Mi, 12:50 Uhr
21.10.2009
Karriere eines Musterschülers
Er hat zu denen gehört, von denen viel erwartet wurde: in der Schule, in der Arbeitsgemeinschaft, von der allein erziehenden Mutter. Und er hat sich Mühe gegeben. Mehr über diese Mühe ist am Montag zu hören...
Schon mit sieben erfand er im Zeichenunterricht eigene Motive, in der Schule war er immer der Beste, und seine Mutter konnte hoffen, dass ihre Träume von ihm verwirklicht werden würden. Doch Jochen Schanotta musste die Erfahrung machen, dass die, die das meiste von ihm erwarteten, nicht seine Individualität meinten. So wurde der begabte Schüler zum Aussteiger. Er wollte weglaufen, doch wohin? Das Land mit Draht umwickelt, damit’s nicht auseinander fällt und so klein, dass ein Landstreicher immer wieder dort ankommt, wo er weg wollte.
In der Hörbühne am kommenden Montag wird anlässlich des 20. Wendejubiläums Jochen Schanotta von Georg Seidel vorgestellt, ein 1985 am Berliner Ensemble uraufgeführtes Schauspiel. An der szenischen Lesung sind sieben Personen unterschiedlicher Theaterabteilungen – von der Kasse bis zum Jungen Theater – beteiligt. Bei der Hörbühne wird noch einmal lebendig, welch großes menschliches Potential in der DDR verschleudert wurde. Doch Seidel beschuldigt nicht pauschal ein System, sondern befragt seine Einzelpersonen, inwieweit sie für ein Leben, vor dem man weglaufen möchte, verantwortlich sind. Er zeigt einen Querschnitt durch die Gesellschaft, indem er Schüler, Lehrer, junge und ältere Arbeiter sowie Ärzte zu Personen seines Stückes macht.
Einerseits bietet die DDR-Dramatik der 80er ein Erinnern, allerdings keines, bei dem sich Ostalgie einstellt. Denn andererseits ist diese Dramatik Herausforderung: Aus Stücken wie Jochen Schanotta erfährt der heutige Zuschauer etwas über die Vergangenheit derer unter uns, die als Ossis bezeichnet werden, und die doch die gleichen Träume von einem unverwechselbaren eigenen, glücklichen Leben haben wie die weiter westlich Geborenen, mit denen sie gemeinsam seit der friedlichen Revolution vor 20 Jahren für ihre Träume arbeiten.
Die szenische Lesung Jochen Schanotta findet am Montag, dem 26. Oktober, um 20.00 Uhr im Theater unterm Dach statt. Eintritt fünf Euro. Karten gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse, Tel. (0 36 31) 98 34 52, und an der Abendkasse im Theater unterm Dach.
Autor: nnz/knSchon mit sieben erfand er im Zeichenunterricht eigene Motive, in der Schule war er immer der Beste, und seine Mutter konnte hoffen, dass ihre Träume von ihm verwirklicht werden würden. Doch Jochen Schanotta musste die Erfahrung machen, dass die, die das meiste von ihm erwarteten, nicht seine Individualität meinten. So wurde der begabte Schüler zum Aussteiger. Er wollte weglaufen, doch wohin? Das Land mit Draht umwickelt, damit’s nicht auseinander fällt und so klein, dass ein Landstreicher immer wieder dort ankommt, wo er weg wollte.
In der Hörbühne am kommenden Montag wird anlässlich des 20. Wendejubiläums Jochen Schanotta von Georg Seidel vorgestellt, ein 1985 am Berliner Ensemble uraufgeführtes Schauspiel. An der szenischen Lesung sind sieben Personen unterschiedlicher Theaterabteilungen – von der Kasse bis zum Jungen Theater – beteiligt. Bei der Hörbühne wird noch einmal lebendig, welch großes menschliches Potential in der DDR verschleudert wurde. Doch Seidel beschuldigt nicht pauschal ein System, sondern befragt seine Einzelpersonen, inwieweit sie für ein Leben, vor dem man weglaufen möchte, verantwortlich sind. Er zeigt einen Querschnitt durch die Gesellschaft, indem er Schüler, Lehrer, junge und ältere Arbeiter sowie Ärzte zu Personen seines Stückes macht.
Einerseits bietet die DDR-Dramatik der 80er ein Erinnern, allerdings keines, bei dem sich Ostalgie einstellt. Denn andererseits ist diese Dramatik Herausforderung: Aus Stücken wie Jochen Schanotta erfährt der heutige Zuschauer etwas über die Vergangenheit derer unter uns, die als Ossis bezeichnet werden, und die doch die gleichen Träume von einem unverwechselbaren eigenen, glücklichen Leben haben wie die weiter westlich Geborenen, mit denen sie gemeinsam seit der friedlichen Revolution vor 20 Jahren für ihre Träume arbeiten.
Die szenische Lesung Jochen Schanotta findet am Montag, dem 26. Oktober, um 20.00 Uhr im Theater unterm Dach statt. Eintritt fünf Euro. Karten gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse, Tel. (0 36 31) 98 34 52, und an der Abendkasse im Theater unterm Dach.


