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Sa, 10:24 Uhr
28.11.2009

Eindrucksvoll aufgetaucht

Lange war der mysteriöse Freund Bunbury verschwunden von den Bühnen der Republik. Jetzt tauchte er wieder auf. In Nordhausen. Und wie. Für die nnz überzeugte sich Olaf Schulze von den Wiederbelebungsversuchen des einzigen DDR-Musicals.


Vielleicht braucht es ja gerade einen Österreicher, damit eine Oscar-Wilde-Komödie, die zum einzigen Musicalerfolg der größten DDR der Welt avancierte, auch im Theater Nordhausen ein Bühnenerfolg wird. Wolfgang Dosch hat in seiner "Bunbury"-Inszenierung ganz offensichtlich getan, was er tun musste und ist dafür am gestrigen Abend völlig verdient mit langanhaltendem Premierenbeifall belohnt worden.


Uta Haase als Lady Bracknell: "Ich war schon immer gegen Geldhochzeiten. Schließlich hatte ich ja auch keinen Penny, als ich Lord Bracknell heiratete"

Vorangegangen waren zweieinhalb kurzweilige Stunden auf der großen Bühne des Nordhäuser Musestempels, der mit erwartungsfrohen Besuchern sehr gut gefüllt war. Und deren Hoffnung auf gute Unterhaltung wurde von einem schwungvollen und hoch motivierten Ensemble bestens bedient.

Schon Ronald Winters Bühnenaufbauten mit vielen Versatzstücken der untergegangenen Republik regten zum Schmunzeln an; aber was die Sänger und Tänzer dann angetrieben vom frisch und kräftig aufspielenden Loh-Orchester (unter Leitung von Alexander Stessin) boten, war richtig gutes Entertainment. Joshua Farrier und Anton Leiß-Huber als ungleiches Freundespaar verstricken sich immer mehr in die Lügen um ihren erfundenen Freund Bunbury und verlieben sich dabei über Kreuz in zwei heiratswütige Mädchen.

Sandra Schütt als Gwendolin überzeugte als ungeduldig verliebte Jungfrau in allen Gefühlslagen und Corinna Ellwanger als Heilsarmeesängerin mit Doppelleben avancierte mit ihrer kessen und jederzeit souveränen Art zum Star des Abends. Egal ob gesungen, getanzt oder gespielt, da stimmte einfach alles. Aber auch die Vollblutkomödiantin Uta Haase als Lady Bracknell war sängerisch, tänzerisch und spielerisch hervorragend.

Dazu die Heilsarmeeoffiziere Sigrid Herforth und Thomas Kohl, die ihrem Affen so richtig Zucker geben konnten und Frank Sieckel als Butler. Der war umwerfend. Der setzte die Pointen so leicht, dass die Zuschauer kaum merkten, worüber sie lachten. Und das war auch wirklich nicht so wichtig. Aber wie er die Butler-Zwillinge darbot, das war großes Theater.

Unterstützt vom erneut sehr ansprechenden Theaterchor (Leitung Daniel Mayr) und dem agilen Ballett (Jutta Wörne chroreografierte) steigerten sich alle Beteiligten zu Höchstleistungen mit einer deutlich spürbaren Spielfreude. So ist am Ende festzuhalten, dass es unverständlich ist, warum die turbulente Geschichte mit einer zeitlos gut passenden Musik von Gerd Natschinski so selten aufgeführt wird und dass es ein wahres Glück für das Nordhäuser Publikum ist, diese Inszeniering im Spielplan zu haben.

"Mein Freund Bunbury" wird noch vielen Theaterbesuchern Freude bereiten. Und so einen Theaterbesuch kann man sich auch schenken.
Ich meine das jetzt ganz positiv, beispielsweise zu Weihnachten. Mehr Fotos von der Premiere in einer nnz-Bildergalerie.

Nächste Aufführungen: 2.1. um 15 Uhr, 4.12. 19.30 Uhr.
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