Mo, 07:15 Uhr
07.09.2020
Wiedersehen nach 70 Jahren
Und noch einmal Zuckertüten
Klassentreffen nach 70 Jahren Einschulung, heißt das nicht 70 Jahre lernen und über 70 Jahre Lebenserfahrung? In Ilfeld trafen sich jetzt 21 einstige Schulkameraden und durften sich zum Jubiläum noch einmal über ein kleines Zuckertütenfest freuen...
Schulbildung über die Grundschule in Ilfeld und Wiegersdorf, dann über die Mittelschule auch in Ilfeld mit Schülern aus Niedersachswerfen, Neustadt und Osterode. Ein Jahr später wurde aus der Mittelschule die Polytechnische Oberschule mit Abgang 10. Klasse. Einige konnten auch nach der Grundschule gleich nach Nordhausen auf die Penne, zur Oberschule gehen mit Abi - Abschluss 12. Klasse.
Hiervon trafen sich am Freitag; 21 ehemalige Abc-Schützen zum Klassentreffen in Ilfeld in der Gaststätte Poppenbergs Ruhe. Andrea, die Wirtin hatte die Tische liebevoll mit kleinen Zuckertüten dekoriert.
Trotz Abstand und Mundschutz gab es ein freudiges Wiedersehen. Leider konnten eine ganze Reihe der Mitschüler Krankheitsbedingt und aus verschiedenen Gründen nicht kommen, aber Vergessen waren diese Schulfreunde nicht.
Nach einer kurzen Begrüßungsansprache, wurden die Grüße von den Fehlenden übermittelt und die Überraschungs-Zuckertüten von Antja und Evi überreicht. Eine Anwesenheitsliste und Grußkarten als Dank und für Genesungswünsche machten die Runde und wurden unterschrieben. Nach dieser Schreibarbeit kam das gute Mittagessen.
Wiedervereint nach 70 Jahren - in Ilfeld trafen sich 21 ehemalige Klassenkameraden zum 70. Jubiläum (Foto: Manfred Kappler)
Doch bevor wir mit Messer und Gabeln klapperten hielt Manfred noch ein kurzes Dankgebet in dem auch an die schon Verstorbenen und die Kranken gedacht wurde. Ein Dank, dass wir dies alles noch so erleben dürfen mit der Bitte, es mögen uns noch viele gemeinsame Jahre vergönnt sein.
Der Redeschwall ebbte ab, denn alle waren mit dem Essen beschäftigt. Zur Unterhaltung gab es leise Seniorenmusik, wie >Seit ich Rentner bin … und Senioren sind nur zu früh geboren …<
Doch bevor die Mittagsmüdigkeit einzog gab es erstmal >Heimatkunde<
Manfred hatte eine CD mitgebacht: was es mit dem Harztor auf sich hat? Eine seiner Sendungen in Mundart vom OKN Nordhausen. Mit spitzen Ohren wurde gelauscht und bei den bekannten Harzer Liedern wurde leise mitgesungen.
So wurden viele alte Erinnerungen zu neuem Leben erweckt. Wie war eigentlich die damalige Einschulung? Es gab keine Einschulungsfeier, so wie es heute mit großer Familienfeier üblich ist. Es war alles einfacher und bescheidener, es war zweckbestimmter bis hin zum Inhalt der Zuckertüte. Einige sollen noch nicht einmal eine Zuckertüte bekommen haben. Solche komfortablen Süßigkeiten, wie wir sie in der heutigen Überraschungstüte vorfanden, waren garantiert damals nicht dabei. Wir durften uns mit wenigen einfachen Zuckerbonbons begnügen, wenn überhaupt.
Unser Ranzen hatte damals einen ganz anderen Inhalt, als es heute üblich ist. Wir hatten noch die Schiefertafel mit Lappen und Schwamm und den Griffelkasten, im Ranzen, wobei der Lappen und der Schwamm an der Seite heraushingen. Dann gab es noch ein Lese- und Rechenbuch, das war alles. Zu dem Ranzen kam noch die Brottasche in welcher sich das in Butterbrotpapier eingewickelte Frühstücksbrot befand. Oft kam noch ein Apfel oder anderes Obst oder Gemüse wie, Möhre, Kohlrabi oder Radieschen dazu. So sind wir jeden Tag auch am Sonnabend zu Fuß zur Schule gewandert. Eine Trinkflasche wie heute gab es nicht, wer Durst hatte ging zum Wasserhahn. Was waren das noch für Zeiten!
Ilfeld hatte mit den vielen Schülern damals immer Platzprobleme. So gab es keine Klassen unter 30 bis 35 Schülern. Wir waren mal 2 Klassen mit 56 und 54 Schülern. Auch waren wir ständig auf der Wanderschaft von einer Schule zur andern, zur Turnhalle, zum Sportplatz oder zum Unterricht hinaus in die Natur.
Es waren eben damals in den 50er Jahren andere Zeiten. Dennoch waren es für uns schöne und erinnerungsreiche Jahre. Was haben wir nicht alles unternommen und angestellt?
Die Sonne war rausgekommen, so gab es mit Zustimmung aller erstmal einen Fototermin vom Haus. Maske auf, Aufstellung, Maske ab und fotografieren. Es war dieses Hier mal auch anders als bei damaligen Klassenfotos. So haben wir aber eine Erinnerung und einen Vergleich, wie schön wir in den Jahren geworden sind.
Fred machte nun mit einem Großteil einen Ortsrundgang, Wiegersdorfer Kirche, Ilgenborn usw. Wir Fußkranken blieben in der Gaststätte zum weiteren Erfahrungsaustausch über die vergangenen Zeiten.
Als der Kaffeeduft sich im Raum ausbreitete kam die Spaziergänger ausgehungert zurück. Nun klapperten wieder die Löffel und Gabeln, aber die Unterhaltung ging weiter. Nach 70 erlebnisreichen Jahren gibt es auch viel zu erzählen aus der Schule und dem Leben. Vieles davon hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.
Die Stunden reichen nicht aus, aber man hat den Willen sich im nächsten Jahr wieder zu treffen um altes nochmal aufzufrischen und vergessenes hervor zu kramen. Wenn man so beim erzählen ist kommt manche fast vergessene Geschichte wieder ans Licht. Geschichten von Erlebten, von den Lehrern, von Wandertagen, Sportveranstaltungen, Arbeitsgemeinschaften und von den oft interessanten Pioniernachmittagen. Wir hatten eine vielseitige, erlebnisreiche aber auch eine frei meist sorgenfreie Schul- und Kindheitszeit. Eine naturverbundene Zeit ohne Fernsehen, Handy und dergleichen bescherten uns viele schöne Stunden in Wald und Flur aber in den Kreisen der Freunde und Klassenkammeraden. Es war eine bescheidene aber glückliche Zeit, welche in dieser Art nicht wiederkommt.
So waren die Stunden im Fluge vergangen und es hieß Abschied nehmen. Dieser Tag hat allen sehr gut gefallen, einige sagten: „, wenn ich nicht gekommen wäre hätte ich es bereut!“ Mit diesen netten Worten und den besten Wünschen für die Zukunft, wurde dieser Tag beendet.
Manfred Kappler Ilfeld
Autor: redSchulbildung über die Grundschule in Ilfeld und Wiegersdorf, dann über die Mittelschule auch in Ilfeld mit Schülern aus Niedersachswerfen, Neustadt und Osterode. Ein Jahr später wurde aus der Mittelschule die Polytechnische Oberschule mit Abgang 10. Klasse. Einige konnten auch nach der Grundschule gleich nach Nordhausen auf die Penne, zur Oberschule gehen mit Abi - Abschluss 12. Klasse.
Hiervon trafen sich am Freitag; 21 ehemalige Abc-Schützen zum Klassentreffen in Ilfeld in der Gaststätte Poppenbergs Ruhe. Andrea, die Wirtin hatte die Tische liebevoll mit kleinen Zuckertüten dekoriert.
Trotz Abstand und Mundschutz gab es ein freudiges Wiedersehen. Leider konnten eine ganze Reihe der Mitschüler Krankheitsbedingt und aus verschiedenen Gründen nicht kommen, aber Vergessen waren diese Schulfreunde nicht.
Nach einer kurzen Begrüßungsansprache, wurden die Grüße von den Fehlenden übermittelt und die Überraschungs-Zuckertüten von Antja und Evi überreicht. Eine Anwesenheitsliste und Grußkarten als Dank und für Genesungswünsche machten die Runde und wurden unterschrieben. Nach dieser Schreibarbeit kam das gute Mittagessen.
Wiedervereint nach 70 Jahren - in Ilfeld trafen sich 21 ehemalige Klassenkameraden zum 70. Jubiläum (Foto: Manfred Kappler)
Doch bevor wir mit Messer und Gabeln klapperten hielt Manfred noch ein kurzes Dankgebet in dem auch an die schon Verstorbenen und die Kranken gedacht wurde. Ein Dank, dass wir dies alles noch so erleben dürfen mit der Bitte, es mögen uns noch viele gemeinsame Jahre vergönnt sein.
Der Redeschwall ebbte ab, denn alle waren mit dem Essen beschäftigt. Zur Unterhaltung gab es leise Seniorenmusik, wie >Seit ich Rentner bin … und Senioren sind nur zu früh geboren …<
Doch bevor die Mittagsmüdigkeit einzog gab es erstmal >Heimatkunde<
Manfred hatte eine CD mitgebacht: was es mit dem Harztor auf sich hat? Eine seiner Sendungen in Mundart vom OKN Nordhausen. Mit spitzen Ohren wurde gelauscht und bei den bekannten Harzer Liedern wurde leise mitgesungen.
So wurden viele alte Erinnerungen zu neuem Leben erweckt. Wie war eigentlich die damalige Einschulung? Es gab keine Einschulungsfeier, so wie es heute mit großer Familienfeier üblich ist. Es war alles einfacher und bescheidener, es war zweckbestimmter bis hin zum Inhalt der Zuckertüte. Einige sollen noch nicht einmal eine Zuckertüte bekommen haben. Solche komfortablen Süßigkeiten, wie wir sie in der heutigen Überraschungstüte vorfanden, waren garantiert damals nicht dabei. Wir durften uns mit wenigen einfachen Zuckerbonbons begnügen, wenn überhaupt.
Unser Ranzen hatte damals einen ganz anderen Inhalt, als es heute üblich ist. Wir hatten noch die Schiefertafel mit Lappen und Schwamm und den Griffelkasten, im Ranzen, wobei der Lappen und der Schwamm an der Seite heraushingen. Dann gab es noch ein Lese- und Rechenbuch, das war alles. Zu dem Ranzen kam noch die Brottasche in welcher sich das in Butterbrotpapier eingewickelte Frühstücksbrot befand. Oft kam noch ein Apfel oder anderes Obst oder Gemüse wie, Möhre, Kohlrabi oder Radieschen dazu. So sind wir jeden Tag auch am Sonnabend zu Fuß zur Schule gewandert. Eine Trinkflasche wie heute gab es nicht, wer Durst hatte ging zum Wasserhahn. Was waren das noch für Zeiten!
Ilfeld hatte mit den vielen Schülern damals immer Platzprobleme. So gab es keine Klassen unter 30 bis 35 Schülern. Wir waren mal 2 Klassen mit 56 und 54 Schülern. Auch waren wir ständig auf der Wanderschaft von einer Schule zur andern, zur Turnhalle, zum Sportplatz oder zum Unterricht hinaus in die Natur.
Es waren eben damals in den 50er Jahren andere Zeiten. Dennoch waren es für uns schöne und erinnerungsreiche Jahre. Was haben wir nicht alles unternommen und angestellt?
Die Sonne war rausgekommen, so gab es mit Zustimmung aller erstmal einen Fototermin vom Haus. Maske auf, Aufstellung, Maske ab und fotografieren. Es war dieses Hier mal auch anders als bei damaligen Klassenfotos. So haben wir aber eine Erinnerung und einen Vergleich, wie schön wir in den Jahren geworden sind.
Fred machte nun mit einem Großteil einen Ortsrundgang, Wiegersdorfer Kirche, Ilgenborn usw. Wir Fußkranken blieben in der Gaststätte zum weiteren Erfahrungsaustausch über die vergangenen Zeiten.
Als der Kaffeeduft sich im Raum ausbreitete kam die Spaziergänger ausgehungert zurück. Nun klapperten wieder die Löffel und Gabeln, aber die Unterhaltung ging weiter. Nach 70 erlebnisreichen Jahren gibt es auch viel zu erzählen aus der Schule und dem Leben. Vieles davon hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.
Die Stunden reichen nicht aus, aber man hat den Willen sich im nächsten Jahr wieder zu treffen um altes nochmal aufzufrischen und vergessenes hervor zu kramen. Wenn man so beim erzählen ist kommt manche fast vergessene Geschichte wieder ans Licht. Geschichten von Erlebten, von den Lehrern, von Wandertagen, Sportveranstaltungen, Arbeitsgemeinschaften und von den oft interessanten Pioniernachmittagen. Wir hatten eine vielseitige, erlebnisreiche aber auch eine frei meist sorgenfreie Schul- und Kindheitszeit. Eine naturverbundene Zeit ohne Fernsehen, Handy und dergleichen bescherten uns viele schöne Stunden in Wald und Flur aber in den Kreisen der Freunde und Klassenkammeraden. Es war eine bescheidene aber glückliche Zeit, welche in dieser Art nicht wiederkommt.
So waren die Stunden im Fluge vergangen und es hieß Abschied nehmen. Dieser Tag hat allen sehr gut gefallen, einige sagten: „, wenn ich nicht gekommen wäre hätte ich es bereut!“ Mit diesen netten Worten und den besten Wünschen für die Zukunft, wurde dieser Tag beendet.
Manfred Kappler Ilfeld
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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