Mi, 14:37 Uhr
03.03.2010
nnz-Wetterrückblick: Der Winter ist vorbei
Kalt, schneereich und sehr wenig Sonne – so lautet das Winter-Fazit des Deutschen Wetterdienstes. Wenigstens kalendarisch ist der Winter nun vorbei, meteorologisch dauert es noch drei Wochen bis zum Äquinoktium, welches das Frühjahr in den gemäßigten Breiten einleitet...
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Gemeint ist damit der Tag, an dem die Sonne über dem Äquator im Zenit steht und dann – zumindest aus der menschlichen Perspektive – endlich wieder in Richtung Norden wandert.
Wie war der Nordhäuser Winter auf dem Campus? In den vergangenen 50 Jahren wurden Temperaturen zwischen minus fünf und plus 3 Grad als Wintermitteltemperatur gemessen. In diesem Winter betrug die korrigierte Lufttemperatur minus 2,4°C. Damit war der Winter im Vergleich zu dem langjährigen Mittel um 2,2 °C zu kalt. Und er gehört zu den zehn kältesten Monaten seit 1956.
Vor allem die Anzahl der Tage mit Dauerfrost ist beeindruckend. In den Wintermonaten 2006/2007 und 2007/2008 gab es nur zwei bzw. vier Eistage. Im vergangenen Winter waren es immerhin 11 Eistage. In Winter 2009/2010 stieg die Temperatur dagegen an 32 Tagen nicht über den Gefrierpunkt. Ein Monat Dauerfrost!
Nachdem im Dezember 2009 etwas mehr Niederschlag als üblich registriert wurde, sank die Niederschlagsmenge an der Campus-Station wieder auf die Hälfte der üblichen Liter/m². Im Januar und Februar wurden jeweils knapp 20 Millimeter gemessen. In der Summe fiel damit nur 66% des normalen Niederschlags während der Wintermonate, bei den vorherrschenden Minus-Temperaturen vor allem als Schnee.
Der Wind wehte in den drei Wintermonaten überwiegend aus östlichen Richtungen, wobei in der ersten Monatshälfte des Dezembers und der zweiten Monatshälfte des Februar westliche Strömungen vorherrschten. Diese korrelieren sehr gut mit wärmeren Lufttemperaturen und höheren Niederschlägen. Luftmassen aus dem Osten sind dahingegen im Winter überwiegend trocken und sehr kalt.
Zu wenig Sonne, das gab es auch in Nordhausen: Nur 60% der üblichen Sonnenscheindauer wurde in den Wintermonaten registriert. Der Dezember hat uns zwar noch mit normalen Sonnenminuten (ca. 29 Stunden) verwöhnt, im Januar und Februar hingegen war die Sonne jeweils nur die Hälfte der üblichen Zeit zu sehen: 20 bzw. 30 Stunden war sie zu sehen. Im Februar konnten wir die Sonne so immerhin eine Stunde am Tag genießen.
Der Monat Februar zeigte zur Monatsmitte noch einmal mit Nachdruck, dass es sich um einen echten Wintermonat handelt. Minus 14,8 °C wurden in den frühen Morgenstunden des 17. Februar 2010 auf dem Campus gemessen. 11 Tage später gab es dann aber immerhin schon vorfrühlingshafte 12,7°C und der Schnee taute schnell ab.
Parallel zu den ansteigenden Temperaturen wurde es am Monatsende richtig windig. Das Sturmtief Xynthia näherte sich von Südwesten dem Harzer Mittelgebirge. Kurz nach der Mittagszeit am 28. Februar frischte der Wind auf und bis in die Nachstunden wurde es mit 16,1 Meter pro Sekunde als 1-Minuten-Mittelwert richtig stürmisch. Böen zeichnet das Anemometer der Fachhochschule leider nicht auf. Es ist aber zu vermuten, dass orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten um 100 km/h kurzfristig auftraten. Abgebrochene und entwurzelte Bäume sind hierfür ein sicherer Zeiger.
Fazit: Nordhausen hatte ihn auch, den kalten und schneereichen Winter. Wagen wir jedoch den Blick über den Tellerrand hinaus und betrachten die globalen Mitteltemperaturen der vergangenen Monate, so haben wir sie wieder im Fokus – die globale Erwärmung: Der vergangene Winter war nämlich der viertwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen – weltweit.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Gemeint ist damit der Tag, an dem die Sonne über dem Äquator im Zenit steht und dann – zumindest aus der menschlichen Perspektive – endlich wieder in Richtung Norden wandert.Wie war der Nordhäuser Winter auf dem Campus? In den vergangenen 50 Jahren wurden Temperaturen zwischen minus fünf und plus 3 Grad als Wintermitteltemperatur gemessen. In diesem Winter betrug die korrigierte Lufttemperatur minus 2,4°C. Damit war der Winter im Vergleich zu dem langjährigen Mittel um 2,2 °C zu kalt. Und er gehört zu den zehn kältesten Monaten seit 1956.
Vor allem die Anzahl der Tage mit Dauerfrost ist beeindruckend. In den Wintermonaten 2006/2007 und 2007/2008 gab es nur zwei bzw. vier Eistage. Im vergangenen Winter waren es immerhin 11 Eistage. In Winter 2009/2010 stieg die Temperatur dagegen an 32 Tagen nicht über den Gefrierpunkt. Ein Monat Dauerfrost!
Nachdem im Dezember 2009 etwas mehr Niederschlag als üblich registriert wurde, sank die Niederschlagsmenge an der Campus-Station wieder auf die Hälfte der üblichen Liter/m². Im Januar und Februar wurden jeweils knapp 20 Millimeter gemessen. In der Summe fiel damit nur 66% des normalen Niederschlags während der Wintermonate, bei den vorherrschenden Minus-Temperaturen vor allem als Schnee.
Der Wind wehte in den drei Wintermonaten überwiegend aus östlichen Richtungen, wobei in der ersten Monatshälfte des Dezembers und der zweiten Monatshälfte des Februar westliche Strömungen vorherrschten. Diese korrelieren sehr gut mit wärmeren Lufttemperaturen und höheren Niederschlägen. Luftmassen aus dem Osten sind dahingegen im Winter überwiegend trocken und sehr kalt.
Zu wenig Sonne, das gab es auch in Nordhausen: Nur 60% der üblichen Sonnenscheindauer wurde in den Wintermonaten registriert. Der Dezember hat uns zwar noch mit normalen Sonnenminuten (ca. 29 Stunden) verwöhnt, im Januar und Februar hingegen war die Sonne jeweils nur die Hälfte der üblichen Zeit zu sehen: 20 bzw. 30 Stunden war sie zu sehen. Im Februar konnten wir die Sonne so immerhin eine Stunde am Tag genießen.
Der Monat Februar zeigte zur Monatsmitte noch einmal mit Nachdruck, dass es sich um einen echten Wintermonat handelt. Minus 14,8 °C wurden in den frühen Morgenstunden des 17. Februar 2010 auf dem Campus gemessen. 11 Tage später gab es dann aber immerhin schon vorfrühlingshafte 12,7°C und der Schnee taute schnell ab.
Parallel zu den ansteigenden Temperaturen wurde es am Monatsende richtig windig. Das Sturmtief Xynthia näherte sich von Südwesten dem Harzer Mittelgebirge. Kurz nach der Mittagszeit am 28. Februar frischte der Wind auf und bis in die Nachstunden wurde es mit 16,1 Meter pro Sekunde als 1-Minuten-Mittelwert richtig stürmisch. Böen zeichnet das Anemometer der Fachhochschule leider nicht auf. Es ist aber zu vermuten, dass orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten um 100 km/h kurzfristig auftraten. Abgebrochene und entwurzelte Bäume sind hierfür ein sicherer Zeiger.
Fazit: Nordhausen hatte ihn auch, den kalten und schneereichen Winter. Wagen wir jedoch den Blick über den Tellerrand hinaus und betrachten die globalen Mitteltemperaturen der vergangenen Monate, so haben wir sie wieder im Fokus – die globale Erwärmung: Der vergangene Winter war nämlich der viertwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen – weltweit.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp


