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Mi, 14:00 Uhr
11.02.2009

Überglückliche Belegschaft

Während Beschäftigte des öffentlichen Dienstes heute vor dem Nordhäuser Rathaus demonstrierten, schwelgen die Mitarbeiter hinter den Mauern in äußerster Zufriedenheit. Auch was ihre Bezahlung angeht.


Mitte Oktober hatte die nnz berichtet, dass die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht länger als zwei Woche krank sein dürfen, wenn sie keine Abschläge bei der leistungsorientierten Bezahlung in Kauf nehmen wollen. „Wer krank ist, wird bestraft“, hieß es damals. Die Arbeitnehmervertretung, der Personalrat, hatte diese arbeitnehmerfeindliche Regelung ausdrücklich befürwortet, lenkte dann aber ein. Eine damals noch agierende Personalratschefin sagte wörtlich: „...wird der Personalrat jetzt der Spitze des Rathauses vorschlagen, dass es krankheitsbedingte Abschläge erst nach sechs Wochen geben wird – also erst nach Ablauf des Zeitraumes der gesetzlich verankerten Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.“

Der Personalrat – so schien es – übernimmt die Initiative in dieser Angelegenheit, obwohl es keinen Veränderungsbedarf aus der Belegschaft gegeben habe.

All das ist fünf Monate her, ein neues Jahr hat begonnen. Was hat der Personalrat unternommen, der mittlerweile eine neue Vorsitzende hat? Scheinbar nichts. Ilona Becker, so der Name der neuen Vorsitzenden, wartet seit fünf Monaten auf Signale aus der Belegschaft und sieht keine Veranlassung zur Veränderung der arbeitnehmerfeindlichen Version. Sie und ihre Personalratsmitglieder können auf eine zufriedene Belegschaft vertrauen. Vielleicht stehen auch die drei berühmten Affen irgendwo auf Schreibtischen herum?

Und wie vor fünf Monaten, so hat auch Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) immer noch die gleiche Auffassung. Sie habe als Dienstherrin kein Problem damit, die zwei Wochen auf sechs Wochen auszudehnen. Wenn es jedoch seitens der Arbeitsnehmervertretung keinen Bedarf gebe...

Und so bleibt hinter den dicken Mauern des Nordhäuser Rathauses alles beim alten. Wer krank ist, wir bestraft. Und: streiken können ja die anderen, die da draußen heute zum Beispiel. Die sind zwar Landesangestellte, doch gehören sie wie die rund um zufriedenen Rathausmitarbeiter zum öffentlichen Dienst.

Dessen Gewerkschaftsvertreter von verdi vor Ort, die wollen mit Personalräten im Nordhäuser Rathaus wenig zu tun haben. Da gibt es keine Basis für eine Zusammenarbeit, ist zu hören. Warum auch?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
Nordhäuserin
11.02.2009, 18:47 Uhr
Echt geil
Jeder Arbeitgeber kann sich so eine Personalvertretung nur wünschen. Willig und unfähig, von sich aus für die Arbeitnehmer etwas zu unternehmen. Aber wie heißt es so schön: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmid. Jedenfalls haben die Angestellten und Beamten der Stadtverwaltung diese Personen gewählt.
-MCH-
12.02.2009, 09:36 Uhr
Wie hoch ...
... ist denn die leistungsorientierte Bezahlung? Die Summen, um die es hier geht, sind doch verschwindend gering. Da muss man nicht gleich den großen Betrug wittern.

Im übrigen sind Anwesenheitsprämien in der Privatwirtschaft ein gängiges Mittel um den Krankenstand zu reduzieren. Und da geht es um mehr Geld.
Verdianer
12.02.2009, 20:00 Uhr
Jeder für sich
Sowas kann nur entstehen, wenn die gewerkschaftliche Kompetenz fehlt, wegen fehlender Mitglieder. Wohin wird das noch führen? Der Arbeitgeber kann sich freuen.
Nordhäuserin
13.02.2009, 06:36 Uhr
Teile und herrsche
Hier geht es um Schlamperei oder Unwissen oder Arroganz einer Gruppe, die von Mitarbeitern (egal ob öffentlicher Dienst oder Privatwirtschaft) gewählt wurde, um deren Interessen zu vertreten. Genau das ist ihr Auftrag und dem kommen sie nicht nach. So sieht es aus und da in dieser Verwaltung niemand aufmuckt ist doch nur als Zeichen zu werten, dass

1. alle glücklich sind (siehe Überschrift)
2. alle Angst haben oder (was noch schlimmer ist)
3. ohne jegliches Engagement oder Motivation ihre (gesetzlich verankerten) 8 Stunden absitzen.

Vermutlich aber treffen in Verwaltungen alle drei Punkte zu.
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