Fr, 09:20 Uhr
11.04.2008
nnz-Glosse: Olympischer geist
Was es auf sich hat mit dem Spießrutenlaufen für Olympia, Trinken für den Klimawandel und wie man seine persönliche Haushaltskasse etwas aufbessern kann, das verrät Ihnen in der nnz-Glosse Olaf Schulze.
Im Frühjahr 2008 findet die Welt heraus, dass in Tibet viele Tibeter leben und dass die gar nicht richtig frei sind. Gesagt bekommt das die Welt von den freien Tibetern, die in London, Paris und San Francisco leben – oder jedenfalls sich dort aufhalten.
Viele andere Menschen haben jetzt gar keine Lust mehr, im Sommer nach Peking zu fahren und an der Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele teilzunehmen. Stattdessen gehen sie randgefüllt mit heiligem Zorn auf die Straßen und schwenken die kleinen tibetischen Flaggen, die irgendwo in der südchinesischen Provinz von Kindern in frühkapitalistischen Manufakturen genäht werden.
Die olympische Sportjugend der Welt überlegt inzwischen angestrengt, wie sie angemessen gegen die Verletzung der Menschenrechte in Tibet protestieren soll. Währenddessen trainieren die chinesischen Sportler einfach weiter für die Spiele und verschaffen sich damit einen erheblichen Vorteil. Sportlich fair ist das nicht.
Aber nicht nur die Sportler der freien Welt sind empört. Überall grummelt es in den Bevölkerungen angesichts der ungerechten Tibetpolitik der Chinesen. Naja, fast überall. In Somalia wird es wohl eher weniger Leute interessieren und auch im Gaza-Streifen haben sie andere Sorgen, als das olympische Feuer zu erhaschen und dann auszupusten. Und vielleicht ist auch im Regenwald die protibetische Stimmung noch nicht so beherrschend, wie sie von Menschenrechts wegen sein sollte. Aber dafür haben die Menschen dort bald keine Sorgen mehr.
Denn jetzt kommt Günter Jauch. Der fordert die Deutschen ultimativ auf, etwas Sportsgeist zu beweisen und mal was für den Erhalt des Regenwaldes zu tun. Nämlich Biertrinken. Das ist ganz schön schlau, denn das können die Deutschen richtig gut und so fällt es ihnen bestimmt nicht schwer, endlich mal ordentlich was gegen die Klimakatastrophe zu trinken. Okay, es hätte ein besser schmeckender Gerstensaft sein können, aber ich will ja nun nicht an allem rummäkeln.
Ich halte die Kampagne auch für eine gute Reaktion auf die chinesische Tibetpolitik. Da ich nun weiß, dass ich daheim vorm Fernseher mit jedem einzelnen Kasten Krombacher helfe, komme ich gar nicht mehr auf den Gedanken, zur Eröffnungsfeier nach Peking zu fahren und muss mir auch nicht überlegen, wie ich am besten meinen Protest ausdrücken kann. Jetzt bin ich dem Jauch richtig dankbar und fühle mich gleich ganz gut.
Saufen für den Regenwald! Tolle Idee!
Falls mir dabei das Geld ausgehen sollte habe ich schon eine prima Idee: Ich fliege nach Libyen und bilde dort für gutes Schwarzgeld ein paar Polizisten aus.
Autor: oschIm Frühjahr 2008 findet die Welt heraus, dass in Tibet viele Tibeter leben und dass die gar nicht richtig frei sind. Gesagt bekommt das die Welt von den freien Tibetern, die in London, Paris und San Francisco leben – oder jedenfalls sich dort aufhalten.
Viele andere Menschen haben jetzt gar keine Lust mehr, im Sommer nach Peking zu fahren und an der Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele teilzunehmen. Stattdessen gehen sie randgefüllt mit heiligem Zorn auf die Straßen und schwenken die kleinen tibetischen Flaggen, die irgendwo in der südchinesischen Provinz von Kindern in frühkapitalistischen Manufakturen genäht werden.
Die olympische Sportjugend der Welt überlegt inzwischen angestrengt, wie sie angemessen gegen die Verletzung der Menschenrechte in Tibet protestieren soll. Währenddessen trainieren die chinesischen Sportler einfach weiter für die Spiele und verschaffen sich damit einen erheblichen Vorteil. Sportlich fair ist das nicht.
Aber nicht nur die Sportler der freien Welt sind empört. Überall grummelt es in den Bevölkerungen angesichts der ungerechten Tibetpolitik der Chinesen. Naja, fast überall. In Somalia wird es wohl eher weniger Leute interessieren und auch im Gaza-Streifen haben sie andere Sorgen, als das olympische Feuer zu erhaschen und dann auszupusten. Und vielleicht ist auch im Regenwald die protibetische Stimmung noch nicht so beherrschend, wie sie von Menschenrechts wegen sein sollte. Aber dafür haben die Menschen dort bald keine Sorgen mehr.
Denn jetzt kommt Günter Jauch. Der fordert die Deutschen ultimativ auf, etwas Sportsgeist zu beweisen und mal was für den Erhalt des Regenwaldes zu tun. Nämlich Biertrinken. Das ist ganz schön schlau, denn das können die Deutschen richtig gut und so fällt es ihnen bestimmt nicht schwer, endlich mal ordentlich was gegen die Klimakatastrophe zu trinken. Okay, es hätte ein besser schmeckender Gerstensaft sein können, aber ich will ja nun nicht an allem rummäkeln.
Ich halte die Kampagne auch für eine gute Reaktion auf die chinesische Tibetpolitik. Da ich nun weiß, dass ich daheim vorm Fernseher mit jedem einzelnen Kasten Krombacher helfe, komme ich gar nicht mehr auf den Gedanken, zur Eröffnungsfeier nach Peking zu fahren und muss mir auch nicht überlegen, wie ich am besten meinen Protest ausdrücken kann. Jetzt bin ich dem Jauch richtig dankbar und fühle mich gleich ganz gut.
Saufen für den Regenwald! Tolle Idee!
Falls mir dabei das Geld ausgehen sollte habe ich schon eine prima Idee: Ich fliege nach Libyen und bilde dort für gutes Schwarzgeld ein paar Polizisten aus.

