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nnz-Forum: Schluss mit dem Töten!

Mittwoch, 24. Juni 2009, 14:47 Uhr
Gestern starben drei Bundeswehrsoldaten im Krieg in Afghanistan. Es ist völlig unerheblich, ob sie, wie die Taliban behaupten, im Schusswechsel tödlich verwundet wurden oder bei einem Unfall im Gefecht umkamen. Dazu die Meinung eines nnz-Lesers...


Sie sind tot. Ich trauere um sie. Die jungen Männer hätten vielleicht auch meine Söhne sein können. Deutschland ist wieder einmal im Krieg. Der dritte, wenn ich richtig gezählt habe, seit dem die rot-grüne Regierung 1999 erstmals nach dem zweiten Weltkrieg deutsche Soldaten in den Kampfeinsatz schickte.

Im Unterschied zum völkerrechtswidrigen Krieg von vor zehn Jahren in Jugoslawien hat sich Einstellung und Sprache der Regierenden mittlerweile geändert, wenn es um die „Fortsetzung der Politik unter Einbeziehung anderer Mittel“ geht. Krieg scheint für Deutschland schon wieder zum Normalen zu gehören. Zwar darf das, was wir da als Bundesrepublik in Nordafghanistan veranstalten, noch nicht so richtig beim Namen genannt werden.

Bislang firmiert es offiziell als „friedenssichernde Maßnahme“ im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Aber Verteidigungsminister Jung von der CDU ist heute schon ziemlich klar und deutlich geworden, als er die mangelnde Unterstützung der deutschen Bevölkerung für den Einsatz unserer Soldaten beklagte. Wahrscheinlich ist dem Herrn entfallen, was sich in den letzten 100 Jahren in Deutschland so alles ereignet hat. Vielleicht lädt ihn die Nordhäuser OB mal zur nächsten Gedenkfeier zum 4. April vor dem Rathaus ein?

Jetzt fordert Herr Jung auch noch eigene deutsche Lufteinsätze zur operativen Unterstützung unserer Bodentruppen. Die Luftwaffe soll die Kampfeinsätze zur Begleitung der deutschen Infanterie deshalb fliegen, damit man nicht, wie gestern geschehen, die Amerikaner darum bitten muss. Die nämlich sind bekanntlich bei der Wahl ihrer Ziele nicht sehr zimperlich und das könnte wieder auf die Deutschen zurückfallen. Afghanische Polizisten auszubilden und Brunnenbaumaßnahmen für die Zivilbevölkerung sehen jedenfalls anders aus.

Herr Rogge von der SPD, der Wehrbeauftragte des Bundestags, sprach heute ganz ungeniert vom Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan und war ausgesprochen froh, dass man das jetzt so auch nennen darf. Ich teile seine Freude überhaupt nicht.

Was tun wir dort eigentlich, wenn wir das Leben unserer jungen Frauen und Männer und das Tausender von Afghanen gefährden? In einem Konflikt, der, was alle Beteiligten seit langem wissen, mit militärischen Mitteln nicht zu lösen ist? Herr Jung sprach deutlich davon, dass es sich mittlerweile vor Ort nicht mehr um die fast schon gewohnten Terroranschläge handelt, sondern um offene Gefechte.

Das heißt im Klartext, dass unsere Armee ein Kombattant in einem waschechten Feldkrieg geworden ist und die Taliban sie längst nicht mehr fürchten müssen. Wir werden aber weder die Taliban wegbomben, noch als militärische Schutzmacht in der Tradition des 19. Jahrhunderts ein von den afghanischen Clans nicht toleriertes Regime auf Dauer etablieren. Unseren historisch guten Ruf bei den Afghanen haben wir bereits durch den Einsatz dort langfristig verwirkt.

Der Konflikt, in den sich die Regierung und die Mehrheit des dem Bundeswehrmandat zustimmenden Bundestages völlig unverantwortlich hat hineinziehen lassen, ist den Beteiligten längst über den Kopf gewachsen. Er wird auf Dauer nur weiteren Tod, Elend und verlorene diplomatische Chancen einbringen.

Der Thüringer Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der FDP, Uwe Barth, hatte den Mut gehabt, sich im Oktober letzten Jahres persönlich gegen die Verlängerung des Mandates der deutschen Soldaten in Afghanistan öffentlich auszusprechen. Dafür verdient er Hochachtung von allen, die an Frieden und Vernunft interessiert sind.

Ich bitte den neu gewählten Kreistag des Landkreises Nordhausen, einen Beschluss aller seiner demokratischen Mitglieder im Interesse des Friedens und des Lebens zu fassen: Der oder die neu gewählte Kreistagspräsidentin soll mit der moralischen Unterstützung des Kreistags eine Petition an den Bundestag zum Zwecke des unverzüglichen, geordneten Abzugs der militärischen Kräfte der Bundesrepublik Deutschland aus Afghanistan einbringen.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
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Autor: nnz

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