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Mi, 08:00 Uhr
11.03.2020
Nachgefragt:

Die “fetten” Jahre sind vorbei

Es gibt Sachen, von denen wollen sich die Nordhäuser einfach nicht trennen. Und da sind sich ausnahmsweise die Regierenden und die Regierten einigermaßen einig. Zum Beispiel ist für die Mehrheit der Rolandstädter die Stadt ohne Straßenbahn nicht denkbar. Aber: sie muss auch finanziert werden…

Knotenpunkt des ÖPNV für Busse und Bahnen (Foto: nnz) Knotenpunkt des ÖPNV für Busse und Bahnen (Foto: nnz) Am Nordhäuser Bahnhof treffen sich täglich mehrfach die städtischen und die regionalen Linien des öffentlichen Personennahverkehrs

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde in Nordhausen ein Verbund der kommunalen Unternehmen gegründet. Die Idee dahinter: alles, was zur sogenannten Daseinsvorsorge der Menschen dient, soll in kommunaler Hand bleiben. Eine tolle Idee, vor allem wenn man die Geschichte von Privatisierungen und deren klägliches Ende im Osten, aber auch im Westen dieser Republik heranzieht.

Also wurde neben den einzelnen Unternehmungen, die sich der Ver- und Entsorgung der Menschen mit Energie oder Wasser, mit dem Nahverkehr und der Erholung befassen, eine Holding gegründet, die Holding für Versorgung und Verkehr (HVV). Und diese HVV hat mit den Unternehmen einen Gewinn- und Beherrschungsvertrag abgeschlossen, der immer noch seine Gültigkeit hat. Vereinfacht ausgedrückt, die Unternehmen, die Gewinne machen, führen diese an die HVV ab und diese gleicht in den defizitär arbeitenden Unternehmungen wie das Badehaus oder die Verkehrsbetriebe die Verluste aus.

Der Gesellschafter ist die Stadt Nordhausen, der Einfachheit halber ausgedrückt, das Nordhäuser Rathaus, das über die Verwendung der Gelder zusammen mit dem Stadtrat entscheidet. Flossen in den zurückliegenden Jahren (2018 und 2019) noch jeweils 500.000 Euro in die Stadtkasse, so wird dieses finanzielle Leckerlie für 2020 schon fast versiegen. Noch schlimmer: ab dem Jahr 2022 könnte der Geldfluss sich umkehren, dann benötigen die städtischen Unternehmen, konkret die Holding Geld vom Gesellschafter. Knapp eine Million Euro.

Doch dieser Trend ist den Verwaltern und den Stadträten anhand von mittelfristigen Planungen und Szenarien bekannt. Hauptgrund sind die seit der Liberalisierung des Strommarktes zurückgehenden Erlöse der Energieerzeuger, also im “Nordhäuser Fall” der Energieversorgung Nordhausen. Auf der anderen Seite steigen die Kosten der kommunalen Unternehmen. Beispiel hierfür sind die Nordhäuser Verkehrsbetriebe. Sie müssen allein für die Anpassung der Personalkosten in diesem Jahr nach nnz-Recherchen deutlich mehr ausgeben.

Probleme schaffen die Busse und die Straßenbahn aber auch an anderer Front. So ist Nordhausen wohl selbst in der gesamten Republik ein Sonderfall, weil der Stadtrat sich für eine Trägerschaft der Stadt für den öffentlichen Personennahverkehr entschieden hat. Der Normalfall ist jedoch die Trägerschaft durch den Landkreis. Also “kümmert” sich der Landkreis als Gesellschafter der Verkehrsbetriebe um die regionalen Linien im Revier des Landkreises und die Stadt kümmert sich um den städtischen ÖPNV (Bus und Bahn) innerhalb der Stadt und ihrer Ortsteile. Nur über die Kreisumlage müssen die Städter die Hälfte des kreislichen Verkehrs mitbezahlen. Kein Wunder also, dass es zwei Varianten der Diskussion im Stadtrat und im Rathaus gibt, die selbstverständlich hinter dicht verschlossenen Türen geführt werden.

Doch so dicht sind die in Zeiten von Twitter und Facebook natürlich auch nicht mehr. Und so tröpfelt die eine oder andere Information zum interessierten Außenpublikum. Man diskutiert, dass die Stadt die Oberhoheit über ihre Busse und natürlich auch die Straßenbahn in die des Landkreises abgeben und so vielleicht ein beträchtliches Sümmchen einsparen könnte. Damit verbunden ist allerdings auch das Abgeben einer “heiligen Kuh”, denn mit Verlaub und diese Frage sei gestellt, was interessiert Mitglieder des Kreistages aus der Goldenen Aue oder aus der Region um Bleicherode die bürgerfreundliche 10-Minuten-Taktung der Straßenbahnlinie 2 in Nordhausen, wenn nach Kehmstedt zweimal pro Tag ein Bus in die Kreisstadt fährt?

Insider in Nordhausen wissen, dass diese Diskussion kommen wird, sie wird unausweichlich werden, denn wie sich Einnahmen aus der Gewerbesteuer entwickeln werden, das wagt niemand wirklich vorauszusagen. Angesichts der kriselnden Welt- und Deutschlandwirtschaft überhaupt nicht.

Es wird für die Entscheider in der Verwaltung und im Stadtrat nicht einfach. Ja, es kann schlimm werden, denn unangenehme Entscheidungen zu treffen, ist eine politische Kategorie, die lieber unter Verschluss gehalten wird und in der man ungern denken und schon gar nicht handeln möchte. Aber letztlich gibt es nach fetten wirtschaftlichen Jahren auch magere Abschnitte. Man muss da nur beim ollen Marx mal richtig nachschauen. Der allerdings kannte die Worte Vernetzung und Globalisierung noch nicht.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

11.03.2020, 09.56 Uhr
Flitzpiepe | Was bitte ist eine
'bürgerliche 10-Minuten-Taktung' ?

2   |  1     Login für Vote
11.03.2020, 10.19 Uhr
rosie | "Bürgerfreundlich"
ist wahrscheinlich gemeint. Die Staßenbahn fährt zu bestimmten Zeiten alle 10 min, so dass niemand lange auf die nächste Bahn warten muss.

4   |  0     Login für Vote
11.03.2020, 10.39 Uhr
Flitzpiepe | Ja wahrscheinlich
Aber insgesamt ist mir der Artikel zu tendenziös in den heutigen Zeiten geschrieben. Als wenn es nur eine vernünftige Entscheidung, die Straba demnächst einzustellen, gäbe. Der Kosten wegen...
In einer Zeit, in der endlich wieder erkannt wird, dass der ÖPNV massiv ausgebaut werden muss und auch dafür viel mehr Gelder den Kommunen bereit gestellt werden, ist dieser Artikel die falsche Richtung.
Der elektrische aber nicht akkubasierte ÖPNV ist die ökologischste Art der Mobilität.
So etwas stellt man nicht infrage!

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11.03.2020, 13.02 Uhr
Stechbarth | Was ist das Teuere an der Straßenbahn?
flitzpiepe, ich glaube nicht dass jemand die Straßenbahn nach mehr als 120 Jahren abgeben oder stillegen will. Das wäre auch ökologisch sehr unklug, und die Bahn überstand schon schwierigere Zeiten wie z. B. den zweiten Weltkrieg. Dann wäre sowieso die Frage was die höchsten Kosten bei der Bahn verursacht. Ist es der Betrieb oder ist es die Unterhaltung der Gleise usw.

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11.03.2020, 20.50 Uhr
Luftikus | Kein Ende für die Straßenbahn !
Der finanzielle Werdegang mag so sein wie diese dargestellt wurde, jedoch glaube ich nicht, dass ein Kreistag der 6 überteuerte E-Busse kauft, am Ende die Straßenbahnabschaft, die gerade für die Stadt Nordhausen die ökologische Rettung im ÖPNV bedeutet. Zudem will der Landrat die Straßenbahn doch ständig in Richtung Krimderode ausbauen.
Also dann Herr Jendricke, Ärmel hoch und los.

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11.03.2020, 22.31 Uhr
Paulinchen | In einer chinesischen Stadt...
... fährt eine Straba ohne Schienen. An jeder Haltestelle, fährt sie den Stromabnehmer aus und zieht Strom aus der dortigen Ladestation. Diese Ladung hält auf jeden Fall, bis zum nächsten Haltepunkt. Am Ende steht sie dann für ca 25 Minuten zum Laden und dann geht es wieder zurück. Die Bahn gleicht unserer Straba beinahe, wie ein Zwilling. Hat eben nur andere Räder.

Da hätte ich noch eine Frage. In der Schweiz fahren die Züge in den Bergen. Wenn sie begab fahren, erzeugen sie beim Bremsen Strom, für die bergauf fahrende Bahn Wird diese Form der Energiegewinnung bei unserer Straba auch angewendet?

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12.03.2020, 07.09 Uhr
SeniorRepente | Straßenbahn weg, AKS weg...
... alles wird an den Kreis gegeben. Dann kann ja M. Jendricke, wie immer scherzhaft gesagt wird die Stadt nebenbei gleich mit regieren. Aber im Ernst, es bleibt immer weniger in Regie der Stadt. Ist die finanzielle Lage wirklich so schlimm? Wenn man keine Regie über Straßenbahn und Buss mehr hat, dann kann man tatsächlich nicht mehr über deren Zukunft mitbestimmen....

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12.03.2020, 09.01 Uhr
Gehard Gösebrecht | Einfach nur Geld drucken
Wenn die hiesigen Politiker und Veranwortlichen kein Geld mehr für die Strassenbahn haben, sollte man doch mal beim Land fragen, ob vielleicht ein Kredit für Minuszinsen zu bekommen ist.
Dann bekommt man für das Geld ausleihen noch Geld geschenkt.
Und die Tram kann schön weiterfahren.
Übrigens.
In anderen Städten gibt es mittlerweile den ÖPNV für lau.
Und NDH will ein Verkehrsmittel abschaffen, was seit über hundert Jahren schon elektrisch fährt.
Greta komm schnell nach Nordhausen und hilf uns!
Die wollen hier nur noch Dieselbusse fahren lassen und den Meeresspiegel nach oben treiben und die Eisbären heimatlos machen.

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12.03.2020, 13.40 Uhr
Paulinchen
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13.03.2020, 08.02 Uhr
Stechbarth | Straßenbahn in Gefahr? Trotzreaktion bringt nichts
Nach alledem, was die Lokalpolitiker gestern sagten, sehe ich die Straßenbahn und auch den anderen ÖPNV in Nordhausen in realer Gefahr. Da ist das konflikthafte Verhältnis des OB zum Landrat. Es erscheint als ob die Abgabe von Bus und Straßenbahn an den Landkreis wie eine Trotzreaktion des OB sein soll gegenüber den Landrat nur weil dieser über einen Ausbau der Straba bis nach Krimderode nachdachte. Das bringt aber nichts, nur wegen solcher Sachen die Mobilität aufs Spiel zu setzen.

Wahrscheinlich ist auch das der Kreistag künftig nicht bereit sein wird, die Straßenbahn in Nordhausen zu finanzieren, wie es schon im Text oben steht. Was dann? Dann steht Nordhausen mit Straßenbahnen, Schienen, Oberleitung, Umspannstationen, Mitarbeiter*innen, Straßenbahn depot etc. da und muss das alles abwickeln? Das bleibt ja Eigentum der Stadt! Wer soll das finanzieren?

Warum denkt man bei der Stadt nicht nach, den ÖPNV und gerade die Straßenbahn weiterzu entwickeln? Der ÖPNV wird eine gute Zukunft haben und Elektroantriebe dürften gut gefördert werden. Da muss man aktiv sein und Fördermittel suchen und bei den Ministerien auf der Matte stehen.

Will man künftig noch mehr abgeben, nur weil es Geld kostet? Wie hat man das alles zu DDR Zeiten geschafft und sogar davor? Nordhausen steht doch finanziell gut da! Schon die Abgabe des AKS als zentrale Sportstätte von Nordhausen hat mir weh getan, jetzt die Straßenbahn und Bus, was bleibt dann noch? Drei Museen und das Theater? Und Gipslöcher in Rüdigsdorf? Schade, welchen Weg unsere früher so stolze Stadt jetzt gehen will. Alles wird zurückgefahren, anstatt optimistisch zu sein.

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13.03.2020, 11.08 Uhr
Paulinchen | Aus meiner Sicht,...
... ist es eine Tragödie, dass die Stranbahn immer zum Problemfall in Nordhausen wird. Denke ich gut 30 Jahre zurück, stelle ich fest, dass zu Zeiten der DDR, das Schienennetz die Erweiterung nach Ost erfahren hat. Auf. Welchen neue Linie können wir seit der Inbetriebnahme von der Linie 2 verweisen?

Bis jetzt galt es nur, die vorhandenen Gleise und Oberleitungen zu erhalten. Das nun die Wagen aus Gotha, im Laufe der Jahre, den Anforderungen nicht mehr gerecht wurden, dürfte ja wohl klar sein. Was gilt denn nun eigentlich? In Zeiten des Klimawandels soll der Individualverkehr begrenzt und der öffentliche Verkehr erweitert werden. Die Klimahysteriker fallen ins Koma, wenn man von der Atomkraft spricht. Raus aus Kohle, Gas und sonstigen Dingen. Dafür plädieren sie. Vor wenigen Tagen, gab es einen interessanten Bericht über den Ausbau der Atomkraftwerke in Finnland. Ja Finnland soll sogar zur EU gehören. Was verkündete Frau v. d. Leyen noch vor einer Woche? Die EU ist in 2050 klimaneutral. Weshalb legt Deutschland eigentlich die A Kraftwerke still. Warum ist Finnland besser als wir in dieser Angelegenheit? Oder ahnen unsere Nachbarn schon das Fiasko, auf welches wir zusteuern?

Es gibt inzwischen Länder um uns herum, da ist das Fahren mit Bus und Bahn schon zum Nulltarif möglich und wir tun uns schwer, mit dem Erhalt unserer Straßenbahn.
Bei uns wird zuviel gequatscht und zu wenig gehandelt. Wir hören seit Jahren, was man bei uns alles ändern möchte, aber es gibt dann am Ende keine durchdachten Änderungen. Am Geld kann es nicht liegen, denn man hört stets, dass wir zu den reichsten gehören, woran liegt es denn dann genau? Wenn ich hier ganz klein schreiben könnte, würde ich gern schreiben, es liegt am Unvermögen der Politiker. Wei sie denken, sie könnten ALLES.

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13.03.2020, 12.54 Uhr
SeniorRepente | Nordhausen braucht Optmismus
@paulinchen richtig, was Sie schreiben. Nordhausen braucht wieder Aufbruch und Optimismus statt Dauerstagnation wie in den letzten 10 Jahren. Die Kassen sind laut Oberbürgermeister voll, jetzt muss es mal konzeptionell vorwärts gehen. Nur verwalten und das Theater sanieren und ein seit fast 20 Jahren geplantes Haus für die Feuerwehr zu bauen reicht da nicht. Wenn keine neuen Entwicklungsvorhaben in Erfurt oder Berlin angemeldet werden, wird unser Nordhausen weiter zurück fallen.
Immer zu sagen, "das ist nicht Aufgabe der Stadt" und alle unangenehmen Aufgaben abzugeben, kann ja nicht die Lösung sein. Da braucht man keine Politiker oder Bürgermeister oder Landräte, das können die Beamten auch allein.
Also: vorwärts denken und Ideen entwickeln und nicht gegeneinander in Stadt und Kreis! Sonst ist NDH in absehbarer Zeit tatsächlich die Straba los!!

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