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Sa, 18:41 Uhr
13.11.2010

Als noch viele Brünnlein flossen …

Dem Thema „Brunnen in Nordhausen“ widmeten sich Gundula und Frank Lawrenz in einem äußerst interessanten und informativen Vortrag des Nordhäuser Geschichtsvereins im Vereinshaus „Thomas Mann“. Die nnz war unter den Zuhörern im restlos besetzten Saal des Vereinshauses.


Zu Beginn der Ausführungen gab es eine Einleitung in die Geschichte der Fotografie, als man im frühen Mittelalter die Camera Obscura entdeckte und somit eine bildliche Darstellung von Objekten beispielsweise Wasserkünste usw. ermöglichte. Hierbei wurden der holländische Maler Jan Vermeer (1632-1675) und der venezianische Maler Bernardo Bellotto (1722-1780) genannt.

Im Anschluss daran präsentierte Frank Lawrenz in einer digitalen Überblendshow mit Beamertechnik verschwundene und noch vorhandene Brunnen der Stadt Nordhausen. Er spannte den Bogen von den von Johann Ludwig Meil aus Ilfeld für Nordhausen geschaffenen drei Brunnen: In der unteren Rautenstraße die Leda mit dem Schwan, aufgestellt 1755 – 1878 entfernt, in der oberen Rautenstraße der Laokoon-Brunnen (1755-1878) und auf dem Holz- oder Kohlmarkt den Triton-Brunnen (1755-1888), der am 12 September 1888 durch den Lutherbrunnen ersetzt wurde.

Besondere Erwähnung fand der 1434 auf dem Königshof errichtete und 1734 erneuerte Brunnen mit einem steinernen Neptun mit Delphin. Ohne figürlichen Schmuck waren die „Wasserkünste“ auf dem Petersberg, in der Blasiistraße/Ecke Pferdemarkt, in der Töpfer- und in der Barfüßerstraße neben dem Spendekirchhof – übrigens der einzige Sandsteinbrunnen, der bis 1971 erhalten blieb.

Während von den „Wasserkünsten“ Fotos bzw. Ansichtskarten vorhanden sind, gibt es vom Huldabrunnen am Gehege nur eine Zeichnung in „Nordhüsche Rieme unn Biller“. Karl und Ludwig Hecker sowie Karl Worch aus Haynrode bei Wallhausen gruben im Auftrag des Magistrats der Stadt am Gehegeplatz einen Brunnen im März 1858 unterhalb des Geheges, links neben dem „Liebestunnel“ den Brunnen, den sie nach etwa zehn Wochen fertig stellten. Der Brunnen hatte eine Tiefe von 62 Fuß und 10 Zoll (ca. 19,15 Meter). Am 17.August 1858 wurde in einer feierlichen Stunde der Huldabrunnen seiner Bestimmung übergeben. Errichtet wurde der Brunnen auf Initiative des Privatiers Georg Heinrich Mehmer und dem„Gehege - Kaffee - Dosen - Pfeifen - Klatsch –Verein“. Dieser Verein setzte sich zusammen aus Nordhäuser Bürgern, die sich allmorgendlich zum Spaziergang in der Nähe des Brunnens trafen, um dann in aller Bescheidenheit einen Schluck Wasser zu trinken und über dies und jenes zu knätschen. Doch nach Jahrzehnte der Beschaulichkeit und der Pflege der Vereinstradition machten sich erste Mängel an der Brunnenanlage bemerkbar und der Magistrat beschloss, den Brunnen wegen Baufälligkeit abzureißen. So verschwand der Hulda-Brunnen noch vor seinem 50-jährigen Bestehen.

Zahlreiche weitere Brunnen und ihre Geschichte fanden im Vortrag Erwähnung: So beispielsweise der Brunnen auf dem Gehegeplatz, der am Abend des 2. Juli 1874 zur Feier des 350 jährigen Jubiläums des Gymnasiums Nordhausen eingeweiht wurde. Ebenfalls genannt wurde der ca. 1875 geschaffene Springbrunnen im Park Hohenrode Baubeginn, dessen Quellstein man 2009 wieder entdeckte, der Brunnen am Handelshof, der Springbrunnen in der Rautenstraße unterhalb der Stadtterrasse, der 1985 geschaffene Märchenbrunnen (Künstler Karl Lemke) und seine fragwürdige Aufstellung am Blasiikirchplatz, der Springbrunnen in der Becker’schen Villa (Kunsthaus Meyenburg) sowie die zum 6. Nordhäuser Kunstfest 2007 eingeweihte von Jürgen Rennebach geschaffene Brunnenanlage.

Des Weiteren widmeten sich die Referenten den Kaskaden am Gehege. Im Sommer 1880 fand am östlichen Ausgang des Geheges eine Gewerbeausstellung statt. Die für die Ausstellung hergerichtete Anlage sollte danach erhalten bleiben, so auch der Springbrunnen. Sein Wasser floss über kaskadenartig angelegte Terrassenstufen in ein darunter befindliches Wasserbecken. Im Jahr 1890 wurde der Springbrunnen erneuert und der Platz erhielt bessere Wege, sowie eine gärtnerische Aufwertung. Aber auch diese eindrucksvolle Anlage sollte nur bis 1915 Bestand haben. Für die Opfer des Ersten Weltkrieges wurde an seine Stelle ein Kriegerdenkmal errichtet, welches man am 22. November 1925 feierlich enthüllte, dafür musste vorher unter starkem Protest der Bürger die wunderschöne Wasserkunst weichen.

Im Anschluss an dem Vortrag beantworteten Gundula und Frank Lawrenz die zahlreichen Fragen der begeisterten Anwesenden im restlos gefüllten Saal des Vereinshauses.
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