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Do, 18:50 Uhr
15.06.2023
IMMER WIEDER DIESER UNSINN:

Bienenfutter unterm Mäher

Der Himmel ist wie gewaschen. Die Sonne lacht. Um die 28 Grad warm soll es auch heute wieder werden. Schwülheiße Luft und eine schweißtreibende Hitze um die 35 Grad und mehr sagen Meterelogen für kommende Woche voraus. Doch unserem Autor Kurt Frank wird die Freude am sommerlichen Paradies vergällt...

An den Blüten des Mini-Klees laben sich gern Bienen, Hummeln (im Bild) und viele andere Insekten.                                                           (Foto: Kurt Frank) An den Blüten des Mini-Klees laben sich gern Bienen, Hummeln (im Bild) und viele andere Insekten. (Foto: Kurt Frank)

Die Männer sitzen auf einer Bank im Schatten eines Baumes. Übersät die Wiese vor ihnen mit kleinen weiß blühenden Blümchen. Es ist Mini-Klee, der nicht höher als acht Zentimeter wächst. Die Herren freuen sich über die Bienen und Hummeln, die sich an den Blüten laben. Der Mini-Klee, wissen sie, blüht auch bei Hitze. Gut für die Bienen bei Trockenheit.

Doch den Nützlingen droht Ungemach. Zwei Männer mit Grasmähern erscheinen auf der Fläche. Der kleine weiße Mini-Teppich breitet sich vor ihnen aus. Schon nach kurzer Zeit ist er verschwunden. Mit ihnen Bienen, Hummeln und andere Insekten. Wie abgeleckt jetzt der Bereich. Unbarmherzig brennt die Sonne. Die Fläche wird jetzt verstärkt austrocknen, sich in der nahenden Hitzeperiode nur noch braun präsentieren.

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Wir mähen hier nur im Auftrag der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG), erklärt einer der Mäher. Auf das Bienenfutter angesprochen, bedauert er sein Tun, doch er mache nur auftragsgemäß seine Arbeit, Vertrag sei eben Vertrag.

Die Wohnungsbaugenossenschaft bemüht sich einerseits um viel Grün im Wohnbereich, was diese Zeitung wiederholt zu würdigen wusste. Um diese WBG-Freundlichkeit wissen auch Vorstand Sven Dörmann und andere Funktionsträger des Großvermieters. Erinnert sei nur an den Bericht rund um den Aueblick dieser Tage.

Schon nach kurzer Zeit waren die weißen Blüten des kleinen Klees, Labsal für Bienen und Hummeln, unter der Mähmaschine verschwunden.                             (Foto:  Kurt Frank) Schon nach kurzer Zeit waren die weißen Blüten des kleinen Klees, Labsal für Bienen und Hummeln, unter der Mähmaschine verschwunden. (Foto: Kurt Frank)

Umso befremdlicher ist dieser Mäh-Unsinn, wo es eigentlich in diesen Hitze-Tagen kaum noch was zu mähen gab, was bei anhaltender Dürre auch so bleiben wird. Sollte da der Mähzyklus schon in Stein gemeißelt sein? Eine bestimmte Anzahl an Mähungen im Jahr, egal ob trocken oder sprießend?
Vertragstreue oder ökologischer Unsinn?

Wohnen im Grünen, schreibt sich die WBG auf ihre Fahnen. Sollte dieser Anspruch nicht auch für mehr Flexibilität in der Abstimmung der Mäh-Termine sein, wenn sie sich witterungsbedingt erforderlich macht? Wer was für Bienen, Hummeln und Co. tun möchte, der mäht mit Sinn und Verstand. Das gilt gleichermaßen für die städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) wie die Stadt.
Kurt Frank

Autor: red

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Kommentare
Cychreides
15.06.2023, 23:31 Uhr
Zustimmung
Ich kann dem Artikel nur zustimmen, schon seit Jahren stören wir uns an diesen ständigen mäherein auf bodenhöhe. 3 Tage später ist alles verbrannt... wo ist das ansehnlicher als ein grüner Teppich? Wieso soll das einem englischen Rasen gleichen? Statt zu mähen könnte die wbg/swg doch auch mal eine Bienenwiese streuen und wässern lassen? Damit wäre so viel mehr geholfen.aber sicher zu fortschrittlich und grün.
grobschmied56
16.06.2023, 01:32 Uhr
Auf meinem kleinen Fleckchen ...
... wird nur gelegentlich gemäht. Unkraut und Wildblumen sind bei uns geduldet.
Auf dem kleinen Vorgarten wird auch mal ein paar Hände voll bienenfreundliches Blütengedöns ausgesät. Fetthenne und Sonnenhut sind Anziehungspunkte für Insekten und den Hobbyphotographen.
Echter-Nordhaeuser
16.06.2023, 06:40 Uhr
Bienenfutter unterm Mäher
Das Problem ist das man es vielen Mitgliedern nicht Recht machen kann der eine wills lang der andere kurz. Zum Teil wird doch wegen jeder Kleinigkeit in der Geschäftsstelle angerufen ob das Treppenhaus nicht richtig gereinigt ist oder der Rasen höher steht.
Werner Hütcher
16.06.2023, 09:14 Uhr
Insektensterben
Das Insektensterben gehört zweifelsfrei zu den globalen Problemen unserer Zeit. Der NABU fordert seit Jahren ein Umdenken hinsichtlich des allgemeinen „Mähwahns“. Schmetterlinge und Käfer können ihre Vermehrung u.a. durch zu häufiges Mähen nicht abschließen. Natürlich muss die öffentliche Hand die Verkehrssicherheit von Wegen und Straßenrändern absichern. Trotzdem stellt sich die Frage, warum beispielweise bei einem Fahrradweg die Mähbreite nicht auf einen Meter beschränkt werden kann? Als Hobbyentomologe beobachte ich seit Jahren das Verschwinden der Artenvielfalt bei den Schmetterlingen. Ob Distelfalter, Großer Kohlweißling oder Blutströpfchen. Man sieht sie kaum noch. Zunehmend werden Blühstreifen in Deutschland als Gegenmaßnahme angelegt. Aber selbst an diesen sieht man immer weniger Insekten. Bezüglich des Mähens sollten Bürger, Kommunen und Gebietskörperschaften ihr Handeln überprüfen und gegebenenfalls Verträge mit Unternehmen der Grünlandpflege ändern. NABU und andere Umweltverbände müssen ernst genommen werden und als Partner ins Boot geholt werden. Anderenfalls liegt die Befürchtung nahe, dass sich zukünftige Generationen beispielweise Schmetterlinge und Käfer nur noch in einem Naturkundemuseum anschauen können.
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