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Mo, 10:19 Uhr
23.08.2021
Wälder sind in der Lage, Gefahren zu verringern

Wenn der Wald zum Retter wird

Die wenige Wochen zurückliegenden, extremen Niederschlagsereignisse im Westen Deutschlands haben zu unendlich großem Leid und katastrophalen Schäden geführt. Für eine künftige Prävention wird auch die Rolle der Wälder und Moore wieder in den Blick geraten...

Das Saukopfmoor (Foto: Thüringen Forst) Das Saukopfmoor (Foto: Thüringen Forst)

Denn bevor Niederschlagswasser abfließt und ggf. ein Hochwasser entsteht, wird ein Teil der Niederschläge vom Kronendach und im porenreichen, naturnahen Waldboden aufgefangen. Bodenwasser wird durch Wurzelwerk und Unterwuchs gebremst. Zusätzlich leistet Wald Erosionsschutz, da er durch sein intensives Wurzelwerk den Boden gerade im Hanggelände stabilisiert. Damit sind Wälder im Besonderen in der Lage, Hochwasserspitzen, Sturzfluten oder Erosionen zu verringern und wirtschaftliche Nachteile etwa bei Verkehrsinfrastruktur- oder gar Siedlungsnutzung einzuschränken. Aber nicht nur geschlossene Waldgebiete, auch andere waldreiche Lebensräume können Hochwasserschutz sicherstellen: Etwa Moore und Auwälder.

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Wald schützt – aber leider nur begrenzt!
„Rund 235.000 Hektar Wald, fast die Hälfte der Waldfläche Thüringens, liegen in Hochwasserentstehungsgebieten“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Die Anforderungen an diese Wälder steigen stetig an, Verkehr und Tourismus, speziell der Sommer- und Wintertourismus im Wald, nimmt Jahr für Jahr zu. Gleichzeitig erhöht die globale Klimaerwärmung die Wahrscheinlichkeit von Witterungsextremen und Unwettern und damit das Gefährdungspotenzial für den Wald und Hochwässer gleichermaßen. Gerade Wälder in Hochwasserentstehungsgebieten benötigen zur Sicherung ihrer besonderen Schutzfunktion neben Waldpflege, Durchforstung und der rechtzeitigen Einleitung der Verjüngung auch wildbiologisch angepasste Rahmenbedingungen bei der Jagd.

ThüringenForst-Renaturierungsprogramm macht Moore zu „Schwämmen“
Seit fast 30 Jahren widmet sich ThüringenForst der Renaturierung großer wie kleiner Moore im Thüringer Wald. Moore sind nicht nur Lebensraum seltener Arten und herausragende CO2-Senken, sondern auch Rückhalteflächen bei Hochwasserereignissen. Bei Starkregen können sich die mächtigen Torflagen vieler der rund 360 Thüringer Moore mit einer Gesamtfläche von rund 2.000 Hektar vollsaugen wie ein Schwamm und so die Abflussmenge und -geschwindigkeit des Regenwassers regulieren. Durch Moor-Renaturierungsmaßnahmen hat ThüringenForst in den vergangenen Jahrzehnten funktionierende Hochwasserspeicher wiederhergestellt, die wieder dem Hochwasserschutz dienen können. Und dies in Thüringen vor allem in den Hoch- und Kammlagen der Mittelgebirge, wo Niederschlag üblicherweise besonders reichlich abregnet.

Bruch- und Auwälder sind wichtige Überschwemmungsgebiete
Auf häufig überfluteten Standorten breiter Flussniederungen bilden sich Weichholzauwälder mit Weiden- und Pappelarten aus. Ergänzt werden diese wasserbeeinflussten Wälder auf höher gelegenen Flussbereichen von Hartholzauwäldern mit Stieleiche und Edellaubbaumarten. Gebhardt plädiert dafür, diese auch im Freistaat selten gewordenen Wälder mit ihren vielfältigen gewässer- und autypischen Arten und Lebensräumen zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Auch hier können Wälder in Auflächen und Poldern einen entscheidenden Beitrag zur Hochwasservorsorge im Freistaat leisten. Waldmehrung, die zusätzlich dem Klimaschutz dienen würde, bieten sich auf solchen Flächen verstärkt an.
Autor: red

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Kommentare
Paulinchen
23.08.2021, 16:15 Uhr
Unser Harzwald,...
...kann leider nicht mehr zum Retter werden, weil ihm selbst niemand vor 15 Jahren retten wollte.

Am letzten Samstag bin ich über Braulage und Torfhaus gefahren. Ein Bild zum heulen, stellt der Harzwald dar. Was etwas Zorn in mir weckte waren die beiden großen Schilder mit der Aufschrift: " NATIONALPARK HARZ". Die Bezeichnung "Nationalwaldfriedhof" fände ich treffender. So ganz nebenbei konnte ich erfahren, dass man in Magdeburg, wo die Verwaltung des Harzwaldes beheimatet sein soll, sich zur Zukunft des Harzwaldes dahin gehend geäußert wurde, dass der Harzwald in ca. 10 Jahren nicht mehr existieren wird.
Mich würde dabei aber interessieren, gibt es überhaupt noch Grundwasser, damit die Natur jemals eine Chance hat, Laub-u. sonstige Gehölze wachsen und gedeihen zu lassen? Unser Harzwald ist ganz sicher ein Pflegefall, der es aus eigener Kraft offenbar nicht wieder zu altem "Glanz" schaffen wird eine umweltgerechte Aufgabe zu übernehmen.
Stadtbewohner
23.08.2021, 17:02 Uhr
Rettung?
Zum Retter wird der Wald aber nur, wenn er vorhanden ist und auch Wasser aufnehmen kann. Wenn ich mir manche Gegenden im Harz ansehe, wird mir schlecht. Dort steht bald kein Baum mehr und der Boden ist von Forstmaschinen so zerstört und verdichtet, daß bei starkem Regen wohl nicht viel versickert kann. Wie das enden kann, möchte ich mir nicht vorstellen. Hauptsache das Holz wird rausgeholt, dann gejammert und nach Entschädigung geschrien.
Dann doch lieber wie im Nationalpark fast alles stehen lassen. Dort ist es, wenn man genauer hinschaut, grüner als auf den "bewirtschafteten" Brachflächen.
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