So, 18:00 Uhr
22.08.2021
Zwangsarbeit und die V2
Ein Besuch im Deutschen Technikmuseum
Berlin hat viel zu bieten. Die Hauptstadt ist immer auch eine Reise wert, Tim Schäfer zog es diesmal ins Deutsche Technikmuseum, welches auch zu Nordhausen ausstellt und Fragen aufwirft…
Im Berliner Deutschen Technikmuseum angekommen, kann man zielgerichtet die Ausstellung Vom Ballon zur Luftbrücke aufsuchen. Dort geht es auch um Nordhausen und den Luftkrieg, der im Zweiten Weltkrieg zur besonderen Bedeutung kam. Denn, im Zweiten Weltkrieg erreichte der sogenannte Luftkrieg mit modernerem Kriegsgerät völlig neue Dimensionen. Bomberflotten zerstörten europäische Städte, terrorisierten die Einwohner und kosteten hunderttausenden Zivilisten das Leben. Es geht hier insbesondere um die technischen Entwicklungen, es gibt beeindruckend viele Ausstellungsstücke zu sehen.
In Berlin ist neben einem Wrack eines Sturzkampfbombers Ju 87 auch Technik einer V2 (eigentlich Aggregat 4-Rakete) aus Nordhausen, eine Göbbelsche Vergeltungswaffe zu sehen. Die Rakete V2, die insbesondere gegen London und Antwerpen eingesetzt worden ist und im Mittelwerk, unter Führung der SS, auch unter grauenhafter Ausnutzung von KZ-Sklavenarbeit aus dem KZ Mittelbau-Dora produziert worden ist. Das Beispiel der V2 -Produktion soll exemplarisch im Berliner Technikmuseum aufzeigen, wie Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge unter menschenverachtenden Bedingungen zum Bau deutscher Flugzeuge und Raketen gezwungen wurden.
Als Leihgaben sind im Museum gleich zwei Brenn-Öfen der Rakete aus dem ehem. Mittelwerk im Kohnstein bei Nordhausen zu sehen. Der Eindruck täuscht nicht, die Frage Zwangsarbeitereinsatz, KZ-Häftlinge ist eher nicht so ganz im Vordergrund, es ist halt ein technisches Museum? Es wird aber umrissen, was Zwangsarbeit bedeutete. Die Propagandawaffe V2 oder die erste ballistische Rakete stehen jedoch thematisch eindeutig im Vordergrund. Es ist fraglich, ob man somit dem o.a. Anspruch in der Tat gerecht werden kann. Besonders wenn man bedenkt, wie viele junge Menschen dieses tolle Deutsche Technische Museum besuchen. Im Ausstellungsraum scheint es auch eine Hentschel Flugabwehrrakete (nicht betitelt) zu geben und auch eine Heinkel He-162, der Volksjäger, wird im Original gezeigt. Dass es dazu auch bedeutende Beziehungen zu Nordhausen und er Zwangsarbeit im Mittelbau gab, ist nicht direkt erkennbar.
Nun, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass ab Mitte 1944 die Produktion der A4 lief, der Ausbau/Neubau mit riesigen Produktionsflächen zugunsten der Junkers (Nordwerke) exorbitant auswuchs, dann wäre doch ein deutlicherer Bezug zum KZ Mittelbau exemplarisch geboten?
Tim Schäfer
Autor: redIm Berliner Deutschen Technikmuseum angekommen, kann man zielgerichtet die Ausstellung Vom Ballon zur Luftbrücke aufsuchen. Dort geht es auch um Nordhausen und den Luftkrieg, der im Zweiten Weltkrieg zur besonderen Bedeutung kam. Denn, im Zweiten Weltkrieg erreichte der sogenannte Luftkrieg mit modernerem Kriegsgerät völlig neue Dimensionen. Bomberflotten zerstörten europäische Städte, terrorisierten die Einwohner und kosteten hunderttausenden Zivilisten das Leben. Es geht hier insbesondere um die technischen Entwicklungen, es gibt beeindruckend viele Ausstellungsstücke zu sehen.
In Berlin ist neben einem Wrack eines Sturzkampfbombers Ju 87 auch Technik einer V2 (eigentlich Aggregat 4-Rakete) aus Nordhausen, eine Göbbelsche Vergeltungswaffe zu sehen. Die Rakete V2, die insbesondere gegen London und Antwerpen eingesetzt worden ist und im Mittelwerk, unter Führung der SS, auch unter grauenhafter Ausnutzung von KZ-Sklavenarbeit aus dem KZ Mittelbau-Dora produziert worden ist. Das Beispiel der V2 -Produktion soll exemplarisch im Berliner Technikmuseum aufzeigen, wie Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge unter menschenverachtenden Bedingungen zum Bau deutscher Flugzeuge und Raketen gezwungen wurden.
Als Leihgaben sind im Museum gleich zwei Brenn-Öfen der Rakete aus dem ehem. Mittelwerk im Kohnstein bei Nordhausen zu sehen. Der Eindruck täuscht nicht, die Frage Zwangsarbeitereinsatz, KZ-Häftlinge ist eher nicht so ganz im Vordergrund, es ist halt ein technisches Museum? Es wird aber umrissen, was Zwangsarbeit bedeutete. Die Propagandawaffe V2 oder die erste ballistische Rakete stehen jedoch thematisch eindeutig im Vordergrund. Es ist fraglich, ob man somit dem o.a. Anspruch in der Tat gerecht werden kann. Besonders wenn man bedenkt, wie viele junge Menschen dieses tolle Deutsche Technische Museum besuchen. Im Ausstellungsraum scheint es auch eine Hentschel Flugabwehrrakete (nicht betitelt) zu geben und auch eine Heinkel He-162, der Volksjäger, wird im Original gezeigt. Dass es dazu auch bedeutende Beziehungen zu Nordhausen und er Zwangsarbeit im Mittelbau gab, ist nicht direkt erkennbar.
Nun, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass ab Mitte 1944 die Produktion der A4 lief, der Ausbau/Neubau mit riesigen Produktionsflächen zugunsten der Junkers (Nordwerke) exorbitant auswuchs, dann wäre doch ein deutlicherer Bezug zum KZ Mittelbau exemplarisch geboten?
Tim Schäfer

