Di, 19:03 Uhr
26.04.2011
Ein fragwürdiges Jubiläum
Der Themenabend des Nordhäuser Geschichtsvereins stand im April ganz im Fokus der Gemeinde Walkenried. Fritz Reinboth aus Braunschweig referierte über die Entstehung des Ortes und ihrem Umfeld. Die nnz war unter den aufmerksamen Zuhörern.
Im Jahr 1985 beging Walkenried eine 900-Jahrfeier, so Reinboth einleitend. Man hat sich bei dem Orts-, besser Namensjubiläum von 1985 auf eine Königsurkunde Heinrichs IV. berufen, die 1085 in Quedlinburg ausgestellt worden sein soll. Sie ist nur als Abschrift in einer um 1150 geschriebenen Chronik des Klosters Goseck bei Weißensee erhalten. In der Urkunde wird unter den Zeugen ein Vasall des Pfalzgrafen Friedrich II. von Sachsen namens Folmarus de Walkenreit aufgeführt. Hier wird also erstmals der Name Walkenried genannt. Aus verschiedenen Gründen gilt aber die Urkunde seit jeher als Fälschung, denn zumindest das Ausstellungsjahr ist fragwürdig.
Aus dem Gründungsbericht des Klosters Walkenried ist Zuverlässiges über Volkmar, dem Gemahl der Stifterin Adelheid, zu erfahren, der mit dem in der Gosecker Urkunde genannten Folmarus de Walkenreit identisch sein muss. Wenn sich dieser Folmarus aber lange vor der Klostergründung nach Walkenried nannte, so muss es diesen Ort auch gegeben haben. Das wäre also spätestens 1085, wenn man zunächst einmal an die Datierung der Urkunde glauben will.
Volkmar war in die Auseinandersetzungen zwischen den sächsischen Adligen, dem Kaiser und dann dessen Sohn geraten und hatte sich deshalb, um seinen Kopf zu retten, als Mönch mit seinen Söhnen in das Benediktinerkloster Huysburg bei Halberstadt zurückgezogen. Bekanntlich hatte dann Adelheid den dortigen Abt bewegen wollen, in Walkenried ein Tochterkloster von Huysburg zu gründen. Dort sollte natürlich auch Volkmar als Mönch leben. Der Abt von Huysburg lehnte ab. So kam es zur Gründung des Klosters Walkenried durch die Zisterzienser.
Wann der Eintritt Volkmars in Huysburg erfolgte, ist nicht ganz sicher. Dazu gibt es mehrere Hypothesen. Immerhin folgt daraus der Zeitraum 1113 bis 1118, an dem es eine villa - d. h. ein Dorf - Walkenreit gegeben haben muss, das Adelheid dann in das Stiftungsgut für ihr neues Kloster einbrachte.
Wer vom Sandsteg an der linken Seite der Wieda Richtung Zorger Straße geht, der sieht dort zwei einzelne Bäume auf einem kleinen Hügel. Noch 1885 waren dort mächtige Fundamente von zwei großen Wirtschaftsbauten zu sehen, die einst zu Alt-Walkenried gehörten. Die Überlieferung verrät über Alt-Walkenried: 1127 wurde mit Einverständnis des Erzbischofs Albert von Mainz in dessen Diözese am Fuße des Harzes die Abtei Walkenried auf den Gütern der Frau Adelheid gegründet, die zu der seinerzeit zerstörten kaiserlichen Burg Sachsenberg gehören. Danach wäre das alte Walkenried als Wohnsitz von Adelheid und Volkmar ursprünglich ein Vorwerk oder Wirtschaftshof der 1074 zerstörten Sachsenburg gewesen. Die Baugeschichte der Sachsenburg ist nur unzureichend überliefert. An der Sachsenburg herrschte 1073/74 ein heftiger Baubetrieb. Damit wäre für die Existenz von Walkenried sogar schon 1073 anzusetzen.
1129 zog der Gründungskonvent aus Altenkamp in Alt-Walkenried ein und baute von dort aus das erste romanische Kloster, von dem außer einigen Fundamenten das Torhaus erhalten ist. Nach Fertigstellung der Klostergebäude 1137 zog der Konvent in das neue Kloster um. Alt-Walkenried wurde nun eine Grangie - ein Außenhof - dieses Klosters, die aber noch im Mittelalter aufgegeben wurde und im zentralen Wirtschaftshof neben dem Kloster aufging.
Die professionelle Geschichtsforschung sollte sich dieses Problems des neuen Weltkulturerbes Walkenried annehmen. Auch die urkundliche Überlieferung und die Chroniken bedürfen der kritischen Prüfung, so Fritz Reinboth abschließend.
Autor: rhIm Jahr 1985 beging Walkenried eine 900-Jahrfeier, so Reinboth einleitend. Man hat sich bei dem Orts-, besser Namensjubiläum von 1985 auf eine Königsurkunde Heinrichs IV. berufen, die 1085 in Quedlinburg ausgestellt worden sein soll. Sie ist nur als Abschrift in einer um 1150 geschriebenen Chronik des Klosters Goseck bei Weißensee erhalten. In der Urkunde wird unter den Zeugen ein Vasall des Pfalzgrafen Friedrich II. von Sachsen namens Folmarus de Walkenreit aufgeführt. Hier wird also erstmals der Name Walkenried genannt. Aus verschiedenen Gründen gilt aber die Urkunde seit jeher als Fälschung, denn zumindest das Ausstellungsjahr ist fragwürdig.
Aus dem Gründungsbericht des Klosters Walkenried ist Zuverlässiges über Volkmar, dem Gemahl der Stifterin Adelheid, zu erfahren, der mit dem in der Gosecker Urkunde genannten Folmarus de Walkenreit identisch sein muss. Wenn sich dieser Folmarus aber lange vor der Klostergründung nach Walkenried nannte, so muss es diesen Ort auch gegeben haben. Das wäre also spätestens 1085, wenn man zunächst einmal an die Datierung der Urkunde glauben will.
Volkmar war in die Auseinandersetzungen zwischen den sächsischen Adligen, dem Kaiser und dann dessen Sohn geraten und hatte sich deshalb, um seinen Kopf zu retten, als Mönch mit seinen Söhnen in das Benediktinerkloster Huysburg bei Halberstadt zurückgezogen. Bekanntlich hatte dann Adelheid den dortigen Abt bewegen wollen, in Walkenried ein Tochterkloster von Huysburg zu gründen. Dort sollte natürlich auch Volkmar als Mönch leben. Der Abt von Huysburg lehnte ab. So kam es zur Gründung des Klosters Walkenried durch die Zisterzienser.
Wann der Eintritt Volkmars in Huysburg erfolgte, ist nicht ganz sicher. Dazu gibt es mehrere Hypothesen. Immerhin folgt daraus der Zeitraum 1113 bis 1118, an dem es eine villa - d. h. ein Dorf - Walkenreit gegeben haben muss, das Adelheid dann in das Stiftungsgut für ihr neues Kloster einbrachte.
Wer vom Sandsteg an der linken Seite der Wieda Richtung Zorger Straße geht, der sieht dort zwei einzelne Bäume auf einem kleinen Hügel. Noch 1885 waren dort mächtige Fundamente von zwei großen Wirtschaftsbauten zu sehen, die einst zu Alt-Walkenried gehörten. Die Überlieferung verrät über Alt-Walkenried: 1127 wurde mit Einverständnis des Erzbischofs Albert von Mainz in dessen Diözese am Fuße des Harzes die Abtei Walkenried auf den Gütern der Frau Adelheid gegründet, die zu der seinerzeit zerstörten kaiserlichen Burg Sachsenberg gehören. Danach wäre das alte Walkenried als Wohnsitz von Adelheid und Volkmar ursprünglich ein Vorwerk oder Wirtschaftshof der 1074 zerstörten Sachsenburg gewesen. Die Baugeschichte der Sachsenburg ist nur unzureichend überliefert. An der Sachsenburg herrschte 1073/74 ein heftiger Baubetrieb. Damit wäre für die Existenz von Walkenried sogar schon 1073 anzusetzen.
1129 zog der Gründungskonvent aus Altenkamp in Alt-Walkenried ein und baute von dort aus das erste romanische Kloster, von dem außer einigen Fundamenten das Torhaus erhalten ist. Nach Fertigstellung der Klostergebäude 1137 zog der Konvent in das neue Kloster um. Alt-Walkenried wurde nun eine Grangie - ein Außenhof - dieses Klosters, die aber noch im Mittelalter aufgegeben wurde und im zentralen Wirtschaftshof neben dem Kloster aufging.
Die professionelle Geschichtsforschung sollte sich dieses Problems des neuen Weltkulturerbes Walkenried annehmen. Auch die urkundliche Überlieferung und die Chroniken bedürfen der kritischen Prüfung, so Fritz Reinboth abschließend.



