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Mo, 13:00 Uhr
20.01.2020
Zoff in Krimderode

Abfalltonnen müssen geschoben werden

In Deutschland gibt es für nahezu jeden Arbeitsschritt, für nahezu jeden Verwaltungsvorgang irgend eine Vorschrift, Erläuterung oder Anordnung. Auch für das Rückwärtsfahren von Abfallfahrzeugen. In Nordhausen sorgt das für Frust...


Zur Erläuterung. Die Berufsgenossenschaft (BG) in Erfurt hat ein Kataster anfertigen lassen, in dem Straßen erfasst sind, die nicht von "Müllfahrzeugen" befahren werden dürfen, vor allem nicht rückwärts. Das sind solche Straßen, die enger als 3,55 Meter sind und die über keine Wendemöglichkeit verfügen. Allerdings: auf keinen Fall dürfen "Müllautos" eine längere Strecke als 150 Meter rückwärts zurücklegen.

Nun, nimmt man diese Kriterien zusammen, dann gibt es im zu entsorgenden Hoheitsgebiet des Landkreises Nordhausen schon einige Straßen und Gässchen, die nicht mehr angefahren werden dürfen. Da schaffen die Südharzwerke als Entsorgungsunternehmen im Zusammenspiel mit dem verantwortlichen Fachbereich des Landratsamtes Abhilfe in Form von Stellplätzen, auf denen die farbigen Tonnen abgestellt werden können.

Im Bereich der Goldenen Aue klappte das alles prima, da wurden mehrere Stellplätze in den Orten der Landgemeinde festgelegt und die werden auch von den Grundstücksbesitzern angenommen. Ähnlich auch in Rehungen, wo in der Vergangenheit rund drei Viertel aller Straßen nur rückwärts angefahren wurden. Hier hatte die Kommune Wendemöglichkeiten geschaffen. "Nach den diesen positiven Erfahrungen sind wir derzeit mit der Landgemeinde Bleicherode im Gespräch, um hier einerseits die Belastungen für die Grundstückseigentümer so gering wie möglich zu halten, andererseits jedoch den Auflagen der Berufsgenossenschaft zu entsprechen", sagt Fachgebietsleiterin Kathrin Materlik und verweist auf die Tatsache, dass Jahr für Jahr sechs bis acht Tote durch rückwärts fahrenden "Müllautos" bei Unfällen zu beklagen sind.

Die "Komplikationen" begannen mit dem Umsetzen der Vorschriften in Nordhausen, genauer geschrieben: in Krimderode. Hier sind die Grundstücksbesitzer entlang der Schenkegasse, An der Liethen sowie am Hoppegarten nun aufgefordert, ihre Abfallbehälter bis zu einem Sammelplatz zu bringen, weil die Abfallfahrzeuge nicht mehr rückwärts in das "Revier" fahren dürfen.

Die Anwohner machten mobil gegen die neue Verfahrensweise, die ihnen schriftlich angekündigt wurde, denn am 24. Oktober waren Mitarbeiter der Nordhäuser Behörde, des Entsorgungsunternehmens und der Berufsgenossenschaft vor Ort, sechs Tage später kam die Anordnung der BG in Nordhausen an und musste umgesetzt werden.

Nach den Infos und den ersten Beschwerden der Betroffenen wurde zu einer Bürgerversammlung der 16 Grundstückseigentümer in die Räume der evangelischen Grundschule eingeladen. Hier wurde die Kritik der Bürger mehr als deutlich. Ihre Argumente vor allem
  • die zu lange Wegstrecke bis 210 Meter oder
  • das Alter der Betroffenen.
Vorschläge habe es aber auch gegeben, zum Beispiel sollten die Mitarbeiter der Südharzwerke die Behälter an den Grundstücken abholen und wieder zurückbringen oder es sollten kleinere Entsorgungsfahrzeuge angeschafft werden.

"Bei allem Verständnis für die Argumente der Bürger müssen wir innerhalb eines gebührenfinanzierten Systems immer auch an die Wirtschaftlichkeit denken", sagt die Fachgebietsleiterin.

Im Dezember gab es in Krimderode eine weitere Zusammenkunft, doch seitens der Verwaltung und der Südharzwerke konnte keine andere Antwort gegeben werden, als bereits bekannt war. Daraufhin forderten die Grundstückseigentümer die Zusendung eines Bescheides, gegen sie dann Widerspruch einlegen können. Die Bescheide wurden verschickt, sollten Widersprüche eingehen, dann müssen die in der Widerspruchsstelle in Weimar geprüft werden.

Aktuell werden in Nordhausen und in den Ortsteilen weitere Straßen geprüft, ob sie den Anforderungen der Berufsgenossenschaft entsprechen.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

20.01.2020, 14.12 Uhr
Flitzpiepe | Wo ist das Problem?
Die Vorschriften sind so.
Jetzt werden sie halt durchgesetzt auch wenn es schon ewig anders war.
Ein Widerspruch ist sinnlos.
Bei mir war es auch 20 Jahre so und seit November muss ich auch die Tonnen an einen Stellplatz bringen.
Man kann natürlich auch immer noch die Tonnen von seinem Grundstück abholen lassen. Nur würde das jetzt pro Meter bis zum Sammelplatz etwas kosten. Und zwar nicht wenig.

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20.01.2020, 14.57 Uhr
Paulinchen | Mir sind Orte bekannt,...
... welche komplett von Müllfahrzeugen nur an einem Punkt angefahren werden. Dort steht das Müllhaus, darin befinden sich die verschiedenen Müllcontainer und dorthin bringen die Bewohner ihren gesamten Müll, verpackt in den vorgegebenen Müllsäcken. Die Gebühren für den Abtransport richten sich nach der Anzahl der Personen pro Haushalt.
In einem solchen Müllhaus habe ich mehrfach den Müll unseres Vermieters entsorgt und war sehr überrascht, wie sauber es darin war. Besen und Schaufel waren vorhanden und wurden offensichtlich auch bei Bedarf verwendet. Das Müllhaus wird einmal in der Woche vom Entsorgungsunternehmen angefahren und alles ist gut. Niemand muß sich mit einer vollen Mülltonne zum Sammelpunkt quälen.

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20.01.2020, 15.12 Uhr
geogott | Kosten
Ich hoffe, dass die Kosten, die durch diesen albernen Zirkus der Krimderöder verursacht wurden (Personalkosten etc.) 1:1 von diesen Leuten getragen werden.
Letztendlich werden diese Kosten nämlich wahrscheinlich wieder auf alle Menschen im Kreis umgelegt.
Dann zieht bitte in eine Wohnung in der Stadt, wenn ihr nicht mal in der Lage seid, eure Mülltonne 100 m irgendwo hinzuschieben.

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20.01.2020, 18.54 Uhr
Das B | Misepeter
Mal anders herum gefragt...würden die Mitbürger, welche hier Forderungen stellen, selbst mit so einem Lkw rückwärts in solche Gassen fahren? Ich glaube nicht. Ihr wisst wahrscheinlich nicht was die Männer jeden Tag leisten? Macht euch mal ernsthafte Gedanken. Wenn erst was kaputt gefahren wird dann seid ihr diejenigen, welche am lautesten schreien.

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20.01.2020, 19.59 Uhr
H.Freidenker | wo Schatten ist, ist auch Licht!
Dort wo kein Müllauto hinfahren darf, ist es aber mit Sicherheit verkehrsbedingt sehr ruhig.
Nun müßte man abwägen, ob es diese Ruhe nicht Wert ist, seine Mülltonne ein Stück weit selber zu transportieren.
Alles Gute ist nun mal nur sehr selten zusammen.
Ich jedenfalls würde die Ruhe vorziehen!

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20.01.2020, 20.08 Uhr
Pe_rle | Paulinchen
na da würde ich doch vorschlagen,das alle die im Umkreis von 300 Metern am August Bebelplatz wohnen ,Ihre Mülltonnen dort hin bringen . Vielleicht nimmt dann der Landrat seine Gebührenerhöhung wegen gestiegener Dieselkosten und Lohnerhöhungen für das Gewerk Müllentsorgung zurück. (Ironie aus)
Zurück zum Thema
Wer ist denn hier der Entsorger ??? Muß der sich nicht auf den Kunden einstellen??? Kleineres Müllauto für spezielle Gebiete ???
Dienstleistung scheint nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen.
Hat nichts mit den Müllmännern zu tun ,die machen Super Arbeit. Das Problem sind ganz einfach die ,die sich nicht in die Lage der Kunden versetzen können .

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20.01.2020, 21.40 Uhr
fastechternordhäuser | Unglaublich!
Die Mülltonnen sollen tatsächlich alle 2 Wochen die unvorstellbare Strecke von bis zu 210m(!) von den Bewohnern einer bevorzugten Wohngegend selbst zum Sammelplatz gebracht werden? Skandal!
Uns muss es verdammt gut gehen, wenn das einen Artikel wert ist.

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21.01.2020, 07.11 Uhr
geogott | Ohne Worte
@Pe_rle:
Diesen Egoismus und diese Arroganz, die Sie an den Tag legen ist schon widerlich.
Es gibt Gesetze und fertig. Auf was sollen sich die Stadtwerke denn noch alles einstellen!?
Ich würde es den betroffenen Leuten wünschen, dass die Stadtwerke extra ein kleines Auto nur für die 3 Straßen anschaffen und die Investitions- und Betriebskosten auf die 50 Leute da umlegen. Dann hättet ihr genau das, was ihr wollt. Die Stadtwerke stellen sich auf den Kunden ein und der Kunde muss dementsprechend bezahlen.
Ist bei jedem anderen Gewerk auch so.
Aber dann nicht meckern, dass jeder von den 50 Leuten im Jahr 3000 € mehr Gebühr bezahlt.

Und der Vergleich mit dem August-Bebel-Platz zeigt ihr ganzes Niveau. Wie bereits geschrieben, liegt erst mal ein Kind, Rentner usw. unter dem Müllauto oder ist irgendwo ein Kratzer dran, sind solche Leute auch die ersten die rumjammern.

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21.01.2020, 07.26 Uhr
Max links | Zoff in Krimderode
So ein Gequake, Paulninchen hat im zweiten Artikel den Nagel getroffen. Wir zahlen für die Dienstleistung Entsorgung Geld, noch mehr durch die letzte Erhöhung! Da muss es möglich sein den Müll vor der Tür abzuholen! Auch die Variante kleinere Entsorgungsfahrzeuge ist zu bedenken. Die Verfasser solcher Anordnungen und Gesetzgebungen sind Praxisfremde Theoretiker. Arbeitsschutz muss sein und Sicherheit geht vor. Macht man es sich nicht zu einfach, Krimderode wird kein Einzelfall bleiben.

Auf die nächsten Beiträge bin ich gespannt wo sich über das Geratter der Plasteräder der Mülltonnen aufgepumpt wird. Wenn manche Zeitgenossen früh um vier oder abends nach zehn die Tonnen bewegen! Aus welchen Gründen auch immer. Das hat mit der Arbeit der Männer an den Fahrzeugen nichts zu tun. Die sind immer freundlich, kennen die Tageszeit, manchmal sogar einen Hand Wink.
Zu vermuten sind die vorherigen Kommentatoren meistens Neubaubewohner oder kernig zu Fuß.
Es gibt für alles eine Lösung nur man muss wollen und nicht sich hinter Gesetzes Blätter verstecken.

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21.01.2020, 08.14 Uhr
Sonntagsradler 2 | Abfalltonne müssen..
Na das ist ja mal wieder eine vorzügliche Diskussion

Ich frage mich wie ich die drei Sachen in Griff bekommen soll. Mit den Rollator oder Gehstock die Abfalltonne schieben und gleichzeitig eine Zigarre rauchen zu können.

Ich lass mir doch nicht von einer Abfalltonne vorschreiben wann ich zu rauchen habe. :-D

Mal im Ernst es gibt Technische Möglichkeiten wie in den anderen Kommentaren beschrieben. Kleinere Fahrzeuge oder Geräte die Tonnen bewegen können. Da dies aber im Anschaffungspreis für einen Haushalt teurer als der Nutzwehrt ist, wäre es doch besser für die Abfallgesellschaft in solchen Gebieten kleinere Fahrzeuge zu benutzen.
Technisch ist alles möglich, es fehlt aber die Bereitschaft und die Einsicht etwas mehr Geld zu bezahlen. Wie gesagt, jünger werden wir alle nicht in sämtlichen Lebenslagen die uns der Alltag noch mit sich bringt.

Damit Sie auch morgen noch in Ruhe eine „Friedenspfeife“ rauchen oder mit ihren Rollator ein paar Runden drehen könnt. Das sollte sich jeder einmal vor Augen halten.

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21.01.2020, 08.41 Uhr
Pe_rle | geogott
Ihr Kommentar ist Grütze pur. Im Wort "Dienstleister" ist alles gesagt. Wenn man keine Konkurrenz hat oder zulässt ist das eben so .Wer das Monopol hat kann eben machen was er will. Krimderode und seine Straßen sind kein Einzelfall. Aber naja ,woher sollen das Entscheider wissen ,die Straßen nur vom hören-sagen kennen.
Aber auch diese Leute werden mal älter

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21.01.2020, 08.48 Uhr
Flitzpiepe | Den Kommentatoren,
die hier kleinere Fahrzeuge fordern, ist hoffentlich schon klar, was das neben dem finanziellen Bedarf der Anschaffung bedeuten würde?
Ein kleineres Fahrzeug hat bestimmt 40% weniger Abfallvolumen. Die neuen Sammelzonen sind sicher unter 10% des Gesamtabfallvolumens.
Das kleinere Fahrzeug fährt ja nicht nur in diese Sackgassen sondern in das gesamte Gebiet.
Somit müsste viel öfter am Tag das kleinere Fahrzeug entleert werden. Das treibt die Kosten nochmals in die Höhe.
Ein kleineres Fahrzeug dürfte aber immer noch nicht Rückwärts fahren!
Und nun?
Wie geschrieben, macht der Entsorger das Angebot, die Tonnen selber per pedes zum Sammelplatz zu bringen und zurück. Nur halt gegen entsprechend happigen Aufpreis.
Wer das finanziell oder gesundheitlich selber nicht kann, aber in einem Eigenheim wohnt, der muss dann halt auf fremde Hilfe einmal pro Woche zurückgreifen. Z.B. Nachbarschaftshilfe.

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21.01.2020, 09.09 Uhr
Sonntagsradler 2 | Flitzpiepe / Nachbarschaftshilfe.
Ist auch gut!
Dann reden die Leute mal wieder miteinander und verständigen sich nicht über Facebook , Whatsapp und Co. :)

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21.01.2020, 14.06 Uhr
Tamara Jagellovsk | Einspruch,
hier muss ich mal eine Lanze für die Stadtwerker brechen.
Auch wir müssen unsere Tonnen zentral sammeln.
Bei uns ging es nicht anders, obwohl wir eine Durchfahrtsstrasse sind gab es nur die Möglichkeit von 2 Seiten rückwärts zu fahren.
Die Strasse macht eine 90° Kurve, die Stadtwerker waren mehrfach hier und haben gemessen und sind sogar extra mit einem Müllauto angerückt, aber das Teil kam nicht rum.
Es wurde ab 1.1.2020 ein Parkverbot eingerichtet, Mo. 8 - 10 Uhr, ist nur ein klein wenig doof wenn das Müllauto erst 11:45 Uhr kommt. ;o)

Tamara Jagellovsk GSD

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