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Mi, 13:18 Uhr
20.11.2019
nnz-Forum zum Tourismus im Landkreis

Südharzer Tourismus am Abgrund?

„Nordhäuser Touristiker erscheinen hilflos“ oder „Sanfter Tourismus- Stammholz versperrt den Weg“
sind 2 kürzlich verfasste Beiträge von Bodo Schwarzberg in der nnz gewesen. Jetzt reagiert darauf Joachim Jauer vom Harzklubzweigverein Ilfeld-Wiegersdorf....

Weiter heißt es im Schreiben von Herrn Jauer:

Bodo Schwarzberg schwingt hier die „Anti-Tourismus-Südharz-Keule“ und weist auf vermeintliche Schwächen der Verantwortlichen für den Tourismus im Südharz hin.

Für diese kann ich mich nicht äußern bzw. schreiben. Für mich möchte ich das aber tun, denn ich bin ein „Ehrenamtlicher Tourismusverantwortlicher“. Seit 10 Jahren bin ich Vorsitzender des Harzklubzweigvereins Ilfeld-Wiegersdorf, in 2013 und 2019 wurde ich zum Stellvertretenden Kreiswegewart berufen.
Beide Aufgaben sind eng mit den Themen Wandern, Natur und touristische Infrastruktur verbunden.
Durch beide Aufgaben bin ich viel in der Natur, der Ilfelder Harzklub hat eine Fläche von ca. 6000 ha touristisch zu betreuen. Das sind 220 km Wanderwege ca. 590 Wanderwegeschilder und 12 Sitzgruppen und 50 Bänke an herausragenden Aussichtspunkten. Die Ilfelder Wetterfahne auf dem Herzberg, sie wird von Urlaubern gern besucht, gehört auch dazu.

Das muss durch ehrenamtliche Arbeit erhalten und ständig aktualisiert werden. Die Mitglieder des Ilfelder Harzklubzweigvereins stellen sich seit 30 Jahren diesem hohen Anspruch.
Natürlich gibt es Gegebenheiten, die ein Mangel haben: ein Schild das fehlt, weil vielleicht abgefallen oder als Souvenir mitgenommen; eine wacklige Bank, die in die Jahre gekommen ist oder auch Informationstafeln, die erneuert werden müssen.
Auch Etappenwanderungen sind bei uns nicht initiiert, ist aber eine gute Idee, für die man bestimmt Partner interessieren kann.

Gute Ansätze sind da, denn der „Südharzer Dampfloksteig“ ist so angelegt, dass er in Etappen, auch in Verbindung mit der einer Fahrt mit der HSB, mit interessanten Aussichtspunkten, Ausflugszielen und Einkehrmöglichkeiten erwandert werden kann. Der Deutsche Wanderverband hat den Dampflok Steig jüngst als Qualitätswegwanderweg ausgezeichnet, ebenso wie den Karstwanderweg.
Die Situation im Südharz allgemein als „Tourismusmisere“ zu beschreiben ist schlichtweg populistisch und falsch.

Karstweg und Harzer Schmalspurbahnen sind vorhanden, eine erlebenswerte Natur auch.
Begehbare Wanderwege, Sitzgruppen und Aussichtspunkte auch. Die Stempelstellen der Harzer Wandernadel im Landkreis sind ein attraktiver Anziehungspunkt.
In meiner Tätigkeit suche ich immer das Gespräch mit Wandersleuten. Das Wegenetz wird als „erwanderbar“ betrachtet, die Beschilderung ist zum Großteil in Ordnung. Man schätzt die abwechslungsreiche Natur.
Eine Befragung von Wanderern durch die Harzklubzweigvereine 2018 ergab z.B. folgende Ergebnisse:
  • 92 % wollen Natur erleben und genießen
  • 89 % schätzen besonders die abwechslungsreiche Natur
  • 83 % entscheiden sich für gut beschilderte Wanderwege
  • 78 % orientieren sich an der Beschilderung
  • 66 % bevorzugen Wanderwege
  • 64 % möchten wechselnden Wegeuntergrund
  • 55 % wandern gern auf „Trampelpfaden“
  • 78 % orientieren sich an der Beschilderung
  • 66 % bevorzugen Rundwanderwege
  • 64 % möchten wechselnden Untergrund
  • 55 % wandern gern auf „Trampelpfaden“
  • 54 % wünschen sich ausreichend Ruhebänke und Schutzhütten
  • 54 % geben an, der Harz schneidet im Vergleich zu anderen Regionen gleich ab
  • 54 % hätten gern mehr Wander-und Ausflugslokale am Wegeverlauf

In diese Umfrage der passt doch die Natur und Infrastruktur des Südharzes gut rein!!!!
Dass Wege zeitweise mal unbegehbar sind, ist nicht Praxis, kommt aber vor. Da liegt ein umgefallener Baum, der mal umgangen werden muss, da hat sich der Leiter eines Forstrevieres getraut auf einem Wanderweg Holz zu lagern!
Na und?

Der Wald ist Natur und muss forstlich und nachhaltig bewirtschaftet werden, damit er Wald bleibt und z.B. seinen Erholungswert behält. Auch ist er kein Sportstadion!

Ein Wanderer, der am Wandern interessiert ist, der Erholung und Entspannung sucht, wird sich daran nicht stoßen. Auch nicht an einem ungemähten Weg oder an einer schlecht begehbaren Wegestelle.
An Anreizen, die Urlauber für längere Zeit binden, fehlt es. Das stimmt! Wir müssen unsere touristische Infrastruktur weiterentwickeln und dieser Bedarf ist auch erkannt.

„Kleine Attraktionen“ sind ja in frühester Zeit entstanden, bzw. sind im Entstehen.
Die hölzerne Dampflok bei Neustadt wird gern erwandert, das „Harzer Hexenreich Rothesütte“ ist in der Planung.

Das gibt auch Vertrauen für weitere Maßnahmen, die durch die mit „Steuermitteln bezahlten Touristiker des Landkreises“ realisiert werden.
Joachim Jauer
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare

20.11.2019, 14.06 Uhr
alterNeunordhäuser | Alles schön und gut
Aber nur mit Wandersleuten, kann man den Tourismus auch nicht wirklich ankurbeln. Und wenn ich mir die derzeitige Verkehrsführung und all die Baustellen in Nordhausen ansehe, bezweifle ich, ob das Tourismus fördernd ist.
Das Einzige, was Leute aus dem Umland anlockt, ist der große Elektronikmarkt in der Kornpassage. Und wenn diese Einkaufspassage den Werksverkauf von Nordbrand integriert hätte(was dann auch dem Namen gerecht würde), wäre das vielleicht ein Anreiz für Touristen, aber so, der Tourismus kann wie gesagt nicht nur von Wandersleuten angekurbelt werden.

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20.11.2019, 14.27 Uhr
Stechbarth | Tourismus nicht das Wichtigste
NDH war nie eine große Tourismusregion und wird es auch nie sein. NDH ist (noch) Industriestadt. Trotzdem kann man am Tourismus teilhaben. Das ist auch garnicht so schwer.

NDH war einst Aufenthaltsort für den “Jetset“ des Mittelalters, da, wo heute der Dom steht. In diesem gibt es eine sehr seltene Kreuzreliquie. Das kann man angemessen vermarkten. Vor dem Dom gibt es wieder begehbare Keller. Auch hier gibts Potenzial. Dann wäre noch das Thema Korn, der Gipskarst mit europaweit einmaligen Orchideen und anderen einmaligen Pflanzen, die geheimnisvolle “Kelle“ bei Niedersachswerfen sowie die Gedenkstätte “Dora“. Nicht zu vergessen Nordhausens Industriegeschichte im IFA Museum. Nicht viel, aber ausreichend. Für ein Wochenende genug, mehr muss es ja auch nicht sein. Wo liegt das Problem, dies in einem Paket anzubieten, später ergänzt durch den Hexenstieg? Klasse statt Masse.

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20.11.2019, 22.10 Uhr
Katzengreis | Die eigene Region nicht so schlecht reden
Vor ein paar Wochen hatte ich diverse Bekannte für ein Wochenende in unsere Region eingeladen. Sie waren alle positiv überrascht wie schön die Gegend ist und was alles geboten wurde. Ausser der bekannten Kornmarke konnten sie bisher nichts mit dem Südharz in Verbindung bringen.
Es wurde gewandert, Kloster Walkenried besucht, Lager Dora, Nordhausen, ehemalige Grenze bei Ellrich.....
Es ist wahrlich genug vorhanden, die Vermarktung ist das Problem! Und das fängt mit dem eigenen Schlechtreden , Rumgejammer und ständigen Rummeckern wegen Kleinigkeiten an.
Es war auch kein Problem eine Unterkunft zu finden. Ein Pärchen buchte ein Hotel in Nordhausen, andere eine Pension in Niedersachswerfen und Walkenried.
Ach ja, sie wollen alle wieder kommen um sich weitere tolle
Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Insbesondere die Natur hat es allen angetan.

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