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Do, 13:59 Uhr
26.04.2007

Die „Älteste“ war da

Nordhausen/Wernigerode (nnz). In der vergangenen Woche waren dreißig Eisenbahner der ältesten Eisenbahngesellschaft der Welt – der 1832 gegründeten Ffestiniog an Welsh Highland Railways (FR/WHR) in Wales – zu Gast bei der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB). Was die Waliser im Harz so alles erlebten, das hat die nnz erfahren.

Kontrolliert (Foto: HSB/Wagner) Kontrolliert (Foto: HSB/Wagner)

Dan May von der Ffestiniog Railway kontrollierte die Tickets der Fahrgäste auf dem Weg zum Brocken.

Unter sachkundiger Begleitung von HSB-Personalen waren sie dabei am vergangenen Wochenende in ihrer typischen walisischen Eisenbahnerkleidung in zahlreichen Planzügen auf dem gesamten Streckennetz zwischen Wernigerode, Quedlinburg, Nordhausen und dem Brocken unterwegs. Schon von weitem waren die mit dem Gastpersonal besetzten HSB-Züge an den mit walisischen Fahnen geschmückten Dampflokomotiven zu erkennen. Die in diesen Zügen als Lokomotivführer, Heizer oder Zugbegleiter tätigen Gäste unterstützten mit großem Einsatz und viel persönlichem Engagement die Mitarbeiter der HSB.

So fanden sich die Waliser Lokführer sehr schnell auf den Harzer Dampflokomotiven zurecht und konnten die gegenüber ihren heimischen Maschinen vergleichsweise gewaltigen Loks problemlos bedienen, ohne dass dabei für die Fahrgäste ein Unterschied feststellbar war. Lediglich für die walisischen Lokheizer bedeutete das Kohleschippen auf den Harzlokomotiven eine ungewohnte körperliche Anstrengung, werden doch die heimischen Maschinen mit Heizöl betrieben. Für die Zugbegleiter stellte die Sprachbarriere teilweise zwar eine Herausforderung im Einsatz dar, jedoch reiste in allen betreffenden Zügen auch stets ein Übersetzer mit.

Unter den zahlreichen Museumseisenbahnen Großbritanniens ist die FR von Porthmadog nach Blaneau Ffestiniog (www.festrail.co.uk) nicht nur eine der ältesten, sondern auch die längste. Die ehemals dem Schieferbergbau dienende 600 mm-Schmalspurbahn wird derzeit sogar mit der im Wiederaufbau befindlichen WHR verbunden und erfährt damit fast eine Verdoppelung der bisherigen Streckenlänge auf 65 km. Die mittlerweile sehr guten Beziehungen zur HSB hatten ihren Anfang, als vor über zehn Jahren im Rahmen einer privaten Reise die ersten Kontakte geknüpft wurden. Im Laufe der nachfolgenden Jahre fanden viele gegenseitige private Besuche von Lokführern, Heizern und Zugbegleitern aus Wales bei der HSB und umgekehrt statt.

Im Jahre 2003 erfolgte dann sogar eine offizielle Einladung an die Harzer Eisenbahner nach Wales. Zehn Mitarbeiter der HSB waren daraufhin im Rahmen eines „German Weekends“ ein Wochenende lang ebenfalls als Lokführer, Heizer und Zugbegleiter auf schmaler Spur in Wales tätig. Der erste offizielle Gegenbesuch erfolgte bereits ein Jahr später, als dreißig Eisenbahner aus Wales bei der HSB tätig wurden. Im September vergangenen Jahres unterzeichneten die Geschäftsführer der beiden Eisenbahngesellschaften, Paul Lewin und Matthias Wagener, vor der historischen Kulisse des Bahnhofs Porthmadog schließlich eine Partnerschaftsurkunde und festigten damit nun auch offiziell die gewachsenen Beziehungen.

Gruppenfoto (Foto: HSB/Wagner) Gruppenfoto (Foto: HSB/Wagner)

Im Rahmen einer für die Waliser Eisenbahner organisierten Sonderfahrt ergab sich am Freitag die Gelegenheit für ein Gruppenfoto in Alexisbad

Ziel dieser Vereinbarung ist es, den Wissens- und Informationsaustausch in allen Angelegenheiten des Eisenbahn- und Tourismuswesens zum gegenseitigen Nutzen zu stärken. An dem am vergangenen Sonntag stattgefundenen Abschlussabend bezeichneten die Teilnehmer beider Bahngesellschaften den diesjährigen Besuch als sehr erfolgreich. So konnte in den Zügen der HSB nicht nur mit zahlreich verteiltem Informationsmaterial für die Ffestiniog Railway sowie die Welsh Highland Railway geworben werden. Die Anwesenden unterstrichen darüber hinaus, dass erneut viele Gemeinsamkeiten auf der persönlichen Ebene festgestellt und Freundschaften vertieft werden konnten. Auch hinsichtlich des Informationsaustausches und der Pflege der Zusammenarbeit wurde der Besuch als Erfolg gewertet. Beide Bahnen dienen vornehmlich dem Tourismusverkehr und sind mit ihrem regelmäßigen Dampfzugbetrieb einzigartige Attraktionen in ihrer jeweiligen Region. Nationalparks, einzigartige Gebirgslandschaften und attraktive Städte bilden im Einzugsgebiet beider Bahnen weitere Anziehungspunkte bzw. herausragende Besuchermagneten.

Mit vielen neuen interessanten und neuen Eindrücken im Gepäck haben sich die Gäste aus Wales mittlerweile wieder auf die Heimreise begeben. Letztendlich tragen die Kontakte erheblich dazu bei, dass die jeweilige Bahn im Partnerland an Bekanntheit gewinnt und somit neue Besucherpotentiale erschlossen werden. Das Aufeinandertreffen der „Ältesten der Welt“ aus Großbritannien und der „Größten unter den Kleinen“ aus Deutschland wird sicherlich nicht der letzte gegenseitige Besuch bleiben.
Autor: nnz

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