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Do, 13:33 Uhr
16.06.2005

nnz-Interview: Geld verdienen

Nordhausen (nnz). Die ersten 100 Tage liegen hinter dem „Neuen“ im Jugendsozialwerk Nordhausen. Was sich in diesen Tagen der Nach-Pape-Ära verändert hat, was sich noch verändern wird und muß - all das hat die nnz im Gespräch mit Dr. Wolfgang Jessen erfahren.


nnz-Interview: Geld verdienen (Foto: nnz) nnz-Interview: Geld verdienen (Foto: nnz) nnz: Herr Jessen, die ersten 100 Tage liegen in Nordhausen hinter Ihnen, was hat sich in dieser Zeit im Jugendsozialwerk verändert?

Dr. Jessen: Eigentlich hat sich relativ wenig verändert, die vier Geschäftsführer mussten erst einmal zueinander finden, so zusagen in einem Gremium der Gleichberechtigten. Innerhalb des Jugendsozialwerkes haben die Mitarbeiter schon gespürt, dass Thomas Pape schon seit längerem nicht mehr richtig da war. Daraus resultiert natürlich auch eine Erwartungshaltung der Mitarbeiter in Richtung Entscheidungen.

nnz: Welche Entscheidungen wird es geben?

Dr. Jessen: Das Jugendsozialwerk muss sich nach der Phase des Wachstums konsolidieren, wir werden in den kommenden Jahren gezielter investieren müssen, wir müssen eine neue Qualität erreichen. Nach innen und nach außen. Wir werden vor allem dort investieren, wo wir schon eine Marktführerschaft besitzen, zum Beispiel in der Sprachheilpädagogik. Und: Wir werden unsere Unternehmensziele definieren. Fakt ist auch, im sozialen Bereich werden nur die großen Träger überleben, die kleinen bleiben auf der Strecke. Ein Prozeß, wie er schon jetzt beobachtet werden kann.

nnz: Was leiten Sie daraus ab?

Dr. Jessen: Wir müssen unser Unternehmen nicht nur für die nächsten zwei bis drei Jahre fit machen, sondern wir müssen eine Strategie entwickeln, die in erster Linie darauf ausgerichtet sein wird, die bestehenden rund 800 Arbeitsplätze im Jugendsozialwerk zu erhalten.

nnz: Was hat sich für Sie persönlich in den ersten 100 Tagen verändert?

Dr. Jessen Vieles, ab und zu bin ich auch mal in meiner Wohnung in Nordhausen, ich pendle aber auch noch viel. Zu kurz gekommen ist in und um Nordhausen bislang die persönliche Kontaktaufnahme zu den Menschen, mit denen ich direkt oder indirekt zusammenarbeite. Aber: Eigentlich habe ich über diese Veränderungen noch nicht so intensiv nachgedacht. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mich hier wohlfühle.

nnz: Sie prägten einst den Satz: Ich bin nicht Thomas Pape! Die Mauer um den Verwaltungstrakt in der Arnoldstraße mutierte zu einem transparenten Zaun. Sind da Unterschiede im Führungsstil abzuleiten?

Dr. Jessen: Auch wenn das abgelaufen klingt, aber ich setze im Unternehmen schon auf Transparenz, nach innen und auch nach außen. In dieser Woche hatte ich zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen, die Teilnahme war freiwillig. Fast 120 Mitarbeiter waren gekommen. Wir haben zwei Stunden zusammen diskutiert, wir haben Beweggründe für erste Entscheidungen versucht zu erläutern, haben weitere Veränderungen angekündigt. Durch diese relative Offenheit versuchen wir Ängste, vor allem Ängste um den Arbeitsplatz abzubauen. Auch weiterhin sollen die Mitarbeiter des Jugendsozialwerks über wichtige Entscheidungen umfassend informiert werden.

nnz: Wo wird sich das Jugendsozialwerk hinentwickeln?

Dr. Jessen: Das Jugendsozialwerk wird von seiner Grundstruktur her ein gemeinnütziger Verein bleiben. Doch wir werden eine kommerzielle Gesellschaft, eine GmbH, gründen. Sie muß unter dem Verein als Hauptgesellschafter das zweite, notwendige Standbein sein, mit dem Gewinne erzielt und dann verteilt werden. Und zwar in Bereiche des Unternehmens, die ich mal - salopp formuliert - als notleidend bezeichnen will. Der Unternehmenszweck der neuen GmbH wird sich auf das Sozial-Consulting konzentrieren. Dafür gibt es sowohl in Deutschland, als auch im Ausland einen Markt, der bedient und besetzt werden muss.

Und wir werden Möglichkeiten prüfen, ein Betreibermodell ins Leben zu rufen. Im Klartext heißt das, das Jugendsozialwerk wird sich der Betreibung von privaten Kindergärten oder vielleicht auch privaten Schulen nicht verschließen. Auch hier sollten die Grenzen des unternehmerischen Agierens nicht zu eng gesteckt werden.

nnz: Wie lange wollen Sie in Nordhausen bleiben?

Dr. Jessen: Vielleicht noch zwischen zwei Monaten und 20 Jahren. Aber mal im Ernst: Es gibt viele Strukturen im Jugendsozialwerk, die der neuen, schwierigen Situation im Sozialsektor angepaßt werden müssen. So sollen viele Entscheidungen einfach nicht mehr zentralistisch gefällt werden. Von einer Dezentralisierung verspreche ich mir auch mehr Motivation aller Leitungsebenen. Ich will die Menschen mitnehmen. Daran werden ich mich messen lassen müssen und davon hängt sicherlich unter anderem ab, wie lange ich in Nordhausen bleiben werden. Vor allem aber muß mir die Arbeit Spaß machen.

Ich glaube jedoch, dass von der Ausgangsposition her das Jugendsozialwerk sehr gut aufgestellt ist. Nun muß es für die kommenden zehn Jahre fit gemacht werden. Diese Zeit wird nicht leicht werden, es wird weniger kommunales Geld zu verteilen geben. Aber vielleicht erwächst aus diesem Umstand heraus auch eine Art Spannung, die ich für meine Arbeit hier in Nordhausen brauche.

nnz: Vielen Dank für das Gespräch


Zur Person:
Dr. Wolfgang Jessen (41), promovierter Soziologe. Geboren und aufgewachsen in Hamburg. Hat acht Jahre im Ausland gelebt und für die GTZ gearbeitet.
Autor: nnz

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