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Do, 17:06 Uhr
12.02.2026
Zwischenbilanz nach drei Monaten

So läuft das Nordhäuser Bürgergeld-Projekt

Drei Monate nach dem medienwirksamen Start zieht Nordhausens Landrat Matthias Jendricke (SPD) eine erste Zwischenbilanz seines Projekts: Junge Bürgergeldempfänger sollen verpflichtend in Arbeitsmaßnahmen eingebunden werden. So fällt die Zwischenbilanz aus…

Landrat Matthias Jendricke besuchte jüngst den Horizont-Verein.  (Foto: Jessica Piper) Landrat Matthias Jendricke besuchte jüngst den Horizont-Verein. (Foto: Jessica Piper)
Das Ziel war klar: Langzeitarbeitslose Jugendlichen eine Tagesstruktur geben, in Arbeit bringen und berufliche Perspektiven eröffnen. Doch die Zahlen zeigen: Fast die Hälfte der bislang 54 Jugendlichen, die seit November in dem Projekt eingesetzt waren, hat die Maßnahme im ersten Vierteljahr wieder verlassen. 29 junge Menschen schieden vorzeitig aus. „Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus“, sagt Jendricke.

Die Gründe sind unterschiedlich:

  • Zwei Teilnehmer nahmen eine reguläre Beschäftigung auf.
  • Zwei mussten aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.
  • Bei 19 Jugendlichen wurde die Maßnahme wegen Fehlzeiten – teils Verweigerung, teils unentschuldigtes Fernbleiben – beendet oder nicht verlängert. In diesen Fällen wurde das Bürgergeld sanktioniert. „Wir haben Kürzungen zwischen 10 und 30 Prozent vorgenommen“, so der Landrat.
  • Sechs Jugendliche waren für die Verantwortlichen nicht erreichbar und nahmen gar nicht teil. Ihnen wurde das Bürgergeld komplett gestrichen.

In einzelnen Fällen habe sich sogar herausgestellt, dass Jugendliche nicht in den vom Landkreis bezahlten Wohnungen leben oder Bürgergeld kassieren und nebenbei schwarz arbeiten. Aus diesen Erfahrungen heraus spricht der Landrat von einem Leistungsmissbrauch bei etwa zehn Prozent der jungendlichen Bürgergeldempfängern. „Das ist deutlich mehr als die oft genannten ein bis zwei Prozent“, sagt Jendricke.

Einsatz in Werkstätten und Bauhöfen
Eingesetzt werden die Jugendlichen in drei Werkstätten des Horizont-Vereins, in der Landwerkstatt in Heringen (Bereich Tierzucht), in Holzwerkstätten in Bleicherode und Ellrich sowie in Bauhöfen der Kommunen. Zu den Aufgaben zählen einfache Tätigkeiten in der Tierpflege, bei der Holzverarbeitung oder praktische Hilfsdienste im kommunalen Bereich.

Die Problemlage sei gravierender als vielfach angenommen, so der Landrat. Man rede über junge Menschen, die teils seit Jahren keiner geregelten Arbeit nachgegangen seien oder abgebrochene Erwerbsbiografien hätten.

„Ich stand in der Kritik, die Maßnahmen seien zu heftig. Wir klingeln bei den Leuten an der Tür, wenn sie früh nicht auf Arbeit erscheinen und bringen sie hin. Aber jeder Jugendlicher, den wir durch das Projekt in Arbeit bekommen, lohnt sich“, meint Jendricke. Rund 20.000 Euro (Bürgergeld, Miete, Krankenkassen etc.) koste ein jugendlicher Bürgergeldempfänger den Landkreis im Jahr. Bei immer weiter steigenden Sozialausgaben für den Landkreis (etwa 60 Prozent des Haushaltsvolumen) seien das keine Tropfen auf den heißen Stein. Jeder junge Langzeitarbeitslose, der durch das Projekt eine Ausbildung beginne sei ein Erfolg, so Jendricke.

Gleichzeitig berichten die Mitarbeiter des Jobcenters von ersten positiven Effekten. Bei jenen, die regelmäßig teilnehmen, verbessere sich die Tagesstruktur, die Gesprächsbereitschaft nehme zu, Perspektiven für eine Ausbildung im Sommer würden konkreter. Die „Lustlosigkeit“ sei bei manchen spürbar zurückgegangen.

Im Januar waren 339 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos gemeldet und erhalten Bürgergeld. Das sind 77 Jugendliche weniger als noch vor einem Jahr. Ein Teil sei direkt auf das Projekt zurückzuführen, ob durch den hohen Druck auch der ein oder andere sich freiwillig um einen Job gekümmert habe, sei durchaus möglich, so Jendricke.

Projekt soll verlängert werden
Das gemeinsame Projekt mit dem Jobcenter und dem Horizontverein soll verlängert werden. Rund 30 Plätze sollen verstetigt werden. Der Kreis will die Werkstätten mit 150.000 Euro aus dem Kreishaushalt bezuschussen.

Seit seinem Start im November vergangenen Jahres stößt das Modell bundesweit auf Interesse: Medien wie Die Zeit und die Deutsche Presse-Agentur berichteten zuletzt aus Nordhausen. Auch andere Landkreise hätten Anfragen zur praktischen Umsetzung gestellt, berichtet Jendricke. Rechtlich sei das Projekt in Nordhausen gedeckt, heißt es von der Bundesagentur für Arbeit. Gerade die Kürzungen des Bürgergeldes sorgten aber für Kritik, auch im Kreistag.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
Selberdenker
12.02.2026, 17:55 Uhr
Applaus für den Landrat!
Klever ist er, unser Landrat! Hat Arsch in der Hose und gute Ideen, jedenfalls solange er nicht eine Panzerfabrick vor unserer Haustür bauen lassen will.
Checker
12.02.2026, 18:46 Uhr
Bürgergeld-Projekt
Nun kann sich ja unser Landrat auch noch um die Facharbeiter, die auch er damals willkommen geheißen hat, aus dem Bahnhofsbereich kümmern. Diese in Arbeit bringen und wieder für Ordnung und Sicherheit in der Stadt sorgen.
RWE
12.02.2026, 18:58 Uhr
2 Jugendliche ins Arbeitsleben gebracht und Sozialmißbrauch aufgedeckt
Danke Herr Landrat! Vielleicht ein Vorbild für viele weitere Landkreise?
Harzfan
12.02.2026, 23:08 Uhr
Guter Ansatz
Wie verhält es sich eigentlich mit den Neubürgern/ Geflüchteten/ Asylanten?Erfahren die das dasselbe Prinzip, auf sozialer Ebene, sich einbringen zu müssen,damit sie begreifen , daß es nichts umsonst gibt?
Anna Lüst
13.02.2026, 07:25 Uhr
Genau, Harzfan!
Der Ansatz ist die Aktion ja ganz gut gedacht. Mich würden mal die Vornamen derer interessieren, die da morgens rausgeklingelt werden und ob Sandra Hesse ukrainisch oder arabisch spricht.
Sollten die nur Michael, Thomas oder Kevin heißen, ist das für mich alles Wahlkampfgeplänkel von Herrn Jendricke.
Kobold2
13.02.2026, 07:56 Uhr
Bisher
Kann man zu dem Thema nicht lesen, dass das Herkunftsland hier die Entscheidunng beeinflusst. Wenn man sonst so liest, dass wir ja von Migranten geflutet werden, die ja nur hier herkommen, um Bürgergeld zu beziehen, wäre ja die Frage schon beantwortet.
Ein bestimmter Teil braucht das offenbar, um sich besser zu fühlen. Bei Berichten über Straftaten ist es nicht anders, handelt sich es dabei um Einheimische, kommt dann:
"Ja klar, wenn es ein Deutscher war, wird es extra hingeschrieben " , oder bei Migrationshintergrund:
"gut, dass hier mal die Herkunft genannt wird"
Einen Bewertung dieser Denkweise kann jeder selbst vornehmen, wenn man denn möchte.
free Gigi
13.02.2026, 07:57 Uhr
interessant
zeigt sich hier doch recht deutlich, dass das Bürgergeld für knapp 50 Prozent der Beteiligten noch viel zu hoch ist und man sogar ganz darauf verzichten kann...!
Weiter so!
RWE
13.02.2026, 11:28 Uhr
Anna Lüst, die Vornamen sind doch egal
wir haben einen gefestigten Hartz4 Adel, ganze Dynastien von Kevins (sorry, nur als Beispiel) wo man auch in zweiter oder dritter Genration nicht arbeitet.
Mir ist ein legal hier lebender Serkan oder Vladyslav, die zum Beispiel in einer Recyclinganlage arbeiten zehnmal lieber als ein Biodeutscher, der es sich in der sozialen Hängematte bequem macht.
Ja Free Gigi, das Bürgergeld ist wohl noch zu hoch.
Dass Migranten überdurchschnittlich oft Bügergeld bekommen beweist nur, dass es doch falsche Anreize zum illegalen Einwandern gibt. Ändert aber nichts daran, dass wir von dieser Sorte selber genug zum Durchfüttern haben. Mag sein, dass am Bahnhof oder an der Zorge die deutsche Sprache bei diesen "Experten" in der Unterzahl ist. Die Herrschaften, die vor unseren Supermärkten sich von Pfandgeld mit Alk zudröhnen sind mehrheitlich Deutsche. Also, ab zur Arbeit, sonst gibt es kein Geld und/oder einen Gratisflug für Illegale.
Kobold2
13.02.2026, 11:54 Uhr
Ja wer kennt es nicht,
das ausschlaggebende Wahlkampfgeplänkel aus NDH für die diesjährig anstehenden Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Wie man liest bekommen die Empfänger ja auch Unterstützung von denen die Schwarzarbeit für salonfähig halten.
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