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Fr, 07:35 Uhr
20.03.2009

Natürlich bedeutet nicht harmlos

In Gesundheitsfragen vertrauen viele Menschen auf natürliche Heilverfahren. Ayurveda, Homöopathie, Akupunktur, aber auch die Therapie mit Heilpflanzen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Hier ist aber auch Vorsicht geboten...


Viele Patienten lehnen bei leichteren Beschwerden die "chemische Keule" aus Angst vor Nebenwirkungen ab. Was oft nicht bekannt ist: Auch pflanzliche Arzneimittel können unerwünschte Wirkungen haben. Bei der Auswahl so genannter Phytopharmaka (phyto = Pflanze; pharmaka = Arzneimittel) sollte deshalb stets der fachkundige Rat aus der Apotheke eingeholt werden.

"Die Therapie mit Heil- und Arzneipflanzen hat eine jahrhundertelange Tradition", sagt Apothekerin Julie Garke, Pressesprecherin der Region Nordhausen. "Ob Magen- Darmbeschwerden, Unruhe, Verstopfung oder Blasenschmerzen für nahezu jedes Indikationsgebiet gibt es Pflanzen, die zur Linderung der Symptome eingesetzt werden können." Neben den traditionellen Arzneitees sind in der Apotheke inzwischen auch eine Reihe von Arzneimitteln mit Zubereitungen aus Pflanzen erhältlich.

"Da Tees, Extrakte, Tinkturen, Tabletten oder Kapseln mit Arzneipflanzen eine Heilkraft haben, können sie natürlich auch Nebenwirkungen verursachen", sagt Garke. So ist zum Beispiel Johanniskraut, das viele Menschen gegen depressive Verstimmungen einnehmen, für seine Phototoxizität bekannt: "Wer Johanniskraut anwendet, kann im Sommer leicht einen sonnenbrandähnlichen Hautausschlag bekommen", sagt Garke.

Die Kombination der Arzneipflanze mit bestimmten verschreibungspflichtigen Antidepressiva ist besonders gefährlich: "Es kann bei gleichzeitiger Einnahme zum so genannten Serotonin-Syndrom mit Schwitzen, Übelkeit, Durchfall und Verwirrtheit kommen", warnt Garke.

Pflanzliche Arzneimittel sind nicht immer "sanft" und "harmlos" deshalb gibt es auch bei Phytopharmaka Anwendungsbeschränkungen. "Wegen der Gefahr möglicher Leberschädigungen darf zum Beispiel bei Schöllkraut-haltigen Präparaten eine bestimmte Tagesdosis nicht überschritten werden", sagt Garke. Zubereitungen mit der Pflanze Kava-Kava lange Zeit als Beruhigungsmittel eingesetzt wurden wegen der gleichen Nebenwirkung aus dem Verkehr gezogen.

Wer denkt, pflanzliche Präparate enthalten keine chemischen Stoffe, der irrt: "Heilpflanzen sind regelrechte Arzneimittelfabriken: Sie produzieren zahlreiche chemische Substanzen, die für die Wirkung im Körper verantwortlich sind. Es handelt sich dabei nicht selten um hochwirksame Stoffe", sagt Garke. Pflanzen dienen deshalb auch heute noch häufig als Quelle für rein chemische Arzneistoffe. "So werden zum Beispiel bestimmte Wirkstoffe für Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen aus dem Fingerhut gewonnen, weil ihre Synthese im Labor zu aufwendig wäre", sagt Garke.

"Die meisten Phytopharmaka sind gut verträglich und können bedenkenlos angewendet werden. Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder Allergien auf bestimmte Inhaltsstoffe müssen allerdings immer berücksichtigt werden", sagt Garke. In der Apotheke erfahren Patienten nicht nur, ob die Einnahme eines pflanzlichen Medikaments mit Risiken verbunden ist, sondern auch wie sie korrekt angewendet werden.
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