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Di, 19:01 Uhr
24.10.2000

Gerhard Jüttemann (PDS): "DEUSA befindet sich in tödlicher Umarmung"

Bleicherode (nnz). Der PDS-Bundestagsabgeordnete Gerhard Jüttemann hat der nnz folgende Erklärung zu den Vorgängen zwischen der Deusa in Bleicherode und der Kali + Salz AG Kassel übermittelt:
"Die Kali+Salz AG Kassel steht offenbar vor ihrem letzten großen Coup in Ostdeutschland. 1993 hatte sie mittels eines mit der Treuhand abgeschlossenen Fusionsvertrages die ostdeutsche Kaliindustrie übernommen und den allergrößten Teil sofort liquidiert, obwohl sie mit der scheinheiligen Begründung der Sanierung dieser Ostbetriebe 1,5 Milliarden DM an Beihilfen erhielt. Wie durch ein Wunder war damals allein die DEUSA Solbergwerke und Aufbereitungs GmbH Bleicherode der tödlichen Umarmung entgangen.
Nun pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass die DEUSA, die nie Beihilfen für den Ostaufbau erhalten hat, mit siebenjähriger Verspätung doch noch in die Fänge der durch die Ausschaltung der großen Ostkonkurrenten übermächtig gewordenen BASF-Tochter aus Kassel geraten ist. Ein Kreditgeschäft zwischen den beiden Firmen hat die Bleicheröder an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Seit Wochen laufen hinter verschlossenen Türen die Übernahmeverhandlungen. Für die Kasseler Kali+Salz wäre der DEUSA-Fischzug mit dem Erwerb einer Gelddruckmaschine vergleichbar. Denn erstens verfügt der Nordthüringer Betrieb über die Patentrechte eines bergleutefreien Abbaus von Kali, der - von finanzkräftiger Konkurrenz praktiziert - die westdeutsche Aktiengesellschaft in höchste Bedrängnis bringen könnte.
Für Kassel wahrscheinlich noch wichtiger ist jedoch der Erwerb der DEUSA-Verträge mit der Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung stillgelegter Bergwerke über die Lieferung von Lauge zum Verfüllen des vor sieben Jahren außer Betrieb gesetzten riesigen Bischofferöder Kaliwerkes. Eine solche Lauge fällt bei Kali+Salz als Abfallprodukt automatisch an und muss bisher teuer entsorgt werden. Geht der Coup auf, verwandeln sich diese immensen Verluste von heute auf morgen in Einnahmen.
Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Kali+Salz AG Kassel die DEUSA in den finanziellen Würgegriff genommen hat und gar nicht daran denkt, loszulassen. Was sie im Gegensatz zu den Patentrechten und den Verträgen allerdings eher überhaupt nicht brauchen wird, sind die Bleicheröder Arbeitskräfte. Vielleicht werden einige von ihnen dennoch übernommen. Denn natürlich werden bei der Übernahme alle Hintergründe im Dunkeln bleiben. Der Öffentlichkeit wird der Akt der uneigennützigen Rettung eines Ostbetriebes vorgegaukelt werden - so wie wir den Aufbau Ost seit zehn Jahren kennen."
Autor: nnz

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