Di, 12:17 Uhr
23.07.2002
Eine Stadt geht neue Wege
Nordhausen (nnz). Wer die Messestadt Leipzig besucht oder sie durchfährt, dem kann schon mal das eine oder andere Plakat ins Auge fallen, auf dem Leipziger Immobilienmakler mit dem Erlassen der Kaution und Maklercourtage für den Fall der Anmietung einer Wohnung werben. nnz machte sich kundig.
Der zunehmende Leerstand in den Städten Ostdeutschlands lässt manche Wohnungsgenossenschaften und Immobilienmakler schon überlegen, wie sie - über die Sanierung und Renovierungen hinaus - das Verbleiben ihrer Mieter in den Platten- und sonstigen Bauten bewirken und neue Mieter gewinnen können.
In der Messestadt Leipzig, in der gegenwärtig etwa 55 000 Wohnungen leer stehen, hat man sich einiges einfallen lassen. Mieter der Wohnungsgenossenschaft Lipsia und VLW bekommen beispielsweise eine Servicekarte, mit der sie im Blumenladen, in der Parfümerie oder im Fitness-Studio Rabatt erhalten. Verschiedentlich haben die Genossenschaften auch eigene Handwerker, die rund um die Uhr erreichbar sind und kaputte Wasserhähne, Steckdosen und Fenster reparieren. Wer Gäste bekommt, kann diese preisgünstig in möblierten Gästezimmern und Wohnungen, die früher leer standen, unterbringen. Auch bei der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) ist man diesen Weg gegangen. Lehrlingen bietet zum Beispiel die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) Mietvergünstigungen. Service- und Mieterpunkte in den Wohngebieten sollen sowohl Anlaufstelle für Gespräche mit dem Vermieter sein als auch Treffpunkt für gemeinsame Freizeitgestaltung.
Nach amerikanischem und französischem Vorbild hat die Wohnungsgenossenschaft Transport eG (Wogetra) in zwei großen Plattenbaublocks einen Concierge-Service eingerichtet. Zwölf Stunden täglich steht ein Mitarbeiter zur Verfügung, um während der Urlaubszeit die Blumen zu gießen, Haustiere zu versorgen oder kostenpflichtige Serviceleistungen wie Babysitten zu vermitteln. Er kann auch schlichtend bei Mieterstreitigkeiten in Anspruch genommen werden. Die Arbeit des Concierge ist für die Bewohner kostenlos. Wir hatten mal angedacht, die Kosten für den Concierge auf die Miete umzulegen, sagt Katrin Haase von der Wogetra, aber das ist bei der momentanen Situation auf dem Markt nicht möglich.
Ursache dieser Dienstleistungsangebote waren nach der Wende wie vielerorts Abwanderungen in die alten Bundesländer und der Geburtenrückgang. In Leipzig spielt nach Angaben von Stefan Gabi vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung zudem die Suburbanisierung eine große Rolle: Viele Städter zieht es in die Randgebiete. Inzwischen gibt es zwar laut Gabi wieder einen leichten Einwohnerzuwachs, der allerdings die leeren Wohnungen auch langfristig nicht mehr füllen wird, wie das auch die Serviceangebote der Wohnungsgenossenschaften nicht bewirken können. Durch solche Angebote wird man zwar keine Mieter in Größenordnungen zurückgewinnen oder zum Verbleiben veranlassen, aber eine Beschränkung auf das Verwalten allein würde den Trend Raus aus der Platte mit Sicherheit noch weiter beschleunigen, meint LWB-Pressesprecher Gregor Hoffmann. Und Abriss sollte ja wirklich nur die allerletzte Maßnahme sein.
Autor: nnzDer zunehmende Leerstand in den Städten Ostdeutschlands lässt manche Wohnungsgenossenschaften und Immobilienmakler schon überlegen, wie sie - über die Sanierung und Renovierungen hinaus - das Verbleiben ihrer Mieter in den Platten- und sonstigen Bauten bewirken und neue Mieter gewinnen können.
In der Messestadt Leipzig, in der gegenwärtig etwa 55 000 Wohnungen leer stehen, hat man sich einiges einfallen lassen. Mieter der Wohnungsgenossenschaft Lipsia und VLW bekommen beispielsweise eine Servicekarte, mit der sie im Blumenladen, in der Parfümerie oder im Fitness-Studio Rabatt erhalten. Verschiedentlich haben die Genossenschaften auch eigene Handwerker, die rund um die Uhr erreichbar sind und kaputte Wasserhähne, Steckdosen und Fenster reparieren. Wer Gäste bekommt, kann diese preisgünstig in möblierten Gästezimmern und Wohnungen, die früher leer standen, unterbringen. Auch bei der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) ist man diesen Weg gegangen. Lehrlingen bietet zum Beispiel die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) Mietvergünstigungen. Service- und Mieterpunkte in den Wohngebieten sollen sowohl Anlaufstelle für Gespräche mit dem Vermieter sein als auch Treffpunkt für gemeinsame Freizeitgestaltung.
Nach amerikanischem und französischem Vorbild hat die Wohnungsgenossenschaft Transport eG (Wogetra) in zwei großen Plattenbaublocks einen Concierge-Service eingerichtet. Zwölf Stunden täglich steht ein Mitarbeiter zur Verfügung, um während der Urlaubszeit die Blumen zu gießen, Haustiere zu versorgen oder kostenpflichtige Serviceleistungen wie Babysitten zu vermitteln. Er kann auch schlichtend bei Mieterstreitigkeiten in Anspruch genommen werden. Die Arbeit des Concierge ist für die Bewohner kostenlos. Wir hatten mal angedacht, die Kosten für den Concierge auf die Miete umzulegen, sagt Katrin Haase von der Wogetra, aber das ist bei der momentanen Situation auf dem Markt nicht möglich.
Ursache dieser Dienstleistungsangebote waren nach der Wende wie vielerorts Abwanderungen in die alten Bundesländer und der Geburtenrückgang. In Leipzig spielt nach Angaben von Stefan Gabi vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung zudem die Suburbanisierung eine große Rolle: Viele Städter zieht es in die Randgebiete. Inzwischen gibt es zwar laut Gabi wieder einen leichten Einwohnerzuwachs, der allerdings die leeren Wohnungen auch langfristig nicht mehr füllen wird, wie das auch die Serviceangebote der Wohnungsgenossenschaften nicht bewirken können. Durch solche Angebote wird man zwar keine Mieter in Größenordnungen zurückgewinnen oder zum Verbleiben veranlassen, aber eine Beschränkung auf das Verwalten allein würde den Trend Raus aus der Platte mit Sicherheit noch weiter beschleunigen, meint LWB-Pressesprecher Gregor Hoffmann. Und Abriss sollte ja wirklich nur die allerletzte Maßnahme sein.

