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Do, 09:31 Uhr
21.11.2024
„Wackelige Jobs“ in Nordhausen

Befristete Jobs bieten keine Perspektive

„Jobs auf Zeit“ sind wackelig: Wer heute im Landkreis Nordhausen einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibt, der muss immer noch damit rechnen, dass nach einem oder anderthalb Jahren Schluss ist mit dem Job...

„Es gibt zwar einen Fachkräftemangel. Trotzdem verzichten einige Betriebe im Kreis Nordhausen nach wie vor darauf, ihre Beschäftigten zu binden: Sie drücken ihnen Verträge mit Zeitlimit in die Hand“, sagt Jens Löbel von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

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Der Geschäftsführer der NGG Thüringen nennt aktuelle Zahlen und beruft sich dabei auf die Bundesagentur für Arbeit: So haben nach Angaben der Gewerkschaft im ersten Quartal dieses Jahres private und öffentliche Arbeitgeber im Landkreis Nordhausen rund 1.990 Arbeitsverträge abgeschlossen. „30 Prozent davon waren befristete Jobs. Bundesweit lag diese Quote sogar bei knapp 34 Prozent. Ganz klar: Ziel muss es sein, so wenig befristete Jobs wie möglich zu haben“, sagt Jens Löbel. Er rät Beschäftigten, vor der Unterschrift unter einem Arbeitsvertrag nachzuhaken, warum dieser befristet sei.

„Arbeitsverträge auf Zeit bedeuten ‚wackelige Jobs‘. Wer also einen Arbeitsplatz mit Perspektive sucht, der wird keinen ‚Job mit Verfallsdatum‘ nehmen, wenn es Alternativen gibt. Daran hängt schließlich vieles: Befristete Arbeitsverträge machen die Wohnungssuche deutlich schwerer. Außerdem sind sie eine hohe Hürde bei Krediten – und damit auch für entscheidende Anschaffungen: vom Auto bis zum Wohneigentum“, so Löbel. Oft komme dadurch sogar die Familienplanung ins Rutschen. „Außerdem ist vielen Arbeitnehmern nicht bewusst, dass ihnen beim Wechsel von einem unbefristeten in ein befristetes Arbeitsverhältnis sogar eine Sperre vom Arbeitsamt drohen kann. Im Falle einer anschließenden Arbeitslosigkeit gibt es dann kein Geld“, sagt der Gewerkschafter.

Die NGG Thüringen fordert, Befristungen ohne konkreten Sachgrund abzuschaffen. Eigentlich hatte sich die inzwischen zerbrochene Ampel-Koalition vorgenommen, „Ketten-Befristungen“ einzudämmen, um die Zahl von Zeitverträgen zu reduzieren. „Das ist nur eine von vielen liegengebliebenen Aufgaben der Ampel. Aber eine, die für die Beschäftigten wichtig ist“, so Jens Löbel. Die Reduzierung von befristeten Arbeitsverträgen bleibe daher ein Problem, um das sich die nächste Bundesregierung und der neue Bundestag kümmern müssten.

Ein Dorn im Auge ist der Gewerkschaft die befristete Weiterbeschäftigung nach einer Ausbildung: Wer nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung nur eine Übernahme auf Zeit angeboten bekomme, dem fehle die berufliche Perspektive. „Ein ‚Job mit Verfallsdatum‘ kann schnell zur Karrierefalle werden. Junge Menschen lassen sich nicht auf der ‚beruflichen Warmhalteplatte‘ parken – weder in der Lebensmittelproduktion noch in der Gastronomie oder in anderen Branchen“, sagt Jens Löbel.

In der Praxis sei diese Botschaft allerdings noch längst nicht angekommen: Mit 48 Prozent war bundesweit fast jede zweite Neueinstellung von unter 25-Jährigen befristet. Das geht aus aktuellen Zahlen der Böckler-Stiftung hervor. „Außerdem nutzen Arbeitgeber die vermeintlich schwächere Position von Menschen aus, die keine Berufsausbildung haben: Gut die Hälfte von ihnen bekommt bei einer neuen Stelle nur einen befristeten Arbeitsvertrag“, so Jens Löbel. Auch das habe die Analyse der Böckler-Stiftung ergeben. Menschen mit Berufsausbildung hätten dagegen nur zu knapp 28 Prozent einen befristeten Job.
Autor: red

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Kommentare
geloescht.20250205
21.11.2024, 11:04 Uhr
Gründe
Befristete Arbeitsverträge gab es schon immer und zwar aus verschiedenen Gründen. Manche Arbeitgeber nutzn das auch voll aus. Da die derzeitige Wirtschaftssituation ja auch nicht so toll ist, was man ja ständig überall hört oder liest, sichern sich die Arbeitgeber natürlich auch ab. Wenn ein befristeter Arbeitsvertrag ausläuft, dann kann nämlich auch kein Arbeitnehmer klagen oder so. Andererseits habe ich selbst auch schon erlebt, dass sich Leute mit
einem befristeten Arbeitsvertrag anstrengen
um übernommen, also entfristet zu werden.
Als sie dann den unbefristeten Arbeitsvertrag
hatten, ließ die Arbeitsleistung plötzlich sehr nach und die Krankentage stiegen merklich an, getreu dem Motto " mir kann ja keiner mehr was". Klingt vielleicht jetzt nicht so nett, hab es aber selbst erlebt.
Ecki58
21.11.2024, 14:09 Uhr
Allerdings
gibt es auch bei den Arbeitgebern schwarze Schafe. Gerade im Einzelhandel gibt es Firmen die zu Stoßzeiten, wie Weihnachten,Ostern oder Urlaubzeiten,potentielle Arbeitnehmer locken mit ach so tollen Rabatten, Amazon gutscheinen, Einkaufsgutscheinen usw. Um dann doch alle neu eingestellten wieder zu entlassen. Für die Arbeitnehmer ist es dann nicht schön wenn sie pünktlich Weihnachten die Kündigung im Briefkasten haben und der Arbeitgeber dann trotzdem noch rotzfrech davon ausgeht das man fleißig während der Kündigungsfrist noch Überstunden und Extraschichten macht weil es sich ja der Arbeitgeber eventuell doch noch überlegt die Kündigung zurück zu ziehen. Wenn es dann soweit ist bleibt es dann natürlich doch bei der Kündigung und die Überstunden würden dann umsonst geleistet. Während der Probezeit kann der Arbeitgeber ja natürlich auch nur geringeren Lohn zahlen da man ja erst eingearbeitet werden muss. Von dem Theater dann als Arbeitnehmer die erforderlichen Unterlagen für das Arbeitsamt bekommt rede ich jetzt erst gar nicht. Solche Manieren der Arbeitgeber sollten verboten werden.
Leser X
21.11.2024, 15:49 Uhr
Shallow
Das Problem ist nur, dass sich Arbeit"geber" damit sehr komfortabel absichern können, der Lohnabhängige hingegen in seiner Lebensplanung drangsaliert wird. Das ganze ist also eine zutiefst einseitige Masche. Da lässt der Manchester-Kapitalismus gar sehr grüßen unter aktiver Mithilfe der Politik.
geloescht.20250205
21.11.2024, 16:35 Uhr
Zustimmung
Ich stimme meinen Vorkommentatoren vollkommen zu. Es gibt da auch von Seiten der Arbeitgeber sehr viel Ungerechtigkeit und Gemeinheiten gegenüber den Arbeitnehmern.
Es wäre so schön, wenn alle die, die arbeiten wollen, auch dürften und das natürlich bei guter Bezahlung und die, die nicht wollen auch nicht müssten, natürlich dann mit entsprechenden Konsequenzen. Das ist aber wohl Wunschdenken von mir.
H.Freidenker
21.11.2024, 22:00 Uhr
Am Arbeitgeber abarbeiten ist sehr einfach,
mit Selbstständigkeit könnte man den Problemen mit diesen "Arbeitgebern" aus dem Weg gehen. Im speziellem Fall selber Arbeitgeber werden und dann solche Beiträge über sich ergehen lassen.
Das sage ich, weil ich selbst auf beiden Seiten aktiv war.
Besonders die hier kritisierten Kleinunternehmen sind im Zweifel pleite, wobei der Arbeitnehmer mit dem Bürgergeld gut abgesichert ist.
Leser X
22.11.2024, 13:45 Uhr
Freidenker
Wenn ich es richtig verstanden habe, haben Sie es also schon mal ausprobiert mit dem Bürgergeld? Und - war's schön?
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