Mi, 09:53 Uhr
06.05.2009
nnz-Forum: Ich schäme mich!
Die nnz hatte bereits gestern über die Zulassung von sechs Parteien zu den Kreistagswahlen berichtet. Dazu jetzt die Meinung eines Bürgermeisters im Forum der nnz...
Der Kreiswahlausschuss hat alle Listen der Wahlvorschläge für den Urnengang am 7. Juni 2009 zugelassen. Alle, das bedeutet auch der Vorschlag der NPD musste zugelassen werden. Die Rechtsextremen haben die notwendigen Unterstützungsunterschriften zur Einreichung von Wahlvorschlägen vorlegen können.
Ich bin entsetzt und ich schäme mich als Bürgermeister für die Menschen, auch aus unserer Gemeinde, die das Gedankengut der Nationalsozialisten mit ihrer Unterschrift unterstützen. Haben die Menschen vergessen, was die Nationalsozialisten unter der Führung Hitlers den Menschen angetan haben. Mehr als 20 Millionen Menschen haben im 2. Weltkrieg ihr Leben gelassen. Treblinka, Auschwitz, Buchenwald, Lager Dora, - Konzentrationslager, die vom NS-Staat für Massenmorde am europäischen Judentum und anderer ethnischer Minderheiten errichtet wurden.
Von ihrer Errichtung bis zur Beseitigung oder Befreiung 1944/45 wurden in den großen Vernichtungslagern weit über 3 Millionen Menschen vergast, hingerichtet, starben an Folgen von Folter, Unterernährung – eine fabrikmäßig Tötung. Kann man das alles vergessen, geht uns das nichts mehr an??? Im KZ-Lager Dora, ganz in unserer Nähe, weist eingangs ein riesiger Berg Kinderschuhe eindringlich auf die Tragödie hin, die dort von Menschen, die dem Nationalsozialismus dienten, angerichtet wurden.
Jedes Jahr lade ich am 2. Sonntag vor der Adventszeit zum Volkstrauertag alle Bürgerinnen und Bürger auf den Friedhof unserer Gemeinde ein, um mit Ihnen der Opfer von Gewaltherrschaft und Diktaturen aller Nationen zu gedenken. Jedes Jahr sind es leider nur die gleichen Gesichter, die dort der Kriegstoten und der zahlreichen Opfer, unnötige Opfer, gedenken. Es waren geschätzte 25- 30 Personen, die sich auf dem Friedhof versammelt haben. Darunter sind Menschen, die selbst die Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben und nahe Verwandte, Familienangehörige verloren haben.
Unterstützungsunterschriften für die NPD, die Nachfolger der Nationalsozialisten, waren es 26 bei uns in Sollstedt. Scheinbar reicht es, am Arm ins Haus geleitet zu werden, um Sympathie für diese Partei zu ergreifen.
In der Demokratie haben wir die Möglichkeit frei zu wählen. Wir tragen damit auch Verantwortung für unsere Stimme! Wir sollten, sofern es unser Verstand zulässt, gewissenhaft diese Stimme vergeben. Auch wenn im Kreistag keine Gesetze verabschiedet werden, so werden doch Entscheidungen getroffen, die unsere unmittelbare Umgebung und unser tägliches Leben beeinflussen.
Wehret den Anfängen fällt mir dazu ein. Dieser Ausspruch geht zurück bis auf Cicero, der damals schon warnte und die anständigen Bürger aufrief, Anfängen politischen Unheils Einhalt zu gebieten. Dass es auch in der Demokratie Ärger und Frust mit den Unzulänglichkeiten der Politik und der Politiker gibt, ist uns allen nicht fremd.
Aber wir haben in Deutschland Pressefreiheit, Demo-Freiheit, Meinungsfreiheit. Es sind uns genügend legale Mittel an die Hand gegeben, um unseren Willen laut und eindringlich zu Gehör zu bringen. Tun wir es! Ich glaube nicht, dass Neo-Nazis in Sollstedt wohnen, ich glaube, dass es Menschen waren, die sich über ihr Tun nicht im Klaren sind. Deshalb bin ich auch froh, dass die Kandidatenlisten bzw. demokratischen Parteien und Gruppierungen für die Gemeinderatswahlen in Sollstedt keine NPD beinhalten.
Meine Hoffnung ist, dass eine hohe Wahlbeteiligung verantwortungsbewusster Wählerinnen und Wähler dazu führt, dass die Braune Flut nicht im Kreistag einzieht. Ich habe eine große Erwartung, dass sich alle anderen nicht nur zur Kreistagswahl kandidierenden Parteien und Gruppierungen auch im Rahmen ihres Wahlprogramms zu dieser Thematik äußern werden.
Jürgen Hohberg, Bürgermeister
Autor: nnzDer Kreiswahlausschuss hat alle Listen der Wahlvorschläge für den Urnengang am 7. Juni 2009 zugelassen. Alle, das bedeutet auch der Vorschlag der NPD musste zugelassen werden. Die Rechtsextremen haben die notwendigen Unterstützungsunterschriften zur Einreichung von Wahlvorschlägen vorlegen können.
Ich bin entsetzt und ich schäme mich als Bürgermeister für die Menschen, auch aus unserer Gemeinde, die das Gedankengut der Nationalsozialisten mit ihrer Unterschrift unterstützen. Haben die Menschen vergessen, was die Nationalsozialisten unter der Führung Hitlers den Menschen angetan haben. Mehr als 20 Millionen Menschen haben im 2. Weltkrieg ihr Leben gelassen. Treblinka, Auschwitz, Buchenwald, Lager Dora, - Konzentrationslager, die vom NS-Staat für Massenmorde am europäischen Judentum und anderer ethnischer Minderheiten errichtet wurden.
Von ihrer Errichtung bis zur Beseitigung oder Befreiung 1944/45 wurden in den großen Vernichtungslagern weit über 3 Millionen Menschen vergast, hingerichtet, starben an Folgen von Folter, Unterernährung – eine fabrikmäßig Tötung. Kann man das alles vergessen, geht uns das nichts mehr an??? Im KZ-Lager Dora, ganz in unserer Nähe, weist eingangs ein riesiger Berg Kinderschuhe eindringlich auf die Tragödie hin, die dort von Menschen, die dem Nationalsozialismus dienten, angerichtet wurden.
Jedes Jahr lade ich am 2. Sonntag vor der Adventszeit zum Volkstrauertag alle Bürgerinnen und Bürger auf den Friedhof unserer Gemeinde ein, um mit Ihnen der Opfer von Gewaltherrschaft und Diktaturen aller Nationen zu gedenken. Jedes Jahr sind es leider nur die gleichen Gesichter, die dort der Kriegstoten und der zahlreichen Opfer, unnötige Opfer, gedenken. Es waren geschätzte 25- 30 Personen, die sich auf dem Friedhof versammelt haben. Darunter sind Menschen, die selbst die Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben und nahe Verwandte, Familienangehörige verloren haben.
Unterstützungsunterschriften für die NPD, die Nachfolger der Nationalsozialisten, waren es 26 bei uns in Sollstedt. Scheinbar reicht es, am Arm ins Haus geleitet zu werden, um Sympathie für diese Partei zu ergreifen.
In der Demokratie haben wir die Möglichkeit frei zu wählen. Wir tragen damit auch Verantwortung für unsere Stimme! Wir sollten, sofern es unser Verstand zulässt, gewissenhaft diese Stimme vergeben. Auch wenn im Kreistag keine Gesetze verabschiedet werden, so werden doch Entscheidungen getroffen, die unsere unmittelbare Umgebung und unser tägliches Leben beeinflussen.
Wehret den Anfängen fällt mir dazu ein. Dieser Ausspruch geht zurück bis auf Cicero, der damals schon warnte und die anständigen Bürger aufrief, Anfängen politischen Unheils Einhalt zu gebieten. Dass es auch in der Demokratie Ärger und Frust mit den Unzulänglichkeiten der Politik und der Politiker gibt, ist uns allen nicht fremd.
Aber wir haben in Deutschland Pressefreiheit, Demo-Freiheit, Meinungsfreiheit. Es sind uns genügend legale Mittel an die Hand gegeben, um unseren Willen laut und eindringlich zu Gehör zu bringen. Tun wir es! Ich glaube nicht, dass Neo-Nazis in Sollstedt wohnen, ich glaube, dass es Menschen waren, die sich über ihr Tun nicht im Klaren sind. Deshalb bin ich auch froh, dass die Kandidatenlisten bzw. demokratischen Parteien und Gruppierungen für die Gemeinderatswahlen in Sollstedt keine NPD beinhalten.
Meine Hoffnung ist, dass eine hohe Wahlbeteiligung verantwortungsbewusster Wählerinnen und Wähler dazu führt, dass die Braune Flut nicht im Kreistag einzieht. Ich habe eine große Erwartung, dass sich alle anderen nicht nur zur Kreistagswahl kandidierenden Parteien und Gruppierungen auch im Rahmen ihres Wahlprogramms zu dieser Thematik äußern werden.
Jürgen Hohberg, Bürgermeister
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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