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Sa, 15:11 Uhr
10.10.2020
EIN TRAUERSPIEL IN NEUER AUFLAGE:

Der Streit zweier Alpha-Männer

„Kai Buchmann machte hier im Hause einen guten Job“, bemerkte am Rande einer jährlichen Veranstaltung im Südharz-Klinikum ein Mitarbeiter mir gegenüber. Und fügte die Frage an, ob der heute an der Rathausspitze bei dem Streit mit dem Landrat seinen Weggang nicht schon bereut habe? Die Debatte zweier Alpha-Männer sei ein Trauerspiel in zweiter Auflage...


Alpha-Mann? Der Begriff definiert sich so: Ein Alpha-Mann ist eine Führungspersönlichkeit, der es gelingt, andere Menschen für seine Ziele und Pläne zu begeistern. Er ist selbstbewusst, erfolgreich, stolz, rücksichtsvoll und nicht verletzend. Leider ist der Begriff oft auch negativ besetzt, weil man ihn auch mit einer Person verbindet, die autoritär, machthungrig und nicht kompromissbereit ist.

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Nachdem sich in der ersten Auflage der damalige Bürgermeister und sein Vorgesetzter, Oberbürgermeister Klaus Zeh, gegenüberstanden und zum Schluss, tief zerstritten, sich am Ende nichts mehr zu sagen hatten, fechten diesmal Landrat Matthias Jendricke und Oberbürgermeister Kai Buchmann. Noch mit feiner Klinge. Ein Kollege von mir sieht das Ränkespiel von gestern und heute entspannt und pragmatisch: Drei Männer, zwei Verwalter, ein Gestalter.

Der Streit entwickelt sich zu einer erneuten bühnenreifen Aufführung. Wenn Zwei sich streiten, freue sich ein Dritter, heißt es. Wer könnte das sein? Etwa die AfD? Glaubhafter: Liegen sich zwei Kommunalpolitiker dauerhaft in den Haaren, kann das nichts Gutes bewirken und derart ausarten, dass sich, wie im ersten Akt, letztlich Landrat und Oberbürgermeister nicht mehr riechen könnten.

Die Stadt und ihr OB wollen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an den Kreis übertragen, weil nur der dafür Bedarfszuweisungen beantragen darf. Die Stadt sieht sich für die künftige Finanzierung außerstande, zumal die EVN keine dicken Gewinne mehr einfahren werde, um die zu erwartenden hohen Verluste wieder auszugleichen. Das Ansinnen des Kai Buchmann sei daher nachvollziehbar. Das meinen auch die Stadträte Steffen Iffland, Fraktionsvorsitzender der CDU, und der schon langjährig in der Kommunalpolitik wirkende Rainer Bachmann (Linke).

Buchmann habe den Stadtrat hinter sich, wenn jeder umfänglich informiert sei und wisse, was am Ende sich für die Stadt ergebe. Bislang wird weiter gestritten um die Frage, wie sich die Übergabe vollziehen soll. Da scheiden sich die Geister. Es wird derzeit der Eindruck erweckt, keiner der ums Wort kämpfenden Alpha-Männer sei ernsthaft bemüht, sich an einen Tisch zu finden. Der eine versteht den Heckmeck nicht, der da vollführt werde, mag keine langen Erklärungen des Kontrahenten, sieht im Streit nur einen Disput qua Amt. Der andere wiederum beklagt fehlende Gesprächsbereitschaft. Ohne Gespräche, sagt er, liefen die Stadträte in ein Fiasko.

Die Alpha-Männer: Da ist der Landrat. Der Ungestüme, der Selbstbewusste, dem es an Visionen, auch wenn sie nicht immer ungeteiltes Lob finden, nicht mangelt. Ein Politiker, der, redegewandt, sich in der Öffentlichkeit bürgernah darzustellen weiß, der Monologe liebt. Mitunter auch ein Wort zuviel sagt. Hingegen mag, nicht das er ihn scheute, der öffentliche Auftritt nicht die Stärke des Oberbürgermeisters sein. Zurückhaltender und weniger forsch stellt er sich dar. Ideen und Visionen? Wie bringt er sie den Bürgern nah? Ob ihn die Büroarbeit erdrückt?

Wie nun weiter? Gewisse Bemerkungen, in denen manche ein Säbelrasseln sehen, wären auf der Zunge hinter den Zähnen bei dem einen besser aufgehoben. Über seinen Schatten springen sollte der andere. Nur ein Disput qua Amt? Meint er. Da sollte sich doch ein Dialog finden. Ob inner- oder außerhalb einer Kabine. Oder hat mein Kollege im Rückblick doch recht: Verwalter, ein Gestalter?

Steffen Iffland und Rainer Bachmann nehmen das so nicht hin. Klaus Zeh war auch ein Gestalter, ist Iffland überzeugt. Er verweist unter anderem auf die Fortschritte in der Altstadt. Bachmann lobt indes Ex-Landrat Joachim Claus. Seriös und fair sei er gewesen, auch den Linken gegenüber. In einer schwierigen Zeit bemühte er sich, das Beste für den Landkreis zu machen. Und Buchmann? Auch er wolle die Stadt voranbringen, könne in seiner Amtszeit auf Erfolge verweisen. Diese und seine Visionen jedoch sollten anschaulicher und wahrnehmbarer vermittelt werden. Ansonsten siehe oben.

Vielleicht, ist aus der Kommunalpolitik zu vernehmen, hätte Claus als Landrat und Zeh als Oberbürgermeister in Erfurt mehr auf den Tisch klopfen sollen und Gelder einfordern, wie es Jendricke heute forsch mache. Der habe allerdings in seiner Vorgängerin Birgit Keller und späteren Ministerin in Erfurt beste Bedingungen für sein Bemühen gefunden und könne heute mit den Geldern haussieren gehen. Im Vorfeld der Wahlen mache sich das besonders wirkungsvoll. Dennoch: Moneten, die Kreis und Stadt zugute kämen. Der Bürger könne sich freuen.

Eine Meinung zur Vision des Landrates, die Linie der Straßenbahn zu erweitern, haben auch Iffland und Bachmann. Man solle sie nicht von vornherein verteufeln, sagt Bachmann. Erst einmal in Ruhe abwarten, was eine Machbarkeitsstudie erbringt, sollte sie kommen. Ohne Wenn und Aber sei jedoch sonnenklar: Fließen keine Fördermittel, bleibt die Idee Schall und Rauch.

Übrigens bemühten wir uns per E-Mail wiederholt über den Rathaus-Pressesprecher Lutz Fischer um ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Ohne Mikrofon, Kamera, Stenoheft und Kugelschreiber sollte es sein. Wohlwollend, machten wir ihm gegenüber deutlich, wollten wir nur kurz über Visionen, Ideen, Verwalten und Gestalten plaudern und hören, was man im Rathaus davon hält.

Nach Tagen ohne Antwort ein Anruf bei Fischer. Unser Ansinnen sei schon angekommen. Aber: „Herrn Oberbürgermeister Buchmann ist kein Gespräch möglich“. Da kommt mir in den Sinn, wie höflich und zugänglich doch sein Vorgänger und dessen Pressesprecher waren. Sollte da jemand in der Kreisverwaltung Recht haben, wenn er über eine fehlende Gesprächsbereitschaft klagt?

Übrigens: Uns ist es als nnz ein Bedürfnis, neutral zu urteilen. Wir schreiben keinem nach dem Munde, auch keine ellenlange Plädoyers, über die sich jemand freuen kann. Abschließend: „Ein Alpha-Mann jammert nicht, sondern versucht, bei Problemen eine Lösung zu finden“. Möge diese Definition ein gutes Ende im Streit Landrat gegen OB finden.
Kurt Frank
Autor: psg

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Kommentare
Gudrun1974
10.10.2020, 17:12 Uhr
Oh je, Herr Kai Buchmann
Journalisten dürfen nicht mal zu ihnen, selbst, wenn sie nicht mitschreiben können?
Wer hätte je gedacht das man mal sowas von einem Nordhäuser OB lesen kann?! Der Spaß nimmt kein Ende! Nur schade für das Ansehen von Nordhausen.
Herr Taft
10.10.2020, 17:37 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
HisMastersVoise
10.10.2020, 18:28 Uhr
Warum so tierisch?
Wir haben zwei demokratisch gewählte Repräsentanten des Bereiches Nordhausen vor uns. Der eine nüchtern pragnatisch und der andere eher extrovertiert. Das ist an sich nichts Schlimmes. Mir als Nordhäuser sind jedoch Pläne lieber als Visionen. Vor nicht all zu langer Zeit sagte mal ein bekannter Deutscher. Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Wenn ich mich erinnere, daß über einen blockierten Haushalt praktisch die Stadt Nordhausen in Beugehaft genommen wurde, macht mich das nachdenklich. Wenn medienwirksam Elektrobusse gekauft werden, welche noch noch nicht mal eine Serviceinfrastruktur hier nutzbar haben, bin ich besorgt. Wir haben durch Coronaeinschränkungen mit Sicherheit mit weniger Einnahmen für den Südharzbereich zu rechnen. Daher ist Konsolidierung,wie sie im Rathaus gerade erfolgt für Nordhausen das richtige Gebot. Denn so wichtig Prestige für Nordhausen in Stadt und Land auch sei, ist es ohne den verflixten Eigenanteil nicht zu haben. Und es wäre nicht das erste Mal, daß irgend ein visionäres Projekt eine Kommune völlig rouiniert. Daher ist mir ein Politiker mit Plänen und der nötigen Ruhe sehr viel berechenbare und hilfreicher. Und so bleibt wieder mal die Frage. Wem nützt das Ganze hier .....Willkommen im Wahlkampf! Wenn jemand hier in diesen Foren endlich den Tarifkampf unserer Retter im Gesundheitswesen thematisieren und unterstützen wollte, bräuchten wir keinen Artikel über Nichtigkeiten.
Kontrapost
10.10.2020, 21:56 Uhr
Die guten Zeiten hat Nordhausen hinter sich
Die jungen Leute gehen weg, die Stadt lebt von der Substanz, man schaue sich nur genau die Straßen, Wege und Plätze an.
Millionen werden nach wie vor in überdimensionierte Projekte gesteckt wie eine viel zu ambitionierte Feuerwache statt einen nützlichen Zweckbau, weil dem OB jemand mal gesagt hat, dass man so die Stimmen der Feuerwehr Leute bekommt. Ansonsten werden die Freiwilligen mit einem Handschlag abgespeist zum Beispiel bei Evakuierungen.
Angetreten war der OB mit dem Versprechen, vieles anders und vor allen besser zu machen, er versprach hohe Transparenz, viel Mitbestimmung und natürlich viel Freies Parken, Steuersenkungen usw
Gutgläubige und Protest Wähler sind auf ihn reingefallen. Pech gehabt. Nordhausen fällt immer weiter zurück, langsam aber kontinuierlich. Dafür braucht man keinen hochdotierten Oberbürgermeister. Ein Hauptverwaltungsbeamter kriegt das besser und billiger hin.
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