Di, 10:32 Uhr
23.07.2002
Nicht nur für Nordhausen ein Segen
Nordhausen (nnz). Die Nordhäuser Kunstszene ist in ihrer heutigen Gesamtheit ohne das Wirken von Ilsetraut Glock-Grabe nicht mehr vorstellbar. Aber auch anderen Kommunen und Museen profitieren von der immer noch agilen Nestorin.
Das zähe Warten auf die Fertigstellung des Neubaues beschere auch "glückliche Situationen", sagt Frank Günter Zehnder. Beispielsweise, so der Chef des Rheinischen Landesmuseums Bonn, mehrten sich in letzter Zeit jene Kunstgüter, die seiner Einrichtungen aus Schenkungen oder Nachlässen zufließen. In die Gesellschaft der Spender (dazu zählen etwa Leo Breuer, Hann Trier, Alfred Pohl oder Herbert Falken) begibt sich nun die angesehene Malerin Ilsetraut Glock, international bekannt vor allen Dingen durch ihre Grafik. Getrennt hat sich die 87-Jährige, im thüringischen Nordhausen geborene Wahlbonnerin von insgesamt 120 Blättern. Dabei handelt es sich vorwiegend um Unikate, Aquatinta und Radierungen von niedriger Auflage. Grund für die soeben in der Villa Pfennigsdorf vollzogene Übergabe ist Glocks langjährige, freundschaftliche Verbindung zum Rheinischen Landesmuseum und dessen Direktor.
"Glänzende Augen" könne man bekommen angesichts der temperamentvollen Schaffenskraft, die die "Nestorin rheinischer Malerei und Grafik" ungebremst an den Tag lege, lobte Zehnder. "Einzigartig" sei in erster Linie eine Arbeitsweise, die, von Fantasie beflügelt, dem unmittelbar an der Druckpresse vollzogenen technischen Experiment zugeneigt sei. Eigenwillig geben sich grafische Mischkompositionen, wo Materialdruck, Collage, Prägedruck in eine Aquatinta-Technik eingebunden erscheinen. Stets entscheidend im Oeuvre der einstigen Bühnenbildnerin ist ein differenziertes, farbig meist reduziertes Spektrum verhaltener Tonlagen.
Auch auf motivischer, thematischer Ebene verfügt Glock über ein breites Repertoire. Von besonderem Interesse ist die Welt der nordischen Mythologie und Literatur, die vielfach als Spiegel oder Metapher aktuelles Zeitgeschehen oder die "comedie humaine" beleuchtet. Glocks Kosmos bewegt sich zwischen gegenständlichem Rückbezug und Abstrahierung. Expressive Formsetzungen, eine poetische Verträumtheit haben ebenso ihren Platz wie Humor, Ironie oder das Visionäre. Das "stattliche" Präsent, so stellt es Museumsdirektor Zehnder in Aussicht, wird in Zukunft Einzug halten in den geplanten "Grafikband des Hauses".
Christina zu Mecklenburg
Autor: nnzDas zähe Warten auf die Fertigstellung des Neubaues beschere auch "glückliche Situationen", sagt Frank Günter Zehnder. Beispielsweise, so der Chef des Rheinischen Landesmuseums Bonn, mehrten sich in letzter Zeit jene Kunstgüter, die seiner Einrichtungen aus Schenkungen oder Nachlässen zufließen. In die Gesellschaft der Spender (dazu zählen etwa Leo Breuer, Hann Trier, Alfred Pohl oder Herbert Falken) begibt sich nun die angesehene Malerin Ilsetraut Glock, international bekannt vor allen Dingen durch ihre Grafik. Getrennt hat sich die 87-Jährige, im thüringischen Nordhausen geborene Wahlbonnerin von insgesamt 120 Blättern. Dabei handelt es sich vorwiegend um Unikate, Aquatinta und Radierungen von niedriger Auflage. Grund für die soeben in der Villa Pfennigsdorf vollzogene Übergabe ist Glocks langjährige, freundschaftliche Verbindung zum Rheinischen Landesmuseum und dessen Direktor.
"Glänzende Augen" könne man bekommen angesichts der temperamentvollen Schaffenskraft, die die "Nestorin rheinischer Malerei und Grafik" ungebremst an den Tag lege, lobte Zehnder. "Einzigartig" sei in erster Linie eine Arbeitsweise, die, von Fantasie beflügelt, dem unmittelbar an der Druckpresse vollzogenen technischen Experiment zugeneigt sei. Eigenwillig geben sich grafische Mischkompositionen, wo Materialdruck, Collage, Prägedruck in eine Aquatinta-Technik eingebunden erscheinen. Stets entscheidend im Oeuvre der einstigen Bühnenbildnerin ist ein differenziertes, farbig meist reduziertes Spektrum verhaltener Tonlagen.
Auch auf motivischer, thematischer Ebene verfügt Glock über ein breites Repertoire. Von besonderem Interesse ist die Welt der nordischen Mythologie und Literatur, die vielfach als Spiegel oder Metapher aktuelles Zeitgeschehen oder die "comedie humaine" beleuchtet. Glocks Kosmos bewegt sich zwischen gegenständlichem Rückbezug und Abstrahierung. Expressive Formsetzungen, eine poetische Verträumtheit haben ebenso ihren Platz wie Humor, Ironie oder das Visionäre. Das "stattliche" Präsent, so stellt es Museumsdirektor Zehnder in Aussicht, wird in Zukunft Einzug halten in den geplanten "Grafikband des Hauses".
Christina zu Mecklenburg

