Do, 17:06 Uhr
12.02.2026
Zwischenbilanz nach drei Monaten
So läuft das Nordhäuser Bürgergeld-Projekt
Drei Monate nach dem medienwirksamen Start zieht Nordhausens Landrat Matthias Jendricke (SPD) eine erste Zwischenbilanz seines Projekts: Junge Bürgergeldempfänger sollen verpflichtend in Arbeitsmaßnahmen eingebunden werden. So fällt die Zwischenbilanz aus…
Das Ziel war klar: Langzeitarbeitslose Jugendlichen eine Tagesstruktur geben, in Arbeit bringen und berufliche Perspektiven eröffnen. Doch die Zahlen zeigen: Fast die Hälfte der bislang 54 Jugendlichen, die seit November in dem Projekt eingesetzt waren, hat die Maßnahme im ersten Vierteljahr wieder verlassen. 29 junge Menschen schieden vorzeitig aus. Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus, sagt Jendricke.
Die Gründe sind unterschiedlich:
In einzelnen Fällen habe sich sogar herausgestellt, dass Jugendliche nicht in den vom Landkreis bezahlten Wohnungen leben oder Bürgergeld kassieren und nebenbei schwarz arbeiten. Aus diesen Erfahrungen heraus spricht der Landrat von einem Leistungsmissbrauch bei etwa zehn Prozent der jungendlichen Bürgergeldempfängern. Das ist deutlich mehr als die oft genannten ein bis zwei Prozent, sagt Jendricke.
Einsatz in Werkstätten und Bauhöfen
Eingesetzt werden die Jugendlichen in drei Werkstätten des Horizont-Vereins, in der Landwerkstatt in Heringen (Bereich Tierzucht), in Holzwerkstätten in Bleicherode und Ellrich sowie in Bauhöfen der Kommunen. Zu den Aufgaben zählen einfache Tätigkeiten in der Tierpflege, bei der Holzverarbeitung oder praktische Hilfsdienste im kommunalen Bereich.
Die Problemlage sei gravierender als vielfach angenommen, so der Landrat. Man rede über junge Menschen, die teils seit Jahren keiner geregelten Arbeit nachgegangen seien oder abgebrochene Erwerbsbiografien hätten.
Ich stand in der Kritik, die Maßnahmen seien zu heftig. Wir klingeln bei den Leuten an der Tür, wenn sie früh nicht auf Arbeit erscheinen und bringen sie hin. Aber jeder Jugendlicher, den wir durch das Projekt in Arbeit bekommen, lohnt sich, meint Jendricke. Rund 20.000 Euro (Bürgergeld, Miete, Krankenkassen etc.) koste ein jugendlicher Bürgergeldempfänger den Landkreis im Jahr. Bei immer weiter steigenden Sozialausgaben für den Landkreis (etwa 60 Prozent des Haushaltsvolumen) seien das keine Tropfen auf den heißen Stein. Jeder junge Langzeitarbeitslose, der durch das Projekt eine Ausbildung beginne sei ein Erfolg, so Jendricke.
Gleichzeitig berichten die Mitarbeiter des Jobcenters von ersten positiven Effekten. Bei jenen, die regelmäßig teilnehmen, verbessere sich die Tagesstruktur, die Gesprächsbereitschaft nehme zu, Perspektiven für eine Ausbildung im Sommer würden konkreter. Die Lustlosigkeit sei bei manchen spürbar zurückgegangen.
Im Januar waren 339 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos gemeldet und erhalten Bürgergeld. Das sind 77 Jugendliche weniger als noch vor einem Jahr. Ein Teil sei direkt auf das Projekt zurückzuführen, ob durch den hohen Druck auch der ein oder andere sich freiwillig um einen Job gekümmert habe, sei durchaus möglich, so Jendricke.
Projekt soll verlängert werden
Das gemeinsame Projekt mit dem Jobcenter und dem Horizontverein soll verlängert werden. Rund 30 Plätze sollen verstetigt werden. Der Kreis will die Werkstätten mit 150.000 Euro aus dem Kreishaushalt bezuschussen.
Seit seinem Start im November vergangenen Jahres stößt das Modell bundesweit auf Interesse: Medien wie Die Zeit und die Deutsche Presse-Agentur berichteten zuletzt aus Nordhausen. Auch andere Landkreise hätten Anfragen zur praktischen Umsetzung gestellt, berichtet Jendricke. Rechtlich sei das Projekt in Nordhausen gedeckt, heißt es von der Bundesagentur für Arbeit. Gerade die Kürzungen des Bürgergeldes sorgten aber für Kritik, auch im Kreistag.
Susanne Schedwill
Autor: sscDas Ziel war klar: Langzeitarbeitslose Jugendlichen eine Tagesstruktur geben, in Arbeit bringen und berufliche Perspektiven eröffnen. Doch die Zahlen zeigen: Fast die Hälfte der bislang 54 Jugendlichen, die seit November in dem Projekt eingesetzt waren, hat die Maßnahme im ersten Vierteljahr wieder verlassen. 29 junge Menschen schieden vorzeitig aus. Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus, sagt Jendricke.
Die Gründe sind unterschiedlich:
- Zwei Teilnehmer nahmen eine reguläre Beschäftigung auf.
- Zwei mussten aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.
- Bei 19 Jugendlichen wurde die Maßnahme wegen Fehlzeiten – teils Verweigerung, teils unentschuldigtes Fernbleiben – beendet oder nicht verlängert. In diesen Fällen wurde das Bürgergeld sanktioniert. Wir haben Kürzungen zwischen 10 und 30 Prozent vorgenommen, so der Landrat.
- Sechs Jugendliche waren für die Verantwortlichen nicht erreichbar und nahmen gar nicht teil. Ihnen wurde das Bürgergeld komplett gestrichen.
In einzelnen Fällen habe sich sogar herausgestellt, dass Jugendliche nicht in den vom Landkreis bezahlten Wohnungen leben oder Bürgergeld kassieren und nebenbei schwarz arbeiten. Aus diesen Erfahrungen heraus spricht der Landrat von einem Leistungsmissbrauch bei etwa zehn Prozent der jungendlichen Bürgergeldempfängern. Das ist deutlich mehr als die oft genannten ein bis zwei Prozent, sagt Jendricke.
Einsatz in Werkstätten und Bauhöfen
Eingesetzt werden die Jugendlichen in drei Werkstätten des Horizont-Vereins, in der Landwerkstatt in Heringen (Bereich Tierzucht), in Holzwerkstätten in Bleicherode und Ellrich sowie in Bauhöfen der Kommunen. Zu den Aufgaben zählen einfache Tätigkeiten in der Tierpflege, bei der Holzverarbeitung oder praktische Hilfsdienste im kommunalen Bereich.
Die Problemlage sei gravierender als vielfach angenommen, so der Landrat. Man rede über junge Menschen, die teils seit Jahren keiner geregelten Arbeit nachgegangen seien oder abgebrochene Erwerbsbiografien hätten.
Ich stand in der Kritik, die Maßnahmen seien zu heftig. Wir klingeln bei den Leuten an der Tür, wenn sie früh nicht auf Arbeit erscheinen und bringen sie hin. Aber jeder Jugendlicher, den wir durch das Projekt in Arbeit bekommen, lohnt sich, meint Jendricke. Rund 20.000 Euro (Bürgergeld, Miete, Krankenkassen etc.) koste ein jugendlicher Bürgergeldempfänger den Landkreis im Jahr. Bei immer weiter steigenden Sozialausgaben für den Landkreis (etwa 60 Prozent des Haushaltsvolumen) seien das keine Tropfen auf den heißen Stein. Jeder junge Langzeitarbeitslose, der durch das Projekt eine Ausbildung beginne sei ein Erfolg, so Jendricke.
Gleichzeitig berichten die Mitarbeiter des Jobcenters von ersten positiven Effekten. Bei jenen, die regelmäßig teilnehmen, verbessere sich die Tagesstruktur, die Gesprächsbereitschaft nehme zu, Perspektiven für eine Ausbildung im Sommer würden konkreter. Die Lustlosigkeit sei bei manchen spürbar zurückgegangen.
Im Januar waren 339 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos gemeldet und erhalten Bürgergeld. Das sind 77 Jugendliche weniger als noch vor einem Jahr. Ein Teil sei direkt auf das Projekt zurückzuführen, ob durch den hohen Druck auch der ein oder andere sich freiwillig um einen Job gekümmert habe, sei durchaus möglich, so Jendricke.
Projekt soll verlängert werden
Das gemeinsame Projekt mit dem Jobcenter und dem Horizontverein soll verlängert werden. Rund 30 Plätze sollen verstetigt werden. Der Kreis will die Werkstätten mit 150.000 Euro aus dem Kreishaushalt bezuschussen.
Seit seinem Start im November vergangenen Jahres stößt das Modell bundesweit auf Interesse: Medien wie Die Zeit und die Deutsche Presse-Agentur berichteten zuletzt aus Nordhausen. Auch andere Landkreise hätten Anfragen zur praktischen Umsetzung gestellt, berichtet Jendricke. Rechtlich sei das Projekt in Nordhausen gedeckt, heißt es von der Bundesagentur für Arbeit. Gerade die Kürzungen des Bürgergeldes sorgten aber für Kritik, auch im Kreistag.
Susanne Schedwill

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