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Mo, 13:54 Uhr
28.03.2011

nnz-Forum: Verhöhnung

Am kommenden Wochenende jährt sich zum 66. Mal die Bombardierung von Nordhausen am Ende des zweiten Weltkrieges. Am Sonntag soll an dieses Geschehen mit einer Kranzniederlegung erinnert werden. Dazu Anmerkungen im Forum der nnz.


Geschichtsrevisionismus ist kein Phänomen, was sich nur in extrem rechten Kreisen zeigt. Viel ist in den letzten Jahrzehnten über Erinnerungspolitik diskutiert wurden und immer wieder gab es von extrem rechter Seite als auch aus konservativen Kreisen die Forderung nach einer »Anerkennung« der deutschen Opfer, die man nicht vergessen dürfe.

Damit war es immer wieder Strategie oder auch völlige Unkenntnis der historischen Tatsachen, die Opfer auf eine Stufe zu stellen. Doch diese Gleichstellung der Opfer führt zwangsläufig zu einer Verharmlosung der deutschen Verbrechen zwischen 1933-1945.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ein toter Deutscher Soldat, der während der deutschen Angriffskriege getötet wurde ist keineswegs mit den Millionen Opfern des Holocaust gleichzusetzen, die hinter der Front erschossen oder in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten vergast wurden.

Dass dieses Geschichtsbild auch auf kommunaler Ebene Einzug gefunden hat, bewies zu Letzt der SPD (!) Bürgermeister Nordhausens. Am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, hielt Matthias Jendricke eine Rede auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Nordhausen. Der Ehrenfriedhof ist der Ort, an dem 1945 mehr als 1.000 Tote des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora beerdigt wurden, die zuvor in den Lagern an Hunger, Krankheiten oder Folter starben.

Nun scheinen die Opfer, welchen man an einem solchen Tag und an einem solchen Ort gedenkt, selbstverständlich die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen zu sein. Doch für Matthias Jendricke sind es nicht nur diese Opfer, wie ein Ausschnitt aus seiner Rede bei nnz-tv zeigt: "Wir gedenken heute auch hier jener Deutschen, die als Soldaten verheizt oder sich verheizen ließen."

Einem solchen Geschichtsbild muss entgegengetreten werden. Eine Akzeptanz dieser Gleichsetzung verhöhnt die Opfer der Naziverbrechen und ist völlig inakzeptabel. Es ist schockierend zu sehen, wie sogar Politiker der SPD dieses Geschichtsbild in der Öffentlichkeit weitertragen.
Lea Stein, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Paulinchen
28.03.2011, 15:12 Uhr
Da denken sicher nicht alle so.......
Sehr geehrte Frau Stein, mit Ihrer Meinung zur Rede des Herrn BM Jendricke bin ich nicht ganz einverstanden. Kann es sein, dass Sie sich nicht ausreichend genug mit der Geschichte des 2. Weltkrieges beschäftigt haben? Kann es sein, dass es Ihnen entgangen ist, wer die Reparationszahlungen und die letzte Geldspende unseres Bundespräsidenten Hr. Wulff in Polen bezahlen musste?

Zur Erinnerung, es waren nur 60 Millionen Euro! Meine Frage an Sie persönlich, in der Annahme, dass auch Sie eine Steuerzahlerin in unserem Lande sind: Was haben Sie, oder wo mit haben Sie sich schuldig gemacht, dass Sie auch mit an den 60 Millionen Euro beteiligt sind?“ Ich bin mir keiner Schuld bewusst, da ich nach dem 2.Weltkrieg geboren wurde.

Gern würde ich Ihnen den Film, “die Brücke“ empfehlen. Für den Fall, dass Sie den nicht kennen, es handelt sich hier um die Verfilmung von der Verteidigung der Brücke von Remagen. Hier gaben KINDER, welche zuletzt von A. Hitler noch zwangsverpflichtet wurden, für ihn den „Endsieg“ herbeizukämpfen. Ich finde es beschämend von Ihnen, dass Sie Kinder, welche in den sinnlosen Krieg mit reingezogen wurden, für Schuldige erklären.

In meinen Augen sind diese Jungen genau so unschuldig und Opfer der Nazis geworden, wie jedes andere Opfer in diesem Krieg und die heutigen Opfer in Afghanistan. Nur dass dort keine Nazis am Werk sind! Aber ich erlaube mir hier die Feststellung, Krieg ist Krieg. Und jedes Kriegsopfer ist in aller Regel fast alternativlos, per Gesetz seines Landes, dienstverpflichtet worden. Gehe ich daher recht in der Annahme, dass Sie sich vor einem gefallenen Bundeswehrsoldaten nicht verneigen und ihm die letzte Ehre verweigern würden?
L.J.
28.03.2011, 18:07 Uhr
auseinandersetzen ...
Guten Tag

Einen inzteressanten Artikel hat die nnz hier veröffentlicht. Danke, wie immer, dafür. Ein Artikel der stark zu denken gibt.

Ich war bei der Rede des Herrn Jendricke nicht anwesend, doch wenn das Zitat wirklich im Zusammenhang mit dem Gedenken der Befreiung von Ausschwitz, also dem internationalen Holocaust Gedenktag, stand, dann finde ich das völlig fehl am Platz. Und darüber muss politisch und zwischenmenschlich diskutiert werden.

Interessant find ich es weiterhin, weil ich letztes Jahr persönlich dem Gedenken auf dem Rathausplatz beiwohnen konnte und immer noch diese Ohnmacht spüren kann, als wäre es Gesetern gewesen. Die Ohnmacht, welche die Nazis erzeugt haben, welche ungehindert an dem Gedenken teilnehmen konnten. In Dresden oder anderen Städten wehrt sich ein großer Teil der Politik und Zivilgesellschaft gegen die Vereinnahmung eines Gedenkens durch die Nazis, in Nordhausen konnten sie teilnehmen und einen Kranz neben den der jüdischen Gemeinde niederlegen. Ich schaute letztes Jahr in die Runde, betretene Gesichter, Ratlosigkeit und ebenso umherschweifende und fragende Blicke: Warum tut keiner was? - Wird das jetzt jedes Jahr so gehen?

Und da sind wir bei dem Knackpunkt, welchen der Artikel anspricht und "Pailinchen" mit zum Vorschein bringt. Durch die Gleichsetzung von Opfern wird so etwas erst möglich. Und da kann auch eine "Schuldfrage" nicht abgegollten sein, "nur" weil da Geld gezahlt wurde. Was während der NS-Zeit an Greueltaten verübt wurde (und jetzt Bitte nicht wieder -wie hier so oft üblich- mit dem SED-Regime als Argument kommen), kann nicht in Geld aufgewogen werden und sollte jeder nachfolgenden Generation zur Mahnung dienen. Es geht nicht ausschließlich um Schuld, vor allem nicht im nachhinein. Das hat auch was mit Verantwortung zu tun.

Ein Gedenken muss, und zwar ein jedes für sich, muss differenziert betrachtet und geführt werden. Das ist wie, wenn sie ein Stück Holz ins Wasser werfen und es schwimmt oben und dann sagen, Hexen brennen, also sind sie aus Holz und müssten auch schwimmen (ist aus Monty Pythons Ritter der Kokosnus entlehnt). So können sie das eine Opfer nie mit dem anderen vergleichen.

Ich hoffe, dass dieses Jahr das Gedenken würdevoll und sachlich differenziert möglich ist ...und, das es ohne Teilnahme der Nazis vonstatten geht.

einen schönen Montagabend
ihr L.J.
Retupmoc
29.03.2011, 08:57 Uhr
Dazu möchte ich auch etwas sagen,
obwohl es manhmal durchaus in diesem Land verpönt ist meine Meinung zu haben. Es gibt keine Frage, das das was die Nazis den Menschen angetan haben, das Schlimmste ist was an Verbrechen auf dieser Erde passiert ist. Schlimmer als Kreuzzüge, Sklavenverschleppung, Indianermorde und Bürgerkriege in Afrika.

Diejenigen die das befehligt, geplant und durchgeführt haben, waren keine Menschen sondern Bestien. Da besteht keinerlei zweierlei Meinung. Nur geehrte Frau Stein, es gab eben Mitläufer wie Hitlerjungen, die nichts anderes kannten, weil man Ihnen in der Schule den Gehorsam eingedrillt haben. Die können wirklich nichts dafür, genauso wenig wie die heutige Generation der Menschen, die in Deutschland lebt.

Man muss schon differenzieren können. Und deshalb vermisse ich an dieser Stelle ihren Kommentar u.a. dazu, das Soldaten dieses Landes wieder im Kriegseinsatz sind, das dieses Land in alle Welt Waffen exportiert, das man sich regelrecht freut wenn amerikanisch/Franz. Bomben gedeckt durch die Nato wieder unschuldige Menschen umbringen.

Und was ist eigentlich mit den Frauen und Kindern die im April 1945 durch Fliegerbomben verbrannt wurden (und das nicht nur in Nordhausen?) Waren das auch Täter? Was Sie hier loslassen ist für mich eine Verhöhnung von Opfern, denn jeder tote Mensch, der durch Gewalt umkommt ist ein Toter zuviel. Oder sehe Sie das nicht so?
Wolfi65
29.03.2011, 09:04 Uhr
Trauer in NDH
Also Andersdenkenden die Trauer zu verwehren ist doch schon ein wenig verwegen. Jeder hat das Recht in der Demokratie, seine Trauer gegenüber Verstorbenen auszudrücken. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Trauer von Rechts oder Links kommt.

@Paulinchen
Sie haben mit dem Verweis auf den Film "Die Brücke" etwas verwechselt. Bei dem Kriegsdrama handelt es sich um die Verteidigung der Florian-Geyer-Brücke über den Fluß Regen, im Bereich der oberpfälzische Stadt Cham durch Einheiten des Volkssturmes und der Hitlerjugend.

Die Brücke von Remagen wurden nicht durch das "Letzte Aufgebot" verteidigt, sondern durch Wehrmacht und die Waffen-SS und überspannte den Fluß Rhein. Beide Brücken unterschieden sich im wesentlichem in der Größe und Aufbau der Konstruktion.

Das aber nur am Rande.
PS: Sie gehören selbstverständlich zur Nachkriegsjugend und sind von den Geschehnissen des II. Weltkrieges freizusprechen.
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