakel überprüfen und darauf achten, dass sich möglichst keine Trittbrettfahrer unter die längst gebuchten Großkonzerne mischen , um evtl. auch ein paar Krümel vom erwarteten großen Kuchen erhalten zu können.

Alle den Amazonen hinterherschauenden Zuschauern in den Stadien und an den Bildschirmen soll es möglichst schwer gemacht werden, dass es auch noch andere Hersteller als die koreanischen Autos oder Busse, bestimmten Schuhe und Bekleidungsstücke oder Getränke gibt. Die finanzkräftige Getränkefirma wurde gleich bis 2022 gebucht!. An Hinweisen für das auszuwählende richtige Finanzdienstleistungs- oder Flugunternehmen wird es auch nicht fehlen, die während der Spiele, in den Pausen oder sonst an den Straßenrändern in unseren Städten mit Höchstgeschwindigkeit über die Werbewände flattern werden. Wenn Deutschland erfolgreich mitspielt, könnte sich das Sommermärchen von 2006 wiederholen.

Zum Schluss noch ein Hinweis, der wohl für Herrn Blatter aber zu spät kommen wird. Er, der nach drei gescheiterten Ehen heute allein zurückgezogen in den Züricher Bergen wohnt und sich hin und wieder nur mit seinem Nachbarn, dem Chef der Deutschen Bank, Ackermann, unterhalten kann, wollte z. B. bei seinem Besuch des Endspieles in Frankfurt unbedingt genau über der Mittellinie, inmitten seiner Fußballfamilie, sitzen.

Der Präsident des Fußball-Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt erwarb von den Offenbacher Kickers bei deren Stadionabriss eine seit 25 Jahren dort installierte halbe Stahlrohr-Stehtribüne. Diese würde er bestimmt gern leihweise dem FIFA-Team noch zur Verfügung stellen, damit es genau an der verlängerten Mittellinie direkt auf der Aschenbahn stehen kann. Die Fans würden dann allerdings die internationale Familie nur von hinten sehen.
Hans-Ullrich Klemm
Autor: nnz

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