Mi, 10:30 Uhr
09.03.2022
Digital-Ticket bei Bus und Bahn
Ein Feldversuch mit Höhen und Tiefen
Im vergangenen Jahr experimentierte man bei den Nordhäuser Verkehrsbetrieben und in Hildburghausen mit digitalen Fahrscheinangeboten. Statt am Automaten die Fahrkarten zu ziehen, sollte Fahrgäste per App ein E-Ticket nutzen. Die Ergebnisse fielen gemischt aus…
Mit der Nordhäuser Straßenbahn konnte man im vergangenen Sommer auch mit dem "E-Ticket" fahren (Foto: nnz-Archiv)
Bei Bus und Bahn ist vieles in Bewegung und das nicht nur buchstäblich. Im Thüringen bereitet man sich seit geraumer Zeit darauf vor, die unterschiedlichen Tarifgebiete zusammenzulegen, um den Nutzerinnen und Nutzern im besten Fall landesweit einheitliche Angebote machen zu können. Die Kleinstaaterei im Bus und auf der Schiene soll endlich ein Ende haben und Tarifgebiete nicht zwingend an den Kreisgrenzen enden.
Im Verkehrsverbund Mittelthüringen ist das schon der Fall und dem würde man sich auch am Harzrand gerne anschließen. Die Bande sind bereits lange geknüpft und so kam man schon anno 2019 zusammen, um gemeinsam mit dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen und dem Mitteldeutschen Omnibusverband über die Einführung eines digitalen Ticketsystems zu sprechen.
Für die Anbieter brächte der Schritt in die Digitalisierung viele Vorteile mit sich. Man muss weniger Infrastruktur unterhalten und die Erfassung von Fahrgästen sowie die Abrechnung werden leichter. Die Nutzer können ihre Fahrt in wenigen Schritten mit dem Smartphone organisieren. Auf schwankenden Füßen vor dem Automaten in der Straßenbahn stehen und im Portemonnaie wühlen um das passende Kleingeld zusammen zu klauben - mit dem E-Ticket würde das der Vergangenheit angehören.
In zwei Thüringer Kreisen wurde das Prinzip mit Hilfe der Fairtiq-App im vergangenen Jahr erprobt. Neben Hildburghausen testete man das Thüringer Handyticket auch im Landkreis Nordhausen. Der Testtarif stand für die drei Straßenbahnlinien und die Stadtbuslinien A bis K zur Verfügung. Begonnen wurde mit einem Grundpreis von 1,05 Euro, was einen Arbeitspreis von 17 Cent pro Kilometer ausmachte, teilten die Verkehrsbetriebe mit. Um den Fahrgästen das Experiment schmackhaft zu machen, wurde kurzzeitig ein Startguthaben von drei Euro geboten.
Die Ergebnisse des Feldversuchs stehen inzwischen fest. Die gute Nachricht: auf der technischen Seite hat alles wie erwartet geklappt. Ernüchternd waren hingegen die Nutzerzahlen, die im Feldversuch noch zu Wünschen übrig ließen. Über die Laufzeit von gut sechs Monaten kamen in Nordhausen 100 Registrierungen auf der App zusammen, wobei 40 Nutzer dauerhaft aktiv waren.
Damit stehen die Nordhäuser noch besser da als die Hildburghausener. Hier hatte man nur 15 aktive Nutzer. Die Südthüringer vermuten dahinter auch ein demographisches Problem: die meisten Fahrgäste sind ältere Semester, die vielfach Berührungsängste mit der digitalen Technik hätten. Zudem sei der Zeitraum zu knapp bemessen gewesen, um das Projekt ordentlich bewerben zu können.
In Nordhausen mag man diese Einschätzung nicht teilen, zumal man weniger Wert auf die Quantität der Nutzerzahlen gelegt hat und eher die Qualität der Technik prüfen wollte. "Das "Reallabor" hat gezeigt, dass die Anwendung eines eTarfis einfach ist. Die Technik hat funktioniert, die Abläufe haben funktioniert, die Geldflüsse haben funktioniert - und das waren die Sachen, die wir sehen wollten", sagt Thorsten Schwarz, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe.
Mit der Einführung eines eTarifs sei in absehbarer Zeit allerdings nicht zu rechnen. Ein "Alleingang" der Nordhäuser mache hier wenig Sinn, da die volle Implementierung auch mit Investitionen verbunden sei und die müsse man nicht stemmen, bevor nicht klar sei wie man im Verkehrsverbund Mittelthüringen mit dem E-Ticket umgehen will. Der Zutritt zum gemeinsamem Verkehrsverbund genießt in Nordhausen Priorität. Das Thema ist damit allerdings auch nicht vom Tisch. Die Einführung eines elektronischen Tickets ist keine Frage des "Ob" sondern eine des "Wann", auch für den Verkehrsverbund. Und die Nordhäuser haben bis dahin schon einmal einige Erfahrungen sammeln können.
Angelo Glashagel
Autor: red
Mit der Nordhäuser Straßenbahn konnte man im vergangenen Sommer auch mit dem "E-Ticket" fahren (Foto: nnz-Archiv)
Bei Bus und Bahn ist vieles in Bewegung und das nicht nur buchstäblich. Im Thüringen bereitet man sich seit geraumer Zeit darauf vor, die unterschiedlichen Tarifgebiete zusammenzulegen, um den Nutzerinnen und Nutzern im besten Fall landesweit einheitliche Angebote machen zu können. Die Kleinstaaterei im Bus und auf der Schiene soll endlich ein Ende haben und Tarifgebiete nicht zwingend an den Kreisgrenzen enden.
Im Verkehrsverbund Mittelthüringen ist das schon der Fall und dem würde man sich auch am Harzrand gerne anschließen. Die Bande sind bereits lange geknüpft und so kam man schon anno 2019 zusammen, um gemeinsam mit dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen und dem Mitteldeutschen Omnibusverband über die Einführung eines digitalen Ticketsystems zu sprechen.
Für die Anbieter brächte der Schritt in die Digitalisierung viele Vorteile mit sich. Man muss weniger Infrastruktur unterhalten und die Erfassung von Fahrgästen sowie die Abrechnung werden leichter. Die Nutzer können ihre Fahrt in wenigen Schritten mit dem Smartphone organisieren. Auf schwankenden Füßen vor dem Automaten in der Straßenbahn stehen und im Portemonnaie wühlen um das passende Kleingeld zusammen zu klauben - mit dem E-Ticket würde das der Vergangenheit angehören.
In zwei Thüringer Kreisen wurde das Prinzip mit Hilfe der Fairtiq-App im vergangenen Jahr erprobt. Neben Hildburghausen testete man das Thüringer Handyticket auch im Landkreis Nordhausen. Der Testtarif stand für die drei Straßenbahnlinien und die Stadtbuslinien A bis K zur Verfügung. Begonnen wurde mit einem Grundpreis von 1,05 Euro, was einen Arbeitspreis von 17 Cent pro Kilometer ausmachte, teilten die Verkehrsbetriebe mit. Um den Fahrgästen das Experiment schmackhaft zu machen, wurde kurzzeitig ein Startguthaben von drei Euro geboten.
Die Ergebnisse des Feldversuchs stehen inzwischen fest. Die gute Nachricht: auf der technischen Seite hat alles wie erwartet geklappt. Ernüchternd waren hingegen die Nutzerzahlen, die im Feldversuch noch zu Wünschen übrig ließen. Über die Laufzeit von gut sechs Monaten kamen in Nordhausen 100 Registrierungen auf der App zusammen, wobei 40 Nutzer dauerhaft aktiv waren.
Damit stehen die Nordhäuser noch besser da als die Hildburghausener. Hier hatte man nur 15 aktive Nutzer. Die Südthüringer vermuten dahinter auch ein demographisches Problem: die meisten Fahrgäste sind ältere Semester, die vielfach Berührungsängste mit der digitalen Technik hätten. Zudem sei der Zeitraum zu knapp bemessen gewesen, um das Projekt ordentlich bewerben zu können.
In Nordhausen mag man diese Einschätzung nicht teilen, zumal man weniger Wert auf die Quantität der Nutzerzahlen gelegt hat und eher die Qualität der Technik prüfen wollte. "Das "Reallabor" hat gezeigt, dass die Anwendung eines eTarfis einfach ist. Die Technik hat funktioniert, die Abläufe haben funktioniert, die Geldflüsse haben funktioniert - und das waren die Sachen, die wir sehen wollten", sagt Thorsten Schwarz, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe.
Mit der Einführung eines eTarifs sei in absehbarer Zeit allerdings nicht zu rechnen. Ein "Alleingang" der Nordhäuser mache hier wenig Sinn, da die volle Implementierung auch mit Investitionen verbunden sei und die müsse man nicht stemmen, bevor nicht klar sei wie man im Verkehrsverbund Mittelthüringen mit dem E-Ticket umgehen will. Der Zutritt zum gemeinsamem Verkehrsverbund genießt in Nordhausen Priorität. Das Thema ist damit allerdings auch nicht vom Tisch. Die Einführung eines elektronischen Tickets ist keine Frage des "Ob" sondern eine des "Wann", auch für den Verkehrsverbund. Und die Nordhäuser haben bis dahin schon einmal einige Erfahrungen sammeln können.
Angelo Glashagel

