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Mi, 17:41 Uhr
13.01.2021
ANTON ADLERAUGE Unterwegs in Nordhausen:

Wenn die Blase drückt

In den eigenen vier Wänden fühlt man sich derzeit doch am sichersten. Schon wegen der Corona-Pandemie, die außerhalb irgendwo zuschlagen könnte. Doch ab und an bleiben Wege außer Haus und in die Stadt unerlässlich...

Fenster eines stillen Örtchens (Foto: EME auf pixabay) Fenster eines stillen Örtchens (Foto: EME auf pixabay)


Und da scheint es mir ratsam, vor dem Gang nicht einem duftenden Kaffee oder einem anderen Getränk zu unterliegen, dass die Blasentätigkeit aktivieren könnte.

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Wohin dann unterwegs, wenn sie drückt, die Blase? Vor dem Lockdown beugte ein Gang hinter einen Baum oder in eine dunkle Ecke notfalls das WC in einem Cafe oder Gaststätte problemlos vor. Die Toilettenfrage in der Stadt wird, meine ich, in diesen denkwürdigen Wochen wieder aktuell.

Welch ein Glück: Bislang blieb die Toilette in der oberen Etage der Marktpassage von roher Gewalt verschon. Wohl nur des „fließenden“ Verkehrs ihrer Benutzer wegen, das es Vandalen hier schwer macht, zerstörerisch zu wirken. Diese WC-Anlage ist stets hygienisch top. Großes Lob den Leuten, die sie in Obhut haben.

Indes blieb die Toilettenanlage des Bürgerhauses nicht von roher Gewalt verschont. Die Stadtverwaltung zog die Reißleine und machte sie nur noch eingeschränkt nutzbar: montags bis freitags zwischen sechs und 18 Uhr, dicht am Wochenende.

Hinlänglich bekannt, fiel die Toilette auf dem Bahnhofsgelände Vandalen zum Opfer. Die bedauernswerte Frau, die sie anfangs wochenlang sauber hielt, schmiss eines Tages hin. Sie hatte die Nase voll im doppelten Sinn des Wortes. Die Stadt müsse sich um eine Aktivierung kümmern, sind Rufe auch von Stadträten zu hören. Schön und gut, doch sollte da nicht die Bahn den Hut aufhaben? Angesicht des schäbigen „Ungeheuers“ nebenan kann man die in dieser Angelegenheit vergessen.

Sollte das WC am Bahnhof einmal wieder in Betrieb gehen, wäre bei Dauerbetrieb eine Aufsicht rund um die Uhr unumgänglich. Oder eine Schließung zu einer bestimmten Zeit. Zudem sollte es sich für die Aufsichtsperson finanziell auch lohnen, ist sie doch auch Gefahren ausgesetzt. Wer will schon bei Nacht und Nebel mit Menschen mit unguten Absichten diskutieren?

Eine der wenigen funktionierenden Nordhäuser Toilettenanlagen findet man in der Südharzgalerie. Am Eingang ein Tellerchen. Ich zahle gern einen Obolus von 50 Cent, um dort saubere Toiletten vorzufinden. Bleiben hier betreuende Hände aus, würde auch diese Toilette ihr Schicksal über kurz oder lang mit anderen ihrer Art teilen.
Anton Adlerauge
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