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Di, 12:06 Uhr
04.06.2024
Vortragsreihe an der Hochschule gut besucht

75 Jahre Grundgesetz

Ende Mai fand an der Hochschule Nordhausen im Rahmen der Impulse-Veranstaltungsreihe die spannende Abschlussveranstaltung zum Thema "75 Jahre Grundgesetz" statt. Die Veranstaltung im Hörsaal 2 war äußerst gut besucht, mit rund 100 Gästen...

Darunter waren Hochschulangehörige, interessierte Bürger(innen) aus Nordhausen und Umgebung sowie Schüler und Schülerinnen.

Im Mittelpunkt der drei Veranstaltung zum Verfassungsgeburtstag standen ausgewählte Grundrechte im aktuellen Kontext, mit besonderem Fokus auf der Kollision von Grundrechten verschiedener Personen oder mit Verfassungswerten und die Frage, wie in solchen Konfliktsituationen ein ausgewogener Ausgleich erzielt werden kann. Die Begrüßung und thematische Einführung übernahm Prof. Dr. Sporleder-Geb von der Hochschule Nordhausen, die die Veranstaltungen organisiert hatte.

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Ein besonderes Highlight war die Aufführung "Im Gedächtnis des Wassers" der „stille hunde“ Theaterproduktionen aus Göttingen mit Stefan Dehler, Kathrin Müller-Grüß und Christoph Huber. Dabei wurde ein fiktiver Fall dargestellt, in dem ein 15-jähriges Mädchen behauptete, Opfer eines Verbrechens zu sein. Jedoch fehlten die Beweise, was zur Freisprechung des Täters führte. Der Vater des Mädchens bedrohte den Täter daraufhin, um ein Geständnis zu erzwingen, und wurde selbst wegen Freiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung inhaftiert. Die Schauspieler stellten in dieser szenischen Lesung die Perspektiven des Vaters, des Anwalts, der Mutter und weiterer Zeugen dar, ohne die Rollen von Täter und Opfer zu übernehmen.

Gut besuchter Hörsaal 2 der Hochschule Nordhausen während der Impulse-Veranstaltung zum Thema "75 Jahre Grundgesetz – Was kommt, was ist, was bleibt?", mit rund 100 Gästen aus Hochschule, Stadt und Region. (Foto: Nadine Kathrin Luschnat) Gut besuchter Hörsaal 2 der Hochschule Nordhausen während der Impulse-Veranstaltung zum Thema "75 Jahre Grundgesetz – Was kommt, was ist, was bleibt?", mit rund 100 Gästen aus Hochschule, Stadt und Region. (Foto: Nadine Kathrin Luschnat)


Eugen Weber, Strafrichter und Direktor des Amtsgerichts Nordhausen, ordnete den Fall anschließend strafrechtlich ein und analysierte die verschiedenen Straftatbestände. Er betonte die Bedeutung des Strafrechts als Mittel der Spezial- und Generalprävention und erläuterte, warum gesetzwidriges Verhalten, wozu auch die im Theaterstück dargestellte Selbstjustiz gehört, Konsequenzen haben muss.

Die szenische Lesung hatte zum Ziel, die Komplexität juristischer und ethischer Fragestellungen im Kontext von Grundrechten greifbar zu machen. Durch die Darstellung des fiktiven Falles wurden die emotionalen und moralischen Dilemmata verdeutlicht, die in solchen Situationen auftreten können. Diese Art der Darstellung ermöglichte es dem Publikum, die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten nachzuvollziehen und so ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen und die Bedeutung des Strafrechts zu entwickeln. Durch interaktive Elemente wurde das Publikum direkt in den Entscheidungsprozess einbezogen, um so die Diskussion um Recht und Gerechtigkeit lebendig zu gestalten.

Die Veranstaltung endete mit einer lebhaften Fragerunde, in der das Publikum zahlreiche interessante Fragen stellte. Im Anschluss lud der Wissenschaftliche Verein im Foyer des Hauses 19 der Hochschule zu einem Imbiss ein, wo die Diskussionen weitergeführt wurden.

Die Theaterformation „stille hunde“ aus Göttingen ist bekannt für ihre innovativen und engagierten Theaterproduktionen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 haben sie sich mit zahlreichen Auftritten in der Region und europaweit einen Namen gemacht. Ihre Produktionen zeichnen sich durch minimalistische, aber bedeutungsvolle Bühnenbilder aus, die sich leicht an unterschiedliche Spielstätten anpassen lassen. Ihre Stücke reichen von humorvollen Kinderproduktionen bis hin zu tiefgründigen szenischen Lesungen, die gesellschaftliche und historische Themen aufgreifen​.

Zum Abschluss der Veranstaltungen zeigte sich Prof. Dr. Sporleder-Geb sehr zufrieden: „Das waren drei spannende und erfolgreiche Veranstaltungen, mit denen wir ein breites Publikum nicht nur aus der Hochschule, sondern auch darüber hinaus aus der interessierten Öffentlichkeit begeistern konnten. Es ermutigt uns, auch künftig gesellschaftspolitische und rechtliche Themen in verschiedenen Formaten anzubieten.“
Autor: red

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Kommentare
ArreeTim
04.06.2024, 15:22 Uhr
Schön demonstrierte Inszenierung, gut das solche staatstragenden Fragen an der Hochschule
in einem Demo Day mit Professorin und echtem Strafrichter gemacht werden, wirklich. Schade an dem Beitrag finde ich, dass leider der Leser, für den der Beitrag gedacht war, (oder für die Projektabrechnung (?)) nicht nachvollziehen kann, was die Details waren, was der Richter herausgearbeitet hat. Nur Mut! Ich denke, das interessiert viele nnz-Leser, die nicht direkt dort teilnehmen können, doch wirklich auch! Es wäre auch neben den inszenierten Dingen durchaus von Interesse gewesen: Hatte das Grundgesetz nicht eine temporäre Rolle bis zur Deutschen Vereinigung? Wenn ja, warum wurde das bis jetzt ignoriert, mit welchem Recht? War es seinerzeit sauber den Beitritt der ehem. DDR im Wege der Herstellung der Deutschen Einheit, die sehr zu begrüßen war, also Einheitsvertrag, herzustellen? Oder?
diskobolos
04.06.2024, 20:01 Uhr
Alles Ironie oder ernst gemeint, Agricola
Wenn Sie glauben, dass die deutsche Vereinigung nicht korrekt nach dem damals geltenden (west-)deutschen GG verlaufen ist, werden Sie mir wohl zustimmen, dass sie schon gar nicht konform zur Verfassung der DDR war.

Aber ganz im Ernst: Eine monatelange Diskussion über Verfassungsfragen hätte den Vereinigungsprozess damals enorm verzögert. Ohne staatliche Einheit, wäre die D-Mark wohl nicht so schnell gekommen. Aus Sicht von heute: alles verschüttete Milch.

Viel interessanter ist die Frage, ob das GG in der einen oder anderen Richtung reformiert werden sollte. Etwa durch Aufnahme von Kinder-Rechten oder Tierschutzprinzipien. Die Meinungen gehen da sehr auseinander . . .
Jäger53
05.06.2024, 06:52 Uhr
Grundgesetz
Ich hoffe nur das das Grundgesetz für alle das gleiche ist. Oft genug kommt es mir nicht so vor.
Fönix
05.06.2024, 13:08 Uhr
Zitat discobolos
... "Aber ganz im Ernst: Eine monatelange Diskussion über Verfassungsfragen hätte den Vereinigungsprozess damals enorm verzögert. Ohne staatliche Einheit, wäre die D-Mark wohl nicht so schnell gekommen. Aus Sicht von heute: alles verschüttete Milch."

Ja, das hättet ihr wohl gern - den Mantel des Verschweigens und Vergessens über die wahren Abläufe beim Zustandekommen der Deutschen Einheit zu legen. Aber das wird so schnell nicht funktionieren. In den einschlägigen Dokumentationen des MDR (ÖRR!) sind die tatsächlichen Geschehnisse festgehalten und einem breiten Publikum zugänglich gemacht worden. Und deshalb ist es längst bekannt, dass Kohl damals gedroht hat, entweder ein Beitritt nach unseren Bedingungen oder die DM kommt nicht nach Ostdeutschland. Damit war der Grundstein für das Wüten der Treuhand gelegt, die Deindustrialisierung ganzer Landstriche vorgezeichnet. Nordthüringen leidet noch heute darunter, es wurden nicht nur tragende Branchen wie die Kaliindustrie völlig unnötigerweise komplett zerschlagen und die Bodenschätze in alle Welt verramscht, auch sind in der Folge ganze Generationen ausgeblutet, weil viele Menschen wegziehen mussten, um irgendwo in Süd- oder Westdeutschland halbwegs auskömmlich ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Diese Menschen fehlen jetzt hier natürlich genauso wie ihre Kinder, die sich größtenteils in ihrem neuen Lebensumfeld sozialisiert und dort ihren neuen Lebensmittelpunkt gefunden haben. Und dann jammert die kleine und große Politik über die miserable Demografie und die schwache Wirtschaftsleistung speziell in weiten Teilen Ostdeutschlands? Welch' ein Hohn!

Nein, wir haben das nicht vergessen und wir werden das auch nicht vergessen! Und wir werden es auch weiterhin allen erzählen, unseren Kindern, unseren Enkeln, allen, die dafür ein offenes Ohr haben. Und werden es vor allen Dingen auch denen immer wieder vorhalten, die ständig herumposaunen, dass die vielen Menschen in Ostdeutschland, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht, doch selber schuld sind an ihrer Misere ...
Kobold2
05.06.2024, 17:04 Uhr
Ja vergessen
Hat man dann wohl auch den jubelten Empfang Helmuts in Dresden. Vergessen hat man auch damals die Warnungen, die CDU nicht zu wählen. Aber Die D-Mark und Bananen waren ja wichtiger und die einheimischen Produkte plötzlich nichts mehr wert. Zum Dank wurde die CDU danach noch mehrfach wieder gewählt. Heute sehe ich Parallelen zu damals. Man lässt sich genauso blenden. Am Grundgesetz, bzw. der geplanten Verfassung hätte man einiges mit einfließen lassen können, wenn man sich nicht so angebiedert hätte. Aber die Warnungen, ich hab hier noch den umgelabelten Anti- Aids Aufkleber, "Gib Kohl keine Chance " vor Augen, wurden ja ignoriert.
diskobolos
05.06.2024, 17:05 Uhr
Die s.g. Wiedervereinigung ist "weites Feld"
Jede Diskussion über vermeintliche Fehler im Vereinigungsprozess muss zwangsläufig von der Situation damals ausgehen: Die DDR-Wirtschaft war größtenteils nicht konkurrenzfähig. Einzelne Produkte schon, aber die waren oft mit großem Personaleinsatz hergestellt. Die Produktion fand oft unter völliger Abwesenheit von Umweltschutz statt. Ein Großteil der DDR-Bevölkerung wollte die Reisefreiheit, aber auf alle Fälle mit konvertierbarer Währung in der Tasche. Dass dann alles so überstürzt gekommen ist, wie es kam, lag auch an denen, die dafür auf die Straße gegangen sind und noch heute darauf stolz sind. Dürfen Sie natürlich. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, hat meine Mutter oft gesagt.
Man hätte sich manches anders vorstellen können. Aber wie realistisch war das? Es gab ja auch mal die Idee, jeder DDR-Bürger erhält Aktien mit denen er einen Eigentumsanteil an der Wirtschaft hat. Alles illusionär. Die meisten Betriebe wären schnell Pleite gegangen.

Ich weiß auch nicht gegen wen sich Ihre Klage genau richtet, Fönix. WER sollte Ihnen denn heute etwas bezahlen und wofür? Menschen, denen es wirtschaftlich schlecht geht, gibt es in Duisburg genauso wie in Halle.

Ein interessanter Fakt: Am 3.Oktober 1990 hat die Bevölkerung auch alle Probleme der DDR übernommen, aber die DDR-Bevölkerung die Staatsschulden der Alt-BRD. Die waren pro Kopf wesentlich höher.
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