Mi, 10:09 Uhr
02.11.2005
Stufen des Erinnerns
Nordhausen (nnz). In diesem Jahr jährt sich die Einweihung der Nordhäuser Synagoge zum 160. Mal. Deshalb, und zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 und deren Opfer, sollen Stufen nachgestaltet werden. Die nnz mit den Einzelheiten zu diesem einzigartigen Projekt.
Stufen des Erinnerns (Foto: nnz)
Auf Initiative des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins wollen der Verein ,,Gegen Vergessen - Für Demokratie’’ und die Jugendkunstschule Nordhausen mit einem gemeinsamen Projekt erinnern: Am ehemaligen Standort der Synagoge werden die ersten drei Eingangsstufen des Gotteshauses symbolisch nachgestaltet. Zu dieser Veranstaltung werden u.a. Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) und der ehrenamtliche Beigeordneter Dr. Manfred Schröter (CDU) die Stadtverwaltung vertreten. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Der Ort des ursprünglichen Eingangs zur Synagoge kann nur geschätzt werden – er liegt innerhalb des Wohnhofes der Häuser in Sichtweite des in den 1980-iger Jahren errichteten Gedenkstein für die Synagoge in der Wolfstraße/Ecke Pferdemarkt. Am 12. und 13. September 1845 war die Synagoge eingeweiht worden. Der neoromanische Saal, der westliche Vorbau mit Kuppel und mit den neoromanischen und neobyzantinischen Bauelementen verliehen dem Bauwerk ein imposantes Aussehen. Zu jener Zeit war der junge Kantor Kurt Singer Leiter der Nordhäuser Synagoge und lebte mit seinem Vater Eduard im Gemeindehaus.
Seit 1933 verschlechterte sich die Situation der Juden. Schikanen, Drohungen und auch gewalttätige Eskalationen stellten den Alltag für sie dar. Dies steigerte sich bis zur Pogromnacht am 9.11.1938. In der Nacht zum 10.11.1938 kamen die Nazis zur Synagoge am Pferdemarkt. Sie brachen die Tür auf und setzten alles in Flammen. Das Gotteshaus brannte in dieser Nacht vollständig aus. Dies war das Ende einer fast hundertjährigen Synagogentradition am Pferdemarkt.
Am nächsten Tag wurden 82 Männer aus Nordhausen und Umgebung in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Unter ihnen auch Kantor Singer und sein Vater. Eduard Singer starb am 23. November 1938 an den Folgen einer besonders grausamen Folter durch die SS. Sein Sohn musste dies mit ansehen. Daraufhin nutzte er einen unbewachten Moment, sprang in die Latrinengrube und erstickte an den Fäkalien. Die Kantorfamilie Singer war unter 35.000 jüdischen Bürgern, die in der Reichskristallnacht verschleppt wurden. Die Nordhäuser Synagoge war eine von 191 im gesamten Reich, die zerstört wurden.
Autor: nnz
Stufen des Erinnerns (Foto: nnz)
Auf Initiative des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins wollen der Verein ,,Gegen Vergessen - Für Demokratie’’ und die Jugendkunstschule Nordhausen mit einem gemeinsamen Projekt erinnern: Am ehemaligen Standort der Synagoge werden die ersten drei Eingangsstufen des Gotteshauses symbolisch nachgestaltet. Zu dieser Veranstaltung werden u.a. Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) und der ehrenamtliche Beigeordneter Dr. Manfred Schröter (CDU) die Stadtverwaltung vertreten. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Ort des ursprünglichen Eingangs zur Synagoge kann nur geschätzt werden – er liegt innerhalb des Wohnhofes der Häuser in Sichtweite des in den 1980-iger Jahren errichteten Gedenkstein für die Synagoge in der Wolfstraße/Ecke Pferdemarkt. Am 12. und 13. September 1845 war die Synagoge eingeweiht worden. Der neoromanische Saal, der westliche Vorbau mit Kuppel und mit den neoromanischen und neobyzantinischen Bauelementen verliehen dem Bauwerk ein imposantes Aussehen. Zu jener Zeit war der junge Kantor Kurt Singer Leiter der Nordhäuser Synagoge und lebte mit seinem Vater Eduard im Gemeindehaus.
Seit 1933 verschlechterte sich die Situation der Juden. Schikanen, Drohungen und auch gewalttätige Eskalationen stellten den Alltag für sie dar. Dies steigerte sich bis zur Pogromnacht am 9.11.1938. In der Nacht zum 10.11.1938 kamen die Nazis zur Synagoge am Pferdemarkt. Sie brachen die Tür auf und setzten alles in Flammen. Das Gotteshaus brannte in dieser Nacht vollständig aus. Dies war das Ende einer fast hundertjährigen Synagogentradition am Pferdemarkt.
Am nächsten Tag wurden 82 Männer aus Nordhausen und Umgebung in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Unter ihnen auch Kantor Singer und sein Vater. Eduard Singer starb am 23. November 1938 an den Folgen einer besonders grausamen Folter durch die SS. Sein Sohn musste dies mit ansehen. Daraufhin nutzte er einen unbewachten Moment, sprang in die Latrinengrube und erstickte an den Fäkalien. Die Kantorfamilie Singer war unter 35.000 jüdischen Bürgern, die in der Reichskristallnacht verschleppt wurden. Die Nordhäuser Synagoge war eine von 191 im gesamten Reich, die zerstört wurden.


