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Mo, 13:03 Uhr
08.03.2010

Kompetenzen vermitteln

Dass Schlüsselkompetenzen heute nicht weniger wichtig sind als fachliches Wissen und Fertigkeiten, um den Anforderungen des Alltags in Beruf, Gesellschaft und Familie gerecht werden zu können, ist allgemein anerkannt. Und das wissen auch die Verantwortlichen des Nordhäuser Jugendsozialwerkes...

Kompetenzen vermitteln (Foto: jsw) Kompetenzen vermitteln (Foto: jsw)

Dass wir etwa 60 bis 80 Prozent unserer Fähigkeiten außerhalb von Schule und Ausbildung erwerben, ist weniger bekannt, unterstreicht aber die Bedeutung von Schlüsselkompetenzen, die es uns ermöglichen, uns ganz unterschiedliche Lebens- und Arbeitsfelder zu erschließen, ohne zuvor notwendiges internes Wissen erlangt zu haben.

Dass internationale Jugendbegegnungen und Auslandsaufenthalte mit einem pädagogischen Programm, welches auf interkulturelles Lernen ausgerichtet ist und dadurch über touristische Reisen weit hinaus geht, besonders intensives nicht formales Lernen fördern, können alle diejenigen bestätigen, die es ausprobiert haben. Das weist eine wissenschaftliche Studie der EU nach, und das können die Mitarbeiter des JugendSozialwerk Nordhausen e.V., die in solche Maßnahmen involviert waren, aus eigener Erfahrung bestätigen. Die Lernerfahrungen und der Kompetenzerwerb sind vor dem Hintergrund der zumeist ungewohnten Anforderungen, die internationale Begegnungen stellen, immens, manchmal auch biographiebestimmend.

Kompetenzen vermitteln (Foto: jsw) Kompetenzen vermitteln (Foto: jsw)

Um diese Prozesse sichtbar zu machen und den Teilnehmern zu bestätigen und um die Öffentlichkeit auf das riesige Potential von internationalen Begegnungen aufmerksam zu machen, entwickelte die Fachstelle für internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) e.V. den „Kompetenznachweis International“. Ihm liegt ein standardisiertes Verfahren zur Feststellung und Beschreibung von Kompetenzen fernab von jeder Zeugnismentalität zugrunde, was diesem Instrument seine besondere Qualität verleiht.

Der JugendSozialwerk Nordhausen e.V. hat mit den ersten Veröffentlichungen die Bedeutung dieser Art von Nachweis, insbesondere auch für seine in den Einrichtungen der Jugendhilfe betreuten benachteiligten Jugendlichen erkannt und bereits vor fünf Jahren die ersten beiden Anwenderinnen ausbilden lassen, von denen eine auch die Qualifikation als Ausbilder erwarb. Damit war die Absicht verbunden, möglichst viele eigene Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, an internationalen Maßnahmen beteiligten Jugendlichen die gezeigten Kompetenzen zu bescheinigen. Diese Absicht wird seither kontinuierlich umgesetzt.

Am vergangenen Wochenende begann bereits der dritte Ausbildungszyklus für Anwender im Kompetenznachweis International im JugendSozialwerk Nordhausen e.V.. Neun Mitarbeiter des Vereins sowie ein Gast nahmen die Gelegenheit wahr und opferten einen Teil ihres Wochenendes, um sich in vielen praktischen Übungen mit Anforderungsprofilen, dem Unterschied zwischen Beobachten und Bewerten, der Reflexion über Erlebtes und Beobachtetes sowie dem partnerschaftlichen Schreiben von Nachweistexten auseinanderzusetzen. Manche überraschende Erkenntnis wurde dabei gewonnen und wird wohl in der täglichen Arbeit ihren Niederschlag finden.

In den kommenden Wochen wird das im ersten Teil der Ausbildung erworbene Wissen bereits in der Praxis umgesetzt. So werden drei Mitarbeiter der Therapeutischen Wohngruppe Osterode mit den betreuten Jugendlichen für fünf Wochen nach Marokko fahren. „Diese Fahrten haben eine langjährige Tradition, ihre therapeutische Wirkung ist nachgewiesen“ – so Liane Menzel, die Teamerin der Einrichtung.

Die Ausbilderin für den Kompetenznachweis, Ines Gast, ist überzeugt, dass durch das Nachweisverfahren, nochmals eine Steigerung erreicht werden kann. „Alle unsere Erfahrungen zeigen, dass durch dieses partnerschaftliche Verfahren mit seiner geradlinigen Ausrichtung auf Kompetenzen und Ressourcen und mit seinen zielgerichteten gemeinsamen Reflexionen Lernprozesse bei den teilnehmenden Jugendlichen nicht nur zur Sprache gebracht sondern auch intensiviert werden.“

Das passt hervorragend zu den Schwerpunkten, die sich das Team der Therapeutischen Wohngruppe Osterode für die diesjährige Reise selbst gesetzt hat, nämlich konsequent an den Entwicklungszielen jedes einzelnen Jugendlichen zu arbeiten. „Wir sind sehr gespannt, wie es uns gelingen wird, das neue Instrument in die Arbeit mit den Jugendlichen zu integrieren und welche Effekte es tatsächlich bringen wird.“ so Birgit Kinne, Teilnehmerin an der Ausbildung und Erzieherin in der Wohngruppe.

Joanna Pawlaczek, Co-Moderatorin in der Ausbildung und Referentin für interkulturelles Lernen in Thüringen ist nicht nur selbst überzeugte Anwenderin des Kompetenznachweises. Sie ist auch dankbar dass sie in den Ausbildungen in Kontakt kommt mit Gruppen, die internationale Begegnungen planen. Hier kann sie zielgerichtet Unterstützung anbieten für die Vorbereitung der Teilnehmer auf die interkulturelle Erfahrung, die vor ihnen liegt. Gerade Jugendliche mit Suchtproblemen und Traumatisierungen, wie sie in der Therapeutischen Wohngruppe in Osterode betreut werden, haben oft große Ängste vor neuen Situationen und persönlichen Herausforderungen.

Eine Reise nach Marokko wird von ihnen zunächst weniger als Abenteuer denn als Zumutung betrachtet. Jeannine Abe, Erzieherin in der Einrichtung, weiß davon ein Lied zu singen. „Es ist oft ein Kampf, die Jugendlichen auf diese Herausforderung einzustimmen. Aber wir wissen, welche heilsamen und nachhaltigen Eindrücke sie letztlich von dieser Reise mitbringen werden.“

Der JugendSozialwerk Nordhausen e.V. misst von Beginn seiner Existenz an, internationalen Begegnungen und den daraus gewonnenen Erfahrungen große Bedeutung zu. Jährlich finden zu verschiedensten Themen und mit ganz unterschiedlichen Partnern auf fast allen Kontinenten internationale Begegnungen statt. Ganz aktuell stehen neben der bereits genannten Marokkofahrt beispielsweise an:
  • eine deutsch-polnische Jugendbegegnung zum Leben der Juden in Wroclaw (Breslau) und Jena in der Zeit des Nationalsozialismus,
  • ein Fachkraftaustausch mit Tunesien zu reformpädagogischen Ansätzen in der frühkindlichen Bildung,
  • ein Treffen ehemaliger Europäischer Freiwilliger im JugendSozialwerk Nordhausen e.V.,
  • ein dreimonatiges Praktikum zweier Studenten des Vereins an der Berufsakademie Heidenheim im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum in Skt. Petersburg. Beide haben übrigens auch an der Ausbildung zum Kompetenznachweis International teilgenommen.
Aktuell führt Joanna Pawlaczek im Rahmen ihres berufsbegleitenden Studiums „Interkulturelle Personalentwicklung“ eine Befragung durch, die sich mit verschiedenen Aspekten von internationalen Erfahrungen der Mitarbeiter im Verein beschäftigt.

Geplant ist außerdem eine Evaluation der Auswirkungen des Europäischen Freiwilligendienstes in den Aufnahmeprojekten des Vereins. Anlass ist, dass sich der JugendSozialwerk Nordhausen e.V. im kommenden Jahr seit 15 Jahren an der Aktion des EU-Programms beteiligt. In dieser Zeit haben in den Einsatzprojekten des Vereins mehr als 50 Freiwillige ihren Dienst geleistet. Mit vielen von ihnen bestehen nach wie vor persönliche Kontakte. Nun soll untersucht werden, wie der Freiwilligendienst das Leben der jungen Menschen beeinflusst hat. Auch hier werden wieder Kompetenzen im Mittelpunkt stehen, die im internationalen Kontext erworben wurden.

Um interkulturelle Kompetenzen geht es auch im Projekt „Interkulturelles Lernen in Kindertagesstätten“. Die intensivsten Lernimpulse bekommen Kinder bereits, bevor sie in Deutschland eingeschult werden. Diesem Umstand trägt der Verein mit seinem Projekt genau so Rechnung wie der Tatsache, dass es einem Kind von heute kaum gelingen wird ohne interkulturelle Kontakte aufzuwachsen.

„Wir wollen den Umgang mit Interkulturalität für unsere Kinder von Beginn an zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Darauf bereiten wir unsere Mitarbeiter gezielt vor und begleiten sie im Prozess der Einführung geeigneter Maßnahmen in den Kindergartenalltag“, so Nadja Gropp, die genau für diese Begleitung verantwortlich ist. Die Eltern der Kinder stehen diesen Bestrebungen nicht nur aufgeschlossen gegenüber, sie unterstützen ihn auch durch persönliches Engagement. Um den interkulturellen Austausch noch authentischer und für die Kinder emotionaler zu gestalten, bemüht sich der Verein um Patenschaften mit Kindergärten im Ausland. Für zwei Einrichtungen konnten im vergangenen Jahr Partner in Skt. Petersburg gefunden werden.

Auch für Kinder im Schulalter hält der JugendSozialwerk Nordhausen Angebote zum interkulturellen Lernen bereit. Im „Fröbelhaus“, dem Jugendgästehaus des Vereins in Rudolstadt, werden Klassenfahrten angeboten, die auf unterhaltsame und spielerische Weise interkulturellen Kompetenzerwerb ermöglichen. Dadurch wächst das Verständnis für den Mitschüler mit Migrationshintergrund und alte Verhaltensmuster werden aufgebrochen. Das Lernklima kann dadurch nachhaltig verbessert werden.

Auch Nordhäuser Schulen sind in Rudolstadt herzlich willkommen. Joanna Pawlaczek kommt mit ihren Angeboten aber auch gern zu Projekttagen oder -wochen vor Ort. Im Rahmen des Programms „Stärken vor Ort“ bemüht sich der Verein derzeit gezielt um Kontakte zu Schulen und Jugendgruppen, die an diesen Angeboten interessiert sind.

Interkulturelle Kompetenzen betreffen vielfältige Schlüsselkompetenzen. Sie zu erwerben und zu pflegen, heißt sich fit zu machen für die allgemeinen Anforderungen des 21. Jahrhunderts – im Berufsleben, aber auch im privaten Umfeld! Der JugendSozialwerk Nordhausen e.V. ist dabei allen Altersgruppen ein kompetenter Partner.
Autor: nnz

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