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Mi, 15:34 Uhr
22.06.2005

Die Spuren der Verbrecher

Nordhausen (nnz). Tötungsdelikte, Einbrüche, Brände, Verbrechen stoßen immer auf großes Interesse. Welche Arbeit hinter der Tätersuche steckt, kommt in den Medienberichten meist zu kurz. Der nnz-Reportage gewährte die Polizei heute Einblick in ihre spannende Arbeit.

Die Spuren der Verbrecher (Foto: nnz) Die Spuren der Verbrecher (Foto: nnz) Das schlimmste Verbrechen, an dessen Aufklärung er beteiligt war? Kriminalhauptkommissar Uwe Nebelung überlegt nicht lange, der zweifache Kindermord in Heiligenstadt im vergangenen Jahr natürlich. Der Leiter der Kriminaltechnik in der Polizeidirektion Nordhausen wurde gemeinsam mit Kollegen vom Landeskriminalamt zum Tatort gerufen. „Das kostet Überwindung. Auch wenn es noch so grausam ist müssen wir gute Arbeit leisten.“ so der Kriminaltechniker.

Nach Rücksprache und Einweisung durch die sichernden Beamten verschaffen sich die Männer in den weißen Overalls einen Überblick über den Tatort. Sie dokumentieren die Spuren systematisch mit Fotos und Videoaufnahmen. Nachdem die offensichtlichen Spuren gesichert wurden, wird das Gelände abgesucht. „Wir müssen die Vorgehensweise der Täter verstehen.“ meint Uwe Nebelung.

Meist sind seine Fälle nicht so spektakulär wie der Kindermord oder die zwei Tötungsverbrechen im Januar diesen Jahres. Den größten Anteil an der Arbeit nimmt die Aufklärung von Einbruchdiebstählen ein. „Da überlegen wir, wie der Täter auf das Gelände kommen konnte und wo er das Objekt angegriffen hat. Wir sichern Fuß- oder Reifenspuren und hoffentlich Fingerabdrücke.“ erklärt der Hauptkommissar die Vorgehensweise. Die klassischen Methoden der Spurensicherung wie das Ausgießen einer Fußspur mit Gips und das Abkleben von Fingerspuren an Türen oder Fenstern, sind nach wie vor sehr wichtig. Eventuell finden die Kriminaltechniker auch Fasern oder DNA am Tatort. Wenn Vergleichsdaten vorhanden sind, sind der genetische oder der klassische Fingerabdruck die besten Spuren, um den Täter zu überführen.

Das schwierigste Kapitel sind Brände. Die Ursachen können ganz verschiedene sein, technische Defekte, Fahrlässigkeit oder Brandstiftung. Das herauszufinden ist dann Aufgabe der Spurensicherung, eine komplizierte, denn das Feuer hat einiges vernichtet.

Die Kriminaltechniker sammeln nur die objektiven Beweise. Die Spurenträger werden numeriert und mit einem Protokoll zu den Sachverständigen beim LKA geschickt. Für jeden Spurenbereich gibt es dort einen Spezialisten, der ein Gutachten anfertigt. Aus vielen kleinen Bausteinen kann dann das Gesamtbild rekonstruiert werden. Die Tätigkeit sei sehr vielseitig und interessant, da man alle Arten von Verbrechen bearbeitet, meint Uwe Nebelung.

Wer als Kriminaltechniker arbeiten will, der muß zuerst einmal Polizist werden. Da die Planstellen mit Beamten des gehobenen Dienstes besetzt werden, ist ein Studium erforderlich. Das Wissen der Spurensicherer eignet man sich über Lehrgänge an. „Ein bißchen technische Begeisterung und Interesse an Chemie sind schon wichtig.“ rät Nebelung zukünftigen Kollegen.

Modern und zweckmäßig ausgerüstet ist die Polizeidirektion in Nordhausen. Die Konterfeis der Täter werden digital aufgezeichnet und sind sofort in ganz Thüringen verfügbar. Fingerabdrücke nehmen ist ebenso einfach, die Hand des Verdächtigen kommt auf einen Scanner. Die Zeiten der schwarzen Tusche sind längst vorbei.

Das perfekte Verbrechen? Gibt es nicht, denn jeder Täter hinterläßt Spuren, wenn auch manchmal nur im mikroskopischen Bereich. Den fünf Beamten entgehen sie nicht. In Nordthüringen sind sie 24 Stunden an sieben Tagen in Bereitschaft, neben der regulären Dienstzeit. Durch die Arbeit der Spurensucher besteht die reelle Chance Verbrecher sicher zu überführen. Wer beim Tag der offenen Tür die Räume der Kriminaltechnik gesehen hat, müßte eigentlich wissen, daß sich Verbrechen überhaupt nicht lohnen.
Autor: wf

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