So, 08:03 Uhr
28.11.2010
nnz-Forum: Sind Kinder heute willkommen?
Das Gesundheitssystem in Deutschland wird beinahe jedes Jahr reformiert. Auch die medizinischen "Dienstleistungen" im Landkreis Nordhausen erfahren eine Neustrukturierung. Zum Beispiel bei den Notdiensten. Hier allerdings scheint es eine wichtige Prämisse zu geben: Man darf sie nicht in Anspruch nehmen, wie eine nnz-Leserin aufzeigt.
Sind Kinder heute wirklich willkommen - diese Frage muss ich, als Oma, stellen. Heute (Samstag) hat meine Tochter mit ihrem Neugeboren – vier Wochen alt, eine Erfahrung gemacht, die diese Frage auslöst. Die Kleine schreit nach den Mahlzeiten schrecklich und ist nur sehr schwer zu beruhigen. Sie ist ein sogenanntes Spuckkind. Eine Erfahrung, die junge Mütter durchaus beunruhigen kann. Wie soll man wissen, dass dem Kind tatsächlich nichts weiter fehlt. Diese Situation hat sich zugespitzt und meine Tochter hat sich entschlossen ihr Neugeborenes einem Arzt vorzustellen – um schlimmere Ursachen ausschließen zu können.
Aber – wie kann man das denn an einem Samstag machen wollen? Nachdem wir zunächst sehr mühsam recherchiert haben – welcher Arzt denn wohl an einem Wochenende zuständig ist, erhielten wir dann im Krankenhaus die telefonische Auskunft: eine Notdienst - Sprechstunde für Kinder gibt es nicht mehr! Sie müssen mit dem Kind ins Krankenhaus kommen, dort gibt es seit einiger Zeit einen Notfalldienst, der aber nicht unbedingt von einem Kinderarzt besetzt ist.
Also gut – fahren wir hin. Was ich dort erlebt habe, steht für mich in keinem Verhältnis mehr zur guten ärztlichen Versorgung, die wir angeblich in Deutschland noch haben. Das Wartezimmer brechend voll – Erwachsene und zu 90 Prozent kranke Kinder. Endlich – nach einer Stunde Wartezeit sind wir dran.
Zunächst wurden vom diensthabenden Arzt, keine Ahnung was für eine Fachrichtung, er hat sich auch nicht vorgestellt, allerlei Formalien in den Computer getippt. Dann wurde meine Tochter befragt, warum sie das Baby vorstellt. Sie erklärte die Situation – sie war sehr beunruhigt und wollte mögliche Ursachen abklären lassen. Nachdem sie weiter befragt wurde ob das Kind regelmäßig trinkt und Stuhlgang hat und sie dann noch angab, dass sie am kommenden Donnerstag den Säugling planmäßig zur U3 bei ihrer Kinderärztin vorstellt, war der Fall schnell geklärt.
Ah ha, na dann warten sie doch ab, offensichtlich geht es dem Kind doch ganz gut – sie schrie grade nicht – das Kind gedeiht doch. Frage an die Mutter – hat sie denn zugenommen??? Hätte man doch leicht ermitteln können! Als nächstes wurde meiner Tochter mitgeteilt – aus welchem Grund stellen sie das Kind in der Notfallsprechstunde vor? – Was soll ich den jetzt für eine Diagnose-Nummer eintragen?
Ganz zum Schluss meinte der Arzt – ich will mir mal noch das Bäuchlein ansehen. Bis dahin war es eine Befragung der jungen Mutter – das Baby lag immer noch angezogen in der Babyschale. Ah ha jetzt wird sie doch noch untersucht – dachte ich. Weit gefehlt. Das Kinde wurde nicht mal aus der Babyschale rausgenommen – zweimal kurz durch warme Kleidung auf den Bauch gedrückt. Fertig. Ich weiß nicht ob sich jemand vorstellen kann – wie sich meine Tochter fühlte – wir konnten wieder gehen.
Das Wartezimmer war immer noch brechend voll mit offensichtlich fiebernden und unruhigen Kindern. Da wird wohl an einer Stelle Geld eingespart – und es stellt sich die Frage - hier sollen Kinder willkommen sein? Ich trau mich ja gar nicht die Frage zu stellen – wer nimmt denn besorgte junge Mütter noch ernst. Was ich dort erlebt habe, hat mit Fürsorge und Verständnis nicht viel zu tun. Hier regiert nur noch das Geld!
Dorle Knoblauch, Nordhausen
Autor: nnzSind Kinder heute wirklich willkommen - diese Frage muss ich, als Oma, stellen. Heute (Samstag) hat meine Tochter mit ihrem Neugeboren – vier Wochen alt, eine Erfahrung gemacht, die diese Frage auslöst. Die Kleine schreit nach den Mahlzeiten schrecklich und ist nur sehr schwer zu beruhigen. Sie ist ein sogenanntes Spuckkind. Eine Erfahrung, die junge Mütter durchaus beunruhigen kann. Wie soll man wissen, dass dem Kind tatsächlich nichts weiter fehlt. Diese Situation hat sich zugespitzt und meine Tochter hat sich entschlossen ihr Neugeborenes einem Arzt vorzustellen – um schlimmere Ursachen ausschließen zu können.
Aber – wie kann man das denn an einem Samstag machen wollen? Nachdem wir zunächst sehr mühsam recherchiert haben – welcher Arzt denn wohl an einem Wochenende zuständig ist, erhielten wir dann im Krankenhaus die telefonische Auskunft: eine Notdienst - Sprechstunde für Kinder gibt es nicht mehr! Sie müssen mit dem Kind ins Krankenhaus kommen, dort gibt es seit einiger Zeit einen Notfalldienst, der aber nicht unbedingt von einem Kinderarzt besetzt ist.
Also gut – fahren wir hin. Was ich dort erlebt habe, steht für mich in keinem Verhältnis mehr zur guten ärztlichen Versorgung, die wir angeblich in Deutschland noch haben. Das Wartezimmer brechend voll – Erwachsene und zu 90 Prozent kranke Kinder. Endlich – nach einer Stunde Wartezeit sind wir dran.
Zunächst wurden vom diensthabenden Arzt, keine Ahnung was für eine Fachrichtung, er hat sich auch nicht vorgestellt, allerlei Formalien in den Computer getippt. Dann wurde meine Tochter befragt, warum sie das Baby vorstellt. Sie erklärte die Situation – sie war sehr beunruhigt und wollte mögliche Ursachen abklären lassen. Nachdem sie weiter befragt wurde ob das Kind regelmäßig trinkt und Stuhlgang hat und sie dann noch angab, dass sie am kommenden Donnerstag den Säugling planmäßig zur U3 bei ihrer Kinderärztin vorstellt, war der Fall schnell geklärt.
Ah ha, na dann warten sie doch ab, offensichtlich geht es dem Kind doch ganz gut – sie schrie grade nicht – das Kind gedeiht doch. Frage an die Mutter – hat sie denn zugenommen??? Hätte man doch leicht ermitteln können! Als nächstes wurde meiner Tochter mitgeteilt – aus welchem Grund stellen sie das Kind in der Notfallsprechstunde vor? – Was soll ich den jetzt für eine Diagnose-Nummer eintragen?
Ganz zum Schluss meinte der Arzt – ich will mir mal noch das Bäuchlein ansehen. Bis dahin war es eine Befragung der jungen Mutter – das Baby lag immer noch angezogen in der Babyschale. Ah ha jetzt wird sie doch noch untersucht – dachte ich. Weit gefehlt. Das Kinde wurde nicht mal aus der Babyschale rausgenommen – zweimal kurz durch warme Kleidung auf den Bauch gedrückt. Fertig. Ich weiß nicht ob sich jemand vorstellen kann – wie sich meine Tochter fühlte – wir konnten wieder gehen.
Das Wartezimmer war immer noch brechend voll mit offensichtlich fiebernden und unruhigen Kindern. Da wird wohl an einer Stelle Geld eingespart – und es stellt sich die Frage - hier sollen Kinder willkommen sein? Ich trau mich ja gar nicht die Frage zu stellen – wer nimmt denn besorgte junge Mütter noch ernst. Was ich dort erlebt habe, hat mit Fürsorge und Verständnis nicht viel zu tun. Hier regiert nur noch das Geld!
Dorle Knoblauch, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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