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Mi, 11:24 Uhr
14.07.2021
Rothleimmühle Nordhausen

Bildungscampus auf Inklusion spezialisiert

Es wird nicht nur viel gesprochen über Inklusion, sondern auch viel getan. Der Ort, an dem in Nordhausen alles begann und wo alles zusammenläuft, ist der Bildungscampus an der Rothleimmühle...

Eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadtbibliothek greift das Thema Leichte Sprache auf. Susanne Aschoff, stellvertretende Bibliotheksleiterin, Stefani Müller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordhausen, und Victoria Peinemann, verantwortliche Mitarbeiterin für Leichte Sprache am Bildungscampus, präsentieren Bücher in leichter Sprache (Foto: M.Daniel) Eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadtbibliothek greift das Thema Leichte Sprache auf. Susanne Aschoff, stellvertretende Bibliotheksleiterin, Stefani Müller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordhausen, und Victoria Peinemann, verantwortliche Mitarbeiterin für Leichte Sprache am Bildungscampus, präsentieren Bücher in leichter Sprache (Foto: M.Daniel)

Von dort aus erfolgte vor fünf Jahren die Initialzündung für eine groß angelegte und mehrere Bereiche abdeckende Inklusionsoffensive. Mittlerweile ist der Standort für unterschiedlichste Inklusionsprojekte, wie „Bildung und Freizeit für ALLE“, „PINGUIN Mobil“ oder „Leichte Sprache“ bekannt, nimmt eine Vorreiterrolle im Landkreis ein. Ines Gast, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie mit dem Bildungscampus an der Rothleimmühle blickt auf das Jahr 2016 zurück, als mit einem Vernetzungsforum an der Hochschule die ersten Schritte auf dem Weg zur Vision einer Bildungs- und Freizeitlandschaft in Nordhausen, die allen Menschen gleichermaßen offensteht, gegangen wurden. „Damals verständigten wir uns darauf, dass es an der Zeit ist, alle Akteure in dem Feld zu vernetzen und dass wir als JugendSozialwerk dazu einen Antrag bei der „Aktion Mensch“ stellen.“

Daraus entstand das Projekt „Bildung und Freizeit für ALLE“. Im Rahmen der Projektlaufzeit bis 2020 und darüber hinaus konnten mehr als zwanzig Akteure aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Vereinen, Familienhilfe, Selbsthilfegruppen, Behindertenvertretungen sowie interessierte Bürger, Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Stadtverwaltung und Landkreis, Medien für die Mitarbeit im Netzwerk gewonnen werden.

Die Projektmitarbeiter des Bildungscampus sorgten durch regelmäßige Netzwerktreffen, die gemeinsame Organisation von Veranstaltungen sowie Fortbildungen und Fachtagen für ein lebendiges Miteinander.
Zum Beispiel führten das Kiezfest in Nordhausen Ost sowie der Kletterturm Geburtstag im Mai 2019 unter dem Motto Inklusion entsprechende Angebote vieler lokaler Akteure zusammen. Der Fachkräfte- und Betroffenenaustausch in Kooperation mit den Ambulanten Diensten der Nordthüringer Lebenshilfe zu inklusiven Freizeit- und Ferienangeboten setzte im vergangenen Jahr wertvolle Impulse - neben den jährlich initiierten Fachtagen, die nicht nur den sozialen Professionen, sondern auch Betroffenen und Interessierten Raum zum Lernen und Austausch boten.

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Besonders stolz sind die Projektmitarbeiter auch auf die Initiierung der Inklusiven Redaktionsgruppe zwischen Radio ENNO und der Nordthüringer Lebenshilfe. Nach einer coronabedingten Pause hat die Gruppe ihre Arbeit nun wieder aufgenommen und teilt regelmäßig eigene Beiträge im Bürgerradio.

In vielen Fortbildungen, im Austausch mit Experten und natürlich in der täglichen Arbeit bauten die Projektmitarbeiter des Bildungscampus ihre Expertise zu den Themen Inklusion, Barrierefreiheit, Leichte Sprache, Diversität und Teilhabe aus. Davon profitierten auch die Netzwerkpartner in den Netzwerktreffen und in Schulungsangebote, beispielsweise für den Horizont Verein, die Nordthüringer Lebenshilfe und die Stadtbibliothek.
Alle Aktivitäten haben zum Ziel, Angebote in Bildung und Freizeit für ALLE verfügbar, zugänglich und annehmbar zu machen. Dafür musste und muss weiterhin oft zunächst ein Bewusstsein für die vielfältigen Barrieren geschaffen werden baulich, sprachlich und in den Köpfen.

In diesem Sinne dienen die im Projekt geschaffenen Social-Media-Kanäle sowie die Projekt-Homepage „nordhausen-inklusiv.de“ dem Austausch von Fachkräften, Betroffenen und Interessierten. Die Inhalte stehen sowohl in Alltags- als auch in Leichter Sprache zur Verfügung. Seit diesem Jahr ist neben dem Facebook Auftritt -das weiterhin bestehende Nordhäuser Netzwerk für Inklusion zudem auf Instagram verfügbar.

Gerade beim Konzept „Leichte Sprache“, das schwierige Inhalte für eine bessere Verständlichkeit und Lesbarkeit aufbereitet und Informationen einer breiteren Zielgruppe zugänglich macht, nimmt der Bildungscampus eine Pionierrolle in Nordhausen ein.
Victoria Peinemann, erfahrene Mitarbeiterin für Leichte Sprache am Bildungscampus verweist auf die inzwischen breite Expertise und Erfahrung: „Seit mehreren Jahren schon setzen wir uns im Jugendsozialwerk aktiv für Leichte Sprache ein und sind Ansprechpartner bei vielen Fragen rund um das Thema. Wir haben festgestellt, dass oft das Bewusstsein für Leichte Sprache und die Vorteile ihrer Anwendung fehlt, insbesondere wenn man nicht im sozialen oder inklusiven Kontext tätig ist. In unserem Netzwerk „Bildung und Freizeit für ALLE“ stand dieses Thema oft auf unserer Agenda, so dass wir es uns zur Aufgabe gemacht haben, Nordhausen hier voranzubringen.“

Nach einer öffentlichen Bestandsaufnahme zu den Bedarfen Leichter Sprache in Nordhausen wurde ein Förderantrag bei der „Aktion Mensch“ erarbeitet und erfuhr Zuspruch seitens Stadt und Landkreis durch die Behindertenbeauftragten, Oberbürgermeister Kai Buchmann und die Gleichstellungsbeauftragte. „Wir haben bereits im August 2020 unser Konzept eingereicht und blicken zuversichtlich auf eine zeitnahe positive Rückmeldung vom Fördermittelgeber. Leider mahlen auch hier coronabedingt die Mühlen langsamer als üblich“, so Victoria Peinemann zum aktuellen Stand.

Sie begleitet als Lehrbeauftragte zudem Studierende in einem Theorie-Praxis-Projekt an der Hochschule Nordhausen. „Wir haben auch im JugendSozialwerk in der Arbeit mit vielen unserer Praktikanten der Hochschule festgestellt, dass Leichte Sprache bisher wenig bis gar nicht vermittelt wird je nach Studiengang. Deshalb ist es mein Ziel, bei der künftigen Generation von Sozialarbeitern, Heilpädagogen oder Sozialmanagern ein Bewusstsein für Menschen mit Beeinträchtigungen zu schaffen und wie Leichte Sprache mehr soziale Teilhabe ermöglicht. Diese Haltung sollen sie bestenfalls in ihre künftigen Arbeitsfelder mitnehmen.“

Aktuell beschäftigen sich die Mitarbeiterinnen neben dem Folgeprojekt zum Büro für Leichte Sprache auch mit den Planungen für den Einsatz von Inklusionslotsen, die gezielt in Vereinen und Institutionen die Umsetzung von Inklusion unterstützen könnten. Auch hierfür wurde ein Antrag bei der Aktion Mensch eingereicht.

Auch nach Beendigung des Projekts „Bildung und Freizeit für ALLE“ führt der Bildungscampus das Nordhäuser Netzwerk für Inklusion weiter. Im Fokus stehen neben der Gewinnung von weiteren Netzwerkpartnern wie Pinguin Mobil, der Fachstelle internationale Jugendarbeit, dem Kreissportbund, dem Schülerforschungszentrum und dem Verein Schrankenlos auch der kontinuierliche Austausch über Inklusionsansätze, das Voranbringen inklusiver Freizeitangebote oder die Umsetzung gemeinsamer Projekte vor Ort.

Im Hochschulprojekt werden derzeit Öffentlichkeitsmaterialien sozialer Träger und Unternehmen aus Nordhausen in Leichte Sprache übersetzt.

Autor: red

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