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Do, 13:43 Uhr
23.07.2020
Messwerte des Grundwassers im Raum Nordhausen liegen vor

Nordhäuser Grundwasser ist nitratbelastet

Der VSR-Gewässerschutz musste leider wieder vielen Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Das frustriert gerade dieses Jahr. Familien nutzen in der Coronakrise den eigenen Garten wieder intensiv. Kinder helfen begeistert beim Anbau von Gemüse und Obst und planschen bei den sommerlichen Temperaturen gerne im Wasser...

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Dafür möchten viele Leute ihr Brunnenwasser verwenden. Um zu erfahren, ob dies gefahrlos möglich ist, ließen 74 interessierte Bürger ihre Wasserproben am Informationsstand am 24. Juni in Nordhausen untersuchen. Jeder vierte Brunnenbesitzer aus dem Raum Ellrich – Werther – Nordhausen – Urbach – Görsbach – Heringen – Kleinfurra wurde enttäuscht: Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe überschreitet den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Die Ursache für die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist die intensive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so wachsen konnte. „Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die gemeinnützige Organisation fordert von der Politik, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden.

Dipl. Phys. Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz und Dipl. Ing. Peter Brückner, Rentner im Bundesfreiwilligendienst, fanden bei den Untersuchungen 160 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Hain. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Kehmstedt mit 153 Milligramm pro Liter (mg/l), in Großwechsungen mit 100 mg/l, in Osterode mit 90 mg/l, in Urbach mit 99 mg/l und in Berga mit 72 mg/l fest. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die Nitratbelastung der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Vielen Bürgern wurde durch ihr eigenes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belastet ist und möchten eine Änderung.

Der VSR-Gewässerschutz fordert die Agrarpolitik auf die anstehende EU-Agrarreform so zu gestalten, dass die Nitratbelastung unserer Gewässer verringert wird. Die Subventionen an Betriebe, die das Grundwasser stark belasten, haben große Probleme geschaffen. Nur die großen Betriebe konnten mit intensiver Bewirtschaftung den Dumpingpreisen der Discounter standhalten. Die bäuerliche Landwirtschaft wurde verdrängt und die ökologische Landwirtschaft konnte nicht so wachsen, wie es für eine gesunde Umwelt notwendig wäre. Hier wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern verzichtet. Die Zahl der Tiere orientiert sich an der Fläche, die dem Betrieb zur Verfügung steht. So werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden. Der ökologische Landbau kann die von der Agrarindustrie hervorgerufene Nitratbelastung erheblich verringern. Er bedarf daher wesentlich mehr Unterstützung. „Die Agrarlobby darf nun die wichtigen Entscheidungen zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft nicht wieder untergraben,“ so Susanne Bareiß-Gülzow. „Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist und eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft fördert.“

Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz in welchen Regionen die Nitratbelastungen besonders hoch sind (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung). Durch die große Unterstützung der Brunnennutzer konnten die Umweltschützer auch im Raum Nordhausen die Nitratbelastung im oberflächennahen Grundwasser bestimmen. Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann eine Wasserprobe vom eigenen Brunnen per Post an die Umweltschützer senden. Auf der Homepage der Gewässerschutzorganisation finden sich dazu alle nötigen Informationen.
Dipl.-Phys. Harald Gülzow, Pressesprecher
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Kommentare

23.07.2020, 17.21 Uhr
Zebra | Umdenken
Unser schöner Südharz wird in Zukunft nicht nur an neuen Radwegen gemessen werden, sondern auch an einer intakten Umwelt. Will man mehr Touristen anziehen, müssen sich unsere hochproduktiven Agrarbetriebe schnell Gedanken machen, denn schon jetzt lassen sich viele Urlauber nicht mehr so einfach täuschen. Die meisten Menschen wollen Veränderungen und sind auch bereit, mehr dafür zu zahlen.

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23.07.2020, 18.37 Uhr
Realist 1.0 | Wenn wundert es, das die Nitratwerte so hoch sind
Ich kann mich noch gut, an den Artikel in der NNZ erinnern wo es darum ging das Gülle der Firma Van Asten am Holungsbügel, in rauen Mengen ausgebracht wurde. Die zum Artikel, gehörigen Bilder sagten alles.

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23.07.2020, 18.43 Uhr
Paulinchen | Oh es riecht gut,...
oh es riecht fein, die Viehwirtschaft lässt grenzenlos die Gülle in unsere Böden rein.

Muss man sich da überhaupt noch wundern??? Und weil es in Norhausen nicht noch mehr geht, hat die Fa. van Asten jetzt im Raum Weimar, per Richterbeschluss, das Recht bekommen, die Schweinehaltung nochmals zu vergrößern. Als würde es in Thüringen nicht schon an allen Ecken und Enden stinken...selbst der "M-Finger" vom Ministerpräsidenten.

Nur in Holland, da scheint das Trinkwasser noch in Ordnung zu sein... Schon komisch oder?

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23.07.2020, 19.29 Uhr
Wolfi65 | Sorry Paulinchen
Aber diese hier in Deutschland angesiedelten Viehzüchter kommen nicht nur aus Holland, sondern auch aus den Niederlanden.
Ansonsten gebe ich Ihnen vollends recht.
Hier werden die Gewässer hoch belastet und in den Niederlanden ist man fein raus.

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23.07.2020, 20.54 Uhr
Paul | Nun Paulinchen...
das liegt daran, daß solche Massenzuchten in den Niederlanden schon lange nicht mehr zugelassen werden. Und genau das ist der Grund warum sich diese Firmen wie van Asten in Deutschland ansiedeln, weil sie es hier dürfen. Dabei sind wohl die Steuereinnahmen durch solche Firmen wichtiger als das Wohl der Anwohner.

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23.07.2020, 22.16 Uhr
Pe_rle | van Asten
wenn das Fleisch bessere Qualität haben soll und teurer wird,bin ich gespannt was sich solche Betriebe wie van Asten einfallen lassen. Hoffentlich steht bald der Erzeuger an der Fleischverpackung dran,damit man von vorn herein einen Kauf von solchen Firmen vermeiden kann.
Aber da wird die Politik nicht mit spielen, Steuern sind für die wichtiger wie Gesundheit.
Ich zahle gern mehr für,s Fleisch,aber nicht für eine solche Tierhaltung wie auf der Darre.

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24.07.2020, 07.02 Uhr
RWE | @Pe_rle die Hersteller stehen doch schon auf den Verpckungen.
Einfach mal den QR-Code scannen. Da steht der Ort der Aufzucht, der Schlachtung und der verarbeitung. Auch Firmennamen.

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24.07.2020, 09.58 Uhr
LAGE | Nitratbelastung
Nur mal so:
Deutschland exportiert große Mengen Fleisch, z.B. China.
Das Fleisch ist dann weg, aber die Gülle bleibt hier! Hat da jemand schon drüber nachgedacht?

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24.07.2020, 10.27 Uhr
N. Baxter | Urlaubscheck
wer kennt es nicht, der Nitratwertecheck am möglichen Urlaubsort.

Wer mag kann ja gern auf Vagan umsteigen...

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24.07.2020, 12.03 Uhr
Sigmund | Einfach Ekelhaft
Die „Grünen schreien nach höheren Fleischpreisen, Damit man den Tieren eine bessere Unterkunft bauen kann. Aber gleichzeitig stimmen sie Gesetzen zu die es erlauben, die jetzige Art der Tierhaltung noch noch für acht Jahre erlauben. Ja das sind die „GRÜNEN“ Politiker/Innen, wenn sie nicht mit regieren dürfen sind sie gegen alles, sobald sie was zu sagen haben, ändern sie rasch ihre Meinung, oder nicht?

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