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Fr, 17:43 Uhr
10.12.2021
Zur aktuellen Lage im Südharz Klinikum:

„Erst einmal das eigene Revier abdecken“

Gestern schlugen Gerüchte in Nordhausen hohe Wellen, das Südharz Klinikum müsse aufgrund der angespannten Situation um die Corona-Erkrankungen Operationen verschieben und sei an der Kapazitätsgrenze. Befeuert wurden diese Vermutungen wohl auch von Landrat Jendrickes Ankündigung, den Katastrophenfall für den Kreis auszurufen. Heute unterhielten wir uns mit dem Klinischen Direktor des Südharz Klinikums, Prof. Dr. Jens Büntzel, über das Thema…

Südharz Klinikum (Foto: vgf) Südharz Klinikum (Foto: vgf)

Der Professor bestätigte der nnz auf Nachfrage, dass die für Corona-Patienten vorgesehene intensivmedizinische Abteilung ITS 2 im Verlauf der Woche mehrfach vollbesetzt worden wäre, nachdem mehr als zwölf Patienten intensiv medizinisch beatmet werden mussten. Deshalb wurde ein Aufwachraum zur ITS-Station umgerüstet. Ziel dieser Maßnahme war es, die andere Intensivstation ITS 1 abzusichern, in der Patienten mit anderen Erkrankungen lägen. „Die ITS 1 konnte die Patienten nicht gleich voll übernehmen, weshalb wir uns zu diesem Schritt gezwungen sahen“, erzählt Prof. Büntzel. Zusätzlich müsse nun auch mehr Pflegepersonal für die steigende Patientenanzahl organisiert werden. Unter den Mitarbeitern gibt es derzeit einen relativ hohen Krankenstand, was der Ärztliche Direktor nicht nur auf Ausfälle durch Corona, sondern auch auf die allgemein krankheitsträchtige Jahreszeit zurückführt.

Auch in der Ärzteschaft sei ein dem Erkältungswetter angemessener Krankenstand zu registrieren. „Dies ist allgemein keine gute Zeit für planbare Operationen, weshalb wir momentan ohnehin weniger OPs angesetzt hatten. Jetzt werden wir die nicht zwingend notwendigen ins nächste Jahr verschieben“, begründet Dr. Büntzel. „Dieses Konstrukt, was wir jetzt eingeführt haben kann uns helfen, ohne weitere Sondermaßnahmen ins neue Jahr zu kommen.“

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Auf keinen Fall wolle er noch einmal eine so schlimme Situation wie im letzten Winter erleben, „als die Kollegen regelrecht verbrannt waren“. Die Nachwirkungen der Überlastung waren noch weit in den Sommer und Herbst hinein zu spüren und sollen dieses Mal unbedingt vermieden werden. „Die Weihnachtszeit ist auch der klassische Zeitpunkt, dass zwei Stationen mal zusammengelegt werden“, sagte er.

Gleichwohl ist Dr. Büntzel besorgt über die steigende Patientenanzahl mit Covid-Erkrankungen im Südharz Klinikum. „Seit Anfang November hat sich das Patientenaufkommen mehr als verdoppelt. Hatten wir damals höchstens fünf zu beatmende Fälle, so sind es aktuell immer 10 - 15. Weitere 30 bis 40 leichtere Coronafälle liegen auf Isolierstationen.“ 21 von 24 möglichen Intensivbetten waren heute Mittag insgesamt belegt.

Aus anderen Landkreisen seien auch Patienten eingeliefert worden, allerdings nicht sehr viele und die Klinikumsleitung dränge prinzipiell darauf, dass erst einmal der eigene Landkreis versorgt werden müsse und es erst dann zu vermehrten Einlieferungen aus anderen Gebieten kommen könne.

Das war im letzten Winter auch anders, als viele Patienten aus anderen Krankenhäusern aufgenommen wurden, weil man dort am Kapazitätslimit angelangt war. „Wir wollen ganz klar erst einmal das eigene Revier abdecken“, betont Jens Büntzel und befürchtet, dass aufgrund der steigenden Inzidenzzahlen in den nächsten vierzehn Tagen noch Patienten hinzukämen.

„Erfahrungsgemäß schlagen sich höhere Werte immer erst zwei Wochen später in den Krankenhäusern nieder.“ Doch das falle schon in die traditionell belegungsärmere Zeit und sei deshalb zu bewältigen. Nach dem Jahreswechsel hofft auch der Nordhäuser Klinische Direktor auf eine Entspannung der Infektionslage und dass wieder Zeit wäre, um die jetzt verschobenen Operationen sukzessive nachzuholen.
Olaf Schulze
Autor: osch

Kommentare
Junge21
10.12.2021, 19.25 Uhr
Jeder Handwerker , jede Schwester, Ärzte..
Jeder, der das SHK betritt, muss einen Test machen. Und nun fragt euch mal selber, wo dieser hohe Krankenstand plötzlich her kommt.
Und nein, das hat alles nichts mit corona zu tun.
Wenn man nur einmal bei der Wahrheit bleiben würde..
Wobei diese durch das viele " Laufvolk" im Klinikum nicht zu verheimlichen ist!
aikido
10.12.2021, 20.26 Uhr
Personal am Limit
Irgendwie klingt das wieder sehr nach beschönigen der Tatsache, das das SHK nicht gut mit seinem Personal umgeht. Egal mit welchem Mitarbeiter man sich unterhält und egal aus welcher Abteilung er kommt, alle sind am Limit vor lauter Personalknappheit, Stress und Einsparmaßnahmen. Und das kriege ich als Patient leider auch zu spüren.
HisMastersVoise
11.12.2021, 11.00 Uhr
Hut ab !!
Als ärtztlicher Direktor in dieser aussergewöhnlichen Zeit die Retter an der Front bei der Stange zu halten, ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt für Professor Büntzel.Wenn er sich treu bleibt, wird ihm das auch gelingen. Denn Wegducker und Schönredner gab es vorher wahrlich genug. Vielleicht gelingt es ihm und dem medizinischen Personal endlich, der Personalabteilung den zeitgemäßen Umgang mit wertvollen Mitarbeitern nahe zu bringen. Dort vor der Tür steht niemand mehr Schlage, um sich im SHK verheizen zu lassen. Daher ist jeder Mitarbeiter, der verloren geht, ob durch Burnout oder normale Krankheit oder andere Gründe, ein unersetzbarer Verlust für das Haus. Das die Mitarbeiter immer noch kämpfen, hat etwas mit Berufsehre und Ethik zu tun und nicht mit der Personalpolitik. Wenn also bei der letzte Welle die Mitarbeiter schon ausgebrannt und langzeitig überlastet waren, denke ich mir Entsetzen daran, vor welchen Herausforderungen sie in den nächsten Wochen noch stehen. Wenn es also ein Signal aus den SHK für alle Menschen da draussen geben sollte, dann muss es die vorbehaltlose Unterstützung und Würdigung der Leistungen des Personals sein. Damit einher auch geht die realistische Bettenanzahl entsprechend dem verfügbaren oder arbeitsfähigen Personals. Es reicht nicht mehr,zu roboten. Nur mit maximaler Hingabe und Aufopferung der Mitarbeiter lassen sich die nächsten Wochen überstehen. So etwas erreicht man nur durch Vorbilfunktion. Wir wünschen dem ärztlichen Direktor die Kraft, dieses Vorbild weiterhin zu geben und auch von der Obrigkeit im SHK ein zufordern. Wir anderen können nur damit helfen, daß wir uns impfen lassen, vorsichtig sind und das Krankenhaus als Patient möglichst meiden. Über die desaströse Personalpolitik der letzte Jahre wird später sehr genau zu reden sein. Aktuell geht es nur darum, die nächsten Wochen zu überstehen. Also haltet durch da oben!!!
GN24
11.12.2021, 11.08 Uhr
...Revier abdecken
... klingt gut. Wo fängt es an , wo hört es auf. Kranke Menschen müssen und werden überall und von überall behandelt. Davon gehe ich aus. Das größere Problem ist aber doch der Personalbestand generell in unserem Gesundheitswesen. Und nun die Impflicht. Da wird es dann sehr schwierig noch ausreichend Personal zu haben. Der Krankenstand ist jetzt schon hoch und wird wie in anderen Arbeitsbereichen auch rapide zunehmen. Die Schwestern und Ärzte arbeiten seit 2 Jahren am Limit und werden jetzt mit Berufsverbot bedroht. Nichts anderes ist die Impflicht.
Marino50
11.12.2021, 13.26 Uhr
Ist doch alles geklärt
Das SHK und alle Beschäftigten geben alles. Davon bin ich überzeugt. Die Politik macht alles kaputt und das wird sich mit der neuen armseligen Regierung fortsetzen. Es ging doch so schön bis jetzt.
Das Impfen der Bevölkerung ist voll abgesichert. Wir gehen jetzt zum Tierarzt, um uns impfen zu lassen. Tolle Sache. Hauptsache er nimmt kein Serum für Tiere
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