nnz-Forum: Schluss mit dem Töten!
Gestern starben drei Bundeswehrsoldaten im Krieg in Afghanistan. Es ist völlig unerheblich, ob sie, wie die Taliban behaupten, im Schusswechsel tödlich verwundet wurden oder bei einem Unfall im Gefecht umkamen. Dazu die Meinung eines nnz-Lesers...
Sie sind tot. Ich trauere um sie. Die jungen Männer hätten vielleicht auch meine Söhne sein können. Deutschland ist wieder einmal im Krieg. Der dritte, wenn ich richtig gezählt habe, seit dem die rot-grüne Regierung 1999 erstmals nach dem zweiten Weltkrieg deutsche Soldaten in den Kampfeinsatz schickte.
Im Unterschied zum völkerrechtswidrigen Krieg von vor zehn Jahren in Jugoslawien hat sich Einstellung und Sprache der Regierenden mittlerweile geändert, wenn es um die Fortsetzung der Politik unter Einbeziehung anderer Mittel geht. Krieg scheint für Deutschland schon wieder zum Normalen zu gehören. Zwar darf das, was wir da als Bundesrepublik in Nordafghanistan veranstalten, noch nicht so richtig beim Namen genannt werden.
Bislang firmiert es offiziell als friedenssichernde Maßnahme im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Aber Verteidigungsminister Jung von der CDU ist heute schon ziemlich klar und deutlich geworden, als er die mangelnde Unterstützung der deutschen Bevölkerung für den Einsatz unserer Soldaten beklagte. Wahrscheinlich ist dem Herrn entfallen, was sich in den letzten 100 Jahren in Deutschland so alles ereignet hat. Vielleicht lädt ihn die Nordhäuser OB mal zur nächsten Gedenkfeier zum 4. April vor dem Rathaus ein?
Jetzt fordert Herr Jung auch noch eigene deutsche Lufteinsätze zur operativen Unterstützung unserer Bodentruppen. Die Luftwaffe soll die Kampfeinsätze zur Begleitung der deutschen Infanterie deshalb fliegen, damit man nicht, wie gestern geschehen, die Amerikaner darum bitten muss. Die nämlich sind bekanntlich bei der Wahl ihrer Ziele nicht sehr zimperlich und das könnte wieder auf die Deutschen zurückfallen. Afghanische Polizisten auszubilden und Brunnenbaumaßnahmen für die Zivilbevölkerung sehen jedenfalls anders aus.
Herr Rogge von der SPD, der Wehrbeauftragte des Bundestags, sprach heute ganz ungeniert vom Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan und war ausgesprochen froh, dass man das jetzt so auch nennen darf. Ich teile seine Freude überhaupt nicht.
Was tun wir dort eigentlich, wenn wir das Leben unserer jungen Frauen und Männer und das Tausender von Afghanen gefährden? In einem Konflikt, der, was alle Beteiligten seit langem wissen, mit militärischen Mitteln nicht zu lösen ist? Herr Jung sprach deutlich davon, dass es sich mittlerweile vor Ort nicht mehr um die fast schon gewohnten Terroranschläge handelt, sondern um offene Gefechte.
Das heißt im Klartext, dass unsere Armee ein Kombattant in einem waschechten Feldkrieg geworden ist und die Taliban sie längst nicht mehr fürchten müssen. Wir werden aber weder die Taliban wegbomben, noch als militärische Schutzmacht in der Tradition des 19. Jahrhunderts ein von den afghanischen Clans nicht toleriertes Regime auf Dauer etablieren. Unseren historisch guten Ruf bei den Afghanen haben wir bereits durch den Einsatz dort langfristig verwirkt.
Der Konflikt, in den sich die Regierung und die Mehrheit des dem Bundeswehrmandat zustimmenden Bundestages völlig unverantwortlich hat hineinziehen lassen, ist den Beteiligten längst über den Kopf gewachsen. Er wird auf Dauer nur weiteren Tod, Elend und verlorene diplomatische Chancen einbringen.
Der Thüringer Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der FDP, Uwe Barth, hatte den Mut gehabt, sich im Oktober letzten Jahres persönlich gegen die Verlängerung des Mandates der deutschen Soldaten in Afghanistan öffentlich auszusprechen. Dafür verdient er Hochachtung von allen, die an Frieden und Vernunft interessiert sind.
Ich bitte den neu gewählten Kreistag des Landkreises Nordhausen, einen Beschluss aller seiner demokratischen Mitglieder im Interesse des Friedens und des Lebens zu fassen: Der oder die neu gewählte Kreistagspräsidentin soll mit der moralischen Unterstützung des Kreistags eine Petition an den Bundestag zum Zwecke des unverzüglichen, geordneten Abzugs der militärischen Kräfte der Bundesrepublik Deutschland aus Afghanistan einbringen.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
Autor: nnz
Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare
Frank Tabatt
25.06.2009, 00:20 Uhr
Afghanistanfeldzug- wer fährt da hin?
Als dieser Einsatz vom Bundestag vor ein paar Jahren beschlossen wurde, fragte ich per Mail beim Verteidigungsminister an , wieviele der einzusetztenden Soldaten Söhne oder Töchter von Regierungsmitgliedern oder Abgeordneten sind- leider habe ich bis heute keine Antwort erhalten.
Wenn man nicht selbst betroffen ist, fallen solche Einsatzentscheidungen immer leichter.
Der Krieg dort ist so verfahren, das ich glaube vor Ort ist Hilfe kaum möglich. Man sollte eher zuverlässige , regierungstreue Afghanen in Europa qualifiziern, damit sie zu Hause ihre Probleme mit eigener Kraft und technischer Unterstützung der demokratischen Welt lösen können.
Frank Tabatt
Peter59
25.06.2009, 10:10 Uhr
Wir haben dort nichts verloren...
Die Bundeswehr hat in Afghanistan nichts zu suchen. Es stellt sich die Frage, ab wievielen Särgen getöteter deutscher Soldaten die Bundesregierung von ihrem irrsinnigen Kurs abweicht. Auf der einen Seite büßen Nachfolgegenerationen für die Resultate des II.Weltkrieges heute noch, obwohl sie mit diesen Ereignissen nichts zu tun hatten und wir schicken Soldaten in dieses marode Land.
Ein Widerspruch an sich. Wir verteidigen unsere Interessen nicht in Afghanistan, Terrorbekämpfung etc., sondern wir laden mit dem Engagement terroristische, fundamentalistische Elemente zum Handeln in Deutschland ein! Da kann auch der jetzt schon etablierte Überwachungsstaat nichts machen. Die Situation ist äußerst gefährlich, will scheinbar keiner wahrhaben.
H.Buntfuß
25.06.2009, 14:19 Uhr
Krieg ja oder nein?
Herr Koch Sie haben recht, aber hat Ihre Partei nicht für den Kriegseinsatz gestimmt? Ist es nicht so, dass Herr Westerwelle und seine Gefolgsleute der Meinung sind, der Kriegseinsatz muss fortbestehen.
Übrigens, wenn die Regierung hier nicht von Krieg spricht, hat ausschließlich Versicherungsgründe. Wenn man zugeben würde, dass man sich im Krieg befindet, wären viel höhere Versicherungssummen fällig und das sind unsere Soldaten dem Staat nicht wert. Die Regierung heuchelt Trauer, was tut sie denn für die seelisch schwer belasteten Soldaten. Ich spreche hier von Soldaten und nicht von den Führungsstab.
Real Human
26.06.2009, 14:31 Uhr
Appeasement ...
Appeasement ...
... oder aus der Geschichte nichts gelernt
Bevor ich mich zum Artikel von Herrn Koch und den nachfolgenden Kommentaren äußere, will ich den Angehörigen der drei Gefallenen mein Mitgefühl aussprechen. Auch wenn es, insbesondere manchen Betroffenen, vielleicht makaber erscheint, so bin ich mir absolut sicher, dass die drei Bundeswehrsoldaten nicht umsonst gestorben sind – ganz im Gegensatz zu den gefallenen Wehrmachtssoldaten.
Sowohl Herr Koch als auch Peter59 erwähnen den Zweiten Weltkrieg. Die richtigen Schlussfolgerungen haben sie daraus offensichtlich nicht gezogen. Sie hätten sich dann nämlich mit dessen Vorgeschichte beschäftigen müssen. Unweigerlich wären sie dabei auf den schönen Anglizismus Appeasement-Politik gestoßen. Klar, kaum ein Franzose, Brite oder US-Amerikaner wollte 15 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wieder in einen blutigen Krieg ziehen, nur um diesen creazy Hitler in die Psychiatrie oder auf die Guillotine zu schicken. Allerdings hatten die alliierten Staatsmänner mit dem Friedensvertrag von Versailles die Drachenzähne für den nächsten Weltkrieg gesät.
Dennoch gab es bereits kurz nach der Machtergreifung Hitlers selbst aus der größtenteils reaktionären Reichswehr heraus Sondierungen insbesondere zu den Engländern mit dem Ziel eines Staatsstreiches gegen das NS-Regime – Röhmkrise 1934, Septemberverschwörung 1938. Spätestens die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes hätte aus Sicht Frankreichs und Englands das Signal zu einem militärischen Eingreifen sein müssen. Aufgrund des noch geringen Rüstungsstands der Wehrmacht hätte sich der Verlust an Menschenleben noch in Grenzen gehalten. Die Septemberverschwörung von 1938 zeigt, dass es auch in der Wehrmacht Unterstützer für die Entmachtung der Nazis gegeben hätte.
Die deutsche Geschichte zeigt anschaulich, dass man Diktaturen in ihren Anfängen bekämpfen muss. Lässt man sie gewähren, riskiert man Weltkonflikte mit Zigmillionen Toten.
Auch religiöse Führer haben Ambitionen, ihre Weltanschauungen zur Weltherrschaft zu führen. Wer dies relativiert, kennt Fundamentalisten und religiöse Eiferer nicht. Selbst Friedrich Nietzsche bezeichnete Überzeugungen als größere Feinde der Wahrheit als Lügen. Sie werden damit auch schnell zu Todfeinden der Meinungsfreiheit und des gesellschaftlichen Fortschritts. Wie das praktisch aussieht, kann man heute im Iran betrachten. Das bedeutet natürlich nicht, dass man auf moderne Waffentechnologie verzichtet, schließlich will man seine Herrschaft militärisch absichern.
Wenn man dann noch davon überzeugt ist, dass die eigene Weltanschauung ein Segen für die ganze Menschheit sei, ist man auch bereit, sie mit Feuer und Schwert zu verbreiten. Dies galt allerdings auch eine Zeit lang für die Anhänger des American Way of Lifeoder der Lebensart des Homo sovieticus
Auch bestimmte fundamentalistische Islamisten legen die Suren ihres Propheten für sich selbst recht kommod aus: Mädchen dürfen keine Schule besuchen. Frauen werden folglich wie dumme Sklavinnen behandelt. Wer vom Islam abfällt, wird zutode gesteinigt. Eine Trennung von Staat und Religion wird von den Fundamentalisten – nicht von allen Muslimen!!! – grundsätzlich abgelehnt!
Als bekennender Humanist und Atheist halte ich nichts von religiösen Wahnvorstellungen. Wer wegen der Endlichkeit seiner eigenen Existenz Trost in einem religiösen Glauben sucht und findet, der soll meinetwegen diesen auch praktizieren. Wer aber seinen Glauben mit Gewalt anderen aufzwingen will, der muss – wenn nicht anders möglich – auch mit militärischer Gewalt in Schach gehalten werden. Jede andere Haltung würde letztlich wieder zu weltweiten blutigen Religionskriegen führen, hinter denen sich aber eigentlich viel profanere Schamaneninteressen verbergen – Religion als Herrschaftsinstrument.
Die Bundeswehrsoldaten wehren in Afghanistan den Anfängen einer weltweiten religiösen Barbarei. Völlig unverständlich (aber vielleicht auch nicht!) ist mir die Haltung der Linken:
Als im Dezember 1979 sowjetische Truppen Afghanistan besetzten, war dies in Ordnung. Wenn jetzt eine prinzipiell demokratische afghanische Regierung durch einen durch ein ISAF-Mandat legitimierten Truppeneinsatz geschützt wird, sprechen führende Vertreter der Partei DIE LINKE von einem militärischen Irrweg und setzen sich weiter für eine zivile Entwicklungszusammenarbeit ein. Glauben diese Naivlinge wirklich, die Taliban würden z.B. Schulen dulden, in denen auch an Mädchen Grundsätze der abendländischen Aufklärung vermittelt werden?
Die Destruktivität wird aber noch heftiger, wenn Klaus-Uwe Koch – ein Liberaler aus Nordhausen – folgendermaßen polemisiert:
Jetzt fordert Herr Jung auch noch eigene deutsche Lufteinsätze zur operativen Unterstützung unserer Bodentruppen. Die Luftwaffe soll die Kampfeinsätze zur Begleitung der deutschen Infanterie deshalb fliegen, damit man nicht, wie gestern geschehen, die Amerikaner darum bitten muss. Die nämlich sind bekanntlich bei der Wahl ihrer Ziele nicht sehr zimperlich und das könnte wieder auf die Deutschen zurückfallen. Afghanische Polizisten auszubilden und Brunnenbaumaßnahmen für die Zivilbevölkerung sehen jedenfalls anders aus.
Ach ja, die Söhne deutscher Mütter sollen also nicht vor den Angriffen religiöser Fanatiker optimal geschützt werden? Steht seine Partei etwa nicht in der Tradition der europäischen Aufklärung? Wie er seine Haltung in einer eventuellen schwarz-gelben Koalition rechtfertigen will, ist seine Sache.
Worum geht es eigentlich? 86 Prozent der Deutschen meinen, die Bundeswehr sollte grundsätzlich nicht an Kampfeinsätzen teilnehmen. Darin und in der Tatsache, dass in Thüringen noch zwei Wahlen anstehen, findet sich auch die Antwort. Ein anderer Liberaler hatte ja schon mal versucht, sich bei den Arbeitslosen anzubiedern.
denk-mal
26.06.2009, 19:22 Uhr
lieber herr birkefeld
sie haben sich viel mühe mit ihrer analyse gemacht.
nur ich möchte meinen sohn nicht dort in afganistan sehen! genau so wenig die söhne meiner mitmenschen. für wen? für wessen Interessen? wer hat etwas davon? warum sollen dort unsere söhne den kopf hin halten. in der geschichte der menschheit ging es immer um interessen und um das absichern des profits! die russen hatten sich in dieser gegend eine blutige nase geholt. warum waren die eigentlich damals da ? die hatten keinen 11. september und haben sich dort trotzdem eingefunden. deutsche haben dort nichts verloren und schon mal gar nichts zu gewinnen.
eine nation mit unserer geschichte sollte sich darauf besinnen, dass man mit humanitäre hilfe mehr erreichen kann. waffen in welchen händen auch immer, wecken nun mal keine sympatien, gebende hände schon eher. das organisieren von existenzsichernden maßnahmen ist wirklich hilfe, der aufbau von infrastruktur, von schulen, krankenhäsern ist hilfe und organisiert freundschaften und entlässt feinbilder! wer wann wie was und wo in der welt, was verdienen will ist die frage - krieg ist die fortsetzung der politik mit anderen mitteln.
ich muss auch gar nicht recht haben, aber eine meinung schon !
Klaus-Uwe Koch
26.06.2009, 22:58 Uhr
@birkefeld
Herr Birkefeld gefällt sich in schulmeisterischen Belehrungen. Das ist seine Sache. Genau so wie seine kruden Ansichten über den Krieg gegen den Terrorismus. Darüber könnte man auch getrost hinweggehen.
Nur geht es hier eben um Menschenleben, und das ist zu ernst, um es mit derartigem pseudohistorischen Geschwätz abzutun. Ich habe am Anfang meines Forumbeitrags nicht ohne Grund von Clausewitz zitiert. Wer sich als politischer Souverän eines Staates in einen Krieg begibt, muss sich seiner politischen Interessen und der möglichen Konsequenzen seines Handelns bis aufs äußerste im Klaren sein, bevor er zu militärischen Mitteln greift.
Ich achte deshalb jeden Pazifisten, der diese Verantwortung in Anbetracht dessen, was in bewaffneten Konflikten immer auf dem Spiel steht, nicht tragen will. Ich selbst bin kein Pazifist. Aber einen Krieg auf die Art und Weise und unter den Vorgaben zu führen, wie das die Bundesrepublik derzeit in Afghanistan tut, ist nach meiner Ansicht völlig unverantwortlich und gefährlich.
Die Welt hat sich geändert seit 1945. In der fragilen und vernetzten Welt der Gegenwart ist Krieg grundsätzlich eben kein gleichberechtigtes politisches Mittel mehr wie im alten Preußen.
Real Human
27.06.2009, 17:01 Uhr
Siehe, den Ungläubigen ist's gleich ...
... ob du sie warnst oder nicht warnst, sie glauben nicht. (Koran, 2. Sure, Vers 5)
Bevor ich auf die weisen Worte eines liberalen Nordhäuser Lokalpolitikers eingehe, will ich mich mit den wesentlich eindrucksvolleren – berechtigten – mahnenden Einwänden von denk-mal beschäftigen:
Auch ich würde meinen erwachsenen Kindern von einem zivilen oder militärischem Einsatz in solchen Krisengebieten abraten. Die letzte Kugel oder die Zyankalikapsel sollte man dort immer bei sich tragen. Die Gotteskrieger haben schon in den 80er Jahren den sowjetischen Soldaten gezeigt, welchem Gott sie wirklich dienen. Sollte mir aber jemand überzeugend klarmachen, dass er dort die Zivilisation gegen die Barbarei verteidigen will, so würde ich ihn/sie mit Hochachtung und den besten Wünschen ziehen lassen – natürlich ständig in der Angst, es könnte etwas Schlimmes passieren.
für wen? – Für über 50 % der afghanischen Bevölkerung, nämlich für die Frauen! Und für noch einmal mindestens 40 % Kinder und ältere Menschen, die noch von der letzten Talibanherrschaft die Schnauze voll haben.
Natürlich geht es im Kapitalismus immer um Profit. Mir ist aber ein halbdemokratischer Kapitalismus (Hollywood-Demokratie im Staat und letztendliche Diktatur in den Unternehmen) immer noch wesentlich lieber als eine Theokratie in der natürlich nur die Mullahs den Koran auslegen dürfen. Immerhin kann ich hier noch meine – fast nichts bewegende – Meinung fast uneingeschränkt äußern und muss sie nicht aus vor über 1377 Jahren niedergeschriebenen Versen ableiten. Und ich darf auch NOCH(!) behaupten, dass es keinen Gott gibt, der sie dem Propheten ins Ohr geflüstert hat. Sollen nur wir Europäer Meinungsfreiheit genießen dürfen, die Afghanen aber nicht?
für wessen Interessen? wer hat etwas davon?
Stellen wir uns vor, die Bundeswehr zöge ab. Warum sollten dann amerikanische, französische, britische, kanadische und Soldaten aus vielen anderen Ländern dort ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen? Würden alle ISAF-Truppen einschließlich der Amerikaner abgezogen, es würde kein halbes Jahr dauern und die Taliban würden das Land wieder beherrschen. Auch das mit Atomwaffen gerüstete Pakistan wäre davon betroffen. Religiöse Fanatiker würden wahrscheinlich in den Besitz von Massenvernichtungswaffen gelangen. Die Trägerraketen reichen bis Europa und in Tschechien und Polen wird gegen die Aufstellung von ein paar Abwehrraketen protestiert.
Klar, für Herrn Koch sind dies krude Vorstellungen. Was aber, wenn aus einem Horrorszenario Wirklichkeit wird? Werden deutsche Städte dann hoffentlich verschont, weil wir so einsichtig gegenüber den Taliban waren?
Vorher aber schon würden Millionen von Menschen fliehen. Wohin? Auch nach Deutschland. Das würde natürlich Auswirkungen auf die politische Meinung der von einer Wirtschaftskrise hart(?) getroffenen Deutschen und auch der lieben Nordhäuser haben. Hierzu verweise ich auf die parallel laufende Diskussionsrunde Zynismus pur vom 26.06.09! Und so höre ich manche schon
Die neue Internationale eines Frank Rennike singen:
Strömt herbei ihr Völkerscharen,
immer rein ins deutsche Land ...
Den Rest gibt’s im babylonischen Weltnetz. Ach ja, Herr Koch, jetzt bin ich in Ihren Augen wohl auch noch ein waschechter Nazi!?
Sie schreiben oder zitieren(?) ganz richtig:
Wer sich als politischer Souverän eines Staates in einen Krieg begibt, muss sich seiner politischen Interessen und der möglichen Konsequenzen seines Handelns bis aufs äußerste im Klaren sein, bevor er zu militärischen Mitteln greift.
Dem stimme ich absolut zu. Es gilt aber genauso, dass man einen Krieg erst dann beenden sollte, wenn der Feind so weit besiegt ist, dass man mit ihm einen sicheren und dauerhaften Frieden schließen kann. Feind ist allerdings ein sehr relativer Begriff. Wilhelm II. und der russische Zar waren eigentlich keine Feinde, sondern Klassenbrüder nur ihre Völker hatten das imperialistische Machtgerangel blutig auszubaden.
Die westlichen DEMO-kratien unterscheiden sich von orientalischen THEO-kratien allerdings sehr viel grundlegender. Wenn Demokratien und letztendliche orientalische Despotien aneinander geraten, dann geht es um mehr als nur um Rohstoffquellen und Absatzmärkte!
Ich gefalle mir hier nicht in schulmeisterlichen Belehrungen, sondern nehme nur ganz frech das Bürgerrecht für mich in Anspruch, den Meinungen von Politikern sachlich zu widersprechen. Und ab und zu polemisch sein, dies darf ich wohl genauso!
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