Di, 09:27 Uhr
16.10.2007
Die LINKE und die Medien
Nordhausen (nnz). Da saß sie nun im Bürgersaal des Nordhäuser Rathauses: Die einstige Macherin des Polit-Magazins panorama und langjährige Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks, Lukrezia Jochimsen. Jetzt ist die 71jährige LINKE-Bundestagsabgeordnete und hatte einiges zu erzählen.
Luc Jochimsen (Foto: nnz)
Nach Nordhausen führte sie ihr Weg eigentlich in ihrer Funktion als kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie wollte sich in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein Bild von der dortigen Arbeit machen, schließlich will der Bund in diesem und im nächsten Jahr 10 Millionen Euro für Gedenkstätten in Deutschland zur Verfügung stellen. Und da geht es um Verteilung.
Am Abend dann referierte Luc Jochimsen über das Verhältnis der Medien zu den LINKEN. Zu den deutschen Linken hat die Frau ein besonderes Verhältnis. Ihr Vater war leitender Speditionskaufmann im Dritten Reich, war in der Nachkriegszeit zeitweise Mitglied der KPD. Die Erziehung in ihrem Elternhaus prägte die Frau, die nicht anders als Journalistin werden wollte, da nach 1945 die Presse frei von staatlicher Lenkung und Propaganda sein sollte. Sie wollte nie in eine Partei eintreten, obwohl sie Links dachte und gegen die Adenauer Politik war.
Nach mehreren Stationen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk in der BRD wurde sie 2001 als Chefredakteurin des HR in den Ruhestand verabschiedet. Dass sie bereits in diesem Jahr für die PDS in den Wahlkampf zog, habe zwei Gründe gehabt. Das eine sei der Umgang der so genannten etablierten Medien mit der PDS gewesen, die diese Partei auf eine kriminelle Nachfolgeorganisation der SED reduzierten und ihr jegliches Recht auf Reformierung absprachen. Es war aber auch die Enttäuschung über die deutsche Sozialdemokratie seit jener Zeit.
Die Haltung der Medien gegenüber der LINKEN sei geblieben, vor allem Oskar Lafontaine sei Zielscheibe von Haß und Feindseeligkeit. Jochimsen belegt das an einigen aktuellen Beispielen. Nun könne sich die Partei links der SPD ja genüsslich zurücklehnen, angesichts des aktuelles Erosionsprozesses der Sozis. Hierin aber liege eine Gefahr. Für diesen Prozess könne als Verursacher erneut die LINKE ausgemacht werden und als Zerstörer einer einstigen Volkspartei gehandelt werden.
Von einer freien Presse sei nicht mehr viel übrig geblieben in einem Land, in dem Publizitätskonzerne wie Springer oder WAZ den ungebremsten Kapitalismus tagtäglich absegnen. Natürlich im Sinne ihrer Eigentümer, die auf Rendite ausseien.
Gott Sei Dank – es gebe nach noch das öffentlich-rechtliche Medienwesen in diesem Land. Und weil Luc Jochimsen einst lenkender Teil dessen war, konnte die Kritik an ARD und ZDF nicht sonderlich stark ausfallen. Nicht erwähnt wurden da zum Beispiel die Kampagnen ihrer einstigen Kollegen von Panorama, Monitor und report gegen eben diesen Lafontaine vor der jüngsten Bundestagswahl. Und klopft man unpolitische Beiträge jener Polit-Magazine mal genauer ab – wie im Fall den Kinderheims für Autisten in Bleicherode – dann bleibt von objektiver Berichterstattung nicht mehr viel übrig (siehe dazu auch im nnz-Archiv). Nun ja, perfekt ist wohl niemand und gibt es ihn eigentlich – den wirklich objektiven Journalisten?
Die anschließende Diskussion artete schon ein wenig aus. Neben sachlichen Fragen eines jungen Mannes zur Situation bei Phönix und dem ZDF-Verwaltungsrat gab es denn schon so manche – man will vorsichtig sein – Kuriosität. Da machte ein älterer Herr klar, dass es einen Schießbefehl an der Grenze schon immer gegeben habe. In jeder Polizeidienststelle der damaligen DDR hätte man ihn lesen können. Und: Wer sich von Leipzig aus über Nordhausen zur Grenze bewegte, der wußte, dass er irgendwann mal auf eine Mine treten würde. Dieser Diskussionsausschnitt ist wohl immer noch Teil des Spagats, den diese Partei aushalten muss.
Den 13 Zuhörern teilte die Journalistin natürlich noch mit, dass sie Nordhausen überaus interessant finde. Das wohl hätte sie in Ulm, Chemnitz oder in Kleinbodungen ebenfalls gesagt.
Autor: nnz
Luc Jochimsen (Foto: nnz)
Nach Nordhausen führte sie ihr Weg eigentlich in ihrer Funktion als kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie wollte sich in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein Bild von der dortigen Arbeit machen, schließlich will der Bund in diesem und im nächsten Jahr 10 Millionen Euro für Gedenkstätten in Deutschland zur Verfügung stellen. Und da geht es um Verteilung.Am Abend dann referierte Luc Jochimsen über das Verhältnis der Medien zu den LINKEN. Zu den deutschen Linken hat die Frau ein besonderes Verhältnis. Ihr Vater war leitender Speditionskaufmann im Dritten Reich, war in der Nachkriegszeit zeitweise Mitglied der KPD. Die Erziehung in ihrem Elternhaus prägte die Frau, die nicht anders als Journalistin werden wollte, da nach 1945 die Presse frei von staatlicher Lenkung und Propaganda sein sollte. Sie wollte nie in eine Partei eintreten, obwohl sie Links dachte und gegen die Adenauer Politik war.
Nach mehreren Stationen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk in der BRD wurde sie 2001 als Chefredakteurin des HR in den Ruhestand verabschiedet. Dass sie bereits in diesem Jahr für die PDS in den Wahlkampf zog, habe zwei Gründe gehabt. Das eine sei der Umgang der so genannten etablierten Medien mit der PDS gewesen, die diese Partei auf eine kriminelle Nachfolgeorganisation der SED reduzierten und ihr jegliches Recht auf Reformierung absprachen. Es war aber auch die Enttäuschung über die deutsche Sozialdemokratie seit jener Zeit.
Die Haltung der Medien gegenüber der LINKEN sei geblieben, vor allem Oskar Lafontaine sei Zielscheibe von Haß und Feindseeligkeit. Jochimsen belegt das an einigen aktuellen Beispielen. Nun könne sich die Partei links der SPD ja genüsslich zurücklehnen, angesichts des aktuelles Erosionsprozesses der Sozis. Hierin aber liege eine Gefahr. Für diesen Prozess könne als Verursacher erneut die LINKE ausgemacht werden und als Zerstörer einer einstigen Volkspartei gehandelt werden.
Von einer freien Presse sei nicht mehr viel übrig geblieben in einem Land, in dem Publizitätskonzerne wie Springer oder WAZ den ungebremsten Kapitalismus tagtäglich absegnen. Natürlich im Sinne ihrer Eigentümer, die auf Rendite ausseien.
Gott Sei Dank – es gebe nach noch das öffentlich-rechtliche Medienwesen in diesem Land. Und weil Luc Jochimsen einst lenkender Teil dessen war, konnte die Kritik an ARD und ZDF nicht sonderlich stark ausfallen. Nicht erwähnt wurden da zum Beispiel die Kampagnen ihrer einstigen Kollegen von Panorama, Monitor und report gegen eben diesen Lafontaine vor der jüngsten Bundestagswahl. Und klopft man unpolitische Beiträge jener Polit-Magazine mal genauer ab – wie im Fall den Kinderheims für Autisten in Bleicherode – dann bleibt von objektiver Berichterstattung nicht mehr viel übrig (siehe dazu auch im nnz-Archiv). Nun ja, perfekt ist wohl niemand und gibt es ihn eigentlich – den wirklich objektiven Journalisten?
Die anschließende Diskussion artete schon ein wenig aus. Neben sachlichen Fragen eines jungen Mannes zur Situation bei Phönix und dem ZDF-Verwaltungsrat gab es denn schon so manche – man will vorsichtig sein – Kuriosität. Da machte ein älterer Herr klar, dass es einen Schießbefehl an der Grenze schon immer gegeben habe. In jeder Polizeidienststelle der damaligen DDR hätte man ihn lesen können. Und: Wer sich von Leipzig aus über Nordhausen zur Grenze bewegte, der wußte, dass er irgendwann mal auf eine Mine treten würde. Dieser Diskussionsausschnitt ist wohl immer noch Teil des Spagats, den diese Partei aushalten muss.
Den 13 Zuhörern teilte die Journalistin natürlich noch mit, dass sie Nordhausen überaus interessant finde. Das wohl hätte sie in Ulm, Chemnitz oder in Kleinbodungen ebenfalls gesagt.

