Mo, 07:27 Uhr
07.05.2007
nnz-Forum: Wiedigsburghalle? Nein, Danke!
Nordhausen (nnz). Am 2. Dezember 1997 feierlich und mit großer Zukunft eröffnet. Was ist daraus geworden? Ein nnz-Leser macht sich seine Gedanken über eine Halle in der Stadt.
Es macht sich mittlerweile bemerkbar, daß die damaligen Warnungen eines hiesigen Konzertveranstalters von Kommunalpolitikern und Journalisten leichtfertig in den Wind geschlagen wurden.
Wie schrieb doch der damalige Redakteur des Blitz in der Ausgabe vom Dezember 1997 : Nun wird ja durch die häufige Frequentierung dieser Halle durch gesellschaftlich geprägte Veranstaltungen deutlich, wie dringend Nordhausen einen solchen Veranstaltungsort in dieser Größe, Ausstattung und Funktion brauchte. Nun, wenn Sie heute nach einem Veranstaltungsplan der Wiedigsburghalle fragen, könnte man die Veranstaltungen auf die Hälfte eines Bierdeckels notieren, geschweige die von kulturellen Veranstaltungen.
Zwei Entwicklungen sind momentan zu beobachten. Einerseits finden sich nur noch wenige, zu wenige, Konzertbesucher, die sich für teure Eintrittsgelder auf Holzbretter ohne Rückenlehne setzen wollen, die die Füße des Hintermannes ständig im Rücken haben wollen, sich an den wenigen Toiletten in der Pause lange anstellen, und die schlechte Akustik genießen wollen.
Andererseits spricht es sich auch mittlerweile unter den deutschen Konzertveranstaltern herum, daß die Gegebenheiten in Nordhausen mehr als schlecht sind. Von der Befahrung mit Bühnentrucks angefangen, über die Stromversorgung (manchmal nur mit extra angeforderten Notstromaggregaten überhaupt machbar) bis hin zu dem ungünstigen Backstagebereich (der oft nur mit sehr viel Improvisationstalent überwindbar ist). Auch die Kosten der Halle stehen im Vergleich mit anderen Hallen und deren Ausstattung in Thüringen in keinem Verhältnis.
Stühle zum Beispiel mussten bisher immer zu jedem Konzert extra aus Chemnitz oder Magdeburg herangekarrt werden. Manche Künstler waren hinter der Bühne auch oftmals erschrocken über die Bedingungen für die Konzertbesucher und für die eigenen Aufbauteams. Konzertveranstalter wie Semmel Concerts, Zahlmann, MAWI, Wazapo, Rössner & Hahnemann und andere winken beim Thema Wiedigsburghalle, die in den ersten Jahren in Nordhausen viele Konzerte veranstaltet haben, nur noch ab. Und die jetzt noch als Veranstalter in die Lücke springen, werden dies in Zukunft auch nicht mehr tun. Das ist sicher.
Zum Beispiel die Gastspieldirektion Rössner & Hahnemann aus unserer Region, veranstaltet mittlerweile ca. 200 Konzerte jährlich im gesamten bundesdeutschen Raum, aber nicht mehr in der Wiedigsburghalle. Wie schrieb die Nordhäuser Allgemeine vom 3.12.1997 : Claus (Landrat d.V.) betonte, dass die Halle zuerst für den Schul- und dann für den Vereinssport zur Verfügung steht. Und nicht zuletzt sei es eine Veranstaltungshalle. Zitiert wird jetzt Landrat Claus: Ich lege Wert auf diese Reihenfolge und wünsche mir, dass die Halle in zwei oder drei Jahren noch immer so schön ist.
Schön ist die Halle, von welchem Standpunkt aus betrachtet sei hier dahingestellt, noch- aber es ist kulturell kaum noch was los. Vergleichen wir die Wiedigsburghalle doch einmal mit der Harzlandhalle in Ilsenburg, einem kleinen verträumten Städtchen im Nordharz mit wesentlich weniger Einwohnern als Nordhausen. Die gleiche Kapazität, die gleichen Nutzungsvorrausetzungen. Aber mit ein paar wesentlichen Unterschieden. Bereits beim damaligen Bau überließen die Bauauftraggeber die Konzeption nicht einfach nur den Architekten, sondern haben die Erfahrungen und Anforderungen von Konzertveranstaltern in die Konzeption einer Mehrzweckhalle einfließen lassen.
Das Ergebnis: Tribünen mit ausklappbaren Sitzen (unglaublich, aber sogar mit Rückenlehnen!), größeren Toilettenanlagen, einer guten Akustik und einem funktionalem Backstage Bereich - sowie einem Veranstaltungskalender mit Konzerten und anderen Veranstaltungen, von denen wir in Nordhausen nur mit großem Staunen lesen können und das wir registrieren müssen wie der damalige Traum von Konzerten in unserer Region zerplatzt.
Und noch einmal zum Artikel im Blitz vom Dezember 1997 in dem der damalige Redakteur die damaligen, berechtigten Warnungen abtat: ...dass es zum Bau und zur Fertigstellung dieses Bauwerkes kam, denn nicht nur vor Beginn, sondern auch noch bis kurz vor Fertigstellung gab es noch Vorbehalte und Unkenrufe in einer Art und aus Richtungen, die betroffen machten. ... Man sollte tatsächlich all diese Attacken und Seitenhiebe, direkte und hinterhältige, sachliche aber auch ausgesprochen tendenziöse, vergessen, angesichts dessen, was da entstanden ist, was nun an Veranstaltungen ermöglicht wird und was manchen zukünftig Argumentationshilfe für urbane Interessen sein könnte.
Wie heißt es in einer Werbung für ein bundesweites Telefonbranchenbuch immer so schön Vielleicht hätte man vorher einen Fachmann fragen sollen.
Und nach fast 10 Jahren muss nun auch der letzte anerkennen, daß die damaligen Unkenrufe und Vorbehalte sich als richtig erwiesen haben. Aber eine Änderung ist auch heute nicht in Sicht und wird es auch nicht mehr geben können. Der Landkreis, als Eigentümer, kennt entweder die Probleme nicht, oder nimmt sie nicht wahr. Lösungen sind nicht mehr finanzierbar.
Nun flammt ab und zu mal die Diskussion nach einer Stadthalle in Nordhausen auf, aber eine Verwirklichung wird sich wohl weder heute noch in Zukunft realisieren lassen. Der Zug ist abgefahren! Und da die Wiedigsburghalle auch in Zukunft keine Veränderung erfahren wird, bleibt den Besuchern von Konzerten nichts weiter übrig, als die Hühner zu satteln und in die Ferne zu schweifen. Und wer kein Auto hat, bleibt halt zu Hause, denn auf Zugverbindungen nach Nordhausen sollte man in der Nacht nicht hoffen dürfen. Darum kämpfen wir wenigstens noch für den Erhalt des Theaters! Man darf gespannt sein auf die feierlichen Reden zum Jubiläum im Dezember. Nordhausen, die neue Mitte !
Michael Bethke, Nordhausen
Autor: nnzEs macht sich mittlerweile bemerkbar, daß die damaligen Warnungen eines hiesigen Konzertveranstalters von Kommunalpolitikern und Journalisten leichtfertig in den Wind geschlagen wurden.
Wie schrieb doch der damalige Redakteur des Blitz in der Ausgabe vom Dezember 1997 : Nun wird ja durch die häufige Frequentierung dieser Halle durch gesellschaftlich geprägte Veranstaltungen deutlich, wie dringend Nordhausen einen solchen Veranstaltungsort in dieser Größe, Ausstattung und Funktion brauchte. Nun, wenn Sie heute nach einem Veranstaltungsplan der Wiedigsburghalle fragen, könnte man die Veranstaltungen auf die Hälfte eines Bierdeckels notieren, geschweige die von kulturellen Veranstaltungen.
Zwei Entwicklungen sind momentan zu beobachten. Einerseits finden sich nur noch wenige, zu wenige, Konzertbesucher, die sich für teure Eintrittsgelder auf Holzbretter ohne Rückenlehne setzen wollen, die die Füße des Hintermannes ständig im Rücken haben wollen, sich an den wenigen Toiletten in der Pause lange anstellen, und die schlechte Akustik genießen wollen.
Andererseits spricht es sich auch mittlerweile unter den deutschen Konzertveranstaltern herum, daß die Gegebenheiten in Nordhausen mehr als schlecht sind. Von der Befahrung mit Bühnentrucks angefangen, über die Stromversorgung (manchmal nur mit extra angeforderten Notstromaggregaten überhaupt machbar) bis hin zu dem ungünstigen Backstagebereich (der oft nur mit sehr viel Improvisationstalent überwindbar ist). Auch die Kosten der Halle stehen im Vergleich mit anderen Hallen und deren Ausstattung in Thüringen in keinem Verhältnis.
Stühle zum Beispiel mussten bisher immer zu jedem Konzert extra aus Chemnitz oder Magdeburg herangekarrt werden. Manche Künstler waren hinter der Bühne auch oftmals erschrocken über die Bedingungen für die Konzertbesucher und für die eigenen Aufbauteams. Konzertveranstalter wie Semmel Concerts, Zahlmann, MAWI, Wazapo, Rössner & Hahnemann und andere winken beim Thema Wiedigsburghalle, die in den ersten Jahren in Nordhausen viele Konzerte veranstaltet haben, nur noch ab. Und die jetzt noch als Veranstalter in die Lücke springen, werden dies in Zukunft auch nicht mehr tun. Das ist sicher.
Zum Beispiel die Gastspieldirektion Rössner & Hahnemann aus unserer Region, veranstaltet mittlerweile ca. 200 Konzerte jährlich im gesamten bundesdeutschen Raum, aber nicht mehr in der Wiedigsburghalle. Wie schrieb die Nordhäuser Allgemeine vom 3.12.1997 : Claus (Landrat d.V.) betonte, dass die Halle zuerst für den Schul- und dann für den Vereinssport zur Verfügung steht. Und nicht zuletzt sei es eine Veranstaltungshalle. Zitiert wird jetzt Landrat Claus: Ich lege Wert auf diese Reihenfolge und wünsche mir, dass die Halle in zwei oder drei Jahren noch immer so schön ist.
Schön ist die Halle, von welchem Standpunkt aus betrachtet sei hier dahingestellt, noch- aber es ist kulturell kaum noch was los. Vergleichen wir die Wiedigsburghalle doch einmal mit der Harzlandhalle in Ilsenburg, einem kleinen verträumten Städtchen im Nordharz mit wesentlich weniger Einwohnern als Nordhausen. Die gleiche Kapazität, die gleichen Nutzungsvorrausetzungen. Aber mit ein paar wesentlichen Unterschieden. Bereits beim damaligen Bau überließen die Bauauftraggeber die Konzeption nicht einfach nur den Architekten, sondern haben die Erfahrungen und Anforderungen von Konzertveranstaltern in die Konzeption einer Mehrzweckhalle einfließen lassen.
Das Ergebnis: Tribünen mit ausklappbaren Sitzen (unglaublich, aber sogar mit Rückenlehnen!), größeren Toilettenanlagen, einer guten Akustik und einem funktionalem Backstage Bereich - sowie einem Veranstaltungskalender mit Konzerten und anderen Veranstaltungen, von denen wir in Nordhausen nur mit großem Staunen lesen können und das wir registrieren müssen wie der damalige Traum von Konzerten in unserer Region zerplatzt.
Und noch einmal zum Artikel im Blitz vom Dezember 1997 in dem der damalige Redakteur die damaligen, berechtigten Warnungen abtat: ...dass es zum Bau und zur Fertigstellung dieses Bauwerkes kam, denn nicht nur vor Beginn, sondern auch noch bis kurz vor Fertigstellung gab es noch Vorbehalte und Unkenrufe in einer Art und aus Richtungen, die betroffen machten. ... Man sollte tatsächlich all diese Attacken und Seitenhiebe, direkte und hinterhältige, sachliche aber auch ausgesprochen tendenziöse, vergessen, angesichts dessen, was da entstanden ist, was nun an Veranstaltungen ermöglicht wird und was manchen zukünftig Argumentationshilfe für urbane Interessen sein könnte.
Wie heißt es in einer Werbung für ein bundesweites Telefonbranchenbuch immer so schön Vielleicht hätte man vorher einen Fachmann fragen sollen.
Und nach fast 10 Jahren muss nun auch der letzte anerkennen, daß die damaligen Unkenrufe und Vorbehalte sich als richtig erwiesen haben. Aber eine Änderung ist auch heute nicht in Sicht und wird es auch nicht mehr geben können. Der Landkreis, als Eigentümer, kennt entweder die Probleme nicht, oder nimmt sie nicht wahr. Lösungen sind nicht mehr finanzierbar.
Nun flammt ab und zu mal die Diskussion nach einer Stadthalle in Nordhausen auf, aber eine Verwirklichung wird sich wohl weder heute noch in Zukunft realisieren lassen. Der Zug ist abgefahren! Und da die Wiedigsburghalle auch in Zukunft keine Veränderung erfahren wird, bleibt den Besuchern von Konzerten nichts weiter übrig, als die Hühner zu satteln und in die Ferne zu schweifen. Und wer kein Auto hat, bleibt halt zu Hause, denn auf Zugverbindungen nach Nordhausen sollte man in der Nacht nicht hoffen dürfen. Darum kämpfen wir wenigstens noch für den Erhalt des Theaters! Man darf gespannt sein auf die feierlichen Reden zum Jubiläum im Dezember. Nordhausen, die neue Mitte !
Michael Bethke, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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