Fr, 14:58 Uhr
10.01.2003
Ein modernes Märchen: Der Investor
Nordhausen (nnz). Es war einmal eine Zeit, da glaubte man noch so mancherlei, selbst an den guten Willen einer Partei. Nach der Bürgerrevolte und Wiedervereinigung gab es schon weniger Gläubige. Mehr zu dieser Geschichte von Peter Kreßner mit einem Klick auf MEHR...
Gläubige und Ungläubige lebten friedlich nebeneinander in einer Stadt, die idyllisch am Harz, exakter gesagt im Südharz bzw. in Nordthüringen liegt, was identisch ist. Schon die preußischen Könige hatten von dem guten Alabastergips im Südharz gehört und brachten das Umland vor 300 Jahren in ihren Besitz, die Stadt wurde 100 Jahre später, 1802, ebenfalls preußisch. Der Gips diente in der Preußenperiode vor allem als Ersatz für den teuren Marmor. Um den Wert des Gipses wussten auch noch die späteren Kombinatsdirektoren und jüngst die gut rechnenden Unternehmer.
Im Lauf des letzten Jahrhunderts stellte sich heraus, dass es im Umfeld unter der Stadt reichlich weitere Bodenschätze gibt. Bodenschätze bringen Reichtum, sagt man. Die Berge wurden platt gemacht, der Untergrund ausgehöhlt wie Schweizer Käse und Seen wurden in der Aue ausgebaggert. Trotzdem blieb die Region eine der ärmsten, mit den meisten Arbeitslosen. Arbeiter wurden kaum noch gebraucht. Es war nur eine Frage der Zeit, wann eine Rollbahn für den Rohstofftransport gebraucht wurde. Mit der von einigen ersehnten Autobahn kam sogar mal ein Investor, der keine Bodenschätze haben wollte, nur billigen Ackerboden als Bauland.
Er wurde freudig begrüßt, als ob er der Graf von Luxus wär, der aus Aschenputtel eine Königin machen könnte? Der Möchtegerngraf versprach viel, auch einige Arbeitsplätze. Da es aber nicht nur Gläubige gab, kam es zum Streit. Die anderen wussten, dass schon vor langer Zeit, im 20. Jahrhundert, Arbeitskräfte zu teuer waren und durch Automaten und Computer ersetzt wurden.
Die Moral von der Geschicht(e): Wer Märchenprinzen glaubt, hat falsch vertraut. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann streiten sie noch heute.
Peter Kreßner
Autor: nnzGläubige und Ungläubige lebten friedlich nebeneinander in einer Stadt, die idyllisch am Harz, exakter gesagt im Südharz bzw. in Nordthüringen liegt, was identisch ist. Schon die preußischen Könige hatten von dem guten Alabastergips im Südharz gehört und brachten das Umland vor 300 Jahren in ihren Besitz, die Stadt wurde 100 Jahre später, 1802, ebenfalls preußisch. Der Gips diente in der Preußenperiode vor allem als Ersatz für den teuren Marmor. Um den Wert des Gipses wussten auch noch die späteren Kombinatsdirektoren und jüngst die gut rechnenden Unternehmer.
Im Lauf des letzten Jahrhunderts stellte sich heraus, dass es im Umfeld unter der Stadt reichlich weitere Bodenschätze gibt. Bodenschätze bringen Reichtum, sagt man. Die Berge wurden platt gemacht, der Untergrund ausgehöhlt wie Schweizer Käse und Seen wurden in der Aue ausgebaggert. Trotzdem blieb die Region eine der ärmsten, mit den meisten Arbeitslosen. Arbeiter wurden kaum noch gebraucht. Es war nur eine Frage der Zeit, wann eine Rollbahn für den Rohstofftransport gebraucht wurde. Mit der von einigen ersehnten Autobahn kam sogar mal ein Investor, der keine Bodenschätze haben wollte, nur billigen Ackerboden als Bauland.
Er wurde freudig begrüßt, als ob er der Graf von Luxus wär, der aus Aschenputtel eine Königin machen könnte? Der Möchtegerngraf versprach viel, auch einige Arbeitsplätze. Da es aber nicht nur Gläubige gab, kam es zum Streit. Die anderen wussten, dass schon vor langer Zeit, im 20. Jahrhundert, Arbeitskräfte zu teuer waren und durch Automaten und Computer ersetzt wurden.
Die Moral von der Geschicht(e): Wer Märchenprinzen glaubt, hat falsch vertraut. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann streiten sie noch heute.
Peter Kreßner


