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Fr, 07:22 Uhr
04.12.2020
Stadtgeschichte auf Straßenbahn-Gleisen

20 Jahre Combino- Straßenbahnen in Nordhausen

Es ist ziemlich genau 20 Jahre her, da fuhr eine Straßenbahn durch Nordhausen, die fast völlig verkleidet war. Heute würde man fragen, hat die Bahn Corona, oder hat sich eine andere Straßenbahn mit Corona infiziert, oder der Fahrer?...

Combinos im Depot in der Grimmelallee (Foto: Verkehrsbetrieb Nordhausen ) Combinos im Depot in der Grimmelallee (Foto: Verkehrsbetrieb Nordhausen )


In Wirklichkeit war es die erste „Combino“- Bahn, die zunächst verhüllt gesehen wurde. Auf dem vor dem 100. Straßenbahnjubiläum (am 25. August) vorgezogenen Straßenbahnfest am 2. Juni 2000 wurde der Triebwagen dann feierlich „enthüllt“. Bis dahin war er zur Fahrerschulung als „Erlkönig“ unterwegs gewesen – oder eben mit perfektem Mund- Nasen- Schutz für Straßenbahnen.

Mittlerweile gehört der Straßenbahnverkehr mit Combinos zum Alltag an der Zorge. Es sind insgesamt zwölf Triebwagen vorhanden; nach der Indienststellung der letzten beiden Ende 2011 konnten bis dahin noch eingesetzte Stuttgarter GT 4- Gelenkwagen stillgelegt werden. Seitdem wird der gesamte Linienverkehr mit ihnen abgewickelt. Allerdings ist es nicht so, dass sich alle absolut gleichen. Genau genommen gehören sie zu fünf unterschiedlichen Serien bzw. Unterbauarten. So gibt es Ein- und Zweirichtungswagen, für den Übergang auf das Netz der Harzquerbahn haben die drei seit 2004 eingesetzten Duo- Triebwagen zusätzlich einen Dieselmotor. Der Antriebswechsel erfolgt in der Regel an der Haltestelle auf dem Bahnhofsvorplatz ohne große Pause. Je nach Modell haben sie auch geringe Unterschiede in der Gestaltung der Frontpartie.

Die Combino- Straßenbahnen von Siemens sind so etwas wie eine große Familie. Es gibt sie für verschiedene Spurweiten und Fahrzeugbreiten sowie unterschiedlich lang. Die einhundertprozentige Niederflurigkeit wird u.a. mit dem Einsatz von separat angetriebenen Losrädern erkauft, es gibt also keine durchgehenden Achsen mehr. Die dazugehörigen Fahrwerksrahmen sind relativ starr gelagert, dadurch kann der Fahrkomfort eines klassischen Drehgestellwagens nicht erreicht werden. Auch können die Aggregate der Fahrzeugsteuerung nun nicht mehr unter dem Wagenboden untergebracht werden. Soweit sie nicht unter die Sitze passen, werden sie deshalb auf dem Fahrzeugdach angeordnet.

Straßenbahnen am Nordhäuser Bahnhof (Foto: Verkehrsbetrieb Nordhausen) Straßenbahnen am Nordhäuser Bahnhof (Foto: Verkehrsbetrieb Nordhausen)


Das hat wohl zu dem geführt, was allgemein als „Combino- Krise“ bezeichnet wird: Die Schwerpunktlage des Fahrzeugs änderte sich ungünstig und die verschraubten Profile und Partien aus Aluminium, aus denen der Korpus besteht, hielten ihr nicht stand. Denn die einem herkömmlichen Hochflur- Fahrzeug gegenüber gestiegene tonnenschwere Belastung auf dem Dach stellt an die Stabilität der übrigen Karosserie viel höhere Anforderungen. Sie war offensichtlich falsch berechnet worden. Die Folge waren etwa Geräusche und Risse im Wagenkasten, teilweise drang Wasser in den Innenraum ein und es kam zu Rückrufaktionen. Die Combinos gelangten so mehrfach in die Nachrichten – aber ebenso die Ersatzbahnen, wenn z.B. die Potsdamer Straßenbahn eigentlich „abgelegte“ Tatra- Bahnen sogar aus Ungarn zurückholen musste!

In Nordhausen sind die Combino- Straßenbahnen lediglich dreiteilig, zwischen den „Endstücken“ ist eine „Sänfte“ ohne Räder eingehängt. Diese Kürze verschaffte ihnen auch den Spitznamen „Bambino“. Die grundlegende Konstruktion wurde inzwischen weiterentwickelt, auch was die Fahrgestelle betrifft. Es gibt neue Fahrzeugserien, die mit 54 Metern längsten (sechsteiligen) Combinos dürften in Budapest verkehren.

Auch von anderen Straßenbahnnetzen verkehren die Fahrzeuge zum Teil auf den Gleisen der Eisenbahn weiter. Vorreiter in Deutschland war die Karlsruher Straßenbahn, die ab 1979 auf dem Netz der Deutschen Bahn immer heimischer wurde und heute Orte erreicht, die fast 100 km entfernt sind. Dieses Beispiel hat auch international Schule gemacht. Jüngster Zuwachs dieser Praxis in Ostdeutschland ist Chemnitz, dort gibt es mittlerweile Anschlusstrecken im Elektro- und Dieselbetrieb. Aber manche Straßenbahnen wollen zwar vielleicht, können aber doch nicht – wenn die Differenz der Spurweiten zwischen Straßen- und Eisenbahn zu groß ist, so in Dresden und Leipzig. In Rostock soll der Unterschied mit 5 mm gerade noch beherrschbar sein ….
Christoph Pohl








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Kommentare

04.12.2020, 08.12 Uhr
Frankledig | 20 Jahre....
Sorry, aber war der Rollout nicht erst 2004 beim Bahnhofsfest???

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04.12.2020, 10.05 Uhr
Hendi | Combino und Combino Duo
Leider ist es in Nordhausen meiner Erfahrung nach bei Vielen zu einem Missverständnis bei den Bezeichnungen gekommen.
Vielfach wird angenommen, "Combino" bezeichne nur die drei Fahrzeuge mit Dieselaggregat und stehe für die Kombination aus Dieselantrieb und elektrischem Antrieb.
Dem ist nicht so. Diese Besonderheit wird durch den Zusatz "Duo" bezeichnet.
Der Combino ist - wie im Artikel auch angesprochen - ein deutlich allgemeiner gefasster Typ, bei dem sich auch Untertypen entwickelt haben, die mit dem Ursprungskonzept nicht mehr viel zu tun haben. Der Name soll eher auf die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlich vieler und langer Fahrzeugteile hinweisen.

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04.12.2020, 18.12 Uhr
Sportfreund | 2 Jahre Combino
Combino hin oder her, diese Dinger werden auf jedenfalls in dieser Stadt immer lauter. Wahrscheinlich wird dort wie überall auch nur auf Verschleiß gefahren. Sobald die Bahnen schneller als 30 km/h fahren, sind sie nur noch am poltern, so das in manchen Schränken die Gläser und Tassen vibrieren. Auf Anschreiben der Stadtwerke, bekommt man nicht mal eine Antwort.

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04.12.2020, 21.42 Uhr
Marino50 | Sportfreunde...
Sie können doch gern laufen oder mit dem Fahrrad fahren. Wir fahren gern Combino - oder wie viele sagen - mit der Tram. Die Verkehrsbetriebe tauschen ja schon sehr viel Schienen und Gleisbett aus. Das ist sicher eher der Grund für die für Sie störenden Geräusche.

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