Mi, 11:21 Uhr
09.02.2022
Aus dem Nordhäuser Geschichtsverein
Anderthalb Jahrhunderte
Hätten wir normale Zeiten, würde an dieser Stelle ganz sicher ein Bericht über den monatlichen Vereinsabend der Südharzer Geschichtsfreunde zu lesen sein. Doch seit nahezu zwei Jahren sind die Zeiten nicht normal...
Und so musste auch die für den gestrigen Abend geplante Jahreshauptversammlung im Tabakspeicher entfallen. Doch es gibt trotz allem so einiges über den Verein zu berichten…
Die Covid-19-Pandemie mit ihren ständig mutierenden Varianten machte auch den Vereinen sehr zu schaffen. Das haben auch die Mitglieder des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins zu spüren bekommen. Immer wieder mussten geplante abendfüllende Vorträge, Auto- und Busexkursionen sowie Arbeitseinsätze nicht selten kurzfristig abgesagt werden.
Dabei begann das Jahr 2020 noch verheißungsvoll. Da gab es am 14. Januar als Auftakt für das Vereinsjubiläum den beliebten Knetschabend. Am 11. Februar ging die Jahreshauptversammlung mit der Wahl eines neuen Vorstandes im Vereinshaus Thomas Mann wie geplant über die Bühne (nnz berichtete). Und Thomas Kopf schließlich begeisterte in der März-Zusammenkunft zahlreiche Vereinsmitglieder und Gäste mit dem 3. Teil seines Lichtbildervortrages über Das historische Nordhausen.
Das war`s dann aber auch schon.
Sämtliche vom Vorstand geplanten weiteren Vereinsabende und Exkursionen sowie die traditionelle Weihnachtsfeier im Dezember fielen der Pandemie zum Opfer. Doch im Spätsommer des Jahres 2021 gab es immerhin einige Lichtblicke nach nahezu anderthalbjähriger Zwangspause. Ein Informationsabend machte im September den Auftakt, dem sich im Oktober ein spannender Vortrag anschloss.
Da nämlich zog Vereinsmitglied Peter Ruppert mit seiner PowerPoint-Präsentation über Die Burgen im Südharz die zahlreichen Geschichtsinteressierten in seinen Bann. (nnz berichtete). Doch fortan spitzte sich die pandemische Lage wieder zu und so musste der für den 23. November anvisierte Vortrag über Die Geschichte des Gipses im Südharz von Dr. Hans-Jürgen Reinhardt kurzfristig abgesagt werden. Schließlich konnte die weihnachtliche Zusammenkunft abermals nicht stattfinden.
Dabei hätten die Hobbyhistoriker aus dem Südharz 2020 allen Grund zum Feiern gehabt. Der Verein wurde nämlich 150 Jahre alt. Er war am 26. April 1870 gegründet worden. Mit zahlreichen Veranstaltungen wollten sie dieses Jubiläum würdig begehen. Doch die Pandemie ließ dies nicht zu. Immerhin nahm sich Hans-Jürgen Grönke, seit 1995 ohne Unterbrechung Vorsitzender des Vereins, dieser Thematik an.
In zwei äußerst detailreichen Aufsätzen, veröffentlicht im 45. und 46. Band der Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen (Gelbe Reihe), nimmt der Verfasser die Leser mit auf eine Zeitreise von der Gründung des Vereins im Jahr 1870 bis in unsere heutige Zeit. Dabei dürfte das Auf und Ab bei der Namensfindung und der Stellung des Vereins im Hinblick auf das gesellschaftliche und politische Umfeld vor allem nach 1945 von besonderem Interesse sein.
Vereine, wie wir sie heute kennen, waren in der DDR nicht zugelassen. Fachgruppen und Arbeitsgemeinschaften fanden unter dem Dach des Kulturbundes ihr jeweiliges Betätigungsfeld. 1952 bildete sich die Fachgruppe Heimatgeschichte und Ortschronik, aus der schließlich die FG Heimatgeschichte hervorging.
Treffpunkt der Geschichtsfreunde war anfangs das Hotel Reichshof in der heutigen Reichsstraße. Später wurde das Haus des Kulturbundes, besser bekannt unter der Bezeichnung Thomas-Mann-Klub in der Wilhelm-Nebelung-Straße 39, zum neuen Domizil. Leider wurde die Villa, die über Jahrzehnte ein Ort der Kultur und Bildung war, seitens der Stadt Nordhausen vor über einem Jahr geschlossen. Die Jüdische Gemeinde, die Vereine und Arbeitsgemeinschaften mussten das Haus verlassen.
Das gesellschaftliche Engagement der Heimatforscher reichte und reicht über Informationsveranstaltungen, Lichtbildervorträge, Reisen zu geschichtsträchtigen Orten bis zur Herausgabe verschiedener Publikationen. Von April 1953 bis März 1959 erschien Der Nordhäuser Roland und ab 1977 wurde jährlich die Broschüre Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen herausgegeben.
Seit der Ausgabe 26/2001 trägt die Publikation den leicht veränderten Titel Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, erscheint seit einigen Jahren im Verlag Steffen Iffland Nordhausen und erfreut sich allgemein wachsender Beliebtheit. Wer sich tiefgründiger mit dem Werden und Wachsen des Nordhäuser Geschichtsvereins beschäftigen möchte, dem seien beide aufgeführten Bände zu empfehlen. Erhältlich sind sie im Buchhandel der Rolandstadt und über den Geschichtsverein.
Was die monatlichen Zusammenkünfte der Geschichtsfreunde betrifft, so blickt Vorsitzender Hans-Jürgen Grönke vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Am Telefon verrät er der nnz, dass zwar im März noch kein Treffen möglich ist. Doch in Kürze wird sich der Vorstand treffen, um über künftige Aktivitäten in diesem Jahr zu beraten. Sollte die pandemische Lage es dann zulassen, könnte im April wieder zu einem abendfüllenden Vortrag im Tabakspeicher eingeladen werden.
Wenn auch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktivitäten (wie beispielsweise die beliebten Vortragsabende) des Vereins nicht möglich waren, so gab es doch quasi hinter den Kulissen reichliches Engagement einiger Mitglieder. Da wäre zum einen die kontinuierliche Arbeit an der Vorbereitung eines neuen Jahrbuches zu nennen oder auch die Mitarbeit an der neuen Sonderausstellung Der Bergbau im Südharz, die seit einigen Tagen im Tabakspeicher zu sehen ist.
Der Verein, so versichert Grönke im Gespräch mit der nnz abschließend, wird über die Medien rechtzeitig informieren, wann es mit den Veranstaltungen weiter geht. Ob dann noch die 2G-Regel in Anwendung kommt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Nur soviel: Sollten die Vortragsabende alsbald möglich sein, sind neben den Mitgliedern auch Gäste bei freiem Eintritt wieder sehr willkommen.
Hans-Georg Backhaus
Anmerkung/Quellenangabe:
Die im Text angeführten Daten und Fakten zum 150. Gründungstag des Nordhäuser Geschichtsvereins erfolgen mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Hans-Jürgen Grönke, 150 Jahre Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein, Teile 1 und 2, Bände 45/2020 und 46/2021, Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, Verlag Steffen Iffland I Nordhausen.
Autor: redUnd so musste auch die für den gestrigen Abend geplante Jahreshauptversammlung im Tabakspeicher entfallen. Doch es gibt trotz allem so einiges über den Verein zu berichten…
Die Covid-19-Pandemie mit ihren ständig mutierenden Varianten machte auch den Vereinen sehr zu schaffen. Das haben auch die Mitglieder des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins zu spüren bekommen. Immer wieder mussten geplante abendfüllende Vorträge, Auto- und Busexkursionen sowie Arbeitseinsätze nicht selten kurzfristig abgesagt werden.
Dabei begann das Jahr 2020 noch verheißungsvoll. Da gab es am 14. Januar als Auftakt für das Vereinsjubiläum den beliebten Knetschabend. Am 11. Februar ging die Jahreshauptversammlung mit der Wahl eines neuen Vorstandes im Vereinshaus Thomas Mann wie geplant über die Bühne (nnz berichtete). Und Thomas Kopf schließlich begeisterte in der März-Zusammenkunft zahlreiche Vereinsmitglieder und Gäste mit dem 3. Teil seines Lichtbildervortrages über Das historische Nordhausen.
Das war`s dann aber auch schon.
Sämtliche vom Vorstand geplanten weiteren Vereinsabende und Exkursionen sowie die traditionelle Weihnachtsfeier im Dezember fielen der Pandemie zum Opfer. Doch im Spätsommer des Jahres 2021 gab es immerhin einige Lichtblicke nach nahezu anderthalbjähriger Zwangspause. Ein Informationsabend machte im September den Auftakt, dem sich im Oktober ein spannender Vortrag anschloss.
Da nämlich zog Vereinsmitglied Peter Ruppert mit seiner PowerPoint-Präsentation über Die Burgen im Südharz die zahlreichen Geschichtsinteressierten in seinen Bann. (nnz berichtete). Doch fortan spitzte sich die pandemische Lage wieder zu und so musste der für den 23. November anvisierte Vortrag über Die Geschichte des Gipses im Südharz von Dr. Hans-Jürgen Reinhardt kurzfristig abgesagt werden. Schließlich konnte die weihnachtliche Zusammenkunft abermals nicht stattfinden.
Dabei hätten die Hobbyhistoriker aus dem Südharz 2020 allen Grund zum Feiern gehabt. Der Verein wurde nämlich 150 Jahre alt. Er war am 26. April 1870 gegründet worden. Mit zahlreichen Veranstaltungen wollten sie dieses Jubiläum würdig begehen. Doch die Pandemie ließ dies nicht zu. Immerhin nahm sich Hans-Jürgen Grönke, seit 1995 ohne Unterbrechung Vorsitzender des Vereins, dieser Thematik an.
In zwei äußerst detailreichen Aufsätzen, veröffentlicht im 45. und 46. Band der Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen (Gelbe Reihe), nimmt der Verfasser die Leser mit auf eine Zeitreise von der Gründung des Vereins im Jahr 1870 bis in unsere heutige Zeit. Dabei dürfte das Auf und Ab bei der Namensfindung und der Stellung des Vereins im Hinblick auf das gesellschaftliche und politische Umfeld vor allem nach 1945 von besonderem Interesse sein.
Vereine, wie wir sie heute kennen, waren in der DDR nicht zugelassen. Fachgruppen und Arbeitsgemeinschaften fanden unter dem Dach des Kulturbundes ihr jeweiliges Betätigungsfeld. 1952 bildete sich die Fachgruppe Heimatgeschichte und Ortschronik, aus der schließlich die FG Heimatgeschichte hervorging.
Treffpunkt der Geschichtsfreunde war anfangs das Hotel Reichshof in der heutigen Reichsstraße. Später wurde das Haus des Kulturbundes, besser bekannt unter der Bezeichnung Thomas-Mann-Klub in der Wilhelm-Nebelung-Straße 39, zum neuen Domizil. Leider wurde die Villa, die über Jahrzehnte ein Ort der Kultur und Bildung war, seitens der Stadt Nordhausen vor über einem Jahr geschlossen. Die Jüdische Gemeinde, die Vereine und Arbeitsgemeinschaften mussten das Haus verlassen.
Das gesellschaftliche Engagement der Heimatforscher reichte und reicht über Informationsveranstaltungen, Lichtbildervorträge, Reisen zu geschichtsträchtigen Orten bis zur Herausgabe verschiedener Publikationen. Von April 1953 bis März 1959 erschien Der Nordhäuser Roland und ab 1977 wurde jährlich die Broschüre Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen herausgegeben.
Seit der Ausgabe 26/2001 trägt die Publikation den leicht veränderten Titel Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, erscheint seit einigen Jahren im Verlag Steffen Iffland Nordhausen und erfreut sich allgemein wachsender Beliebtheit. Wer sich tiefgründiger mit dem Werden und Wachsen des Nordhäuser Geschichtsvereins beschäftigen möchte, dem seien beide aufgeführten Bände zu empfehlen. Erhältlich sind sie im Buchhandel der Rolandstadt und über den Geschichtsverein.
Was die monatlichen Zusammenkünfte der Geschichtsfreunde betrifft, so blickt Vorsitzender Hans-Jürgen Grönke vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Am Telefon verrät er der nnz, dass zwar im März noch kein Treffen möglich ist. Doch in Kürze wird sich der Vorstand treffen, um über künftige Aktivitäten in diesem Jahr zu beraten. Sollte die pandemische Lage es dann zulassen, könnte im April wieder zu einem abendfüllenden Vortrag im Tabakspeicher eingeladen werden.
Wenn auch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktivitäten (wie beispielsweise die beliebten Vortragsabende) des Vereins nicht möglich waren, so gab es doch quasi hinter den Kulissen reichliches Engagement einiger Mitglieder. Da wäre zum einen die kontinuierliche Arbeit an der Vorbereitung eines neuen Jahrbuches zu nennen oder auch die Mitarbeit an der neuen Sonderausstellung Der Bergbau im Südharz, die seit einigen Tagen im Tabakspeicher zu sehen ist.
Der Verein, so versichert Grönke im Gespräch mit der nnz abschließend, wird über die Medien rechtzeitig informieren, wann es mit den Veranstaltungen weiter geht. Ob dann noch die 2G-Regel in Anwendung kommt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Nur soviel: Sollten die Vortragsabende alsbald möglich sein, sind neben den Mitgliedern auch Gäste bei freiem Eintritt wieder sehr willkommen.
Hans-Georg Backhaus
Anmerkung/Quellenangabe:
Die im Text angeführten Daten und Fakten zum 150. Gründungstag des Nordhäuser Geschichtsvereins erfolgen mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Hans-Jürgen Grönke, 150 Jahre Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein, Teile 1 und 2, Bände 45/2020 und 46/2021, Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, Verlag Steffen Iffland I Nordhausen.






