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Fr, 18:00 Uhr
03.09.2021
Eine Passbeantragung im Nordhäuser Bürgerservice (2.Teil)

Frau L. war wieder da

Anfang Juli berichteten wir an dieser Stelle über den Fall einer erbosten Nordhäuserin, die im städtischen „Bürgerservice“ einen Reisepass beantragen wollte (hier nachzulesen). Nun findet das Problem eine Fortsetzung, denn Frau L. war heute wieder im Rathaus und wieder erfolglos …

Hinter diesen Türen verbirgt sich der Nordhäuser Bürgerservice - wenn man einen Termin hat! (Foto: A.Glashagel) Hinter diesen Türen verbirgt sich der Nordhäuser Bürgerservice - wenn man einen Termin hat! (Foto: A.Glashagel)

Die von der Verwaltung zur Bearbeitung ihres Antrags auf Ausstellung eines neuen Reisepasses kommunizierten sechs Wochen sind vergangen, was Frau L. auf die tollkühne Idee verfallen ließ, ihr Reisedokument heute Morgen gegen 9.20 Uhr in der Verwaltung („Bürgerservice“) abzuholen.

Im gleichen Ambiente wie Anfang Juli (Stadtangestellte ohne Maske hinter Empfangstresen, Bittstellerin davor und mit medizinischem Mund-Nasen-Schutz versehen) erfuhr Frau L., dass sie einen Termin gehabt hätte, zu dem sie nicht erschienen sei. Das bestritt die reiselustige Dame und erinnerte sich und die kommunale Angestellte an die Aussagen im Juli, sie solle in vier bis sechs Wochen wiederkommen. Und nein, sie hätte keinen Termin erhalten, weder telefonisch noch elektronisch, noch per Post.

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Auf die schnippische Ansage der Verwaltungsmitarbeiterin, Frau L. hätte ihren Termin absagen müssen, erwiderte diese, dass es relativ schwierig sei, einen Termin abzusagen, von dem man selbst keine Kenntnis hat. Die ganze Diskussion wird in weithin gut hörbarer Lautstärke geführt, so dass die Bürger im Wartebereich genau so in den Konflikt eingebunden werden, wie die hinter Frau L. in der Schlange Stehenden. Alles in allem etwa zehn Personen, schätzt die Antragstellerin.

Warum sie nicht wegen eines Termins angerufen habe, wird jetzt gefragt. Das habe sie versucht, allerdings sei niemand ans Telefon gegangen, erklärt Frau L., während das Telefon der Servicekraft im Hintergrund beständig klingelt. Frau L. startet einen weiteren Versuch und bittet, ihr doch einfach den Pass auszuhändigen, da sie ja nun einmal hier wäre. Offenbar hat die Dame am Schalter jetzt ein Einsehen; sie verläßt ihren Schreibtisch (mit dem weiterhin klingelnden Telefon) und begibt sich in eine anderen Raum, aus dem sie ohne den Reisepass wiederkehrt. Ihre Auskunft lautet, Frau L. könne nächsten Donnerstag wieder vorstellig werden, um ihren Reisepass in Empfang zu nehmen, denn bedient würden hier nur „Leute mit Termin“.

Der Termin könne ab 8.30 Uhr vereinbart werden. Frau L. wünscht, schon um 8 Uhr kommen zu dürfen, weil sie zur Arbeit müsse. Doch das geht nicht. Ihr wird beschieden, es sei „ihr Problem“, wenn sie nach 8.30 Uhr nicht mehr kommen könne.

„Ich empfinde das als reine Schikane“, sagt uns Frau L. am Telefon. „Diese Verwaltungsmitarbeiterin läßt mich abtreten wie eine Grundschülerin und ich stehe wie ein Vollidiot da.“

Was sich nicht geändert hat seit Juli ist für Frau L. der mangelnd diskrete Umgang mit den Bürgern. „Der Datenschutz ist gleich null, wenn wieder zehn Leute mithören können, was ich für ein Anliegen habe.“

Von der Stadtverwaltung ging auf Anfrage folgende Darstellung des Sachverhalts bei uns ein: „Frau L. war am 22.07.2021 im Bürgerservice der Stadt Nordhausen und hat ihren Pass beantragt. Zu diesem Termin wurde ihr der Abholtermin des Reisepasses schriftlich mitgegeben. Die Vergabe fester Abholtermine erfolgt immer umgehend bei Beantragung dieser Dokumente, damit ist ein erneutes Terminvergabeverfahren nicht erforderlich. Dieser Abholtermin für Frau L. war am 23.08.2021, 09:15 Uhr. Zu diesem Termin ist sie leider nicht erschienen.“

Da wird sich wohl eine der beiden involvierten Parteien über die Vorgänge am 22. Juli irren.

Falls jemand aus der Verwaltungsspitze ihr in einem persönlichen Gespräch das erneut bizarre Verhalten der Mitarbeiterin oder die unverändert rigiden Einschränkung der Bürgerbesuche im Rathaus erklären möchte, so ist Frau L. gern dazu bereit.

Die Leiterin des städtischen Bürgerservice ist ebenfalls gern bereit zur Klärung des Sachverhaltes das persönliche Gespräch mit Frau L. zu suchen, wurde uns vom Pressesprecher der Stadt Nordhausen mitgeteilt. So steht einer klärenden Aussprache zwischen der verärgerten Bürgerin und der bürgerlichen Service anbietenden Behörde also nichts mehr im Wege.

Allerdings stellt Frau L. für die solche Zusammenkunft eine Bedingung. Sie verlangt, dass Bein dem Gespräch ein nnz-Redakteur anwesend ist, um abschließend über die leidige Geschichte einer komplizierten Reisepass-Beantragung berichten zu können.
Olaf Schulze
Autor: osch

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Kommentare
Leser X
03.09.2021, 18:18 Uhr
Klar doch!
Ich würde auch noch den MDR hinschicken. Und BILD.

Bei allem Respekt für Frau L. Entweder sie hat ausgesprochenes Pech gehabt, oder ich unlängst einfach nur Glück. Ich konnte mich über den Ablauf nicht beklagen.

Oder kann es vielleicht doch sein, dass hier etwas aufgebauscht oder gar dramatisiert wird, um die Wutbürger zu bedienen?
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Anm. d. Red.: Aber BILD nur, wenn der MDR deren Mikroaufdruck verpixeln darf ;-)
Alexandra S.
03.09.2021, 19:31 Uhr
Ähnliche Erfahrungen
Ich kann Frau L. verstehen, man spürt auf diesem Amt die extreme Arbeitsunlust. Jede Frage ist zu viel und die Mitarbeiter wirken äußerst genervt. Man fragt sich woher das kommt, wirklichen Stress hat man dort ja nicht...
Erpel1311
03.09.2021, 19:51 Uhr
Vielleicht
Ist Frau L ja mal so mutig und nennt ihren Namen. Was das schon wieder soll. Vielleicht kommt sie mit sich selber nicht mehr klar. Vielleicht fühlt sie sich so besser? Ganz schön armselig
Graukopf55 NDH
03.09.2021, 20:12 Uhr
wer da denkt ....
wie eingangs bereits beschrieben, Stadtangestellte und Bittstellerin ... Ich hatte nach dem ersten Artikel an keine positive Änderung geglaubt. Wo soll diese auch herkommen? Schließlich wissen die Damen und Herren der Behörden immer noch nicht wem sie zu dienen haben, als Staatsdiener. Okay hier ist, wie auch nach 89 einiges schief gelaufen ... und wer da glaubt, dass sich das im September ändert???! Der glaubt auch an den Weihnachtsmann oder an ein anderes Märchen.
Psychoanalytiker
03.09.2021, 20:19 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bezug zum Artikel?
Rotfuchs
03.09.2021, 20:35 Uhr
Ich bin zufrieden.....
Ich habe eine ganz andere Meinung von der Arbeit des Bürgerzentrums der Stadtverwaltung. Einmal galt es, meinen Vater umzumelden wegen Umzug in ein Pflegeheim und zum zweiten benötigte ich einen neuen Ausweis.
Sowohl bei meiner telefonischen Nachfrage, welche Unterlagen ich für die Ummeldung benötige, bei der entsprechenden Terminvergabe als auch vor Ort bin ich kompetent, freundlich und zügig bedient worden.
In Sachen Ausweis hat es genau so gut geklappt. Die jungen Mitarbeiterinnen waren sehr bemüht, meine Wünsche schnell zu erledigen. Mit meinem Abholtermin in der Tasche hat auch die Aushändigung des Personalausweises nach drei Wochen nur Minuten gedauert. Vielen Dank !
Janko
03.09.2021, 20:50 Uhr
Mir kommt gerade der Spruch mit dem Wald und dem Hinein-Rufen in den Sinn.
Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung der Verlängerung eines Personalausweises sagen: definitiv JA - man bekommt bereits beim Antrag auch den Termin der Abholung. Zumindest war es bei mir so.
Meine Sachbearbeiterin im Bürgerservice (ohne die Gänsefüßchen wie im Artikel: Ich empfand es wirklich als Service) war freundlich, bestens informiert, reagierte auf meine Fragen bezüglich der Online-Funktion des Perso sachkundig (und geduldig...) und wir verabschiedeten uns im besten Einvernehmen von Kunde zu Beamtin.
Sollte ich etwa nur Glück gehabt haben...?

Ich könnte mir dagegen vorstellen: Wenn der Artikel den ersten Satz schon mit "erboste Kundin" eröffnet, dass die Kundin (ohne ihr zu nahe treten oder ihr etwas unterstellen zu wollen), bereits mit der Haltung "das gibt eh nur wieder Ärger" losgezogen ist.
Und das wird dann eben zur selbsterfüllenden Prophezeihung.
nur_mal_so
03.09.2021, 21:09 Uhr
Bei Personalgesprächen ist der Betriebsrat dabei,
bei Gesprächen mit erbosten Kundinnen, die ihren Abholtermin verlieren, soll die nnz Gesprächsprotokoll führen.

Auch ich kann bestätigen, dass man bereits beim Antrag gesagt bekommt, wann der neue Reisepass fertig sein wird, und man diesen Termin mit Datum und Uhrzeit ausgehändigt bekommt - warum soll das bei Frau L. anders gewesen sein? Und auch ich kann, wie einige meiner Vorredner, nur bestens über den Bürgerservice im Rathaus sprechen. Ich dampfe allerdings auch nicht mit "Hallo, ich bin die erboste Kundin vom letzten Mal!" in die Schalterhalle.

Ich hatte letztens übrigens einen Joghurt, der schon vor seinem Haltbarkeitsdatum vergoren auf der Zunge kribbelte. Würde mich die nnz zu einem klärendem Gespräch mit der Rewe-Filialleitung begleiten?
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Anm. d. Red.: Nein, würden wir nicht. Sorry :-)
Checker
03.09.2021, 21:20 Uhr
Nordhäuser Bürgerservice…
Einfach zum Ko… die Arroganz einiger Städtischer Mitarbeiter.
Hatten vorige Woche Freitag gegen 16 Uhr auch mehrfach versucht unter der Hotline das Ordnungsamt für eine Info zu Erreichen. Leider vergebens.
Wenn ich aber sehe, wer und wie oft die Städtischen Mitarbeiter hinterm Alten Rathaus rauchen, so kann ich mir ganz gut ausmalen wie deren Arbeit verrichtet wird.
Vielleicht sollte man nicht nur zur gegebenen Zeit den/die Bürgermeister wählen, sondern auch die Mitarbeiter einer Rotation unterziehen.
Denn dann wäre wieder das Bewusstsein „dem Bürger zu dienen“ eine ehrenvolle Aufgabe.
DerMeier
03.09.2021, 21:51 Uhr
Frau L. tut mir Leid… Nicht!
Diese Frau, die noch nicht mal den Mut hat ihren vollständigen Namen zu nennen, kann einem Leid tun. Vergisst Ihren Termin im Bürgerservice, ist bockig und wendet sich dann an die Presse. Ziemlich peinlich. Schade, dass die nnz bei solch einem Theater mitspielt.
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Anm. d. Red.: Schön, dass Sie hier mit Ihrem richtigen Namen schreiben. ;-)
grobschmied56
03.09.2021, 23:04 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bezug zum Artikel?
sima
03.09.2021, 23:39 Uhr
Da wird Bürgerservice noch groß geschrieben ...
nebenbei bemerkt, ist es für den Sachverhalt völlig irrelevant wie Frau L tatsächlich heißt. Auf jeden Fall ist das mal voll Kindergarten: nein die Suppe es ich nicht, nein meine Suppe es ich nicht... wäre sicher ein Klacks gewesen hier einfach den Ausweis auszuhändigen und mal Größe zu zeigen, aber das können die nicht, nein das können die nicht.
Hier baut das Amt mal wieder am eigenem Klischee fleißig mit.
Kontrapost
04.09.2021, 09:23 Uhr
Der Bürger und das Rathaus
Das Problem scheint das Führungsklima im Rathaus zu sein. Was man hört und sieht steht auf Zeichen Anti-Bürger bzw. Überforderung der Spitze. Das beginnt bei der Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt geht weiter bei der nicht gelösten Problematik der öffentlichen Toiletten. Die Stadt ist sich selbst überlassen man spürt es.
Esteban
04.09.2021, 09:34 Uhr
Nicht alle Mitarbeiter sind so
Ich bin mir sicher, dass es auch in diesem Team arbeitsunwilige und unfreundliche Mitarbeiter gibt.

Ich hatte im letzten Jahr 3 Vorgänge im Rathaus zu klären und wurde (fast) immer freundlich und flexibel behandelt. Das eigene Auftreten spielt sicherlich eine entscheidende Rolle.

Nichts desto trotz werden im Rathaus Abläufe geschaffen, die sicherlich intern Sinn machen, aber für den Bürger extrem nervig sind. Von der Struktur der Homepage wollen wir gar nicht erst anfangen.
Hans Dittmar
04.09.2021, 09:50 Uhr
Bürgerservice unterbesetzt
Man kann völlig verstehen, dass sich eine Bürgerin hier Luft macht, wo soll sie den sonst hin?
Vorab muss ich aber sagen, ich habe auch meinen Reisepass beantragt und den Abholtermin dabei gleich erhalten, so wie hier beschrieben.
Aber trotzdem läuft dort alles nicht ganz rund. Nur elektronische Terminvergabe. Man kann nicht mal mehr vorsprechen, wenn man gerade ein Problem hat und die Zeit dazu es zu lösen. Gerade unseren älteren Mitmenschen ohne PC und Technikverstand fallen da hinten runter. Leid tun mir hierbei auch die Mitarbeiter des Bürgerservice, welche die Fehlplanung der Stadtspitze umsetzen müssen und vermutlich genau wie Frau L. genervt sind, weil jeder Bürger seinen Unmut äußert. Vielleicht sollte man sich einmal im Landratsamt oder in den anderen Städten des Landkreises erkundigen, wie dort der Bürgerservice umgesetzt wird. Man muss ja nicht bis zur nächsten Oberbürgermeisterwahl warten.
Strandläufer
04.09.2021, 16:38 Uhr
Reisepass
Also ich kann die Erfahrungen von Frau L.nicht bestätigen:
Terminabsprache online- klappte reibungslos, ebenso Terminvergabe zur Abholung incl.selbiger: schnell/freundlich/ohne Beanstandung.

Was mich ärgert sind diese bescheuerten Fotos und die horrenden Preise die aufgerufen werden.

Wenn man dann auch noch gezwungen wird demnächst die Fahrerlaubnis neu zu beantragen ärgert mich das sehr. Bis jetzt wars doch auch egal, selbst wenn Oppa den wortwörtlichen Lappen auspackte. Das ist Geldschneiderei.
Refi79
05.09.2021, 08:32 Uhr
Normalität im Amt wäre schön..
Frau L. hin oder her, Fakt ist die Mitarbeiter-/innen vom Bürgerservice sind teilweise sehr unflexibel. Ich habe da auch so meine Erfahrungen gemacht.
Telefonisch seeehr schwer zu erreichen und wenn man dann jemanden am Telefon hat kommt sofort der Spruch " Bitte online einen Termin vereinbaren".
Diese Termine werden ja aber immer nur im 4 Wochen Takt vergeben und nicht wie z.B. beim Landkreis, wo man schauen kann wann der nächste Termin frei ist. ( Oftmals schon am nächsten Tag)
Außerdem muss es doch langsam mal wieder möglich sein zu normalen Sprechzeiten ( die im übrigen auch schon schwierig für die normal arbeitende Bevölkerung sind) ins Amt zu gehen!
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